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Mamá (2008)

Originaltitel: Mamá__Herstellungsland: Spanien__Erscheinungsjahr: 2008__Regie: Andrés Muschietti__ Darsteller: Victoria Harris, Berta Ros, Irma Monroig, …

Mama

Bei Andrés Muschietti´s „Mamá” handelt es sich um einen düsteren spanischen Horror-Kurzfilm aus dem Jahre 2008, der im Rahmen verschiedener Festival-Screenings eine Menge positive Aufmerksamkeit erwecken konnte – u.a. auch seitens des mexikanischen Regisseurs und Produzenten Guillermo del Toro, welcher Muschietti fortan dabei unter die Arme griff, seinen nur rund dreiminütigen (und hier nun zur Besprechung vorliegenden) „Short“ auf Spielfilmlänge auszubauen sowie im ersten Quartal 2013 schließlich in die internationalen Kinos zu bringen…

Eröffnet wird in Gestalt der jungen Lili (Victoria Harris) – wie diese eines Nachts ins Zimmer ihrer schlafenden Schwester Victoria (Berta Ros) eintritt und sie leise mit der (dringlichen) Aussage aufweckt, dass sie rasch gehen müssten, da ihre Mutter zurückgekehrt sei. Auf Anhieb ist sich die Erwachte dem „Ernst der Lage“ gewahr – worauf beide behutsam durchs Obergeschoss des Hauses gen Treppe schleichen und sich von dort aus vorsichtig hinunter in Richtung Eingangstür bewegen. Unmittelbar bevor sie jene allerdings erreichen, treffen sie und „die Heimgekehrte“ (Irma Monroig) dann aber plötzlich doch noch direkt aufeinander…

Resultierend aus seiner grundlegenden Konzeption, steigt der Verlauf (frei irgendeiner Art Einführung) mitten ins Hauptgeschehen ein und wartet im Zuge dessen mit nicht einer einzigen überflüssigen Sekunde innerhalb seiner (per se ja eigentlich nicht gerade sehr reichhaltigen) Laufzeit auf. Genau genommen mutet das Gebotene im Prinzip wie eine „losgelöste Szene“ aus einem „klassischen 90-Minüter“ an: Eine Gegebenheit, an der sich einige Zuschauer möglicherweise ein wenig stören könnten – welche mir persönlich jedoch „nicht den Hauch eines Problems“ bereitete…

Inhaltlich werden einem keinerlei Hintergründe der präsentierten Situation offeriert: Dank der Atmosphäre und damit verbundenen „Anspannung“ kommt man beim Sichten allerdings eh nicht dazu, sich größere Gedanken darüber zu machen – wohingegen sich einem „im Nachhinein“ durchaus aber noch das eine oder andere (quasi aus dem Gesamtbild heraus) erschließt. Generell ist das meiste allerdings tatsächlich schlichtweg als „gegeben“ hinzunehmen. Wer es denn möchte, kann natürlich herzlich gern seine eigene Phantasie gebrauchen – sei es hinsichtlich der (potentiellen) Ereignisse im Vorfeld des Einstiegs oder jener „nach Einsetzen des Abspanns“…

Bei der 2013er „Langfassung“ hat man die Handlung übrigens in die USA verlegt und zu einer Story über zwei Schwestern ausgeweitet, die nach einer schrecklichen Familientragödie fünf Jahre lang (unentdeckt) in einer kleinen Waldhütte hausen – bis sie eines Tages gefunden sowie (einige Untersuchungen später) in die Obhut ihres Onkels und dessen Freundin übergeben werden. Neben der Frage, wie sie überhaupt so lange (allein) überleben konnten – ergänzt um gewisse seltsame Verhaltensweisen der Kinder – sehen sich die Erwachsenen schon bald mit einer „unheimlichen Macht“ konfrontiert, welche den beiden offenbar gefolgt ist…

Jene „erweiterte Geschichte“ halte ich für eine geschickt ausgearbeitete – u.a. da sie mit einem ersprießlichen Kontext (im Sinne eines interessanten Plot-Konstrukts) aufwartet und außerdem den reizvollen Faktor einer „Ersatzmutter“ (sprich: die Lebensgefährtin des Onkels) mit ins Spiel bringt. Sowohl in der zugehörigen positiven wie auch „ambivalent-negativen“ Ausprägung greifen die Werke ja jeweils den „klassischen Archetypen“ der Mutter als gütige, pflegende und Schutz gewährende Frau vs. sie als zerstörerische sowie gar „verschlingende“ Person auf. Ich muss gestehen, aufs fertige Ergebnis überaus gespannt zu sein…

Der vorliegende Kurzfilm entfaltet sich indes mustergültig: Der Anfang ist von Stille geprägt – frei jeglicher Musik-Untermalung, mit nur den (möglichst leisen) Worten und Bewegungen der Mädchen zu hören. Als sie sich der Treppe nähern, vernehmen sie Geräusche aus dem Erdgeschoss – jemand ist definitiv dort unten zugegen – und während sie daraufhin die Stufen hinab steigen, setzt nun auch (anschwellend) der feine Score Gil Talmis ein, welcher die zum Schneiden dichte Atmosphäre ganz wunderbar unterstreicht bzw. gar zusätzlich anreichert. An der Vordertür angelangt, wendet Victoria ihren Blick dann allerdings doch noch einmal hin zur Küche, wo sich sogleich „im Hintergrund“ etwas regt…

Für einige Sekunden verweilt der Suspense-Grad auf dem Höhepunkt – bis sich der Moment in einer perfekt getimten, urplötzlichen Bewegung „entlädt“: Mit jenem „Jump-Scare“ weicht das beklemmende Grusel-Gefühl schlagartig purem Terror. Zwar kommt der verbleibende Verlauf (bis hin zum „obligatorischen Cliffhanger“) weiterhin durchaus creepy und effektiv daher – allerdings nicht mehr unbedingt so „intensiv“ wie das unheilschwangere Vorangegangene. Obendrein ist das eigentliche Ende ein Stück weit vorhersehbar und nicht gerade übermäßig originell geraten – was bedauerlich ist, im Hinblick auf den „umfassenden Eindruck“ aber auch nicht allzu großen Schaden anrichtet…

Die von einem Dämon (oder etwas in der Art) „besessene“ Mutter wurde in einem Stil in Szene gesetzt, den einige Zuschauer mit Sicherheit aus verschiedenen J-Horror-Flicks (bzw. ihren US-Remakes) kennen: Verzerrte Gesichtszüge, eine abnormale Körperhaltung sowie rasche, ruckartige Bewegungen ausführend, die kaum noch menschlich wirken – ein Effekt, der u.a. dadurch erzeugt wurde, dass man Irma Monroig (ursprünglich) „rückwärts“ sowie mit akzentuiert-übersteigerten Gebärden und Regungen filmte. Ja, punktuelle „CGI-Ergänzungen“ sind beileibe nicht perfekt ausgefallen – doch ist das hier (in Anbetracht des geringen Budgets sowie anständigen Gesamtresultats) mal kein „notwendiger Anlass zur Klage“…

Regisseur und Skript-Autor Muschietti beweist mit seinem Werk eine Menge Talent: Seine Umsetzung ist hochwertig und erfüllt den angedachten Zweck sehr gut – nämlich das Publikum (binnen kürzester Zeit) sowohl „zum Erschaudern“ zu bringen als auch mit einem „erhöhten Puls“ zu versehen. Dank glaubwürdiger Performances tragen die beiden jungen Darstellerinnen Victoria Harris und Berta Ros „ihren Teil“ zum Erfolg des Projekts bei – ebenso wie Sebastián Sarrautes mit seiner exzellenten Kameraarbeit, welche optimal gewählte Perspektiven aufweist und zugleich den Anschein einer einzigen langen Einstellung bzw. Aufnahme suggeriert. Zudem gefielen mir einige kleinere präsentierte Details – wie dass Lili beim Betreten des Zimmers stolpert oder Victoria auch ihren Goldfisch mitzunehmen versucht…

Fazit:  „Mamá” (2008) ist ein interessanter wie wirkungsvoller dreiminütiger Horror-„Short“, den man sich nach Möglichkeit (am besten) in einem stockfinsteren Raum sowie „mit aufgedrehter Sound-Anlage“ anschauen sollte…

Stefan Seidl

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Mama 2008

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