Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Check Point

Originaltitel: Check Point__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Thomas J. Churchill__Darsteller: Kenny Johnson, William Forsythe, Mindy Robinson, Kane Hodder, Tyler Mane, Bill Goldberg, Fred Williamson, Stephen Geoffreys, Michelle Lee, Mel Novak, Ricky Harris u.a.
Check Point DVD Cover

Bill Goldberg und ein martialisches Cover. Das sollte eigentlich rocken. Sollte… Eigentlich…

Roy war einmal ein stolzer Marine. Bis eine Katastrophe seine gesamte Familie aus dem Leben riss und Roy damit kurzerhand komplett entwurzelte. Er gab sich selbst auf und erlegte sich das Schicksal des Stadtpenners auf. Fortan lebt er von der Hand in den Mund, durchstöbert die Mülltonnen seiner Heimatstadt Port City und versucht, die glücklichen Zeiten zu vergessen.

Derweil geht in dem verschlafenen Nest Port City Seltsames vor: Soldaten verschwinden und werden brutalst verstümmelt wieder aufgefunden. Eine Handvoll Lumpen nimmt das im Hafen liegende Museumsschiff USS North Carolina ein. Und ein paar stramme Patrioten planen, Amerika great again zu machen.

Als Roy über all dieses Ungemach stolpert, glaubt ihm natürlich niemand ein Wort. Bis auf seinen Ex-Kameraden TJ, der direkt sein Waffenlager aufsperrt und mit Roy zur großen Schlacht reitet…

Wenn es jemals ein Drehbuch gegeben hat, das einen Preis dafür verdient hätte, dass es so langatmig und öde wie irgendmöglich zu seinem 20 minütigen Showdown hinleitet, dann ist es jenes zu „Check Point“. Das hat den Preis gleich zweimal verdient. Dafür sprechen Verdienste wie: Endloses, pomadiges Gelaber. Sinnlose Montagen von Roy beim Mülltonnen-Durchsuchen. Hanebüchene Entwicklungen, die vollkommen folgenlos bleiben. Und immer wieder Teaser in Richtung Tempoverschärfung, die einfach im Sand verlaufen!

Beispielsweise wird das Kriegsschiff USS North Carolina nach etwa 20 Minuten Laufzeit im Handstreich eingenommen. Man nimmt nun an, das Schiff würde irgendwohin tuckern, bewaffnet werden und dann für Bambule sorgen. Aber es bleibt einfach genau da, wo es ist. Ganz klar. Wenn Roy und TJ es irgendwann auskundschaften, rollen sogar noch immer fette Touristen übers Deck! Was soll das denn bitte?

Erst nach etwa 60 Minuten gibt es Ereignisse und Dialogschwälle, die Interessantes andeuten. Und *zack*, Showdown. In dem knallt und pufft es, wirklich mitreißend ist das Finish aber nicht geraten. Die Shootouts wirken wenig dynamisch. Das CGI-Blut nervt. Sämtliche Explosionen sind digitales Feuerwerk. Und die Settings (der Showdown wandert von dem Kriegsschiff zu einer einsamen Farm) werden komplett verschwendet. Vor allem die USS North Carolina wird doch ziemlich planlos verschenkt.

Strammstehen bitte für den Trailer zu „Check Point“

Zumindest hat die Action sporadisch ein paar coole Momente. Diese drehen sich alle um WWE-Star Bill Goldberg („Universal Soldier 2“) und dessen irre Physis. Er darf Gegner „spearen“, sie im Vorbeigehen auf Fleischerhaken hängen und ihnen mit Big-Boots das Gesicht zerstören. Auch sind seine Fights ganz nett umgesetzt wurden. Transportieren das kraftvoll Grobschlächtige des Wrestlers super. Leider ist er aber eben nicht der einzige Aufräumer. Und so geht die Regie zu häufig von Goldbergs TJ weg…

Goldberg ist also der Mann fürs Grobe. Als Mann für die dämliche Handlung muss „Sons of Anarchy“-Star Kenny Johnson herhalten. Der schlägt sich nicht einmal schlecht, aber seine Figur ist schon ein ziemlicher Vollpfosten. Anders kann man das nicht sagen. Wieso er sich entscheidet, vom respektierten Marine-Veteranen zum Stadt-Asi zu mutieren, ist zu keiner Sekunde irgendwo logisch nachvollziehbar. Das Leben mag ihm übel mitgespielt haben, aber ob seine Familie sich gewünscht hat, so von ihm „geehrt“ zu werden?

Irgendwann hat er dann auch seltsame Flashbacks und hirnverknotende Probleme. Warum und weshalb, das weiß keiner. Und wenn er von seinen Entdeckungen berichtet, dann so, dass man ihn gar nicht ernst nehmen kann: Wirr und unzusammenhängend plappernd. Während er sonst zu äußerst stilvoller Konversation im Stande ist. Seine Dialoge mit William Forsythe („Hidden in the Woods“), der den Sheriff der Stadt gibt, deuten es an. Forsythe ist derweil der größte Labersack der Chose. Vor allem sein ewiges Geschwalle mit Fred Williamson („Metropolis 2000“) geht einem einfach nur auf die Klöten.

In weiteren Nebenrollen erleben wir Ricky Harris („Poetic Justice“), der kurz nach den Dreharbeiten zu diesem Film leider verstarb, den Ex-Wrestler Tyler Mane („X-Men“), Horrorikone Kane Hodder („Freitag der 13. – Todesfalle Manhattan“) und Mindy Robinson („Thrill to Kill“), die aktuell so viele Filme dreht, dass sogar ein Eric Roberts neidisch werden könnte. Allen gemein ist, dass „Check Point“ sie ziemlich verschenkt. Vor allem bei Kane Hodder als größerem Fieswicht ist das schon extrem auffällig, darf er doch nicht einmal onscreen verrecken!

Gibt es noch irgendwas Positives über den öden Actionkrawall ohne großen Krawall zu berichten? Durchaus. Zunächst einmal ist die Optik des Filmes durchaus gefällig geraten. Nichts Aufregendes oder gar Spektakuläres, aber immerhin normaler DTV-Durchschnitt – zumindest wenn man alle Versuche der Rückblenden ausblendet. Vor allem die Rückblicke in die Zeit des Bürgerkrieges sind doch extrem lachhaft ausgefallen. Ein weiterer Pluspunkt ist der toll rockende Soundtrack. Und ein zwei harsche Gewalttätigkeiten lassen den Zuschauer immer mal wieder aus dem Halbschlaf hochfahren. So wird hier eine Kehle blutigst durchtrennt und auch eine Enthauptung gilt es zu bestaunen. Beides praktische Effekte!

Tja, und dann gibt es da noch die eine, in ihrer Dummheit derart genial epische Szene, dass sie beinahe im Alleingang den Film „rettet“ beziehungsweise ihn zum Must See für Actiontrashnerds macht: Man stelle sich einfach mal folgende Szenerie vor: Ein Marine! sprengt!! ohne Not!!! eine amerikanische Flagge!!!! mit einer Bazooka!!!!! weg!!!!!! Doch Moment, das Beste kommt erst noch. Als nun nämlich einer der Helden heldenhaft ins mit Heldenblut getränkte Gras beißt, nimmt ein anderer Held Abschied von dem sterbenden Helden, während ein weiblicher Sidekick im Hintergrund versucht, die Flagge wieder aufzurichten. Kein Scheiß! Feinster Slapstick. Und als sie es nicht schafft, geht der überlebende Held zu ihr und richtet mit ihr die Flagge wieder auf, während der andere Held seinen letzten Atemzug macht. Dazu patriotische Mucke und fertig ist der wahnsinnigste Moment des Wahnsinns in diesem ansonsten recht öden Actionmüll.

3 von 10

Über eine deutsche VÖ ist mir bislang nichts bekannt. In UK erschien zumindest eine DVD von dem Label Screenbound Pictures und ist mit einer Freigabe ab 18 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Screenbound Pictures__Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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