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Chrononauts – Die Zeitreisenden

Chrononauts

In “Chrononauts – Die Zeitreisenden” wirbelt Mark Millar die Zeit ordentlich durcheinander! Copyright: Panini-Comics

Corbin Quinn ist ein Mann, der sich keine Grenzen setzen lässt. Wenn man ihm sagt, dass er etwas nicht schaffen könne, spornt ihn das nur noch mehr an. Als man ihm also sagte, dass er nicht durch die Zeit reisen könne, begann er zu forschen. Zehn Jahre dauerte es, bis ihm der Durchbruch gelang und er einen Satelliten in der Zeit zurückschickte. Sein bester Freund Danny ist sofort Feuer und Flamme für das Projekt und hilft Corbin, seine sperrig große Erfindung „handlicher“ zu machen.

Anderthalb Jahre später präsentieren die beiden ihre Chronoanzüge. Diese ermöglichen es ihnen, ohne weitere technische Ausrüstung frei durch die Zeit zu reisen. Corbin wagt alsbald den Selbstversuch, wird dabei aber von einer Art Welle getroffen und geht irgendwo in der Zeit verloren. Danny bricht umgehend auf, um seinen Freund zu suchen… und landet in einer Vergangenheit, in der Panzer und Hubschrauber gegen Kämpfer auf Pferden antreten…

Corbin hat die Gelegenheit genutzt, sich von seinem normalen Leben abzukoppeln. Er genießt die Möglichkeiten seines Chronoanzuges in vollen Zügen und greift immer wieder zu seinen Gunsten in den Lauf der Zeit ein. Danny ist von den Möglichkeiten ebenfalls fasziniert und schlawinert sich fortan mit seinem Kumpel wild durch die Zeit. Doch freilich müssen die beiden aufgehalten werden, haben ihre Zeitmanipulationen doch gravierende Auswirkungen auf die Gegenwart. In unserer Zeit wirft sich darum eine Abordnung brutaler Söldner in die Chronoanzüge…

Jedes Panel von „Chrononauts“ schreit: Verfilmt mich!

Mark Millar weiß einfach, wie man abgefahrene Geschichten extrem schnell erzählt und mit einem Unterhaltungswert auflädt, der seinesgleichen sucht. Der schottische Autor hat inzwischen einen ungemein filmischen Erzählstil entwickelt, weshalb es nicht verwundert, dass sich nach „Kick-Ass“ und „Kingsman“ (die Umsetzung von Millars „Secret Service“) noch einige Verfilmungen seiner Comics in der Pipeline befinden.

Bei „Chrononauts“ sollten eventuelle Drehbuchautoren aber noch einmal die innere Logik der Geschichte abklopfen. Manches macht keinen rechten Sinn in dieser ursprünglich vierteiligen Miniserie, die nun von Panini-Comics in einem Sammelband erschien. Da braucht es für den Start der Zeitreise auf einmal doch eine technische und stark an Stargate erinnernde Apparatur, obwohl man ja die Anzüge hat, die genau diese Apparatur unnötig machen sollen. Erstaunlich ist auch, dass die Zeitmanipulationen lange kaum gravierende Auswirkungen zu haben scheinen… Aber das ist ja die Crux der meisten Zeitreise-Geschichten: Die Logik geht meist mit in der Zeit verloren.

Doch in Comicform machen diese Makel keinerlei Probleme, denn Millar fetzt mit einem Tempo durch die Story, dass man mit Blättern kaum hinterherkommt. Gemeinsam mit seinem Zeichner Sean Murphy, der ein unfassbar lebendiges Artwork in die Waagschale wirft, lädt er viele Panels mit irrwitzigen Ideen auf und macht unaufhörlich immer noch mehr Tempo. Dabei sind einem die beiden Zeitspringer trotz ihres selbstsüchtigen Handelns irre sympathisch. Sie ergänzen sich super, interagieren teilweise köstlich humorig miteinander und funktionieren prächtig. Die Nebenfiguren werden dahingehend zwar kaum mit Leben gefüllt, dürfen dafür aber für ein paar unvorhersehbare Millar-Momente herhalten, in denen beispielsweise ein Dinosaurierfuß eine große Rolle spielt.

Dazu gesellt sich ein absolut köstlicher Humor. Mein persönlich größter Lacher wird in einem Panel um die Geburt von Jesus abgefeuert. Doch auch sonst hat Millar wieder großen Spaß an respektlosen Gags, die mal platt und mal sehr intelligent ausfallen. Auch popkulturelle Gags zum Thema Zeitreisen gibt es zu begutachten. Der „Zurück in die Zukunft“ DeLorean kann hier ebenso ausgemacht werden wie H.G. Wells’ Zeitreisemaschine…

Actiontechnisch brennen Millar und Murphy ein grandioses Feuerwerk ab. Da zertreten Dinosaurier Panzer, mähen Miniguns mit Schwertern bewaffnete Krieger um und führt eine irre Verfolgungsjagd quer durch die Zeit: In der Folge rasen die Parteien im Wagenrennen von Ben Hur mit, zerschellen Verfolger an Panzern im Zweiten Weltkrieg oder wird das Attentat auf JFK verhindert, weil man die Limousine des Präsidenten im Augenblick des tödlichen Schusses von der Straße rammt…

Kurzum: „Chrononauts“ hat richtig Pfeffer im Hintern, rast wie wild am inneren Auge des Lesers vorbei und bombardiert ihn förmlich mit Ideen, Action und Gags. Ein wilder, ein lebendiger, ein überdrehter Große-Jungs-Spaß, der sich selbst nicht ernst nimmt und – manchmal etwas zu vehement – auf seine eigene innere Logik scheißt. Mark Millar eben!

8 von 10

Alle Informationen zu „Chrononauts – Die Zeitreisenden“

In Deutschland erschienen die vier US-Einzelhefte in einem hübsch aufgemachten Sammelband, der eine Covergalerie und ein paar Infos zu den Machern als Extras bereithält.

Autor: Mark Millar
Zeichner: Sean Gordon Murphy
Taschenbuch: 120 Seiten
Verlag: Panini; Auflage: 1 (17. Oktober 2016)
ISBN-13: 978-3957989482

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In diesem Sinne:
freeman

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