Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Commando Squad

Nachdem Arnold Schwarzenegger mit „Commando“ Erfolg hatte, veröffentlichte Vielfilmer Fred Olen Ray den Billigreißer „Commando Squad“. Der ist zwar keine Kopie des Schwarzenegger-Vehikels, aber ein Ballerfilm nach bekannten Mustern, in dem Kathy Shower, „Cobra“-Baddie Brian Thompson und B-Film-Urgestein Sid Haig große Rollen spielen.

Originaltitel: Commando Squad__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1987__Regie: Fred Olen Ray__Darsteller: Kathy Shower, Brian Thompson, William Smith, Robert Quarry, Sid Haig, Mel Welles, Marie Windsor, Benita Marti, Toni Nero, Dawn Wildsmith, Ross Hagen, Russ Tamblyn u.a.
Commando Squad

Mit „Commando Squad“ liefert Fred Olen Ray Eighties-Balleraction von der Stange ab

Vielfilmer Fred Olen Ray („Sniper: Special Ops“) begann seine Karriere im Horrorbereich, bediente bald aber auch andere beliebte Videothekengenres wie Science Fiction, Abenteuer oder Action.

In letzterem Genre drehte er auch den etwas zerfahrenen „Commando Squad“, dessen Auftaktsequenz sich dem Neo(n)-Noir-Stil verschreibt, der diverse Polizeifilme der 1980er und natürlich stilprägend die Serie „Miami Vice“ gekennzeichnet hatte. Auf regennassen Straßen und später in einer neonrot und neonblau ausgeleuchteten Lagerhalle ist jedenfalls die Drogenfahnderin Kat Withers (Kathy Shower) unterwegs, die von einem Tunichtgut mit einer Perle deutscher Synchrokunst angebaggert wird: „Ich mach keinen auf nass, ich hab richtig Geriebenes.“ Kat schickt den Kerl ruppig in die Wüste, damit ist er aber besser dran als ein paar beim Geschäft von ihr beobachtete Drogendealer, die sich ihrer Verhaftung widersetzen und in besagter Lagerhalle von Kat niedergeballert werden. Danach macht der Film eine stilistische Wende und es ist Schluss mit Neo-Noir, auch wenn Kat immer noch via Voice-Over zur Handlung salbadert.

Eigentlich will sich Kat nach erfolgreicher Schurkenabknallerei in die Ferien verabschieden, doch ihr Chef möchte, dass sie dabei hilft einen Drogenring in Mexiko auszuheben, der bereits diverse Agenten der Behörde auf dem Gewissen hat. Kat, ein echter Ausbund an Sympathie, mault herum und will lieber Urlaub machen, sieht es auch gar nicht ein die Pläne sausen zu lassen, nur weil die Kollegen reihenweise draufgehen, doch lenkt ein, als sie erfährt, dass ihre alte Flamme Clint Jensen (Brian Thompson) zu den in die Bredouille geratenen Regierungsagenten gehört.

Das trifft sich auch ganz gut, denn bereits zwei Szenen später haben die Kartellschurken Clints aktuelle Partnerin erledigt und ihn gefangengenommen. Während Kat gen Mexiko reist, versucht er mithilfe einer Einheimischen aus der Gefangenschaft auszubrechen…

Damit ist der Mittelteil des Films auch gut beschrieben, denn mit Handlung ist nicht viel. Die Drogenschmuggler versuchen Clint zum Seitenwechsel zu überreden, foltern ihn bei Ungehorsam und fangen ihn bei Ausbruchsversuchen ein, während Kat lächerlich einfache Ermittlungsarbeiten anstellt und Häschern ein Schnippchen schlägt, die sich meist so unvorsichtig und doof verhalten, dass man sich manchmal fragt wie sie es überhaupt schaffen sich die Schuhe zuzubinden. Immerhin wird man in dieser Phase Zeuge einer der Knallerszenen des Films, wenn Kat einen Laden besucht, der nicht nur wichtige Ausrüstung für sie bunkert, sondern auch Kram an coole Kids verscherbelt. Da kauft ein Bengel mit leuchtenden Augen nicht etwa ein Poster von Indiana Jones, „Star Wars“ oder James Bond, sondern von Fred Olen Rays im Vorjahr erschienenen „The Tomb“ alias „Das Geheimnis des Grabmals am Nil“. Entweder dieser Film war wesentlich heißerer Scheiß als die Filmgeschichte behauptet oder Ray versucht sich da doch tatsächlich an schamloser Eigenwerbung.

Ansonsten ist Warten auf Godot, ähh, Kat angesagt, die zwischendrin mal der ortsansässigen Kneipenuschi auf die Drömmsel haut, an anderer Stelle nicht eingreift, wenn eine Sympathiefigur getötet wird, aber später große Rache deswegen schwört. Der Verräter aus den eigenen Reihen kommt praktischerweise direkt auf sie zu und versucht sie wider besseres Wissen zu rekrutieren, doch all das ist wenig aufregend. Tatsächlich interessanter ist die staubig-raue Stimmung, die Fred Olen Ray mit seinen doch eher limitierten Fähigkeiten als Regisseur überraschend gut zu erzeugen weiß, wobei auch die herrlich schmierigen Schurkenfiguren helfen. Die sind zwar klischeehaft hoch 27, taugen aber als ungewaschenes wie unsympathisches Pack 1A.

Commando Squad

Clint Jensen (Brian Thompson) und Kat Withers (Kathy Shower) lassen die Wummen sprechen

Das liegt auch an den Darstellern: B-Filmurgestein Sid Haig („Creature – Die Legende vom Monster aus dem Sumpf“) als Folterknecht mit dauernden Schweißausbrüchen, Mel Welles („Smokey Bites the Dust“) als weinerlich-fetter Lüstling, Ross Hagen („Die Vergelter“) als Übelwicht im Cowboy-Look und William Smith („Die rote Flut“) als Quasi-Cheffe der schmuggelnden Krawallbrüder sorgen mit Elan für ordentlich Schmierigkeit. Bei den Helden sieht es dann nicht ganz so gut aus. Kathy Shower („To the Limit“) agiert eher mittelprächtig, was allerdings bei einem Ex-Playmate unter der Schauspielführung von Fred Olen Ray vielleicht schon eine Topleistung ist. Eine der seltsamen Ideen des Drehbuchs ist die, dass sie ihre blonde Mähne fast dauerhaft unter einer schwarzen Perücke versteckt, weil undercover – selbst dann, wenn schon jeder weiß wer sie ist, wird das Teil auch unter Mexikos sengender Sonne aufbehalten. Granitkinn Brian Thompson, im Jahr zuvor als Nightslasher in „Die City Cobra“ in seiner wohl bekanntesten Rolle zu sehen, guckt die ganze Zeit wie sieben Tage Regenwetter, was zu seinen bewährten Schurkenrollen passen mag, als Held aber etwas wenig ist.

Aber hauptsächlich geht es bei solcher Videothekenware ja um die Action und da serviert Ray dann Standard-Baller-Gulasch, ergänzt um eine kleine Verfolgungsjagd, ein paar begrenzt spektakuläre Nahkämpfe und die eine oder andere Explosion. Das meiste davon konzentriert sich allerdings aufs letzte Drittel, primär das obligatorische Aufräumen am Schluss, wenn Kat plus Sidekick die fiesen Schergen zu Klump ballern und jeder seinen persönlichen Finalkampf mit einem Oberbaddie bekommt. Das ist alles solide gemachte Standardware ohne große inszenatorische Finesse, aber auch ohne Aussetzer.

Insofern kann „Commando Squad“ immerhin ein paar brauchbare, aber wenig memorable Ballerszenen bieten, zusammen mit einem stylischen Auftakt und rauer Atmosphäre. Allerdings hängt Fred Olen Rays Videothekenreißer in der Mitte derbe durch, die Heroen machen weder in Sachen Charisma noch Schauspiel was her und der Plot ist alles andere als aufregend. Doch das ist immerhin noch ansehbarer als Vieles, was der Mann dann in den 1990ern und 2000ern im Actiongenre verbrach.

Bisher ist der Film nur auf VHS erschienen, hierzulande bei VPS, dafür aber ungekürzt ab 18 Jahren.

© Nils Bothmann (McClane)

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