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Das Morgan Projekt

Originaltitel: Morgan__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Luke Scott__Darsteller: Kate Mara, Anya Taylor-Joy, Michelle Yeoh, Rose Leslie, Jennifer Jason Leigh, Paul Giamatti, Boyd Holbrook, Toby Jones, Chris Sullivan, Sam Spruell, Jonathan Aris, Brian Cox u.a.
Das Morgan Projekt

Michelle Yeoh überwacht als Wissenschaftlerin “Das Morgan Projekt”.

Luke Scott ist der Sohn von Regie-Legende Ridley Scott und schickt sich an, in die Fußstapfen des Herrn Papa zu treten. „Das Morgan Projekt“ aka „Morgan“, wie der Film im Original schlicht heißt, stellt sein Langfilmdebüt dar und punktet mit einem feinen Spannungsbogen und einer starken Besetzung.

„Morgan ist keine Sie. Morgan ist ein Es.“

Morgan ist etwas ganz Besonderes. Es ist das erste lebensfähige Wesen, das aus synthetischer DNA geschaffen wurde. Ein Jahr nach seiner Geburt kann Morgan bereits laufen und sprechen. Mit fünf Jahren erinnert es an einen Teenager. Morgan wird von einer Handvoll Wissenschaftler rund um die Uhr beobachtet. Dabei kommt es eines Tages zu einem Zwischenfall: Morgan attackiert eine Wissenschaftlerin und sticht ihr ein Auge aus.

Die Firma, die hinter dem Projekt steht, sieht ihre finanziellen Felle bereits davonschwimmen. Deshalb entsendet sie einen Psychologen und die Risikomanagerin Lee Weathers, um zu überprüfen, inwiefern man das Projekt noch am Leben halten und den Schaden eindämmen kann. Lee kommt weit vor dem Psychologen in dem Anwesen an, wo Morgan eingepfercht wird. Sie stößt auf eine verschworene Clique aus Wissenschaftlern, die längst jedwede Distanz zu ihrem Forschungsobjekt verloren haben. Schnell wird Lee auch klar, wieso: Morgan ist ein hoch faszinierendes, junges Wesen mit dem Antlitz einer fragilen Frau, welche mit großer Neugier das Menschsein entdeckt.

Als der Psychologe eintrifft, um ein Gutachten über Morgans geistige Verfassung zu erstellen, kommt es zum Supergau. Morgan attackiert den Psychologen und macht ihm den Garaus. Im darauffolgenden Chaos entkommt Morgan und richtet sich gegen ihre Schöpfer…

Schaut in die Frankenstein-Variation „Das Morgan Projekt“ hinein

„Das Grausamste, was sie einem gefangenen Lebewesen antun können, ist, sein Gesicht gegen eine Fensterscheibe zu drücken.“

„Das Morgan Projekt“ oszilliert seine gesamte Laufzeit hinweg irgendwo zwischen Science Fiction, Horror und Actionthriller und erzählt dabei eine Variation des hinlänglich bekannten Prometheus-Mythos’, wonach selbiger die Menschen aus Lehm erschuf, sie aber sehr unperfekt gestaltete. Mary Shelley griff den Mythos in ihrem Frankenstein-Roman am eindringlichsten auf. Und gerade an Frankenstein erinnert „Das Morgan Projekt“ häufiger.

Hier wie dort erschaffen Wissenschaftler scheinbar aus dem Nichts Leben. Immer in der arg arroganten Hoffnung, das Ergebnis unter Kontrolle halten und ihm Menschlichkeit und Emotionen lehren zu können. Was Frankenstein und die Wissenschaftler letzten Endes aber am eigenen Leibe zu spüren bekommen, ist vor allem jenes: Jedwedes Handeln hat Konsequenzen und das Leben findet immer seinen Weg.

Das Morgan Projekt

Lee wird entsandt, um zu checken, ob “Das Morgan Projekt” weiter geführt werden kann.

Um diese Geschichte zu erzählen, lässt sich Luke Scott Zeit. Stellt zunächst die wichtigsten Figuren ordentlich vor, bevor er uns und Lee mit Morgan konfrontiert. Ist Morgan dann im Film angekommen, baut Scott viel Atmosphäre auf und lässt beim Zuschauer viel Faszination für das Wesen entstehen. Dieses fragil wirkende Mädchen mit der hellen Haut, den grau schimmernden Haaren, den blutleeren Lippen und dem wachen Blick.

Wir entdecken sie gemeinsam mit Lee, die eine ungewöhnliche Heldin darstellt. Manchmal fast schon roboterhaft in ihrem Tun. Streng. Ernst. Korrekt. Keine echte Identifikationsfigur. Und dennoch schafft es Scott, uns an sie zu binden. Zum einen, weil wir das große Ganze mit ihr und durch ihre Augen entdecken. Zum anderen, weil man als Zuschauer schnell ahnt, dass Lee Geheimnisse haben könnte. Woraus Scott in verschiedenen, starken Bildkonstruktionen auch keinen großen Hehl macht.

In den Dialogen geht es längst um Emotionen und Menschlichkeit. Als Zuschauer weiß man zudem die ganze Zeit nicht, ob Morgan einfach nur Emotionen nachahmt, oder sie tatsächlich empfindet. Erstaunt stellt man zudem fest, dass sich Scott beziehungsweise das Drehbuch von Seth W. Owen gar nicht erst auf einen ethischen Diskurs zum Thema Genmanipulation einlassen. Es scheint in der Zeit (wann der Film spielt, ist nie klar, er wirkt durch seinen entrückten Schauplatz sehr zeitlos) ganz normal zu sein, mit Leben herum zu experimentieren.

Und dann rückt Paul Giamatti („San Andreas“) als Psychologe an. Die Folge ist ein Dialog, der vor Spannung nur so flirrt. Und der den Film eskalieren lässt. Morgan bricht aus ihrem Gefängnis aus. Scott verschärft das Tempo. Zündet zwei coole Kampfszenen, in denen Morgan und Lee übereinander herfallen und sich in toller Choreografie ordentlich beharken. Eine kleine Autoverfolgungsjagd und düster pumpende Musik sorgen für zusätzliches Tempo.

Das Morgan Projekt

Lee begegnet Morgan zum ersten Mal.

Auch der Härtegrad zieht unvermittelt an. Dennoch drängt die Action nicht in den Vordergrund. Walzt das bisher Gesehene nicht platt und geht organisch in den Moment über, in dem Lee ihr wahres Gesicht zeigt. Als aufmerksamer Zuschauer wird man davon nicht sonderlich überrascht, aber der finale Twist rundet den Film dennoch gelungen ab.

Der wird vor allem von guten Darstellern getragen. Kate Mara („Fantastic Four“) ist das Bindeglied zum Zuschauer und macht als Tough Cookie richtig Laune. Vor allem in der Action ist sie erstaunlich präsent, was man der kleinen Person so nie zugetraut hätte. Das emotionale Zentrum jedoch ist die zerbrechlich, neugierig und gegen Ende überraschend taff agierende Anya Taylor-Joy („Split“), die hier erneut beweist, was für eine angenehm wandlungsfähige Schauspielerin sie ist. Unter den Wissenschaftlern entdecken wir Toby Jones („The Return of the First Avenger“), Jennifer Jason Leigh („The Hateful 8“), Boyd Holbrook (der Lump aus „Logan“) und „Game of Thrones“-Star Rose Leslie. Deren Rollen sind zwar nicht so eindrücklich wie die der beiden Leads, aber jeder bekommt mindestens einen Moment zum Glänzen und diverse tolle Dialogzeilen spendiert.

Als vermeintliche Mutter von Morgan ist auch Hongkong-Star Michelle Yeoh („Mechanic: Resurrection“) dabei. Sie darf eine Wissenschaftlerin geben, die Morgan gegenüber durchaus skeptisch eingestellt ist und damit diverse interessante Streitgespräche mit ihren Kollegen rund um die aufgeworfenen Kernthemen des Filmes mit initiiert. Schade ist nur, dass bei allen Figuren des Filmes echte Background-Geschichten fehlen. Die Folge ist, dass die Motive für bestimmte Handlungen irgendwann nicht mehr so wirklich klar sind. Hier wirkt der mit 90 Minuten erstaunlich straff gestaltete Film ein wenig zu kurz. Gerade Morgans rabiates und auch extrem konsequentes Umschalten in den Tötungsmodus hätte klarer ausdefiniert werden sollen.

Das Morgan Projekt

Morgan entdeckt die Welt…

Luke Scott beweist derweil in optischer Hinsicht, dass er ganz nach seinem Vater kommt. In kinotauglichen Bildern setzt er den unspektakulären, fast schon zu idyllischen Schauplatz der Handlung in Szene. Betont die Gegensätze aus dem verwilderten Grundstück und dem cleanen, sauberen, durchgeplanten Forschungsbereich. Wo dann auch sehr ruhige Kamerafahrten und statische Einstellungen dominieren. Am beeindruckendsten geraten jedoch die Szenen rund um den eigentlichen Schauplatz. Hier dominieren imposante Naturbilder, die Scott in stark gefilterte Farben taucht und damit einen grundsätzlich eher kalten Grundton schafft, der gut zum technokratischen Gehabe der Wissenschaftler passt. Das optische Grundkonzept erinnert im Übrigen immer mal wieder an „Ex Machina“.

„Ex Machina“ wäre denn auch ein thematisch ähnlicher Film. Oder „Splice“. Im Vergleich zu diesen beiden Filmen geht Luke Scott aber deutlich mainstreamiger an sein Thema heran, ohne dass dies negativ gemeint sein soll. Er findet seinen eigenen Weg, seine Geschichte zu erzählen und wichtige Fragen zu stellen. Etwa ob künstlich erzeugtes Leben einfach „abgeschaltet“ werden kann oder ob das nicht auch Mord darstellt. Und so ist letzten Endes die Familienbande das eigentlich Interessanteste: Denn Ridley Scott setzte dem Prometheus-Mythos in „Blade Runner“ sein eindrücklichstes filmisches Denkmal. Sein Sohn tut es ihm nun mit seinem „Das Morgan Projekt“ gleich. Zitiert sogar Szenen aus Papas Mammutwerk. Die Durchschlagskraft des Filmklassikers seines Vaters erreicht Luke Scott mit seinem Film zwar nicht, temporeich, technisch beeindruckend, gut gespielt und sehr spannend in Szene gesetzt ist sein Langfilmdebüt aber allemal.

7 von 10

„Das Morgan Projekt“ erscheint am 13. April 2017 von Twentieth Century Fox Home Entertainment auf DVD und Blu-ray und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Die Datenträger haben neben gelöschten Szenen auch ein interessantes Special zum Thema Genmanipulation und den Luke-Scott-Kurzfilm „Loom“ an Bord!

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Twentieth Century Fox Home Entertainment__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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