Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Der Dunkle Turm

Originaltitel: The Dark Tower__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Nikolaj Arcel__Darsteller: Idris Elba, Matthew McConaughey, Tom Taylor, Katheryn Winnick, Jackie Earle Haley, Fran Kranz, Abby Lee, Michael Barbieri u.a.
Der dunkle Turm Deutsches DVD-Cover

Idris Elba und Matthew McConaughey sind die Antagonisten in der Verfilmung von Stephen Kings Romanreihe “Der Dunkle Turm”.

Der Dunkle Turm. Das selbsterkorene Zentrum in Kings Schaffen, es regt zur Grenzgängerei zwischen den Genres an, auch wenn es seinen Kern in der Westernmythologie hat, die mit der Erschließung weiter, öder Flächen einen Konsens amerikanischer Autorenschaft bereitstellt.

In den 22 Jahren der Entstehung des Hauptwerks – 2012 folgte mit „Wind“ noch ein Nachgang – konnte einfach alles mit diesem Epos geschehen, auch weil der Autor selbst nicht wusste, was als nächstes passieren würde und weil Ereignisse in der realen Welt direkten Einfluss auf den Inhalt nahmen. Entsprechend subjektiv sind die über Jahrzehnte aufgebauten Erwartungen an eine Verfilmung, die anders als die Bücher nicht aus dem Nichts entstehen kann, entsprechend schwierig die Umsetzung. Wie würde man ein solches Monstrum angehen?

Dass man wohl eher nicht mit einer originalgetreuen Adaption von „Schwarz“ beginnen würde, war abzusehen, weil „Schwarz“ ein spröder Monolog ist, dessen Minimalismus zu akzeptieren ein größeres Studio seinem Publikum wohl kaum noch zutraut. Dass man jedoch im anderen Extrem eine Antithese zu Peter Jacksons Hobbit-Trilogie in Auftrag geben würde, indem man die ausholende Vorlage in lächerlichen 90 Minuten skizziert, ist ein nur schwer begreiflicher Schachzug.

Schaut in die Verfilmung von Stephen Kings “Der dunkle Turm” hinein

New York, heute: Der 12-jährige Jake Chambers wird von furchtbaren Alpträumen heimgesucht. Darin versucht ein Mann in Schwarzer Kleidung, einen gigantischen Turm zu zerstören, der das Gleichgewicht der Welt erhält. Ein zweiter Mann mit Revolver versucht, den Mann in Schwarz aufzuhalten. Immer wieder vergeblich…

Die Träume sind derart intensiv, dass Jake sie für echt hält. Doch weder seine ihn liebende Mutter noch sein bester Freund können ihm Glauben schenken. Auf Druck des Stiefvaters wird er zum Psychiater verwiesen. Dieser vermutet, dass Jake mit seinen Träumen den Verlust seines leiblichen Vaters verarbeitet, der als Feuerwehrmann im Einsatz umgekommen ist. Er soll zur Untersuchung ein Wochenende in einer Klinik verbringen. Als sich die Mitarbeiter der Klinik jedoch als Gehilfen des Schwarzen Mannes entpuppen, weiß Jake endgültig: Der Turm ist real…

Denn das Ka-Tet, zusammengedampft auf eine simple Zögling-Beschützer-Beziehung, springt je nach Bedarf zwischen New York und Mittwelt; dazu muss man nur beim nächsten Chinesen auf dem Hinterhof durch ein Portal hüpfen. Das ist so, als hätte Peter Jackson „Die Gefährten“ ausschließlich mit Elijah Wood und Ian McKellen gedreht, den Ring direkt vom Finger mit einem Dreipunktewurf in der Lava versenkt und dazu nicht einmal Hobbingen verlassen.

Der dunkle Turm Idris Elba als Roland

Revolvermann Roland stellt sich der drohenden Gefahr.

Wichtige Redewendungen wie „das Gesicht des Vaters vergessen“ werden geradezu mantra-artig wiederholt, als sei in ihnen der ganze Kern des Werkes bereits zusammengefasst; die wichtigste Zeile des gesamten Werkes indes, der erste Satz des ersten Buches, wird völlig zusammenhanglos inmitten einer Sequenz fallen gelassen, in der man gerade eigentlich mit anderen Gegebenheiten beschäftigt ist. Es scheint so, als habe man stichprobenartig Buchseiten aufgeschlagen und versucht, daraus eine Quintessenz abzuleiten, ohne jedoch essenzielle Charaktere auch nur zu erwähnen.

Positiv daran ist immerhin, dass man diesen vermeintlichen Versuch einer Adaption völlig ausblenden kann, um ihn als das zu nehmen, was er ist – einen Mainstream-Exploiter, der für eineinhalb Stunden Massenunterhaltung eine ganze Buchreihe dem lodernden Lagerfeuer opfert. Und der kurze Funkenflug reicht immerhin zu einer nicht langweiligen „Last Action Hero“-Variante. Der Revolvermann auf Besuch im hektischen New York, da werden Ärztinnen Goldstücke für ihre Dienste in die Hand gedrückt, fremdartige Coca-Colas ohne Rücksicht auf den Hüftgürtel im Dutzend konsumiert und Waffenläden ausgeräumt wie einst vom „Terminator“ vorgemacht. Kurz, es werden Weltenwandlerklischees zelebriert.

Der dunkle Turm Idris Elba und Tom Tailor

Jake hat dunkle Visionen und setzt auf die Hilfe von Roland.

Dass Roland dennoch seine Würde behält, liegt an Idris Elba („Bastille Day“), der zwar äußerlich so gar nichts von Clint Eastwood hat, mit dessen Äußerem Stephen King seinen Protagonisten im Buch verglich, der jedoch eine Ausstrahlung hat, die der eines Revolvermannes würdig ist. Bei einer romangetreuen Verfilmung hätte es aufgrund seiner Hautfarbe trotzdem sehr wohl zu Problemen führen können, weil durch Hautfarben bedingter Rassismus am Beispiel einer Begleiterin Rolands explizit thematisiert wird und Roland selbst als Weißer beschrieben wird; in der vorliegenden Konstellation allerdings macht es keinerlei Unterschied, ob er nun weiß, schwarz oder bunt gescheckt ist.

Der Mann in Schwarz wiederum, Matthew McConaughey („Free State of Jones“) hat Freude daran, das Freudlose auszudrücken. Seine Herangehensweise besteht darin, das Diabolische unter der Maske des Gewöhnlichen aufflackern zu lassen, ohne dazu verzerrte Fratzen des Zorns und Hasses sprechen zu lassen. Obgleich seine Erscheinung aufgrund der begrenzten Mittel des auf Fast Food ausgerichteten Filmkonzeptes letztlich in gängige Villain-Schablonen samt Minion-Belegschaft gezwängt wird, hat die passive Demonstration seiner Macht im Rahmen seiner Auftritte eine durchaus erfrischende Wirkung. Und auch Tom Tailor ist ein glaubwürdiger Darsteller für den jungen Jake, der weder klugscheißt noch überzieht, sondern mit einer sehr angenehmen Art durch den Film führt. Die Neuauflage von Stephen Kings „Es“ durfte glücklicherweise auf ähnlich starke junge Darsteller zurückgreifen.

Der dunkle Turm Idris Elba und Matthew McConaughey

Idris Elba und Matthew McConaughey auf Augenhöhe…

Apropos: Wenn es hier eine Bestimmung gibt, dann wohl die des Easter Eggs. An Querbezügen zu übrigen King-Werken mangelt es nicht; angesichts der zeitgemäßen Franchise-Bildung war das Studio wohl dazu bereit, im Bild versteckte Cujos, Pennywises, Christines und Shinings zuzulassen und hat damit zumindest einen Aspekt der Vorlage getroffen, wenn schon sonst nichts.

Ansonsten handelt es sich bei „Der Dunkle Turm“ um relativ konventionelle Massenbespaßungsware mit CGI-Kreaturen, stylischen Schussmanövern (die Roland in gewisser Weise leider zum Zirkusartisten degradieren) und moderner Optik. Nur der ungewöhnliche Genremix mag nicht ganz zum Mainstream passen; er hinterlässt dann doch irgendwie etwas Reizvolles an einer Produktion, die ansonsten mit völliger Gleichgültigkeit gut umschrieben wäre. Und auf eine Verfilmung des Dunklen Turms mit erstmaligem Kennenlernen von Eddie, Susannah und Oy warten wir weiter geduldig. Möglich, dass eine solche nun wieder in weite Ferne gerückt ist, aber sollte sie einmal entstehen, darf sie wenigstens reuelos wieder bei 0 beginnen.

5 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erscheint pütnklich zum Weihnachtsgeschäft am 18. Dezember 2017 von Sony Pictures Home Entertainment und ist mit einer Freigabe ab 12 ungeschnitten.

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures Home Entertainment__FSK Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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