Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

FFC – Female Fight Club

Originaltitel: Female Fight Club__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Miguel A. Ferrer__Darsteller: Amy Johnston, Cortney Palm, Rey Goyos, Sean Faris, Folake Olowofoyeku, Dolph Lundgren, Nea Dune, Jesse Jane, Chuck Zito u.a.
FFC - Female Fight Club Dolph Lundgren Cover

Dolph Lundgren spielt Amy Johnstons Vater in “FFC – Female Fight Club”.

Es war eine einschneidende Zäsur in Rebeccas Leben, als ihr Vater loszog, um den Missbrauch seiner jüngeren Tochter Kate zu rächen. Er schlug dabei mehrere Männer tot und wanderte für Jahre hinter Gitter. Rebecca konnte diese Ereignisse nie verwinden und verließ ihre Heimatstadt. Aktuell arbeitet sie in einem Hunde-Waisenhaus in Los Angeles. Da steht eines Tages Kate wieder vor ihr. Sie habe einen riesigen Haufen Schulden bei einem Kampfpromoter in Las Vegas. Und dieser sei wenig zimperlich bei der Wahl seiner Mittel.

Sie bittet Rebecca, die als „The Beast“ vor ihrem Weggang MMA-Geschichte in Las Vegas geschrieben hat, mit ihr in die Stadt des schönen Scheins zurückzukehren und einige Kampfsportnovizinnen für eine Fight Night fit zu machen. Dank der Preisgelder wäre Kate auf einen Schlag all ihre Schulden los und Rebecca könne sich endlich ihren langgehegten Wunsch erfüllen und nach Afrika auswandern.

Doch natürlich kommt es letzten Endes ganz anders und Rebecca wird wieder gezwungen sein, ihre Kampfsportfähigkeiten auszupacken und die Verhältnisse gerade zu rücken…

Schaut in „Female Fight Club“ mit Dolph Lundgren hinein

Miguel Ferrers (nicht zu verwechseln mit dem unter anderem aus „Robocop“ bekannten Schauspieler) Langfilmdebüt, für das er auch am Drehbuch mitwirkte, lebt von einer Aneinanderreihung hinlänglich bekannter Kampfsportfilm-Klischees: Schwierige familiäre Situation. Check. Einer aus der Familie gerät auf die schiefe Bahn. Check. Ein anderes Familienmitglied will ihn rausboxen. Check. Alles wird immer schlimmer, bevor es gut wird. Check. Und zwischendurch wird viel gekickt. Check.

Fast schon pflichtversessen hakt Ferrer ein Klischee nach dem anderen ab. Dabei lullt er einen derart ein, dass man fast übersieht, dass „Female Fight Club“ in einigen Punkten so gar nicht den Klischees entspricht. Nehmen wir nur einmal die Einführung des Bösewichtes. Mit seinem Auftreten und seiner Optik erinnert er an den netten Nachbarn von nebenan. Seine Interessen (er liebt den Bau von Vogelhäuschen!) lassen ihn fast schon nerdig erscheinen. Selbst bei den von ihm ausgerichteten Fights tritt er wie ein seriöser Geschäftsmann auf.

FFC - Female Fight Club Amy Johnston

Rebecca soll drei Kampfsportneulinge auf Vordermann bringen.

Beinahe ist man versucht, zu fragen, warum eigentlich alle so sauer auf ihn sind. Er macht einen so geerdeten, ja netten Eindruck, dass man ihn als Bösewicht überhaupt nicht auf den Schirm hat. Und dann lässt Ferrer in einer Szene die Stimmung total kippen. Der Soundtrack wird schräg. Die Kamera wankt. Und da ist er: Der ultimative Psycho. Wenn man dann gegen Ende bemerkt, dass auch unsere Heldin Rebecca eine verdammt düstere Seite hat, überrascht „Female Fight Club“ noch einmal gehörig.

Und „Female Fight Club“ überrascht auch in anderen Abteilungen! So ist der mit einem angeblichen Budget von zwei Millionen Dollar in Szene gesetzte Film mit seinen breiten Widescreenbildern sehr edel anzuschauen. Ferrer inszeniert seinen Actioner gediegen, mit langen, ruhigen Kameraeinstellungen, die nicht einmal in der Action deutlich dynamischer werden. Die farbsatten Bilder von Vegas gefallen. Dabei gibt es auch Panoramen der Stadt zu sehen, die noch nicht zu Tode abgefilmt wurden. Der unter den Bildern tönende Soundtrack geht gerne mal ungewohnte Wege. Etwa wenn bei einem Fight der Psycho-Bad-Ass selbst den Score zum Fight liefert – Indem er mit dem Fuß Klavier spielt!

Ja, die eigentlichen Schauplätze sind nicht die strahlendsten oder unverbrauchtesten. Viel schaut nach Hinterhof aus. Aber es passt auch zur lancierten Geschichte, die eher in einer Art Halbwelt angesiedelt ist. In der die Polizei zwar existiert, sie aber ihre Nase immer schön in den Wind dreht. Einzig dass man keine wirkliche Arena, keinen Stahlkäfig, eigentlich gar nichts für die Fights etabliert und die kämpferischen Damen ausschließlich in einer Art Fabrikgebäude inmitten der Zuschauer kämpfen lässt, mutet zu simpel und wenig durchdacht an.

FFC - Female Fight Club Amy Johnston Chuck Zito

Zeke übernimmt nach der Inhaftierung von Rebeccas Vater die Rolle des väterlichen Mentors.

Die Fights selbst sind auf Effizienz und Härte getrimmt. Spektakuläre „Scott-Adkins-und-Tony-Jaa“ Momente bleiben aus. Es wird beherzt zugetreten und zugeschlagen. MMA-typisch wird auch mal ein Haltegriff als Finisher präsentiert. Leider wird sexy Amy Johnston („Lady Bloodfight“) als Rebecca ziemlich lange aus der Action herausgehalten. Vor allem die Tatsache, dass sie eine Filmhälfte lang nur als Trainerin fungieren darf, ist schon ein gewaltiger Downer.

Denn dass sie im Vergleich zu den von ihr trainierten Nulpen echt was auf dem Kasten hat, sieht man sofort. In dem Abschnitt hat „Female Fight Club“ auch die eine oder andere Länge. Es fehlt einfach an zwingenden Momenten, an einer gewissen Ausweglosigkeit. Warum sich die Damen etwa nicht einfach aus Las Vegas verziehen, wird nie so wirklich klar. Doch ungefähr auf der Hälfte des Filmes schaltet Ferrers Story um.

In einer wirklich hübsch inszenierten Szene, in der eine Sexszene mit einer Mordszene parallel montiert wird, geht unser Bösewicht zu weit. Und sorgt damit endlich für die nötige Stringenz. Und auch die Spannungskurve zieht nun deutlicher an. Obendrein darf der bislang nur in Telefongesprächen aufgetauchte Dolph Lundgren („Joshua Tree“) in einer witzigen Sequenz drei Lumpen umhauen. Kurzum: „Female Fight Club“ läuft jetzt richtig rund und wird zu einem reinrassigen Racheactioner, in dem der sexy Racheengel Rebecca richtig austeilen darf.

Und zwar so, wie es sich gehört: Männlich in die Höhle des Löwen einmarschieren und hier richtig feucht durchwischen. Und das glücklicherweise ausschließlich mittels Martial Arts, so dass man doch noch Johnstons Fähigkeiten bewundern darf. Und meine Fresse, was hätten sich die Filmbosse der 80er nach ihr die Finger geleckt. Wenn man bedenkt, wie die einst versuchten, eine Cynthia Rothrock als sexy Tough-Chick zu verkaufen. Wobei man ihr nur das Toughe wirklich abnahm. Bei Amy müsste man sich in beiden Kategorien nicht mal bemühen, denn die kleine Dame kann knallhart hinlangen und direkt davor, währenddessen und danach einfach bezaubernd schauen.

FFC - Female Fight Club Amy Johnston und Kortney Palmer

Rebecca und ihre Schwester Kate geraten in Zugzwang.

Ihre Rolle nimmt man ihr auch gerne ab, wenngleich selbige sie nun auch nicht sonderlich fordert. Leider sind die Darstellerinnen um sie herum durch die Bank eher arg bemüht. Die zu trainierenden Damen sind einem von Anfang bis Ende unsympathisch. An ihre Schwester Kate (Cortney Palm aus „Zombiber“) kommt man nie richtig heran. Und auf Seiten der Bösewichter fehlt es an charismatischen Kampfmiezen. Der Bösewicht selbst, gespielt von Rey Goyos, reißt allerdings einiges raus.

Zudem macht Schauspieler/Stuntman Chuck Zito („Homefront“) als Zeke eine starke Figur als väterlicher Mentor von Rebecca. Wohingegen Dolph Lundgren deutlich zu kurz kommt. Dem macht seine Rolle nämlich sichtlich Spaß und er pumpt mit seinem augenzwinkernden und fast schon schelmischen Spiel viel Souveränität in den Film. Er wäre an der Seite seiner Filmtöchter deutlich besser aufgehoben gewesen. Und Freunde des Erwachsenenfilmes, also jener Variante, in dem die von uns geliebten Actionszenen im wesentlichen auf den Austausch von Körperflüssigkeiten fokussieren, können in einer Szene sogar Adult-Superstar Jesse Jane erblicken. Leider bekleidet (Hört ihr die 2 Euro im Chauvischwein-Sparschwein klimpern?).

Was am Ende bleibt, ist ein Actionfilm, der sich ab und an in seinen Klischees zu verlieren droht. Was allerdings dafür sorgt, dass Brechungen mit dem Altbekannten umso besser funktionieren und nachdenken lassen, wie der Film wohl ausgefallen wäre, hätte man eine ähnliche Sorgfalt auf das gesamte Drehbuch verwendet. Selbiges lässt „Female Fight Club“ eher bedächtig und verhalten starten, spätestens ab der Filmmitte läuft der Film aber absolut rund, begeistert dank seiner schlagkräftigen und sexy ausschauenden Hauptdarstellerin, zwingender werdender Handlung und einem Mehr an Action. Selbige besteht durch die Bank aus nett anzuschauenden Martial-Arts-Fights, die aber durchaus noch etwas mehr Druck und Pfeffer hätten vertragen können. Was rundweg begeistert, ist die saubere Inszenierung und der immer mal wieder ungewohnte Wege gehende Soundtrack von „Female Fight Club“. Außerdem macht Dolph Lundgren in seiner Minirolle als Kauleisten verbiegende Vaterfigur eine Menge Spaß. Das macht „Female Fight Club“ weder zu einem Martial-Arts-Hammer oder gar einen Film, der irgendwie nachwirkt, kurzweilige Unterhaltung ist aber in jedem Fall drin!

6 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erscheint am 4. Januar 2018 von Sunfilm/Tiberius Film und ist mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten. Als Amazon-Prime-Kunde kann man den Film bereits komplett synchronisiert genießen. Das Review basiert auf der Code 1 Scheibe von Lionsgate, die leider keinerlei Extras aufweist und damit sicherlich schon aufzeigt, wie es bei der deutschen VÖ um die Extras-Sektion bestellt sein wird.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Sunfilm/Tiberius Film__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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