Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Mathis Landwehr über Immigration Game und Action aus Deutschland

Mathis Landwehr im Interview zu Immigration Game

Der deutsche Actionfilm-Darsteller Mathis Landwehr stand uns unter anderem zu seinem Film “Immigration Game” Rede und Antwort. © Universum Film

Mathis Landwehr wurde 1980 in Stuttgart geboren und bewies mit Filmen wie „Kampfansage“ oder der Serie „Lasko“, dass spektakuläre Martial-Arts-Action auch aus Deutschland stammen kann. International machte er dank seiner Stuntarbeiten für Filme wie „V wie Vendetta“ oder „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ auf sich aufmerksam. In Geek-Kreisen wusste zuletzt vor allem sein Kurzfilm „Darth Maul: Apprentice“ mit seinen ausufernden Lichtschwertduellen zu begeistern.

Anlässlich des Heimkinostarts seines kontrovers aufgenommenen neuen Streifens „Immigration Game“ baten wir Mathis Landwehr zum Interview und horchten ihn zu dem Film, seiner Karriere, dem deutschen Actionfilm und seiner eigenen Produktionsschmiede aus.

Mathis Landwehr über den deutschen Actionfilm

Hallo Mathis, wir von den Actionfreunden wollen uns an dieser Stelle erst einmal direkt als große Fans outen! Wir finden, dass du bei deinen Filmauftritten immer einen richtig tollen Job machst und dabei sowohl uns Actionfreunden mit deinen Kampfsportfähigkeiten viel Spaß bereitest als auch immer sehr sympathisch rüberkommst…

Mathis Landwehr: Vielen Dank! *schmunzelt*

Mathis Landwehr ist in dem Actionfilm Ultimate Justice dabei

Mathis Landwehr ist auch in “Ultimate Justice” an der Seite seines Buddys Mike Möller zu sehen. Allerdings nicht sehr lange… © Vision Films

In der Folge fragen wir uns immer, warum Mike Möller, den wir auch schon einmal interviewen durften, so einen großen Spaß daran hat, dich in seinen größeren Projekten („Street Gangs“, „Ultimate Justice“) immer direkt zu Beginn umzubringen? Was hast du ihm denn getan? Und vor allem, wie ist eure Zusammenarbeit einst entstanden?

Mathis Landwehr: *lacht* Mike und ich haben uns bei den Dreharbeiten zu „Kampfansage“ kennengelernt. Wir haben ihn damals nach Berlin eingeladen, weil er tatsächlich der Erste in Deutschland war, der sich auf Martial Arts in Filmen spezialisiert hatte. Dass ich in seinen Filmen immer frühzeitig sterbe, liegt daran, dass es zeitlich meistens nur für ein oder zwei Drehtage gereicht hat, da ich auch beschäftigt war. Aber wenn „Meister Mike“ etwas dreht, bin ich immer am Start!

Ihr macht euch beide stark für den deutschen Genrefilm. Sind wir Deutschen deiner Meinung nach ganz aktuell auf einem guten Weg, was das Actiongenre angeht? Ich denke dabei an Männer wie Mike, an Krystof Zlatnik, deinen Regisseur von „Immigration Game“, die Jungs von „Plan B“ und dich. Könntet ihr der berühmte Funke für den deutschen Genrefilm sein und was müsste sich deiner Meinung nach ändern, um mehr aus dem deutschen Genrefilm zu machen?

Mathis Landwehr: Ich denke, wir haben die „Anfangsreibung“ überwunden, aber es wird noch viel Zeit und Mühe kosten, bis wir mit internationalen Produktionen mithalten können. Vor allem im Bereich Stoffentwicklung hängen wir extrem hinterher. Wir müssten pro Jahr mehrere Filme im Actiongenre drehen, dann würde auch mit der Zeit die Qualität besser werden – so wie es Hollywood und HK eben auch gemacht haben.

Ich denke, es wird noch viel Zeit und Mühe kosten, bis wir mit internationalen Action-Produktionen mithalten können.

Kampfansage mit Mathis Landwehr

Mit Filmen wie “Kampfansage” bewies Mathis Landwehr, dass coole Martial-Arts-Action auch aus Deutschland kommen kann. © KNM Home Entertainment.

In Deutschland gibt es dieses Bewusstsein bei Entscheidungsträgern nicht. Wenn da ein Film für 500 000 Euro nicht aussieht wie ein amerikanischer Action-Blockbuster, heißt es gleich: In Deutschland kann man so etwas nicht.

Mike Möller dreht viele seiner Filme überwiegend in Englisch. „Immigration Game“ ist ebenfalls in Englisch gedreht worden. Könnte das Schielen auf den internationalen Markt ein wichtiger Schlüssel für den deutschen Genrefilm werden?

Mathis Landwehr: Ja – aus Vertriebssicht gibt es eigentlich keine andere Alternative als auf Englisch zu drehen. Wir bekommen viel Applaus und Anfragen aus dem Ausland. Aus Deutschland kommt die meiste Kritik – ein weiterer Punkt auf den internationalen Markt zu zielen.

Was uns immer wieder verwundert, ist, dass internationale Großproduktionen, die (komplett oder partiell) in Deutschland drehen, immer wieder auf einheimische Stuntcrews zurückgreifen und mit denen Actionszenen hinstellen, die von allen Seiten gefeiert werden. Die Infrastruktur und die Manpower sind also da, aber trotzdem sagt in Deutschland keiner: Lasst uns doch einfach einmal einen richtig fetten Actioner von Hollywoodformat hinstellen, der sich hundertprozentig auch im Ausland verkaufen lassen wird. Was meinst du, woran es fehlt, dass genau dieser eine, finale Schritt nie gemacht wird und warum Versuche in diese Richtung (beispielsweise Til Schweigers „Schutzengel“), teils schon weit im Vorfeld des fertigen Filmes, von Kritik und Publikum gnadenlos niedergemacht werden?

Mathis Landwehr: Es gibt bei großen deutschen Produzenten kein Bewusstsein dafür, dass das Action-Genre eine Kunst für sich ist. Dazu gehört nicht nur ein großes Budget und das Posen vor der Kamera (was freilich auch gelernt sein will), was Schweiger und Konsorten leider anzunehmen scheinen.

Mathis Landwehr, Martial Arts und Actionfilme

Apropos Genrefilm/Actionfilm: Was war dein Schlüsselmoment, nach dem du gesagt hast: Wow, Actionfilme rocken?

Mathis Landwehr: Als Kind „A dog’s life“ (mit und von Charles Chaplin), als Jugendlicher „Enter the Dragon“ (mit Bruce Lee), dann „The Matrix“.

Was ist deiner Meinung nach das Besondere am Actionfilm?

Mathis Landwehr: Physisches Handeln ist die ursprünglichste, direkteste und ehrlichste Art der Kommunikation. Text wird oft überbewertet – was gute Stummfilme eindrucksvoll beweisen.

Lasko - Die Faust Gottes mit Mathis Landwehr

Mathis Landwehr sorgte in der TV-Serie “Lasko” auch in Verkehrsmitteln des Nahverkehrs für Action. © Universum Film

Ist deine Begeisterung für Martial Arts in deiner Vorliebe für den Actionfilm begründet? Oder bist du ganz anders zum Kampfsport gekommen?

Mathis Landwehr: Nein, die Kampfkunst ist für mich ein übergeordnetes Thema und hat erst einmal mit Film nichts zu tun. Film ist allerdings ein perfektes Medium, um diese Kunst „festzuhalten“.

Was fasziniert dich am Kampfsport?

Mathis Landwehr: Die Kultivierung der Persönlichkeit. Wenn man es schafft, über Jahre „dranzubleiben“, eröffnen sich über die körperlichen Fähigkeiten hinaus unendliche Selbsterkundungsmöglichkeiten.

Wann kam in dir der Gedanke auf, selbst mal als Held in Actionfilmen zu agieren und wie gestaltete sich der Weg zu deiner ersten größeren Action-Rolle?

Mathis Landwehr: Mit neun Jahren hab ich angefangen mit dem Hi8-Camcorder meiner Eltern eigene Kurzfilme zu drehen. Diese Filmchen wurden immer aufwändiger und eines Tages gewannen wir den Zuschauerpreis der „Shocking Shorts“. Daraufhin bekam ich die erste Hauptrolle in einem Langfilm.

Actionhelden als Vorbilder?

Lasko - Die Faust Gottes DVD Cover

“Lasko – Die Faust Gottes” brachte es auf immerhin zwei Staffeln. © Universum Film

Hast du Actionrecken, die du als Vorbilder bezeichnen würdest? Und was sind deine absoluten Lieblingsfilme aus dem Actiongenre?

Mathis Landwehr: Bruce Lee ist der King. Ich wage zu bezweifeln, dass es jemals wieder einen so einzigartigen Kampfkünstler und Filmdarsteller im Actiongenre geben wird. Wenn ich mich entscheiden muss, sind meine Top 5:
1. Enter the Dragon
2. The Matrix
3. Terminator 2
4. Inception
5. Dark Knight

Als Schauspieler mit Kampfsporthintergrund hast du ganz sicher das asiatische Kino im Blick. Selbiges hat dank Namen wie Tony Jaa oder Iko Uwais ganz aktuell ordentlich den Turbo gezündet. Hat man als Kampfsportler deren Stile und choreografischen Ideen auf dem Schirm? Lässt du dich davon inspirieren?

Mathis Landwehr: Ich lasse mich auf jeden Fall inspirieren, aber ich vermeide zu kopieren, weil eine Kopie immer schlechter als das Original sein wird. *schmunzelt*

Gibt es aktuell Filmschaffende, mit denen du gerne mal bei einer Actionproduktion zusammenarbeiten würdest?

Mathis Landwehr: Ich hatte schon das Glück, mit den Größten in diesem Business zusammenarbeiten zu dürfen. Es macht mich aber am Glücklichsten, wenn ich mit meinen Freunden und Kung-Fu-Brüdern und -Schwestern drehen und Zeit verbringen kann.

Wie ist es eigentlich, wenn man beispielsweise am Set von „Ultimate Justice“ mit B-Movie-Recken wie Matthias Hues und Mark Dacascos zusammenarbeiten kann? Fühlt man sich da sehr in seine Jugend vor dem heimischen Videorecorder/DVD-Player zurückversetzt?

Mathis Landwehr: Ja auf jeden Fall! Diese Beschreibung trifft es genau – man riecht förmlich die VHS-Hüllen und hört den Recorder rattern.

Mathis Landwehr über „Immigration Game“

Und damit zu „Immigration Game“, in dem du den Helden namens Joe spielst. Würdest du für uns bitte deinen Charakter mal umreißen?

Mathis Landwehr: Joe ist ein sogenannter „Gutmensch“. Er arbeitet als Versicherungsvertreter, zahlt Steuern, hält sich an alle Regeln und will Niemandem etwas zu Leide tun. Er klammert aber auch alles, was um ihn herum schiefläuft, aus, solange es nicht ihn oder seine Familie betrifft.

Immigration Game mit Mathis Landwehr

Mathis Landwehr spielt in “Immigration Game” den Runner Joe © Universum Film

Joe gerät in „Immigration Game“ in eine vollkommene Ausnahmesituation – weil er helfen will. Was meinst du, können wir alle in unseren politisch recht schwierigen Zeiten von Joe lernen?

Mathis Landwehr: Sein Mut ist auf jeden Fall zu bewundern, was aber dabei herauskommt, ist natürlich nicht erstrebenswert. Es war uns ein Anliegen, in dem Film zu zeigen, dass es in der heutigen Zeit schwierig ist, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. War es richtig, dem Flüchtling zu helfen? Menschlich und ethisch gesehen auf jeden Fall – für Joes weiteres Leben als braver Bürger in der Gesellschaft jedoch wohl eher nicht. Ich denke, wir können daraus lernen, die Regeln zu hinterfragen, die uns als selbstverständlich erscheinen…

Guerilla-Drehtaktiken, viel Improvisation, wenig Drehzeit… kannst du für uns einmal ausführen, vor welchen Herausforderungen ihr beim Dreh von „Immigration Game“ täglich standet?

Im Prinzip wussten wir am Anfang jedes Drehtages nicht genau, welche Probleme auftauchen können.

Mathis Landwehr: Das ist tatsächlich eine sehr lange Liste. Im Prinzip wussten wir am Anfang jedes Drehtages nicht genau, welche Probleme auftauchen können – es blieb also nur die völlige Flexibilität und Anpassung an plötzliche Veränderungen. (z.B. plötzliches Fieber der Hauptdarstellerin, Terroranschlag in Paris und damit verbundene Sicherheitsvorkehrungen, Ausfall der Technik etc.). Wir haben „Immigration Game“ in etwa in der Zeit gedreht, die man für Soaps zur Verfügung hat – das war schon brutal hart. Aber ich möchte diese Erfahrung auf keinen Fall missen und bin froh, dass wir diesen Film gemacht haben.

Dein Kampfstil in „Immigration Game“ ist, zum Setting passend, eher geerdet, geradlinig und direkt. Für den Laien wirkt das natürlich leichter umsetzbar als spektakuläre High-Flying-Aktionen der Marke „Lasko“ oder „Kampfansage“. Doch wie sehr unterscheidet sich die Umsetzung der beiden Stile für dich und das Stuntteam wirklich?

Mathis Landwehr: Die Kampfszenen in „Immigration Game“ sind wie die Texte improvisiert worden und nicht vorher abgesprochen gewesen. Das erfordert in der Umsetzung einiges mehr an Erfahrung und hätte niemals mit Laien durchgeführt werden können. Produktionen wie „Lasko“ sind natürlich zeitlich viel intensivier und brauchen mehr Vorbereitung, da jeder Tritt und Schlag vorher choreographiert und abgesprochen werden muss.

Mathis Landwehr auf der Genrenale in Berlin

Mathis Landwehr (3.v.r.) stellt “Immigration Game” gemeinsam mit dem Filmteam auf der Genrenale vor. © Genrenale.de

Konntest du aufgrund des eher knappen Budgets alles umsetzen, was du gerne in Sachen Action in „Immigration Game“ sehen wolltest?

Mathis Landwehr: Unser wichtigster Gedanke in punkto Kampfszenen in „Immigration Game“ war, dass sie wehtun sollten. Wir waren uns durchaus bewusst, dass der „Show-Aspekt“ unter der Drehweise leiden würde. Hochästhetisierte Kampfszenen wären aber bei diesem Film auch fehl am Platz gewesen.

Du und dein Regisseur Krystof Zlatnik, ihr habt mit „Immigration Game“ einen brandaktuellen Film auf die Beine gestellt, der höchst kontrovers und als vielseitig auslegbar aufgenommen wurde. Ganz abgesehen davon, was andere in dem Film sehen könnten, was ist deiner Meinung nach die Kernaussage von „Immigration Game“?

Mathis Landwehr: Für mich persönlich ist die Kernaussage, dass es, auch wenn es schön wäre, keine einfache Antwort auf die Frage gibt, was richtig oder falsch ist. Und dass es sich lohnt, darüber nachzudenken, ob alles, was um uns herum geschieht, so menschlich ist, wie es gerne behauptet wird und wie es in unserer Verfassung steht.

Darum geht es in „Immigration Game“ von Krystof Zlatnik

Immigration Game DVD-Cover

Immigration Game © Universum Film

Die Grenzen der BRD sind dicht. Flüchtlinge werden nicht mehr aufgenommen. Nur wer an dem populären „Immigration Game“ teilnimmt, hat die Möglichkeit, eine Aufenthaltsgenehmigung zu gewinnen. Doch das „Immigration Game“ ist nicht irgendein Spiel, sondern eine perfide Reality-Gameshow, in der es um Leben und Tod geht.

Regisseur Krystof Zlatnik inszenierte mit „Immigration Game“ einen spannenden Genrefilm in Form einer kontroversen dystopischen Zukunftsvision, die ein erschütterndes Bild unserer Gesellschaft zeichnet. Der Film ist ab dem 9. März 2018 auf DVD, Blu-ray und als VoD erhältlich.

Roundhousefilm und kommende Projekte des deutschen Actionstars

„Immigration Game“ ist die erste Produktion deiner Produktionsfirma „Roundhousefilm“, an der auch Krystof beteiligt ist. Vor welchen Schwierigkeiten standet ihr bei der Finanzierung und dem Vertrieb eines deutschen Martial-Arts-Filmes mit sozialkritischer Komponente?

Mathis Landwehr: Da wir die Finanzierung komplett mit eigenem Geld gestemmt haben, gab es keine anderen Parteien. Wenn ein Film dann mal fertig ist, findet man immer einen Vertrieb. Was allerdings dann am Ende übrig bleibt, ist eine andere Frage. Eigentlich kann man sagen, dass der Featurefilm-Markt komplett im A**** ist. Zumindest wenn man keine dreistelligen Millionen Budgets hat.

Immigration Game mit Mathis Landwehr in Action

“Immigration Game” ist die erste Produktion von Mathis Landwehrs Produktionsschmiede Roundhousefilm

Was dürfen wir von „Roundhousefilm“ in Zukunft erwarten? Habt ihr neue Projekte in der Pipeline und behaltet ihr den Actionfokus bei?

Mathis Landwehr: Ja, auf jeden Fall bleibt der Fokus auf das Action-Genre – wir konzentrieren uns aber aus oben genannten Gründen auf Serienformate.

Wie steht es bei dir? Hast du interessante Projekte in der Vorbereitung?

Mathis Landwehr: Ja *schmunzelt* More to come! Vielen Dank für das Gespräch und herzliche Grüße an die Actionfreunde!

Vielen Dank für das interessante Interview und keep on rockin’!

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Mathis Landwehr im Star-Wars-Fanfilm Darth Maul: Apprentice

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