Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Men at Work

Originaltitel: Men at Work__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1990__Regie: Emilio Estevez__Darsteller: Charlie Sheen, Emilio Estevez, Leslie Hope, Keith David, Dean Cameron, John Getz, Hawk Wolinski, John Lavachielli, Geoffrey Blake, Cameron Dye u.a.
Men at Work

Charlie Sheen und Emilio Estevez räumen den Müll weg in “Men at Work”

Die Brüder Charlie Sheen („Navy Seals“) und Emilio Estevez („Freejack“) hatten bereits mehrfach gemeinsam vor der Kamera gestanden, bevor sie gemeinsam in „Men at Work“ anderer Leute Müll beseitigten. Unter anderem in „Badlands“ von Terrence Malick, in „Wisdom – Dynamit und kühles Blut“ und in „Das Highway Trio“. Hier trat man entweder gemeinsam in kleinen Cameos auf oder Charlie erwies seinem Bruder Emilio einen Familiendienst und schaute für wenige Sekunden in dessen Filmen vorbei. Deutlich größere Rollen hatten beide in der gemeinsamen Produktion „Young Guns“, nach der diverse Jungstar-Karrieren durchstarteten (siehe Kiefer Sutherland, Charlie Sheen oder Lou Diamond Phillips). In „Men at Work“ nun spielen beide die Hauptrollen und haben ungefähr gleichberechtigt viel Screentime. Den Löwenanteil der Arbeit hatte allerdings Emilio, der den Film zusätzlich inszenierte und das Drehbuch dazu schrieb. Dieses bedient sich aus den verschiedensten Quellen. Etwas Buddy-Movie Komik hier, ein wenig Actionkomödie da, dazu ein wenig „Immer Ärger mit Bernie“ und und und…

James und Carl arbeiten für die Müllabfuhr. Hier wollen sie genügend Geld verdienen, um irgendwann einmal einen eigenen Surfshop zu eröffnen. Ihre lockere Art und ihre etwas unkonventionellen Methoden (Bowlingspiele mit den Mülltonnen, übertrieben laute Entleerungen usw.) sind ihrem Vorgesetzten dermaßen ein Dorn im Auge, dass er den beiden einen Aufpasser an die Seite stellt. Dieser wirkt zwar leicht durchgeknallt, ist aber nicht das größte Problem der beiden. Bei einer Mülltour entdecken James und Carl nämlich eine Leiche, abgeladen in einem gelben Fass…

Blöderweise entpuppt sich jene als der Mann, auf den Carl am Vorabend mit seinem Luftgewehr geschossen hatte, um zu verhindern, dass der Kerl eine Frau bedroht oder gar verprügelt. Was die beiden nicht ahnen: Der Kerl war ein Anwärter auf das Bürgermeisteramt und hatte einen Giftmüllskandal aufgedeckt. Sein Beweis war eine Kassette mit einem aufgezeichneten Gespräch. Diese Kassette hatte die „bedrohte“ Frau, eigentlich seine Sekretärin, irrtümlich an sich genommen und der Politiker wollte sie sich an dem Abend zurückholen. Doch als er sie bei seiner Sekretärin abholen will, wird dem wild gestikulierenden Typ erstens von Carl in den Arsch geballert und danach auch noch der Hals umgedreht. Das allerdings von ein paar Killern des eigentlichen Umweltsünders. Nur davon ahnen Carl und James nichts und wollen, nachdem sie sich sicher sind, dass sie den Typ nicht umgelegt haben, ihrer Hauptverdächtigen nachspionieren: Der Sekretärin! Die Folge ist ein heilloses Chaos…

Und genau das hat Emilio Estevez ziemlich gut unter Kontrolle. Zwar braucht sein Film recht lange, um richtig aus den Startblöcken zu kommen, doch wenn James und Carl gemeinsam mit ihrem Aufpasser zu ermitteln beginnen, wird eine coole Kettenreaktion losgetreten, die sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr steigert und auch den einen oder anderen sehr gelungenen Gag im Gepäck hat. Da werden Pizzaboten als Geiseln genommen, Polizisten in kompromittierenden Posen gefesselt und Autos fliegen mal eben mir nichts dir nichts in die Luft. Auch ein wenig Romantik wird untergemischt, denn Carl verliebt sich relativ flott in die „Hauptverdächtige“. Leider bleibt in dem ganzen Chaos die eigentliche Geschichte ein wenig auf der Strecke. So werden beispielsweise die Umweltverschmutzer sehr schnell zu bloßen Randfiguren, da sich James und Carl bevorzugt selbst beherzt im Wege stehen und eigentlich gar keine Gegner benötigen. Und genau das fehlt dem Film irgendwann: Eine greifbare Bedrohung. Stattdessen fragt man sich mehrfach, wieso die Jungs nicht einfach zur Polizei gehen. Diese wird zwar vergleichsweise megadämlich gezeichnet, doch sooo doof kann sie nicht sein, um nicht zu bemerken, dass die beiden unschuldig an der ganzen Misere sind. Auch sonst reißt der Film immer mal wieder Themen an, um sie nie wieder aufzugreifen. Was auch zulasten der Charakterisierung der Hauptfiguren geht. Warum beispielsweise sammelt James Liebesbriefe und Fotos, die er im Müll findet? Man weiß es nicht…

Estevez verpasst seinem Film ein flottes Tempo und inszeniert „Men at Work“ sehr geerdet. Dabei fehlte ihm sichtlich das Budget für ein paar aufwändigere Szenen. Eine Autoexplosion und ein Bagger, der über ein anderes Auto rollt, sind schon die heftigsten Actioneruptionen. Ansonsten gibt’s ein paar Fausthiebe und einen Oberbösewicht, der am Ende schlicht und ergreifend in seiner eigenen Scheiße landet. Dafür gefällt die Art und Weise, wie Estevez die Tätigkeiten seiner Müllmänner überzeichnet. Dank „Men at Work“ wird sogar dieser Beruf irgendwie cool. Zumal Estevez und Sheen in den Müllmännerkluften richtig cool rüberkommen. Die beiden tragen gemeinsam mit ihrem Aufpasser Keith David („The 5th Commandment“) den Film und transportieren manch coolen Gag. Wobei man aber auch festhalten muss, dass nicht jeder Spruch hundertprozentig sitzt. Vor allem zu Beginn tut man sich als Zuschauer schwer, einen Zugang zu den müden One Linern zu finden. Spätestens mit Keith David kommt dann aber ordentlich Leben in die Bude, denn der darf wirklich ordentlich aufdrehen. Die Bösewichter sind durch die Bank Flitzpiepen und Leslie Hope („24“) darf nicht viel mehr machen, als durchaus gut aussehen…

Was ziemlich schwer ist, denn „Men at Work“ entstand am Übergang von den 80ern in die 90er, als diverse modische Entgleisungen wie riesige Dauerwellen und potthässliche Kleidchen noch in Mode waren. Dazu dröhnt schon mal Technotronics „Pump up the jam” aus den Boxen und man weiß nicht, ob man ob dieser Entgleisungen lachen oder weinen soll. Es gab schon tolle modische Jahrzehnte, das muss man so sagen. „Men at Work“ derweil schlägt sich durchaus ordentlich. Eine höhere Gagdichte und mehr und vor allem aufwändigere Action hätten dem Film ebenso gut gestanden wie etwas mehr Konzentration auf die Geschichte. Auch dem Humor hätte ein wenig mehr Schwärze gut getan. Unterhaltsam ist die Chose aber dennoch und vor allem die beiden Brüder machen im Doppelpack Laune. Dass der Film aber bisher keinen sonderlich hohen Bekanntheitsgrad hatte, kommt nicht von ungefähr…

Der Film war schon immer ungeschnitten ab 12 freigegeben. Twentieth Century Fox machte ihn nun zu einem Teil ihrer „Action Cult Uncut“ Reihe und liefert eine bildtechnisch ordentliche, soundtechnisch aber recht drucklose DVD ab.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Twentieth Century Fox__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Nein/Ja

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