Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Morning Star – Knight of the Witch

Originaltitel: Morning Star__Herstellungsland: Italien__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Luca Boni, Marco Ristori__Produktion: Uwe Boll__Darsteller: Adrian Bouchet, Mike Mitchell, Daniel Vivian, Ivy Corbin, David White, Ally McClelland u.a.
Morning Star

Uwe Boll produzierte den finsteren “Morning Star”.

Am Ende einer blutigen Schlacht erwacht ein Ritter unter einem Berg Leichen. Bar jeder Orientierung stolpert er über das Schlachtfeld. Eine Frau, die die Leichen plündert, versorgt ihn mit Wasser. Da sieht er seinen besten Freund. Er liegt wie seine anderen Kameraden auf dem Schlachtfeld. Reglos. Leblos. Der Ritter beschließt, dass er seinen Freund nach Hause bringen wird. Zu dessen Familie.

Er packt ihn sorgfältig in ein Leichentuch, baut ihm eine Trage und bricht gen Osten auf. Seinen Freund zieht er hinter sich her. Er durchstreift ein finsteres Land voll von Lumpengesindel, das sich Tag für Tag gegenseitig an den Hals geht. Des Nachts plagen ihn Visionen von seinem Freund und einer wunderschönen, rothaarigen Frau.

Doch der Ritter zieht unbeirrt weiter, bis er von ein paar Wegelagerern schwer verletzt wird. Sie bedrohten im Vorfeld genau die Frau, die dem Ritter auf dem Schlachtfeld einst geholfen hatte. Und wieder nimmt sie sich des Ritters an. Pflegt ihn binnen Minuten gesund und verführt ihn. Schnell erkennt der Ritter in ihr eine Hexe, was tiefe, längst vergessen geglaubte Wunden in ihm aufreißt…

Schaut in den von Uwe Boll produzierten “Morning Star” hinein

Das deutsche Artwork von „Morning Star“ bemüht sich arg reißerisch darum, den Film irgendwie ins Fahrwasser von „Der letzte Tempelritter“ zu bringen. Tönt von einem spannenden und blutigen Action-Fantasy-Film, der bildgewaltig, brachial, grausam und unbarmherzig sei. Der eigentliche Film könnte gegensätzlicher kaum sein.

Mit ruhigen, teilweise fast schon meditativen, atmosphärisch angenehm stimmigen Bildern erzählt der Film in aller Langsamkeit seine Geschichte. Darin geht es um kaum mehr als um eine Reise. Die Reise eines kriegsmüden Soldaten, der seinem gefallenen Freund die letzte Ehre erweisen möchte. Einzig die eingestreuten Visionen deuten darauf hin, dass hier unter der Oberfläche noch etwas mehr brodelt.

Morning Star

Der Soldat vor der großen Schlacht.

In kargen, manchmal etwas zu bedeutungsschwangeren Dialogen geht es in der Folge um Krieg und Frieden, das Leben und den Tod sowie zunehmend um das Thema Hexenverfolgung. Der Fantasy-Einschlag bleibt aber dennoch durch die Bank äußerst unterrepräsentiert. Action kommt ebenfalls eher sehr selten auf. Diese besteht weitgehend aus Schwertkämpfen, die aufgrund der eingesetzten Waffen aber eher wuchtig denn dynamisch wirken. Betrachtet man das bisherige Oeuvre der italienischen Macher („Eaters“, „Zombie Massacre“, „Zombie Massacre 2“) verwundert die Blutarmut in der Action doch sehr. Die milde FSK 16 Freigabe kommt hier nicht von ungefähr.

In optischer Hinsicht setzten die Regisseure Marco Ristori und Luca Boni auf sehr gedeckte, weitgehend ins Monochromatische tendierende Farben. Die Montage ist wie der Film von eher ruhiger Natur, nur in den wenigen Actionszenen setzte man auf eine dynamischere Montage. Die Ausstattung des Filmes weiß zu gefallen, die ausgesuchten Sets kommen der grundlegenden Stimmung des Filmes sehr entgegen. Die Musik bemüht sich, stimmungsvoll zu tönen, weiß aber nur in wenigen Momenten wirklich zu gefallen.

Morning Star

Karge, stimmungsvolle Bilder dominieren den Film.

Getragen wird der Film von dem charismatischen Adrian Bouchet („Predator: Dark Ages“), der seinem Charakter genau das richtige Maß an Kriegsmüdigkeit und Heimweh mit auf den Weg gibt. Man hätte ihm mehr Interaktionspartner gewünscht, denn so sieht man ihm letzten Endes meist nur beim Ziehen der Trage zu. In den Nebenrollen kann man keine großen Ausfälle beklagen. Das Figureninterieur ist aber von Haus aus eh sehr dünn bestückt.

„Morning Star“ ist ein weiterer Film von Ristori und Boni, den Uwe Boll als Produzent mit auf den Weg gebracht hat. Sein Film „Schwerter des Königs“ wird auf dem Cover zum Film ebenfalls bemüht, um „Morning Star“ zu beschreiben. Doch auch dieser Vergleich hinkt vollkommen. „Morning Star“ hat nichts mit flotter Fantasy-Action gemein. Sein Ende driftet gar ins Metaphysische ab und gibt den Film einen weiteren interessanten Dreh. Nachdem der Film kurz zuvor bereits auf den Kopf gestellt und gefühlt neu gestartet wurde. Auf „Morning Star“ und sein langsames Tempo muss man sich definitiv erst einmal einlassen können. So richtig will der Funke bei dem ambitionierten Streifen dann aber dennoch nicht überspringen.

4 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von KSM und hat eine FSK 16 Freigabe. Einige kleine Extras erlauben einen Blick hinter die Kulissen und auf die VFX des Streifens.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: KSM__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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