Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Murphys Gesetz

Originaltitel: Murphy’s Law__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: J. Lee Thompson__Darsteller: Charles Bronson, Kathleen Wilhoite, Carrie Snodgress, Robert F. Lyons, Richard Romanus, Angel Tompkins, Bill Henderson, James Luisi, Clifford A. Pellow, Janet MacLachlan, Lawrence Tierney u.a.
Murphys Gesetz mit Charles Bronson Mediabook

Die Limited Collector’s Edition von “Murphys Gesetz” kommt von Capelight Pictures.

Murphys Gesetz kennen wir doch alle. Jack Murphy allerdings bekommt dessen Auswirkungen mit voller Härte zu spüren, denn für ihn geht schief, was nur schiefgehen kann: Seine Frau trennt sich von ihm und zeigt jedem Sackgesicht ihre Hupen in einer Stripbar. Jack steckt das nicht gut weg, stalkt seine baldige Ex und betäubt seinen Frust derart heftig mit Alkohol, dass der Kater danach seinen Job als Polizist gefährdet.

Als er im Dienst auch noch einen wichtigen Kopf einer lokalen Verbrecherbande umnietet, kann er über den Anruf einer Frau, die ihm androht, sein Leben zu zerstören und baldmöglichst zu beenden, nur müde lächeln. Was soll denn noch alles passieren? Da werden seine Frau und deren neuer Stecher brutal ermordet und alle Indizien verweisen auf Jack. Der findet sich alsbald angekettet an eine junge Frau, die wenige Tage zuvor seinen Wagen geklaut, selbigen in ein Diner gelenkt und Jack hernach einen Tritt in die Weichteile verpasst hat. Murphys Gesetz war vermutlich selten gnadenloser zu einem Mann…

Doch Jack ist von dem Plan beseelt, den Mörder seiner Frau zu finden. Er flieht aus dem Gewahrsam und zieht die junge Arabella in eine tödliche Hetzjagd hinein.

Schaut in “Murphys Gesetz” mit Charles Bronson hinein

Mit „Missing in Action“, „American Fighter“ oder „Bloodsport“ hat sich die Produktionsfirma Cannon Group der beiden Filmverrückten Menahem Golan und Yoram Globus in die Herzen der Actionfans gesprengt und geballert. Mit wenig Geld sollten hier große Kinoträume realisiert werden. Anfangs mit riesigem Erfolg, der allerdings bald einem gewissen Größenwahn zum Opfer fiel (mehr über die Geschichte der Cannon-Studios gibt es in der sehenswerten Dokumentation „Electric Boogaloo“ zu sehen).

Murphys Gesetz mit Kathleen Wilhoite

Kathleen Wilhoite sorgt mit ihren Schimpf-Tiraden für viel Humor in “Murphys Gesetz”.

Ein wichtiges Merkmal der Hochphase der Cannon Group: Wie die größten Studios der USA wollte man ein Starsystem im Studio etablieren und konstant ausbauen. Mit langjährigen Verträgen band man ergo Männer wie Chuck Norris oder Michael Dudikoff, die man aus dem Nichts zu Stars aufbaute, an sich. Ein vermeintlicher Großcoup gelang mit der Verpflichtung von Charles Bronson. Dank Filmen wie „Die glorreichen Sieben“ oder „Das dreckige Dutzend“ hatte dieser einen absoluten Superstarstatus. Wobei „hatte“ das richtige Wort ist.

Denn die Cannon Group verpflichteten Bronson erst recht spät. Als dessen Karriere längst auf dem absteigenden Ast war. Dennoch schneiderte man ihm ein paar flotte Vehikel auf den Leib. “Murphys Gesetz” ist einer der unterhaltsamsten Vertreter aus dieser Schaffensphase Bronsons, weil er für einen Bronson-Film eher untypisch ist.

“Murphys Law” bricht mit dem Image vom einsamen Rächer. Stellt Bronson mit Kathleen Wilhoite eine irre lebendige, überdrehte und irre sympathische Kodderschnauze an die Seite und presst den schweigsamen Stoiker so unversehens in ein Buddy Movie alter Schule. Mit allem, was dazu gehört: Vom anfänglichen Hass aufeinander über das allmähliche Zusammenwachsen bis zum unbedingten Willen, füreinander alles zu wagen.

Bronsons bärbeißiger und versoffener Jack wird so nach und nach aufgebrochen. Wobei Jack per se eigentlich ein Charakter ist, dem Bronson in einem seiner Standard-Vehikel vermutlich eine Ladung Schrot verpasst hätte. Immerhin stalkt dieser Jack eine Frau! Spioniert sie und ihren Liebhaber gar aus! Ein normaler Bronson-Held ist Jack also weiß Gott nicht. Markige Catchphrases haut er aber dennoch raus:

Das einzige Gesetz, das ich kenne, ist Jack Murphys Gesetz. Und das ist ungeheuer einfach: Leg dich lieber nicht mit Jack Murphy an!

Eine weitere Besonderheit stellt die Zeichnung des eigentlichen Lumpen von „Murphys Gesetz“ dar. Der ist nämlich weiblich, eiskalt, sehr brutal, zu allem bereit – und wird von Carrie Snodgress mit leichten Tendenzen zum Overacting überzeugend zum Leben erweckt. Während dem Zuschauer sofort klar gemacht wird, wer hier der eigentliche Bösewicht ist, lässt “Murphys Law” seinen Hauptcharakter erst einmal eine ganze Weile im Dunklen tappen und auch falsche Fährten verfolgen. Was gut konstruiert wurde und durchaus gut unterhält.

Murphys Gesetz mit Charles Bronson

Jack mit seiner unfreiwilligen Begleiterin Arabella.

Allgemein bedient “Murphys Law” das Genre des Actionthrillers mit Buddy-Movie-Einschlag sehr souverän, hält den Zuschauer gekonnt bei der Stange und bietet immer mal wieder kleinere Actionmomente, in denen Bronson den gewohnt harten Hund rauskehren darf. Zudem ist “Murphys Gesetz” einer dieser tollen alten Actioner, bei dem man nur dreimal in Richtung eines Autos schießen muss und schon explodiert es in einem amtlichen Feuerball.

Das Highlight der Action bildet der blutige Showdown in einem interessanten Setting. Dem Bradbury Building, Filmfans bekannt durch „Blade Runner“, wo dem Gebäude ebenfalls eine wichtige Rolle zukam. Allgemein gefällt, dass der auch sonst absolut solide in Szene gesetzte Film durchgehend an Originalschauplätzen – fernab von Blue Screens oder Studios – gedreht wurde.

Was am Ende bleibt, ist ein durch und durch solides Buddy Movie mit einem prächtig harmonierenden Heldengespann, das den Zuschauer gekonnt durch den Film zieht und auch die eine oder andere Länge oder überflüssige Szene (beispielsweise zwei Stripbarbesuche nach dem gleichen Muster) schadlos überstehen lassen. Bronson tun die Abweichungen von seinem damals beinahe schon zur Karikatur verzerrten Image gut. Und die tolle Chemie mit der quirligen Kathleen Wilhoite lässt ihn richtig sympathisch rüberkommen, während die Akteurin mit ihren köstlich seltsamen Schimpfwort-Tiraden (Ratenschwanzpopel?) noch für zusätzliche Auflockerung sorgt. Doch auch Actionfans kommen nicht zu kurz. Zwar hätte man sich am Ende des Abends mehr Szenen von der Qualität des Showdowns gewünscht, aber manchmal ist weniger eben auch mehr.

07 von 10

In diesem Sinne:
freeman


……


“Murphys Gesetz”: Solide Actionkost mit Charles Bronson

Murphys Gesetz mit Charles Bronson

Für „Murphys Gesetz“ tat sich das bewährte Team aus Regisseur J. Lee Thompson und Star Charles Bronson zusammen.

Eigentlich besagt Murphys Gesetz, dass alles schief geht, was schiefgehen kann – doch “Murphys Gesetz” zeigt, was passiert, wenn Jack Murphy das Gesetz in die Hand nimmt.

Besagter Jack Murphy (Charles Bronson) ist knüppelharter Bulle, denn hierbei handelt es sich um eine Cannon-Produktion. Murphy ist (natürlich) geschieden und hängt deshalb (natürlich) an der Flasche. Seine Ex-Frau arbeitet (natürlich) als Stripperin in einem Club, damit wir auch ja alle Klischees zusammenhaben, die man von Bronson als Bulle erwartet. Aber glücklicherweise nimmt “Murphys Gesetz” sich nicht so ernst wie diverse andere Filme des Knautschgesichts.

Als typischer Bulle in einer Cannon-Produktion ist es natürlich oberstes Gebot für Murphy, wirklich vielen Leuten auf die Füße zu treten, von unliebsamen, halbseidenen Kollegen bis hin zu großen Gangsterbossen. Doch deswegen steckt Murphy bald in der Klemme, denn er pustet den kleinen Bruder eines gefährlichen Mafiabosses bei einer Geiselnahme aus den Latschen. Damit haben wir dann noch eine größere Gegnerzahl für Bronson, denn seine einzige andere Feindin ist eine Wahnsinnige (Carrie Snodgress), die Rache an Murphy dafür will, dass er sie verhaftete.

Die Killerin ermordet Murphys Ex-Frau und deren neuen Freund, um den Mord Murphy in die Schuhe zu schieben. Murphy wird verhaftet und an die vorlaute Autodiebin Arabella McGee (Kathleen Wilhoite) gekettet. Ihm gelingt jedoch die Flucht mit seiner unwilligen Partnerin, doch Murphy lässt sich von dem Plappermaul nicht abhalten nach der Schuldigen zu suchen…

Murphys Gesetz mit Charles Bronson als Cop

Cop Jack Murphy (Charles Bronson) setzt das Recht mit der Knarre durch.

Sonderlich originelle Storys haben die meisten Cannon-Filme mit Bronson ja eigentlich nie, aber “Murphys Gesetz” ist immerhin etwas weniger simpel als die „Death Wish“-Sequels. So weiß Murphy im Gegensatz zum Zuschauer nicht von Anfang an, wer ihm da ans Leder will und stellt ein paar Ermittlungsarbeiten an. Hochspannung bietet das zwar nicht, aber immerhin eine relativ kurzweilige Geschichte ohne größere Längen, die Regisseur Jack Lee Thompson („Feuerwalze“) recht temporeich vom Leder zieht. Große Überraschungen sollte man allerdings nicht erwarten, denn der Film endet wie üblich damit, dass Bronson alle Bösewichte weggepustet hat.

Leider kann die Action nicht so überzeugen wie bei Teil 3 und 4 der „Death Wish“-Saga, denn sie ist etwas dünn gesät. Bronson darf ein wenig prügeln, was aufgrund seines Alters aber nicht allzu spektakulär ausfällt, aber wenn der altgediente Rächer die Knarre zückt, dann bekommt man ein paar nette Shoot-Outs geboten. Vor allem der Showdown ist ziemlich gut inszeniert worden. Nebenbei bemerkt: Wie in nahezu jeder Cannon-Produktion explodieren auch Autos hier immer, wenn man auf sie schießt, sie einen Unfall bauen usw. Ist zwar etwas albern, aber wohliges Flair simpler, stupider 1980er-Jahre-Action verbreitet so was trotzdem.

Murphys Gesetz mit Charles Bronson und Carrie Snodgress

Die eiskalte Killerin (Carrie Snodgress) bei ihrem Tagwerk.

Durch Murphys unfreiwilligen Buddy kommt auch noch etwas Buddy-Comedy in das Geschehen, was dem sonst eher handelsüblichen Actionkrimi eine gewisse Ironie verleiht und die Klischees in der Geschichte abmildert. Das ständige Geschimpfe Arabellas ist ziemlich originell, wobei die deutsche Synchro noch mal extragute Arbeit leistet. Zumindest der Satz „Du kannst mir mal in die Socke husten, Opa!“ hat mich doch herzlich lachen lassen.

Darstellerisch ist der Film solide, auch wenn man keine Wundertaten erwarten darf. Bronson („Ein stahlharter Mann“) zieht seine übliche Nummer als harter Bulle durch, Kathleen Wilhoite („Pakt der Rache“) ist ein solider komischer Ausgleich zu dem knochentrockenen Helden und die Fieslinge sind anständig fies, vor allem Carrie Snodgress („Pale Rider“) als Psychopathin mit origineller Armbrustbewaffnung. Ruft zwar keine Begeisterungsstürme vor, aber enttäuscht auch niemanden.

Bleibt ein mit einigen Gags aufgelockerter Actionkrimi, der zwar nicht ganz die Klasse von Actionkrachern wie „Death Wish III“ und „Death Wish IV“ erreicht, aber gute Unterhaltung für Genrefans bietet.

Informationen zu den Veröffentlichungen von “Murphys Gesetz”

Als der Film in Deutschland ins Kino kam, war er mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten. Bei der Heimkino-VÖ sah das aber nicht mehr so gut aus. Der Verleih trimmte den Film auf eine FSK 16 Freigabe, die uns lange Zeit erhalten blieb. Erst die DVD-Veröffentlichung von MGM rückte das wieder gerade. “Murphys Gesetz” wurde auch als Teil der Reihe Action Cult Uncut neu aufgelegt und mit altem Videocover auf DVD veröffentlicht, allerdings dieses Mal mit Deppen-Apostroph im Titel (“Murphy’s Gesetz”).

Capelight Pictures hat sich nun des Charles-Bronson-Streifens angenommen und ihm neben einer neuerlichen DVD-Veröffentlichung auch ein HD-Gewand verpasst. Diese erscheinen am 16. Februar 2018 im deutschen Handel. Dabei ist die Blu-ray nur im Verbund mit der DVD in der Limited Collector’s Edition im Mediabook zu haben. An der Bild- und Tonqualität gibt es dabei so gut wie nichts zu mäkeln. Nur in mancher Totale mangelt es ein wenig an Schärfe. In Sachen Extras liefert die optisch fein aufgemachte Veröffentlichung ein interessantes 24-seitiges Booklet, Trailer zum Film, den Film mit einer isolierten Soundtrack-Tonspur und einen Audiokommentar mit Kathleen Wilhoite. Diese nutzt den äußerst lebendigen Audiokommentar für eine Retrospektive auf ihre Karriere nach dem Film, hat aber dennoch auch ein paar Anekdoten zum Film (beispielsweise die Kosten der Klamotten ihrer obdachlosen Figur!) und zu Charles Bronson auf Lager.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Capelight Pictures__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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