Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Mutant – Das Grauen im All

Originaltitel: Forbidden World__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1982__Regie: Allan Holzman__Darsteller: Jesse Vint, Dawn Dunlap, June Chadwick, Linden Chiles, Fox Harris, Raymond Oliver, Scott Paulin u.a.

Mutant

Mutant

Mike Colby und sein Roboter-Assistent SAM-104 werden zu einem Genforschungslabor auf dem Planeten Xarbia beordert. Der Spezialist für brenzlige Situationen soll die Lage einschätzen: Um das intergalaktische Hungerproblem zu lösen, experimentiert dort ein Team aus Wissenschaftlern mit einer proteinbasierten Lebensform mit dem Codenamen „Subjekt 20“, das sich noch im Kokon-Status befindet. Colby kommt zu dem Schluss, dass die Folgen der Experimente zu große Gefahren bergen und drängt auf die sofortige Eliminierung des Testobjekts. Doch bevor die Besatzung reagieren kann, schlüpft Subjekt 20 und flüchtet aus dem Labor. In den verschachtelten Gängen der Station beginnt es, ein Besatzungsmitglied nach dem anderen aus dem Hinterhalt zu attackieren…

Recycling. In seiner eigentlichen Lesart als Müllverwertungsvorgang willkommen geheißen, ist es als billige und effiziente Methodik des Filmemachens verpönt, wird es doch gemeinhin auf den Aspekt des Kostenmanagements reduziert und mit Billig- und Bequemlichkeit in Zusammenhang gebracht oder im schlimmsten Fall sogar als parasitär erachtet, weil es sich das geistige Eigentum fremder Produktionen zu eigen macht. Dass die Wiederverwertung von Sets, Kostümen bis hin zur eigentlichen Grundidee jedoch ganz eigene Früchte tragen kann, hat gerade Roger Corman in seiner bis heute währenden Karriere als Produzent immer und immer wieder bewiesen. Sein „Mutant“ ist eines der einleuchtendsten Beispiele dafür, weshalb sich kreativer Raubzug manchmal eben doch nicht nur für das Studio lohnt, sondern auch für den Zuschauer.

So wie später „Stirb Langsam“ im Action-Fach zur konzeptionellen Blaupause für zahllose Epigone wurde, erwies sich in der Science Fiction besonders Ridley Scotts „Alien“ als Nährboden für ein regelrechtes Subgenre von Alien-Rip-Offs, was neben dessen dramaturgischer Intensität und seinem prägnanten Giger-Design vor allem seiner einfachen Reproduzierbarkeit zu verdanken sein dürfte. Ein Mann im Anzug, eine Crew und ein paar mit Plastik und Aluminium ausgestattete Gänge – nichts,was sich nicht auch die B-Garde zutrauen würde. „Mutant“, ursprünglich als Weltall-Variante von „Lawrence von Arabien“ geplant und von Corman abgelehnt, weil die Entwürfe kostentechnisch nicht umsetzbar erschien, heftet sich an die minimalistischen Vorgaben des 78er-Klassikers so eng wie nur möglich, obwohl es eigentlich sogar ein Rip-Off zweiter Klasse darstellt: Da Corman bereits „Battle Beyond The Stars“ (1980) und „Galaxy Of Terror“ (1981) in seinem Portfolio hatte, wurde aus dem einen kurzerhand Stock Footage wiederverwertet und aus dem anderen praktisch die gesamte Kulisse. Das Haus war also bereits gebaut, der Grundriss nicht mehr zu ändern und die einzige Frage blieb: Wie würde man sich einrichten?

Wo also die Fantasie nicht frei schweben kann, ist es trotzdem spannend zu beobachten, was der Regisseur – in diesem Fall Newcomer Allan Holzman – und sein Team mit den festen Vorgaben anstellen. Und gerade hier erweist sich „Mutant“ nach kurzer Eingewöhnungsphase als überdurchschnittlich einfallsreiches Unterhaltungsprodukt, das primitive Bedürfnisse mit hirnrissigen Ideen und inszenatorischem Einfallsreichtum verbindet. Immer so, dass die Defizite an jeder Ecke zu spüren sind und dennoch das niedere Vergnügen nicht trüben, geschweige denn dem hochklassigen Vorbild auch nur einen Zacken aus der Krone brechen… denn das hier ist ganz klar eine völlig andere Dimension der Filmunterhaltung.

So schälen sich aus den vermeintlich eng gesteckten kreativen Grenzen durchaus neue Freiheiten, die sich ein A-Klasse-Film nicht erlauben dürfte. Dazu dürfen die an Softcore-Bildsprache grenzenden Erotik-Elemente gezählt werden, die durchaus im Gegensatz zu einer story-begründeten Nacktheit stehen, wie sie auch in anspruchsvolleren Filmen vorkommt. In diesem Film hingegen beginnt das Schmuddel-Feeling längst, bevor Dawn Dunlap oder June Chadwick zum ersten Mal ihre Arbeitsbekleidung ablegen, etwa in sexuell aufgeladenen Dialogen von ordinärer Direktheit oder verräterischer Gestik beim gemeinschaftlichen Essen. Passend dazu ist Jesse Vint ein verschmitzt-ironischer Heldentyp mit rustikaler Gangart, der die Einladungen allesamt gerne annimmt. Einer Nackten in der Sauna stattet er auch ohne Einladung gerne einen Besuch ab (nachdem diese zuvor von der Kamera in diversen Beobachterperspektiven so sehr zelebriert wird, dass jeglicher Sinn verloren geht) und begutachtet mit Stielaugen ihren Körper, nachdem er gerade erst eine Andere in seinem Bett hatte.

Nuditäten sind dann auch wichtiger Bestandteil obskurer Schnittexperimente, mit denen schon zu Beginn des Films spätere Sequenzen vorweggenommen und in einen direkten Zusammenhang mit den Attacken des Filmmonsters gebracht werden. Diese überambitionierten Versuche, etwas Kunstvolles in die äußere Form zu bringen, treiben weniger den Film selbst voran, sondern sind vielmehr ein Meta-Kommentar zum Genre selbst, das seit jeher von der Verknüpfung Horror/Sex besessen ist.

Auch Corman selbst schaltet sich mit unglaublichen Einfällen in den kreativen Prozess ein; so war es seine Idee, den Lebertumor eines Crewmitglieds als Waffe gegen den außerirdischen Predatoren einzusetzen, dessen Strategie grundsätzlich darin besteht, seinen Feind auf biologischem Wege zur puren Proteinquelle zu verwandeln und sich so von ihm zu ernähren. Es ist relativ selbsterklärend, dass eine solch krude Idee die stupide Waffengewalt eines jeden vergleichbaren Billigheimers um Längen schlägt, erlaubt sie doch die Darstellung von OPs bei vollem Bewusstsein und jede Menge Schmodder, der übrigens, noch so eine in A-Produktionen unvorstellbare Maßnahme, durch eine hautverätzende Substanz realisiert wurde, die das Kamerateam dazu zwang, sich mit Müllbeuteln gegen das Gesplattere zu schützen.

In diesem Sinne ist „Mutant“ auch ein besonders ekliger Film, dem es sogar gelingt, Anhänger des Melt Movies abzuholen. Sobald ein schwarzer Schmierlappen sich in stiller Reminiszenz an den Facehugger im Gesicht des ersten Opfers festbeißt, ist der Reigen eröffnet – da sinken halbe Menschenschädel in sich ein und ganze Körper verdampfen auf der Untersuchungsbahre zu schleimigen Proteinshakes, die fortan als unheimliche Kulisse dienen, denn schließlich passieren die restlichen Überlebenden sie immer wieder, um vor dem Monster zu flüchten (Putzkräfte gab’s wohl nicht auf Planet Xarbia).

Während man sich die Sets aus anderen Filmen besorgen konnte, musste die Kreatur natürlich ein Original sein, dient sie dem Film doch als einziges wirkliches Alleinstellungsmerkmal. Obwohl sie mehrere Entwicklungsstadien durchläuft, ähnelt sie dem originalen „Alien“ im Endeffekt wie ein untersetzter kleiner Bruder mit seiner insektoiden, rippenartigen Körperstruktur, dem glatten, augenlosen Schädel und dem sabbernden Unterkiefer. Weil es sich diesmal um eine Modellbaut handelt und nicht um praktizierte Suitmotion, wirkt das Ungetüm mitunter fett und träge, insbesondere als es in einer Wüstensequenz (die optisch Abwechslung in den von dunklen Röhrenschächten bestimmten Film bringt) in der Totalen gezeigt wird, auf einem Fels hockend wie ein aufgeblasener Frosch. Der durchweg hyperaktive Schnitt gleicht diesen Eindruck allerdings wieder aus und sorgt für ein insgesamt angenehm vielseitiges Monster, das wenig originell und sichtbar kostengünstig daherkommt, dafür aber voller Überraschungen steckt – bis hin zu einer Szene, in der es über den Computer mit einer der Damen an Bord kommuniziert (und somit den Konsens über Bord wirft, dass man es mit einem animalischen Jäger zu tun hat, der rein instinktiv vorgeht).

Die Gesamtheit aller Eindrücke lässt einen Elan zur Geltung kommen, der ansteckend ist und über den auf Nullpegel verharrenden Originalitätswert locker hinwegsehen lässt: „Mutant“ ist unter Cormans Massenproduktionen ein echtes Kleinod und unter all den Alien-Rip-Offs eines der spektakulärsten. Obgleich der höher budgetierte „Galaxy Of Terror“ die größeren Schauwerte hatte und mehr Freiheiten über die Gestaltung der Filmwelt verfügte, zeigt Holzmans Regiedebüt auf, wie man mit geringsten Mitteln dennoch ein hohes Maß an handwerklicher Kreativität walten lassen kann. Seine Unverfrorenheit im Umgang mit der offensichtlichen Vorlage erinnert noch einmal daran, dass Filmkunst bei aller Leidenschaft immer mit einem Augenzwinkern betrachtet werden sollte.

7 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “Mutant – Gefahr aus dem All”

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Mediabook Cover A.

Vor 15 Jahren veröffentlichte Anolis „Mutant“ erstmals auf DVD. Inzwischen ist der Silberling längst vergriffen und dementsprechend zum begehrten Sammlerstück geworden – Zeit also für eine Neuauflage.

Diese kommt nun wieder von Anolis und bietet auch für Besitzer der Erstauflage durchaus einiges an Mehrwert. Veröffentlicht wird der Film diesmal als Blu-ray/DVD-Kombo im Hochglanz-Mediabook, wobei man die Auswahl zwischen zwei Coverartworks hat. „Mutant“ ist der erste Eintrag in die neue Anolis-Reihe „Phantastische Klassiker“, die wiederum in die 60er, 70er und 80er Jahre aufgeteilt wird. Auf dem Spine des Mediabooks macht sich die Zugehörigkeit zu der Reihe an dem Aufdruck „Die 80er“ und der Nummer (in diesem Fall „1“) bemerkbar; die Rückseite des Deckblatts, das ein flatschen-freies Mediabook-Cover freilegt, kündigt mit „Geheimagent Barrett greift ein“ (60er) und „Willard“ (70er) bereits die ersten Titel der anderen Jahrzehnte an.

Im Inneren des Mediabooks wartet ein 20-seitiges Booklet mit einem Text von Ingo Strecker, der von reichlich Schaukastenbildern geschmückt wird. Schön auch: Egal, für welches Cover-Artwork man sich entscheidet, beide sind nochmals im Booklet abgedruckt – das sollte Standard werden. Hinzu gesellt sich noch die amerikanische Variante des gezeichneten Cover B mit Hinweis auf den BH, den man der Dame im Vordergrund aufgezeichnet hat. Ganz vorne befindet sich noch das ebenfalls sehr schöne französische Artwork (wie hart die Franzosen im Nehmen sind, beweist mal wieder der „interdit aux mojns de 13 ans“-Aufdruck an der Seite des Posters). Immer gerne gesehen auch die zwei Seiten gefüllt mit Produktionsdaten, die vom Produktionsjahr über die deutschen Synchronsprecher bis hin zur metergenauen Länge der Zelluloidrolle alle Informationen bereithalten, die man braucht.

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Mediabook Cover B.

Über die verbreitete Bonus-DVD-Dreingabe in einem Blu-ray-Mediabook wird ja gerne gestritten, hier ergibt sie aber zweifellos Sinn: Enthalten ist nämlich der längere Director’s Cut inklusive Audiokommentar von Regisseur Allan Holzman. Das Master stammt von einer privaten VHS des Regisseurs, dementsprechend hätte sich eine HD-Auswertung nicht gelohnt. Es ist aber schön, sie zu Vergleichszwecken und für den Audiokommentar im Paket zu wissen.

Konzentrieren darf man sich aber auch reuelos auf den Kinocut, der sich trotz eines Laufzeitunterschieds von etwa 5 Minuten nur in Details unterscheidet und keine entscheidenden Gewalt- oder Handlungssequenzen vermissen lässt. Bild und Ton sind Alter und Produktionsumständen auf Blu-ray mehr als angemessen. Die alte Anolis-DVD liegt mir zum Vergleich nicht vor, es liegt aber auf der Hand, dass die Blu-ray hier noch ein paar Scheite aufwerfen kann.

Bei den Extras konnte man die Features der 2010 veröffentlichten US-Blu-ray von Shout Factory zurückgreifen. Diese umfasst ein mehr als halbstündiges Making-Of, bei dem Beispielsweise Regisseur Allan Holzman, Hauptdarsteller Jesse Vint, Soundtrack-Komponistin Susan Justin und einige der Effektespezialisten (Robert Skotak, R. Christopher Biggs, Tony Randal) zu Wort kommen und ein insgesamt recht umfassendes Bild der Produktionsumstände geben, wobei sie auch nicht mit spaßigen Anekdoten sparen. Die Make-Up-Effekte werden weiterhin in einem separaten Interview mit John Carl Buechler beleuchtet, der die kosteneffiziente Arbeitsmethodik herausstellt, bei der es sogar schon vorgekommen sei, dass überschüssiges Budget wieder zurückgegeben wurde. Roger Corman, der im Making-Of leider nicht zur Sprache kommt, ist immerhin noch in einem eigenen 6-Minuten-Interview zu sehen.

Dazu gibt es noch Kinotrailer, Werberatschläge und Bildergalerien. Exklusiv an Bord ist noch ein Audiokommentar mit Ingo Strecker und Pelle Felsch zur deutschen Kinofassung. Was die alte Anolis-DVD weiterhin erhaltenswert macht, ist der dort verfügbare 32-Minuten-Soundtrack, der nun in der Neuauflage fehlt.

Sascha Ganser (Vince)

Bildergalerie von “Mutant – Das Grauen im All”

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Der Roboter-Begleiter der Hauptfigur bekleidet kaum eine Funktion innerhalb der Handlung, aber ein Alien-Rip-Off ohne künstliche Intelligenz ist schließlich kein Alien-Rip-Off.

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Prison Break in Outer Space.

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Das Büffet ist eröffnet. Fragt sich nur, wer zuerst zugreift – Monster oder Filmheld?

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Ob der Doc diesen Patienten wieder auf Vordermann bringen kann?

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Wenn Dawn Dunlap und June Chadwick mal nicht in ihren knappen Overalls stecken oder nackt sind, tragen sie ihre Auswärtstrikots – kuschelige Bademäntel.

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Hat sich auch für die Hauptrolle in “Alien” beworben, hatte aber nicht die geeigneten Körpermaße: Subjekt 20.

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Die Putzfrau hatte am Drehtag leider frei.

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Der Schlüssel zum Kampf gegen die Bestie liegt an schwer zugänglicher Stelle.

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