Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Phantom Raiders

Originaltitel: Phantom Raiders__Herstellungsland: Philippinen, USA__Erscheinungsjahr: 1988__Regie: Sonny Sanders, Dan Harvey__Darsteller: Miles O’Keeffe, Don Holtz, Anthony East, Mike Monty, Kenneth Peerless, Jim Moss, Dave Anderson, Karen Roberts u.a.

„Spektakuläre Stunts und grandiose Effekte versprechen sagenhaften Filmgenuss pur – Das mitreißendste Action-Kino seiner Zeit…“ (Covertext von Starlight Film)

Phantom Raiders

Fasse bitte die Handlung von “Phantom Raiders” in einem Wort zusammen! Ratatatatataaaaa

Ärm, nunja, nicht ganz. Dafür ist „Phantom Raiders“ der Beweis dafür, dass ein Actionfilm wirklich gar keine Handlung benötigt und dennoch irgendwie funktioniert. In diesem Fall heißt das, dass „Phantom Raiders“ aus drei großen Actionszenen besteht. Zwischen ebenjenen steigt keinerlei störende Handlung und die Dialoge köcheln derart auf Sparflamme, dass man sich nach dem Filmgenuss gar nicht mehr daran erinnern kann, dass überhaupt mal gesprochen wurde! Es ist nicht einmal Zeit für den obligatorischen Besuch in einem Stripschuppen. Stattdessen gibt es einfach Daueraction satt!

Und weil der Film soviel Action hat, kann er es sich auch leisten, mal eben die Einstiegsactionszene hinter unpassend großen, schreiend roten Credits zu verstecken. Keine Schwarzblenden, keine Ablenden, sondern tatsächlich Credits, die komplett verdecken, was da eigentlich gerade geschieht. Am Ende des Geballers sind gefühlt 50 Mann verendet und einige Leute der einen Partei werden gefangen genommen. In einem seltsamen Lager werden sie nun nach und nach abgemurkst und am Ende der 20minütigen Szenerie ist man kein Stück schlauer, um was es nun eigentlich gehen könnte.

Dafür folgt nun endlich die Erklärung: Auftritt von Miles O’Keefe, der stellvertretend für den Zuschauer knapp umrissen bekommt, was in „Phantom Raiders“ eigentlich Phase ist: In Vietnam hat sich ein abtrünniger US-Colonel eine Art Terrorarmee aufgebaut, mit der er die freie Welt bedroht. Und O’Keefes Python (was ein heldenhafter Name!) soll den Lump killen. Dazu rekrutiert er drei fettleibige Vietnam-Veteranen und den Sohn des Lumpen, der voll sauer auf den Herrn Papa ist. In Actionszene zwei werden die drei Fettleibigen nun wieder gedrillt. Und zwar in Ninja-Kampftaktiken! Dazu hirschen sie durch irgendwelche Wälder und werden beständig beinahe gesprengt oder von Python erschossen. Aber Training ist nunmal Training.

Nicht dass ihr glaubt, ihr würdet in dieser Trainings-Montage irgendetwas über die Charaktere erfahren. Kein Stück. Explodiert gerade nichts, schaut Miles O’Keefe kernig in die Kamera oder posed mit irgendeiner Knarre. Und bevor das Training zu lang gerät, startet die finale Actionsequenz. 40 Minuten vor Ende des Filmes!

Unser Minikommando wird in Vietnam abgesetzt und nietet nun alles um, was sich bewegt. Mal mit Ninjasternen, mal mit Granaten und mal mit Knarren. Und das nimmt und nimmt kein Ende. Man muss sich das in etwa so vorstellen: Die Helden laufen fünf Meter. Dann stürmen zumeist Vierer-Grüppchen fieser Vietnamesen auf sie zu und die Amis nieten die Gegner um. Fünf Meter weiter dasselbe Spiel. Nach zehn Minuten sind ca. 100 Vietnamesen in die heiligen Jagdgründe übergewechselt, da bekommt der Oberfiesling erstmal mit, dass seine Truppen überhaupt attackiert werden! Von jetzt an wird die Schlagzahl nochmal erhöht und es sterben noch mehr Fieswichte!

Nebenbei dürfen auch mal ein paar Strohhütten explodieren und ein Hubschrauber kreist unkoordiniert am Himmel herum. Der Bodycount ist kurz vor unzählbar und eine kaputte Szene jagt die nächste. Da werden auf einmal explosive Ninja-Sterne geworfen, die die Wirkung mittlerer Atombomben haben. Nebenbei zerrt man die Bösewichter comiclike in irgendwelche Büsche und der Zuschauer hört nur noch, wie die Schergen ein paar Schellen kassieren, während der Busch ordentlich wackelt. Allgemein erinnert die Choreographie des Filmes stark an Bud Spencer und Terence Hill Filme. Vor allem, wenn es immer wieder amtliche Schellen auf Ohren oder Köpfe hagelt. Großartig. Das ist irgendwann so irre, dass einen sogar die dutzendfach auflaufenden Füllszenen nicht stören, die es sonst in keinen anderen Film schaffen würden. Etwa elend lang an der Kamera vorbeifahrende Jeeps oder Boote.

Geredet wird in den letzten 40 Minuten gar nicht mehr. Außer Gegrunze und Geächze hört man nur Schüsse und Explosionen. Dazu kultigste Synthesizer-Mucke, die tatsächlich zwei oder drei gute Themen zwischen ganz vielen grottigen Soundteppichen lancieren kann. Wenn dann irgendwann einige Helden verenden, ist das dem Film so egal wie dem Zuschauer. Selbst die finale Konfrontation zwischen dem Bösewicht und seinem Sohn kommt ohne jedwede Dramatik aus. Und weil bis dahin vermutlich nur knapp 250 Leute umgenietet worden, hetzen die Regisseure Dan Harvey und Sonny Sanders (beide haben vor und nach „Phantom Raiders“ keinen einzigen Film mehr gedreht!) einfach noch eine Hundertschaft auf die verbliebenen Helden, die verächtlich lachend den Rest der Lumpen abfrühstücken.

Ist das vollbracht, nimmt dann auch Miles O’Keefe („True Vengeance“) seine Sturmmaske ab. Dieser hat er bei etwa 75 Prozent seiner Auftritte im Film auf. Vermutlich hat die Gage nicht gestimmt und er war nicht bereit, sein Gesicht mehr als fünf Minuten im Film zu zeigen. Seine Mitstreiter tragen im Übrigen auch meistens irgendwelche vermummende Masken, was total bekloppt ausschaut. So fällt freilich nicht auf, dass sie alle nicht spielen können, aber wem wäre das bei diesem Film jemals wichtig gewesen?

Der reiht einfach eine Actioneskalation an die nächste, ohne irgendein Gespür für spektakuläre Momente. Hat man die erste Actionszene in „Phantom Raiders“ gesehen, kennt man alle weiteren. Blutbeutel platzen in dem kostengünstig auf den Philippinen gedrehten Trasher leider kaum. Weshalb das Ganze auch nie so wirklich brutal rüberkommen mag. Dafür verstecken sich innerhalb der ellenlangen Actionszenen wirklich Momente, die zumindest von einem Verständnis für die Bebilderung von Action sprechen. Etwa wenn die Kamera mal neben einem Helden her hetzt, während der die Fieslinge umnietet. Ansonsten geht es in dem Film wirklich nur um das Drehen am Bodycount. Es gibt keine echten Charaktere, keine Handlung, keine Dialoge, keinerlei Dramaturgie, keine Spannung, kein Schauspiel, nur blaue Bohnen satt! Und glaubt es oder glaubt es nicht, aber das ist durchaus spaßig anzuschauen. Vor allem wegen dem unfreiwilligen Humor, der sich hier alle naselang versteckt.

Die deutsche DVD kommt von Starlight Film und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten. Der Film wurde im Übrigen im Februar 2015 vom deutschen Index genommen. Vielleicht nimmt sich noch einmal jemand dieses Actioninfernos an. Die bisher erhältliche Fassung hat nämlich einige echt derbe Bilddefekte.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film? + ein Bonus-Review!
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Copyright aller Filmbilder/Label: Starlight Film__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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