Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Platoon

Originaltitel: Platoon__Herstellungsland: USA/Großbritannien__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: Oliver Stone__Darsteller: Tom Berenger, Willem Dafoe, Charlie Sheen, Forest Whitaker, Francesco Quinn, John C. McGinley, Richard Edson, Kevin Dillon, Reggie Johnson, Keith David, Johnny Depp, Tony Todd u.a.
Platoon

Oliver Stone lässt Charlie Sheen, Tom Berenger und Willem Dafoe in den Krieg ziehen

Oliver Stone („Wall Street“) war als G.I. selbst in Vietnam und beschäftigt sich daher oft mit diesem Thema in seinen Filmen. Sein auf eigenen Erfahrungen basierender „Platoon“ wurde zum ersten Film in einer (inhaltlich voneinander unabhängigen) Trilogie innerhalb von Oliver Stones Schaffen, die den Vietnamkrieg und seine Auswirkungen direkt thematisierte; auf „Platoon“ folgten „Geboren am 4. Juli“ und „Zwischen Himmel und Hölle“.

Es dürfte auch an Stones eigener Erfahrung, die in den Film einfließt, liegen, dass man extrem schnell mit dem jungen Soldaten Chris Taylor (Charlie Sheen) mitfühlen kann, der nach Vietnam kommt. Chris stammt an sich aus gutem Hause, doch hat das College geschmissen und sich freiwillig gemeldet. In Vietnam wird er als Frischfleisch kaum beachtet und wenn dann meistens runtergeputzt, da ein neuer Soldat sich seine Anerkennung erst verdienen muss und viele von ihnen eh bald abgeknallt werden.

Doch Chris gehört zu denen, die überleben und sich langsam Respekt verdienen. Doch je weiter seine Dienstzeit fortschreitet, desto mehr hat er das Gefühl, dass der wahre Krieg innerhalb des Platoons tobt, zwischen den Soldaten, die sich ihre Menschlichkeit bewahrt haben, und denen, die zu eiskalten Mördern geworden sind…

Platoon

Chris Taylor (Charlie Sheen) zog aus Idealismus in den Krieg, verliert diesen aber bald

„Platoon“ ist neben „Full Metal Jacket“ der beste Vietnamfilm, doch im Gegensatz zur ironischen Distanz des Kubrickfilms setzt „Platoon“ auf knallharten Realismus, der sich fast fühlbar niederschlägt. Den unwirtlichen verregneten Dschungel, in welchem die Vietcong den US-Soldaten ein ganzes Stück voraus sind, bringt Stone mit solcher Intensität auf die Leinwand, dass man das Unwohlsein des Platoons fast schon fühlen kann, denn hier sind neben schlechtem Wetter ständige Entbehrungen, Schlafmangel und andauernde Bedrohung an der Tagesordnung.

Gleichzeitig vergisst Stone jedoch auch nicht Kritik am eigenen Land zu üben, denn „Platoon“ ist kein patriotischer Film. Vor allem in der Szene, in welcher die Truppe ein Dorf durchsuchen, in dem sie Vietcong vermuten, zeigt überdeutlich, dass die US Army alles andere als die großen Retter waren und auch viele Kriegsgräuel begingen, die in anderen Vietnamfilmen immer gerne unter den Teppich gekehrt werden. Die Szene, in der Staff Sergeant Bob Barnes (Tom Berenger) mit der Erschießung von Zivilisten anfängt und vorerst niemand einschreitet, ist ein wahrer Schlag in die Magengrube und gehört zu den eindrucksvollsten Momenten von „Platoon“.

Auch das Soldatentum wird von Stone kritisch begutachtet: Die meisten Soldaten sind nicht freiwillig wie Chris in Vietnam, sondern es handelt sich wenig qualifizierte Leute, oft Angehörige von Minderheiten, die von der Gesellschaft in den USA nicht so recht gewollt wurden. Die meisten wissen gar nicht wofür sie kämpfen und selbst der anfangs noch so idealistische Chris, der den Film als Off-Erzähler kommentiert, versucht bald nur noch seine Dienstzeit rumzukriegen und dabei noch die Würde des Gegners zu achten soweit es geht.

Platoon

Hunde des Krieges: Staff Sergeant Bob Barnes (Tom Berenger) und seine Truppe

Dabei setzt Stone kaum auf Action, denn die Feuergefechte spielen in „Platoon“ eine untergeordnete Rolle. Nur gelegentlich kommt es zu Gefechten und diese sind dann aus der Sicht der einzelnen Soldaten erzählt: Unübersichtlich, die Position des Feindes ist nie so recht klar und meist wird man aus dem Hinterhalt erschossen, da der Vietcong seine Dschungelkenntnis nutzt, um den technischen überlegenen Amerikanern ein Schnippchen zu schlagen. Eingänglich ist die Filmmusik, die sparsam eingesetzt wird, aber sowohl Gefechte als auch simple Landschaftsaufnahmen stimmig untermalt.

Einziger kleiner Schwachpunkt an „Platoon“ ist die Tatsache, dass Rauschmittelschlucker Stone sein Faible auch schon hier einbringen muss und dadurch die Charakterzeichnung etwas verwischt. Die mehr oder minder maßvoll kiffenden Soldaten um Sergeant Elias Grodin (Willem Dafoe), denen sich auch Chris anschließt, sind die besonnenen Kämpfer, während der Rest meist unfähig, egoistisch oder mordlüstern daherkommt und ebenjene Truppe verachtet. Allerdings klingt das schlimmer als es ist, denn die meisten Charaktere des Films sind wirklich gut ausgearbeitet und nur selten verfällt „Platoon“ simple gut-böse-Schemata.

Auch die Darstellerriege spielt exzellent, allen voran Charlie Sheen („Navy Seals“), Tom Berenger („Sinners and Saints“) und Willem Dafoe („Odd Thomas“) in den tragenden Rollen des Films. Alle drei stellen ihre Charaktere als fähige Soldaten dar, deren Vorgehensweise sich jedoch stark voneinander unterscheidet. Auch in den Nebenrollen ist „Platoon“ stark gespielt und exquisit besetzt: Unter anderem mischen noch Johnny Depp („Lone Ranger“), Tony Todd („Sabotage – Dark Assassin“), John C. McGinley („Alex Cross“), Forrest Whitaker („The Last Stand“), Keith David („The 5th Commandment“) und Kevin Dillon („Insemination“) hier mit.

So bleibt ein wunderbar gespielter und sehr eingängiger Vietnamfilm, der nicht auf Feuergefechte, sondern auf realistische, kritische Darstellung des Soldatenlebens Wert legt, trotz kleinerer Schwächen bei der Charakterzeichnung.

Die deutschen DVDs und Blu-Rays sind bei MGM/20th Century Fox erschienen und ungekürzt. Je nach Edition sind im Bonusmaterial diverse Rückblicke und Making Ofs enthalten.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: MGM/20th Century Fox__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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