Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Redemption – Stunde der Vergeltung

Originaltitel: Hummingbird__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Steven Knight__Darsteller: Jason Statham, Agata Buzek, Senem Temiz, Vicky McClure, Benedict Wong, David Bradley, Lee Asquith-Coe, Siobhan Hewlett, Ger Ryan, Paul Blackwell u.a.
Redemption-Hummingbird

Jason Statham in einer ungewöhnlichen Mischung aus Romanze und Action: “Redemption”

Joey Jones, zumindest nennt er sich so, gehört zu den Ausgestoßenen unserer Gesellschaft. Der Obdachlose teilt sich einen Pappkarton mit der jungen Isabel und ist beinahe täglich den Repressalien von Londoner Kleingangstern ausgesetzt. Eines Tages setzt er sich zur Wehr, wird allerdings nach Strich und Faden verdroschen. Ein Lucky Punch ermöglicht ihm die Flucht. Aus Angst, von den Kriminellen doch noch gestellt zu werden, steigt er in eine verlassene Wohnung ein und gibt sich hier erst einmal ordentlich die Kante. Erst am nächsten Morgen bemerkt er schwer verkatert, welche Chance sich ihm hier eigentlich auftut. Denn der Inhaber der Wohnung, irgendeine männliche Medienhure, ist in den USA unterwegs und wird erst ein knappes Jahr später zurückkehren. Und Joey findet in der Wohnung alles, was er braucht: Schlüssel, Geld, Kreditkarten, Kleidung, …

Joey richtet sich nun wohnlich in „seinen“ neuen vier Wänden ein und plötzlich beginnt es für ihn zu laufen! Er beginnt als Küchenhilfe in einem Chinarestaurant zu arbeiten. Die entdecken schnell, dass Joey eine Menge mehr auf dem Kasten hat und engagieren ihn als Fahrer, Geldeintreiber und Mann fürs Grobe. Innerhalb der Strukturen seiner chinesischen Arbeitgeber steigt Joey schnell auf und scheffelt richtig Kohle. Doch er vergisst nie, wo er herkam und teilt seinen neuen Reichtum mit den Menschen von der Straße. Und er sucht nach seiner Isabel. Der geht es inzwischen alles andere als gut. Als Hure versucht sie, Geld zu verdienen, sagt Joey davon aber nichts und wiegt ihn in trügerischer Sicherheit. Der verliebt sich derweil in eine Missionsschwester und glaubt, dass es besser gar nicht mehr kommen könne. Da findet man Isabel tot in einem Fluss…

Redemption-Hummingbird

Joey und Joey – Die zwei Seiten einer Medaille.

Mit „Redemption – Stunde der Vergeltung“ wird Jason Statham („Parker“), der in der Wahrnehmung vieler ja immer nur den gleichen Film dreht, so manche Erwartung an ihn und seine Filme unterwandern. Denn „Redemption“ ist definitiv kein typischer Jason Statham Film. Es ist ein Film, der irgendwann eine beinahe märchenhafte Atmosphäre atmet. Da gibt es surreale Traumsequenzen mit Kolibris (womit auch der Originaltitel des Filmes erklärt wäre), tolle Dialoge, eine erstaunlich feinfühlige und gewitzte Romanze sowie erstaunliche, unerwartete Szenen wie ein Barbecue auf offener Straße oder eine Nonne in einer Fotoausstellung mit ausschließlich nackten Männern. Zwischendurch steigt Joey zu einer Art Robin Hood für Londons Unterschicht auf und irgendwann verschenkt er sogar rote Kleider. Das schrammt immer mal wieder ganz hart am Kitsch entlang, wird durch wirklich harte, realistische Einsprengsel rund um Drogen- und Menschenhandel, Prostitution, die Situation Obdachloser und das allgegenwärtige Verbrechen immer wieder rechtzeitig geerdet. Das Ergebnis ist eine ganz eigentümliche, eine ganz erstaunliche und vor allem dichte Atmosphäre, die durch den feinfühligen Score trefflich unterstrichen wird.

Redemption-Hummingbird

Der “neue” Joey verändert das Leben vieler Menschen.

Die Geschichte derweil erzählt von einem Niemand, der einst untertauchen musste und dies irgendwo ein Stück weit zu konsequent gemacht hat. In der Folge erleben wir Statham in den ersten Minuten total am Boden. Abgerissen, speckig, zerlumpt und mit übler Frisur geht Statham gekonnt gegen sein Dressman Image an. Dieses transportiert er erst wieder, wenn seine Figur den Kopf aus dem Sumpf herausstreckt. Es wieder wagt, zu leben. Aus dem Schatten der Gesellschaft tritt, um, wie Joey selbst sagt, vielleicht irgendwie etwas Gutes zu tun. Das geht nicht lange gut, denn seine Talente liegen eher im Destruktiven, doch als er die Missionsschwester Cristina kennenlernt, ändert sich für ihn alles. Für sie im Übrigen auch. Das Ergebnis ist eine wundervoll entrückte Romanze, die man so in einem Statham Film noch nie gesehen hat. Und Statham und sein Co-Star Agata Buzek geben ein herzzerreißend knuffiges Pärchen ab und man nimmt den beiden die Romanze auch tatsächlich ab! Denn beide spielen mit viel Understatement genau auf den Punkt. Holen den Zuschauer ab und lassen ihn über die verrückten Kapriolen, die der Film nun häufiger schlägt, beherzt schmunzeln.

Doch freilich hat der Film auch etwas Action. Hier langt Jason Statham wie gewohnt amtlich hin. Die Fights sind sauber choreographiert, transportieren einige beachtliche Härten, werden aber bei weitem nicht so exzessiv ausgespielt, wie man das von Statham Filmen im Allgemeinen kennt. Gehen Gegner hier zu Boden, bleiben sie liegen und Stathams Moves sind sichtlich auf Effektivität und Effizienz getrimmt. So sind die Keilereien auch meist flott beendet, zumal kaum einer der Gegner mit Joeys Kampfkraft rechnet. Und wo ich bereits erwähnte, dass der Film diverse Erwartungen unterwandern wird: „Redemption“ verzichtet, trotz des deutschen Beititels „Stunde der Vergeltung“, auf einen reißerischen Megashowdown. Die Fronten werden eiskalt geklärt, fertig.

Redemption-Hummingbird

Um die Maschine, die sie aus mir gemacht haben, zu zügeln, trinke ich…

Inszeniert ist das Ganze sehr bodenständig. Interessant sind die immer mal wieder eingesponnenen Bilder von Aufklärungsdrohnen, die mal über einem echten Kriegsgebiet Joeys Wege begleiten und dann in dem Kriegsgebiet Londoner Unterwelt über der Hauptfigur kreisen. Ansonsten sind vor allem die Fights sehr dynamisch und flott montiert, allerdings verwundert der erste größere Fight mit seltsamen Miniwiederholungen bei Umschnitten. Außerdem wird einmal mehr London über alle Maßen zelebriert. Vornehmlich bei Nacht, wenn die Metropole scheinbar erst recht zum Leben erwacht. Ein Stilmittelbombardement und die im Genre aktuell etwas zu gerne genutzte Wackelkamera bleiben komplett außen vor. Was vor allem im Umfeld der Romanze zwischen Joey und Cristina auffällt, ist, dass hier die Farbgebung deutlich wärmer und anheimelnder wirkt.

Am Ende des Spielfilmdebüts von Steven Knight, Drehbuchautor von hochkarätigen Streifen wie „Eastern Promises“, taucht Joey wieder ein in die namenlose Masse, die wir alle gelernt haben, zu ignorieren, wenn uns ein Mensch daraus anspricht und um Hilfe bittet. Dabei wäre es vielleicht mal ganz klug, hinzuhören, was für Geschichten sie zu erzählen wissen. Joey auf jeden Fall würde erzählen, dass er für wenige Monate wieder Mensch war und wieder gelebt hat. Und wir wurden dank „Redemption“ Zeuge davon. Der hätte vielleicht noch ein oder zwei Actionszenen mehr vertragen und auch seine Charaktere mehr hinterfragen können, so aber gefällt er als etwas abwegige Romanze mit thrillerndem und leicht märchenhaften Einschlag. Diese transportiert des Weiteren ein gerütteltes Maß an Sozialkritik, wobei „Redemption“ hier eher anreißt, als sich tatsächlich mit den Problemen zu beschäftigen. Getragen wird „Redemption“ von zwei wirklich tollen Hauptdarstellern, von denen man in dieser Paarkonstellation gerne noch mehr sehen würde… Am Ende bleibt ein nicht perfekter, aber wirklich schöner Film!

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt am 29. November 2013 von dem Label Universum Film und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Bild- und Tonqualität sind dabei über jeden Zweifel erhaben und die Interviews zum Film durchaus interessant ausgefallen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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