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S.U.M.1 – Control your Fear

Originaltitel: S.U.M.1__Herstellungsland: Deutschland__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Christian Pasquariello__Darsteller: Iwan Rheon, André Hennicke, Niels-Bruno Schmidt, Zoe Grisedale, Norman Reedus u.a.
S.U.M.1 Iwan Rheon Filmposter

Iwan Rheon aus “Game of Thrones” ist einer der Hüter unserer Erde in “S.U.M.1”.

S.U.M.1 ist Soldat in einer zerstörten zukünftigen Welt. Außerirdische haben die Menschheit überfallen und sie unter die Erde gezwungen. Exilium nennen die Menschen ihren selbst gewählten Zufluchtsort. Was sie vor den Außerirdischen schützt, ist ein Verteidigungsring, dessen Funktion durch Soldaten wie S.U.M.1 sichergestellt wird.

Einerseits sind diese Soldaten so die einzigen, die noch einmal auf die Erdoberfläche zurück dürfen. Andererseits könnte ihr Job kaum zermürbender sein. 100 Tage müssen sie allein in den Anlagen zur Befestigung des Verteidigungsringes ausharren, um die entsprechende Technik zu überprüfen und eventuell flüchtigen Menschen den Weg zu Exilium zu weisen.

S.U.M.1 kommt mit dieser Ausgangssituation zunächst gut zurecht. Er schafft sich immer gleiche Abläufe, die die Zeit zumindest ansatzweise vergehen lassen. Eine zutrauliche Ratte wird zu seinem besten Freund und Gesprächspartner. Seine einzigen Interaktionen mit Menschen sind jene mit seinen Vorgesetzten, in denen er nur durchgibt, was an seinem Stützpunkt passiert ist.

Doch mit der Zeit fordert der Job seinen Tribut. S.U.M.1 beginnt nachzuforschen, was mit seinem angeblich vorzeitig abgezogenen Vorgänger passiert ist. Seine Erkenntnisse daraus und lange Spaziergänge rund um seinen Standort und dabei gemachte Entdeckungen lassen ihn bald an sich, aber auch an den Geschichten um die „Nonsuch“ genannten Außerirdischen zweifeln…

Schaut in den atmosphärisch dichten Endzeitthriller „S.U.M.1“ hinein

„S.U.M.1“ ist kein Film der großen Worte. Vielmehr ist er ein Einpersonenstück, in dem „Game of Thrones“ Widerling Iwan Rheon („The Liberator“) langsam dem Wahnsinn zu verfallen scheint und mit einer intensiven Performance den lange mit vielen Andeutungen arbeitenden Science-Fiction-Thriller zusammenhält. Der bietet sicherlich kein oscarreifes Storytelling. Lebt vor allem von der Reduktion: Ein karger und wenig einladender Schauplatz trifft hier auf ein absolutes Minimum an handelnden Personen.

Das sorgt vielleicht nicht für ein Mördertempo, erzeugt aber eine dichte und überzeugende Atmosphäre der Isolation, die der Film mit seinen kalten, fahlen, farbentzogenen Bildern und dem beständig unbequem wirkenden Witterungsbedingungen nur noch unterstreicht. Die Einsamkeit des Protagonisten überträgt sich so ziemlich schnell auf den Zuschauer, der S.U.M.1 bald mit viel Respekt entgegentritt, denn in der Situation hätte vermutlich jeder schon viel früher die Flöhe husten hören.

S.U.M.1 Iwan Rheon als Soldat

S.U.M.1 geht durch die Hölle…

„S.U.M.1“ nimmt sich vor allem zu Beginn einiges an Zeit, um die Situation seines Helden darzustellen. Seine selbst geschaffenen Abläufe zu bebildern. Wieder und immer wieder. So kommen erste Abweichungen für den Zuschauer genauso überraschend wie für S.U.M.1. Ohne dass Regisseur Christian Pasquariello direkt durchstarten würde. Ganz langsam beginnt er, Spannung aufzubauen, die Töne zu verschieben.

Wie S.U.M.1 wird man als Zuschauer ganz allmählich misstrauischer und schaut ganz genau hin, ob sich in den umliegenden Wäldern nicht doch etwas bewegt hat. Irgendwann verselbstständigt sich dann die Spannungskurve des Filmes. Er ist nun beständig in Bewegung. Lässt die Situation mehr und mehr eskalieren und hat den Zuschauer fest im Griff, der längst mit S.U.M.1 miträtselt. Schön ist, dass das Ende dann den aufgebauten Erwartungen angenehm zuwiderläuft und damit einen hübschen Kontrapunkt zum aktuell gerne mal zu harmlosen Konsens-Kino setzt. Einzig die Umsetzung ist vor allem in Sachen Design nicht so gelungen.

S.U.M.1 Iwan Rheon und Ratte

S.U.M.1 und seine Ratte Doc forschen nach, was es mit den Aliens auf sich hat.

Was am Ende bleibt, ist netter Science-Fiction-Genrebeitrag aus deutschen Landen, der für 90 Minuten in seine trostlose Welt entführt und diese optisch mehr als funktional in Szene setzt. Größter Pluspunkt des Unternehmens „S.U.M.1“ ist Iwan Rheon, der aufgrund seiner Optik zu Beginn fast schon roboterhaft wirkt und den Zuschauer ziemlich auf Distanz hält, dann aber mehr und mehr in den Film hineinzieht. Und unter uns „Game of Thrones“-Fans: Wahnsinn kann kaum einer besser spielen als er. Dieser Verfall ist vom Film auch gut in Szene gesetzt und spannend und atmosphärisch dicht inszeniert. Dennoch hätte „S.U.M.1“ vor allem zu Beginn ein höheres Tempo gut vertragen können und von dem urplötzlich über den Zuschauer hinweg rollenden Finale hätte man gerne noch deutlich mehr gesehen. So richtig satt macht „S.U.M.1“ also nicht. Für den kleinen Sci-Fi-Hunger zwischendurch reicht es aber allemal. Die Entscheidung, den Film ins Kino bringen zu wollen, kann allerdings nur als mutig umschrieben werden. Dazu ruft der Film ein wenig zu deutlich: „Ich bin eigentlich eine Videopremiere“. Auf der anderen Seite ist es freilich schön, mal wieder Genreware aus Deutschland in den deutschen Kinos zu sehen…

6 von 10

„S.U.M.1“ ist ab dem 7. Dezember 2017 in den deutschen Kinos zu bestaunen. Er kommt von Universum Film und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 7.12.2017 in den deutschen Kinos

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