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The Autopsy of Jane Doe

Originaltitel: The Autopsy of Jane Doe__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: André Øvredal__Darsteller: Ophelia Lovibond, Emile Hirsch, Brian Cox, Parker Sawyers, Michael McElhatton, Jane Perry, Olwen Catherine Kelly u.a.
The Autopsy of Jane Doe DVD Cover

Wohlige Gänsehaut garantiert: “The Autopsy of Jane Doe”

Tommy und Austin Tilden arbeiten als Leichenbeschauer in einem kleinen amerikanischen Kaff. Eines Tages wollen sie gerade Feierabend machen, als der örtliche Sheriff einen Leichnam vom Ort eines grausamen Verbrechens anliefert. Im Gegensatz zu den beiden anderen Leichen am Tatort gibt diese besondere Rätsel auf. Zum einen weiß man nichts über das weibliche Opfer, weshalb es den Alias „Jane Doe“ bekommt. Zum anderen weist der Körper keinerlei Spuren gewaltsamen Einwirkens auf – ganz im Gegenteil zu den anderen Leichen am Tatort.

Die beiden Leichenbeschauer starten sofort die Untersuchung des Körpers. Sie stellen schnell fest, das Hand- und Fußgelenke der Frau gebrochen sind. Ohne dass dabei Flecken oder Male auf der Haut entstanden wären. Die beiden Männer stellen auch keine Leichenstarre fest. Zudem sind die Augen der Leiche derart verfärbt, dass sie folgern, dass die Frau schon recht lange tot sein müsse. Dagegen spricht eine aus der Nase des Körpers kletternde Fliege, die einen Schwall Blut zu Tage fördert.

Und die Rätsel hören nicht auf. Denn je tiefer Vater und Sohn „graben“, umso seltsamer wird es: Unfassbare Mengen Blut beim Öffnen der Leiche, Schnittwunden an allen inneren Organen, Verbrennungen dritten Grades an der Lunge. Nichts passt bei diesem Fall irgendwie zusammen. Dazu kommt, dass je weiter die beiden vordringen, um sie herum das pure Chaos auszubrechen scheint. Nicht nur wandeln tote Körper durch die Gänge des Leichenschauhauses, es kommen auch bald neue hinzu…

Erlaubt euch einen Blick auf „The Autopsy of Jane Doe“

„The Autopsy of Jane Doe“ ist einer der besten Horrorfilme der letzten Zeit, der scheinbar mühelos alles richtig macht, was anderen Genrevertretern nicht mehr gelingen will. Das beginnt schon bei dem großartigen Aufbau. Dieser geschieht ganz allmählich. Türmt Mysterium auf Mysterium und lädt den Zuschauer ein, munter mit den beiden Leichenbeschauern mit zu rätseln. Das sorgt von ganz allein für enorme Spannung, die mitten in das Kammerspiel hineinzieht.

Ein Kammerspiel, das mit zunehmender Laufzeit immer mehr eskaliert. Vom zum Mitraten einladenden Zweipersonenstück immer mehr zum blanken Horror mutiert. Bei dem der norwegische Regisseur André Øvredal (der sich nach seinem großartigen „Trollhunter“ mal eben sechs Jahre Zeit für seinen nächsten Film ließ) immer wieder auch Momente schafft, die den Zuschauer verunsichern: Ist das, was in dem Leichenhaus und drumherum passiert, nun wahr oder nur der Fantasie des überspannten Vater-Sohn-Duos entsprungen?

The Autopsy of Jane Doe Emile Hirsch und Brian Cox mit nackter Leiche

Die makellose Leiche einer jungen Frau stellt die Leichenbeschauer vor eine ganze Wagenladung an Rätseln.

Hinzu kommt, dass sich Øvredal Zeit lässt, seine Schocks vorzubereiten. In seinem gesamten Film hat er vielleicht zwei plötzlich abgefeuerte Jump Scares versteckt, alle anderen Schocks baut er genüsslich auf. Verzögert den eigentlichen Schock ab und an, um hernach umso krasser zuzuschlagen. Infolgedessen hat man hier endlich mal wieder Schocks, bei denen man zwar ahnt, dass etwas kommen muss, aber wann „The Autopsy of Jane Doe“ zuschlägt, das weiß man nicht. Die Folge sind einige hübsche Erschrecker und auch echte Gänsehaut-Momente.

Auch sein Setting weiß Øvredal gut zu nutzen. Die engen, verwinkelten Gänge des unterirdisch gelegenen Leichenschauhauses sind der ideale Spielplatz für perfide Licht- und Schattenspiele. Was beinahe wie nebenbei eine extrem dichte Atmosphäre erschafft. In den Ecken hängende Spiegel nutzt Øvredal, um darin Gestalten vorbeihuschen zu lassen oder bedrohlichen Präsenzen einen noch eindrücklicheren Auftritt zu bescheren.

The Autopsy of Jane Doe Emile Hrisch und Brian Cox

Der Abend der Autopsie gerät zunehmend außer Kontrolle.

Die handgemachten, immer überzeugenden Effekte, die auch abseits der wahrhaft detailfreudigen Autopsie absolut zu überzeugen wissen und von brennenden Infernos bis zu unheimlichen Kreaturen reichen, tragen viel zum Gelingen des Streifens bei. Genau wie die beiden Hauptdarsteller Brian Cox („Das Morgan Projekt“) und Emile Hirsch („Lone Survivor“), die weit entfernt von der üblichen Schrei- und Kreischmasse moderner Horrorfilme mit absolut souveränem Spiel vorzügliche, logisch agierende und sympathische Identifikationsfiguren entwerfen.

Wenn beim Betrachten eines Horrorfilmes bereits das feine Klingeln eines winzigen Glöckchens beim Zuschauer einen wohligen Schauer auslöst, weiß man, dass der Film irgendetwas richtig gemacht haben muss. Und „The Autopsy of Jane Doe“ macht schlicht und ergreifend so gut wie alles richtig. Ok, geübte Horrorfilmgucker werden sicherlich vor den beiden Hauptfiguren ahnen, was es mit der Leiche auf sich hat. Immerhin ist man als Horrorfilmgucker geübt darin, schneller in andere Richtungen zu denken, als zwei Leichenbeschauer, die tagtäglich nach realistischen Todesursachen ihrer „Kunden“ suchen. Zudem fällt das Finale des Streifens im Vergleich zu den vorherigen Minuten etwas ab und schafft es nicht mehr, so eindringlich zuzupacken. Doch von diesen winzigen Makeln abgesehen, ist „The Autopsy of Jane Doe“ einfach ein großartiger Streifen und aufgrund seiner Effektivität eine echte Wohltat im Genre!

8 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erscheint am 20. Oktober 2017 von Universum Film und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film/Square One__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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