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The Fighters 2: Beatdown

Originaltitel: Never Back Down 2__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2011__Regie: Michael Jai White__Darsteller: Michael Jai White, Stacey Asaro, Gralen Bryant Banks, Rus Blackwell, Beau Brasso, Eddie Bravo, Jude Cambise, Grant Case, Margo Nicole Clark, Gerardo Davila, Todd Duffee, Danny Epper u.a.
The Fighters 2

Michael Jai White übernahm die Regie bei dem DTV-Sequel zu “The Fighters”.

Michael Jai White ist mir erstmals wirklich aufgefallen, als er im Showdown von „Universal Soldier 2“ in einem cool choreographierten Fight mit Jean-Claude van Damme den Boden wischte. Zwar bekam er dann vom Belgier noch den Arsch versohlt, aber das Interesse war geweckt. Leider verschwand er danach irgendwie von meinem Radar, nur um sich dann mit einem Paukenschlag in dem Semiklopperkulthit „Undisputed 2“ zurückzumelden. Hernach bewies er sein erstaunliches komödiantisches Timing in „Black Dynamite“ und zeigte in „Blood and Bone“ was wirklich an Kampfsportpower in seinem bis ins Kleinste durchtrainierten Körper steckte.

Hier gab es ein paar Kostproben seines Könnens, die mehr als nur Staunen machten. Und während er auf einmal Geschmack daran gefunden zu haben schien, seine Kampfsport-Skills zu präsentieren, entwickelte das B-Action-Fandom großen Geschmack am Actionman-Potential Whites. Und der fackelte nicht lange und beschloss, das DTV-Sequel eines mehr oder weniger (eher weniger) erfolgreichen Klopperstreifens zu drehen, der vor Jahren munter vor sich hin dilettierte und das damals gerade aufkommende Mixed-Martial-Arts-Gekloppe mit einer unglaublich faden Teeniegeschichte kreuzte. „The Fighters“ („Never back down“) schimpfte sich der „Karate Tiger“-Klon für besonders anspruchslose Actionfans.

So konnte White mit „The Fighters 2“ („Never Back Down 2“) im Grunde nur gewinnen, denn schlechter ging es eigentlich kaum noch. Zwar ist dabei keine Granate der Marke „Undisputed 2“ herausgekommen, aber sowohl Film als auch Macher schlagen sich rundweg mehr als nur beachtlich…

Case Walker, Kampfsportspezialist und vor kurzem wegen guter Führung vorzeitig aus dem Knast entlassen, baut sein Wohnwagenzelt nicht unweit eines Colleges auf, an dem ein gewitzter Jugendlicher gewinnbringende Mixed-Martial-Arts-Events organisiert. Dabei handelt es sich um Max Cooperman aus Teil 1, der vom Kampfsportfan zum Kampfsportausrichter aufgestiegen ist. Einige der Fighter, die in den „Beatdown“ genannten Wettkämpfen gegeneinander antreten, schickt Max für deren Feinschliff bei Case in die Lehre, der sich so geldmäßig über Wasser halten kann.

Dieses Mal bekommt Case, der bereits zwei Jugendliche trainiert (einer wird von seiner Umgebung immer heruntergemacht und verprügelt, der andere fightet gerne, um seine ärmliche Herkunft zu vergessen), zwei weitere Fighter zugeschanzt, die an dem Beatdown teilnehmen wollen. Der eine ein Boxer und Frauenheld mit einem gesundheitlichen Geheimnis, der andere ein Wutbürger, der seinen Zorn nicht in den Griff bekommt.

The Fighters 2

Ex-Häftling Case Walker trainiert ein paar Jugendliche in MMA und hilft ihnen so, ihre Wut zu kanalisieren.

Alle vier Jugendlichen trainiert Case ganz individuell auf die einzelnen Charaktere und deren Stärken und Schwächen hin abgestimmt. Doch egal, wie umsichtig er dabei agiert, er kann nicht verhindern, dass einer seiner Schüler aufgrund der neu gewonnen Fähigkeiten Allmachtsfantasien entwickelt und Case irgendwann sogar einen Mord unterschiebt! Bei dem Beatdown muss es zur finalen Konfrontation kommen …

Michael Jai White („Exit Wounds“) geht die Unternehmung „Never back down“-Fortsetzung durchaus gewitzt an. Um nicht einfach nur den Vorläufer zu wiederholen, erweitert er das Figuren-Interieur drastisch. Vier statt einem Jugendlichen haben hier nun diesmal ihr Päckchen zu tragen. Damit bietet White eine breite Identifikationsfläche, die es dem Zuschauer leicht macht, sich in einem der Charaktere irgendwie wieder zu erkennen.

Da wir es hier aber mit einem Kampfsportfilm zu tun haben und White obendrein nicht nur Regisseur, sondern auch ein weiterer Hauptdarsteller ist, sollte klar sein, dass wir hier keine oscarreife Tiefe erwarten dürfen und so manche Figur (genannt sei vor allem der Koloss unter den vier Jugendlichen) extrem blass bleibt. Aber, und damit ist die Fortsetzung dem Original weit voraus, wir müssen diesmal keinem jugendlichen Unsympathen mit stylischer Frisur und Stock im Arsch die Daumen halten, denn die gebotenen Charaktere sind rundweg sympathisch, bis, ja bis der eine etwas sehr abdreht.

The Fighters 2

Kick, Kick, Fresse dick!

Das ist zwar sehr klischeehaft gestaltet, aber durchaus nachvollziehbar geraten. Blöd ist nur, dass seine Wandlung zunächst ziemlich subtil angedeutet wird, dann White aber wohl die Zeit weggerannt ist, weswegen er in Sachen Entwicklung des Oberbösen ein wenig auf die Tube drücken musste. Was stark zu Lasten der Glaubwürdigkeit des Charakters geht. Zumindest macht der Darsteller aber alles richtig und entwickelt sich innerhalb von Minuten zum wirklich fiesen Möpp!

Leider nicht zum hundsgemeinen Möpp, was dann ein wenig zu Lasten der Involvierung geht. Denn irgendwie fiebert man nicht so recht mit, wenn der fiese Lump die Kauleiste verbogen bekommt. Das ist allgemein ein Problem von „The Fighters 2“. Er versteht es nicht wirklich, zu packen. Hier werden die zu vielen Charaktere ein wenig zum Hemmschuh, doch auch in der Inszenierung der Fight-Szenen gelingt es White nicht, einen dramaturgisch überzeugenden Unterbau zu installieren.

Die Folge: Man sitzt bei den tadellos choreographierten und inszenierten Fight-Szenen unberührt dabei und ist im Grunde nur einer aus der johlenden Zuschauermasse, die um den Ring steht. Dennoch sind die Fight-Szenen nicht ohne. Michael Jai White gibt ihnen eine enorm dynamische Anmutung, lässt die jungen Darsteller einige Kabinettstückchen ihres Könnens auspacken und lässt vor allem die Mixed-Martial-Arts-Momente sehr flüssig ineinander übergehen. Auf schnelle Schlag- und Trittfolgen folgen also kurze Haltegriffintermezzos auf dem Ringboden, die sogleich wieder in heftigere Martial-Arts-Kicks und -Schläge übergehen.

The Fighters 2

Case Walker mit seinen Schützlingen.

Das bebildert White ohne viele Schnitte und mit vielen Totalen, was beweist, wie sehr er sich auf die gelungenen Kampfchoreografien und das Können seiner Darsteller verlassen konnte. White selbst zeigt volle Körperbeherrschung in den Trainingssequenzen, darf aber leider nur in einer wirklich eindrücklichen Kampfszene gegen mehrere Polizisten dem Vollkontaktsport so richtig frönen. Da zeigt er aber punktuell auf, was er drauf hat, und zeigt ein oder zwei Moves, die die Kinnlade durchaus anlockern…

Abseits der Kampfsporteinlagen inszeniert White mit Jump Cuts und Fast Forward Sequenzen ebenfalls recht dynamisch und lässt auch immer wieder gerne mal Zeitlupen-Momente einfließen. Dabei wird er aber den etwas piefigen Direct-to-Video-Look seines Films niemals so recht los.

Was bleibt ist ein Kampfsportstreifen, der das „Original“ mühelos in allen Belangen übertrumpft. Die Darsteller sind sympathisch, stolpern nicht über ihren Text und können richtig gut kicken. Die Geschichte versucht zumindest, das Original nicht nur zu wiederholen, ist aber letztlich auch nur eine der schon x-fach gesehenen „Meister macht Schüler trotz vieler Widerstände fürs Leben fit“-Geschichten, die man aus dem Genre schon hinlänglich kennt. Zum Glück ist Michael Jai White vor Ort, inszeniert sauber und geradlinig, verliert seine Charaktere nie aus dem Blick und pumpt selbst ordentlich Charisma in das Treiben. Die flotten, geschmeidig umgesetzten und gelungen bebilderten Fight-Szenen seines Filmes machen dabei so richtig Laune, auch wenn das letzte begeisternde Element irgendwie fehlt. Und das gilt eben leider für den ganzen Film…

Die deutsche uncut DVD trägt eine Freigabe ab 16, kommt in ordentlicher Bild- und Tonqualität von Sony Pictures Home Entertainment und hat sogar einen Audiokommentar von White an Bord.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures Home Entertainment__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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