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The Promise – Die Erinnerung bleibt

Originaltitel: The Promise__Herstellungsland: USA, Spanien__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Terry George__Darsteller: Christian Bale, Oscar Isaac, Angela Sarafyan, Charlotte Le Bon, Shohreh Aghdashloo, James Cromwell, Jean Reno, Rade Serbedzija, Michael Stahl-David, Tamer Hassan u.a.
The Promise Deutsches Plakat

“The Promise” widmet sich dem Schicksal der Armenier in der Türkei während des 1. Weltkrieges.

Mikael arbeitet als Apotheker in der kleinen türkischen Stadt Siroun. Und obwohl er seinen Job und den Umgang mit den Menschen liebt, strebt er nach mehr. Mediziner möchte er werden. Um an das Geld für ein entsprechendes Studium zu kommen, verlobt er sich mit der Tochter eines reichen Einwohners von Siroun und geht danach nach Konstantinopel. In der gen Westen offenen Metropole lernt Mikael ein ganz anderes, weltoffenes Leben kennen. Und er verliebt sich in Ana, die Tanzlehrerin eines Verwandten vor Ort.

Die ist aber eigentlich liiert mit dem amerikanischen Reporter Chris, scheint einer Liaison mit Mikael aber nicht abgeneigt. Alsbald landen Mikael und Ana gemeinsam im Bett. Doch bevor es so richtig kompliziert werden kann, kommt den Dreien die Weltpolitik in die Quere: 1914 tritt die Türkei in den 1. Weltkrieg ein und nutzt die Gelegenheit, um mit den Minderheiten im eigenen Land aufzuräumen. Ana und Mikael geraten als Armenier schnell ins Visier der türkischen Soldaten. Chris läuft derweil Gefahr, als Spion behandelt zu werden, weil er von den Brandherden im Land über den Genozid an den Minderheiten berichtet.

Immer wieder trennen sich die Wege der drei. Doch ihr Schicksal und der verzweifelte Kampf für das Richtige führen sie letzten Endes an einem Mittelmeerstrand wieder zusammen, wo das Leben tausender Armenier auf dem Spiel steht…

Schaut in das Kriegsdrama „The Promise“ hinein

Der am 17. August 2017 in den deutschen Kinos anlaufende Film „The Promise“ hat auch für uns Deutsche politische Brisanz. Schildert er doch einen der ersten systematischen Genozide, der zum einen damals vom mit den Türken verbündeten Deutschen Reich nicht verhindert und zum anderen erst 2016 (nach Jahren des Ringens!) durch den deutschen Bundestag per Resolution zum Völkermord erklärt wurde. Um die bereits in dem Jahr nicht sonderlich entspannte Lage zu den Türken nicht vollends zu verschärfen, sah sich die Bundesregierung gar genötigt, sich von dieser Resolution zu distanzieren.

Ob das so richtig war, kann angesichts der Quellenlage und eines türkischen Machthabers, der gerne mit Nazi-Vergleichen um sich wirft, gleichzeitig aber nicht bereit scheint, die Vergangenheit seines eigenen Landes aufzuarbeiten, wenigstens angezweifelt werden. Zumindest erhalten alle am Thema Interessierten nun dank „The Promise“ eine Möglichkeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der versucht nämlich eindrücklich, die damaligen Gräueltaten aufzuarbeiten. Dummerweise schwächt er sich selbst und seine eigentlich kraftvolle Geschichte mit einer seltsam leblosen Dreiecksgeschichte…

The Promise Oscar Isaac

Oscar Isaac geht als Armenier Mikael durch die Hölle in “The Promise”.

Auf dieser liegt zu Beginn von „The Promise“ der erzählerische Fokus, begleitet von fantastischen Bildern der lebendigen Stadt Konstantinopel (später in Istanbul umbenannt). Diese gibt sich so weltoffen, so modern, so bunt und so überbordend vor Leben, dass es ein einziger Genuss ist, in den Bildern von Kameramann Javier Aguirresarobe zu schwelgen. Leider fällt früh auf, dass die in den großartig arrangierten Bildern erzählte Dreiecksgeschichte nicht wirklich überzeugt oder mitreißt. Sehr oft fühlt sie sich wie eine bloße Behauptung des Drehbuches an.

Weder nimmt man Oscar Isaac den glutäugigen Lover ab noch kann man glauben, dass ein Christian Bale mit solcher Langeweile und Gleichgültigkeit auf einen Betrug reagieren würde. Kurzum: Den romantischen Anteilen im Film fehlt es an allem: Wucht, Leidenschaft, Gefühlen und Tragik. Was sie schnell genauso beliebig macht, wie das schwülstige Getue zwischen Kate Beckinsale, Ben Affleck und Josh Hartnett in „Pearl Harbor“. Blöd ist nur, dass Regisseur Terry George („Hotel Ruanda“) tatsächlich bemüht ist, das Liebesdreieck immer wieder als Motor für seine Story zu nutzen. Was sich im späteren Verlauf wirklich hilflos anfühlt.

Wir rächen uns, indem wir überleben!

Und auch gar nicht mehr zu dem passt, was nun auf der Leinwand passiert. Denn mit dem Eintritt der Türken in den 1. Weltkrieg legt der Film schon gewaltig den Hebel um. Präsentiert Bilder, die spätestens dann eine beklemmende Aktualität atmen, wenn Intellektuelle, Richter und Co. von Soldaten durch die Straßen der Stadt geschleppt werden, um sie zu inhaftieren oder direkt in Seitengassen zu „verurteilen“ und zu beseitigen.

Terry George bleibt nun nah dran an Mikael. Lässt ihn die ganzen Grausamkeiten der damaligen Zeit durchleben und zeigt anhand seines Schicksals, dass der Hass einzelner auf eine Bevölkerungsgruppe bis in das kleinste Dorf des Landes reichen konnte und dort zu unvorstellbarem Leid führte. „The Promise“ ist ab sofort nur noch in Bewegung. Türmt ein beklemmendes Szenario auf das Nächste und lässt für Mikael sogar einen Moment beinahe unwirklich wirkender Normalität brutal implodieren.

Der Film findet dabei immer eindrückliche Bilder, die auch an Deutschlands Vergangenheit gemahnen. Etwa bei einer Szenerie um einen Zug voller eingepferchter Armenier, die einer ungewissen Zukunft entgegenfahren. Interessant ist, dass Regisseur George kaum Brutalitäten zeigt. Sondern diese überwiegend der Fantasie des Zuschauers überlässt, wenn Filmfiguren verzweifelt über Massaker und andere Unmenschlichkeiten berichten.

The Promise Oscar Isaac und Charlotte Le Bon

Mikael und Ana und ihre große, für den Film leider hinderliche Liebe…

Zudem rutscht sein Film auch nicht in Scharz-Weiß-Malerei ab. Präsentiert Türken, die sich dem Genozid entgegenstellen. Und das sogar bis in höchste Regierungsämter hinein. Doch anstelle sich derartigen Figuren mehr zu widmen, schlägt sich leider immer wieder die Dreiecksgeschichte Bahn. Mit Irrungen und Wirrungen und Momenten, die Dramatik vermitteln sollen. Die aber dem Film einfach nur noch im Weg stehen.

Das merkt man auch den Schauspielern an. Christian Bale („The Dark Knight“) etwa, der eher eine größere Nebenrolle inne hat, reißt jede seiner Szenen mit seinem wuchtigen und einnehmenden Spiel an sich. Manchmal ist er fast schon zu souverän in seiner Rolle, so dass man meint, er könne den Genozid alleine abwenden. Doch in allen Szenen rund um das Liebesdreieck wirkt er wie ein geschlagener Hund. Ist passiv. Teilweise wirkt er fast gelangweilt, wenn er seinen Konkurrenten nur umkreist oder mal traurig schaut.

Oscar Isaac („Star Wars: Das Erwachen der Macht“) ergeht es im Grunde ähnlich. Als Lover konnte er mich zu keiner Sekunde überzeugen. Als Normalo, der ungläubig mitansehen muss, wie seine Welt zerstört wird, entwickelt er dagegen eine mitreißende Kraft und wird zum dringend benötigten, absolut überzeugenden Identifikationszentrum des Streifens.

Und auch wenn Charlotte Le Bon („Bastille Day“) absolut hinreißend ausschaut und auch ein paar gute Szenen abbekommen hat, will man sich gar nicht ausmalen, was „The Promise“ hätte sein können, wenn er sich nur auf Oscar Isaacs Mikael und Christian Bales Chris konzentriert hätte. Während man über Mikael die Gräuel gegen die Armenier noch eindrücklicher hätte thematisieren können, hätte man über Chris die Reaktion der Welt auf diesen Genozid noch stärker in den Mittelgrund rücken können. Was, das deutsche Beispiel zeigt es ja eindrücklich, sicher für zusätzlichen Zündstoff und auch mehr Relevanz gesorgt hätte.

The Promise Christian Bale

Christian Bale hätte als Reporter Chris noch stärker in den Fokus gehört.

So ist Bales Handlungszweig gefühlt kaum mehr, als eine Möglichkeit, noch die größeren Namen Jean Reno („Alex Cross“) und James Cromwell („Salem’s Lot“) für sekundenkurze Auftritte in „The Promise“ unterzubringen.

Das mag insgesamt eher enttäuschend klingen. Dabei möchte ich aber definitiv nicht unterschlagen, dass „The Promise“ ein wichtiges, in seinen besten Momenten beklemmendes Dokument wider das Vergessen ist und ein kraftvolles Mahnmal dahingehend, zu was Menschen im Stande sein können (sowohl im positiven als auch im negativen Sinne). Starke Schauspieler, eine eindrucksvolle, fast schon berückend schöne Bebilderung, ein feiner Score (Abspannsong von Chris Cornell!) und eine durchgängig ordentliche Spannungskurve lassen keinerlei Leerlauf aufkommen. Demgegenüber steht vor allem die überflüssigste Dreiecks-Love-Story seit Ewigkeiten, die mit ihren Ausflügen ins Kitschige und ins Klischee (etwa wenn „Hindernisse“ der Liebe vorzeitig aus dem Film scheiden) dem Film eher schadet als nützt.

6 von 10

Der Film läuft ab dem 17. August 2017 in den deutschen Kinos, kommt von Capelight Pictures und hat von der FSK eine Freigabe ab 12 erhalten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Capelight Pictures__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 17.8.2017 in deutschen Kinos

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