Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

The Riffs II – Flucht aus der Bronx

In der erneut von Enzo G. Castellari inszenierten Fortsetzung „Bronx Warriors 2“, hierzulande „The Riffs II – Flucht der Bronx“ genannt, bekommt Muckimann Trash es erneut mit einem fiesen Großkonzern in der dystoptischen Zukunft zu tun. Der Konzern will die Armen aus der Bronx vertreiben, wobei er vor Massenmord nicht zurückschreckt. Logisch, dass Trash da erneut zur Waffe greift.

Originaltitel: Fuga dal Bronx__Herstellungsland: Italien__Erscheinungsjahr: 1983__Regie: Enzo G. Castellari__Darsteller: Mark Gregory, Henry Silva, Valeria D’Obici, Giancarlo Prete, Paolo Malco, Ennio Girolami, Antonio Sabato, Alessandro Prete, Massimo Vanni, Andrea Coppola, Eva Czemerys, Moana Pozzi, Enzo G. Castellari u.a.
The Riffs II - Flucht aus der Bronx

Unter der bewährten Regie von Enzo G. Castellari bietet auch „The Riffs II – Flucht aus der Bronx“ derbe Endzeitaction

Nachdem „Bronx Warriors“ ein Erfolg wurde, brachte Enzo G. Castellari im gleichen Jahr nicht nur den Endzeit-Actioner „Metropolis 2000“ raus, sondern ein Jahr später auch noch ein Sequel.

Da aber das meiste an Helden und Schurken an akuter Verbleiung, Abfackeln oder Abstechen ausgeschieden war, bleibt hier eigentlich nur Held Trash (Mark Gregory) übrig, der die Bronx der Zukunft immer noch aufmischt. Damit ist allerdings dem nächsten Megakonzern ein Dorn im Auge, der sich mit den Bewohnern der Bronx anlegt. Denn die finstere Corporation will das Viertel räumen und zur Luxusgegend umbauen lassen. Den Bronx-Bewohnern winken offiziell finanzielle Kompensation und neue Wohnungen in New Mexico; wer aber auch nur ansatzweise muckt, der kriegt direkt den Flammenwerfer ab, wie bereits die Auftaktszene druckvoll zeigt.

Für solche Zwecke hat man den als Schlächter verschrienen Floyd Wrangler (Henry Silva) an die Spitze des Kommandos gesetzt, dessen Aktion teilweise zynisch als „Desinfektion“ bezeichnet werden. Während Teile der Presse gegen das menschenverachtende Vorgehen protestieren und die Machenschaften aufdecken wollen, suchen die Übelwichte erst einmal Rache an Trashs Eltern, die im ersten Teil gar nicht vorkamen, hier aber in der Bronx wohnen und ein Riesenposter von Sohnemann in Schmierlappen-Pose an der Wand hängen haben. Als Trash die verkohlten Leichname der Erzeuger findet, schwört er erst recht Rache, obwohl es nach der Anfangssequenz und den Geschehnissen des Erstlings eigentlich so scheint als brauche er keine Zusatzmotivation, aber sei’s drum.

Im buchstäblichen Untergrund der Bronxer Kellergewölbe verbrüdern sich derweil die verbliebenen Gangmitglieder. Die Reporterin Moon Grey (Valeria D’Obici) überzeugt die Verzweifelten von einem kühnen Plan: Durch die Tunnel auf die andere Seite des Hudson gelangen und den Präsidenten der Corporation kidnappen. Sie, Trash, der Sprengmeister Strike (Giancarlo Prete) und dessen Stepke machen sich zu der Mission auf…

The Riffs II - Flucht aus der Bronx

Trash (Mark Gregory) mischt erneut an vorderster Front mit

Auf verschiedene Weisen führt „Bronx Warriors 2“, hierzulande „The Riffs II – Flucht aus der Bronx“ getauft, den Vorgänger fort, auf andere Weise bricht er mit ihm. So hat „Bronx Warriors 2“ weniger quirlige Ideen als der Erstling, der unter anderem durch sein eigenwilliges Kostümdesign der Gangs bestach. Hier tauchen noch Restbestände bei den Bronx-Widerstandskämpfern auf, doch in erster Linie schlagen die Helden sich hier mit in anonyme Schutzanzüge und Helme gehüllten Konzernhäschern rum. Auch der Schurkenkreis ist leider wenig illuster, sieht man vielleicht vom offen zur Schau gestellten Sadismus Wranglers ab, der aber leider zu selten und zu spät in Aktion tritt um da noch viel zu reißen.

Dabei ist der auf Schurkenrollen abonnierte Henry Silva („Cusack – Der Schweigsame“) eines der großen Highlights von „Bronx Warriors 2“ als eiskalt mordender (und morden lassender) Vollstrecker des Großkapitals, mit Killerlächeln zu jeder Schandtat und jedem Verrat bereit. Mark Gregory („Thunder“) spielt den Helden dagegen mal wieder mit der Mimik und der Ausstrahlung eines Stück Totholzes, trägt dieses Mal aber weniger enge Hosen und Oberteile, welche den aufgepumpten Mucki-Bubi-Oberkörper etwas mehr bedecken. Castellari-Bruder Ennio Girolami („Neonkiller“) schaut als Präsident des Bösi-Konzerns vorbei, Antonio Sabato („High Voltage – Tödliche Bande“) gibt den mit spanischem Akzente revoluzzenden Rebellenchefe, kommt aber ähnlich wenig zum Zuge wie der Rest des Ensembles.

The Riffs II - Flucht aus der Bronx

Als Gegenspieler Floyd Wrangler ist Henry Silvas patentierte Schurkenvisage zu sehen

Denn Castellari setzt in der Fortsetzung noch wesentlich mehr auf geballte Action, wobei die Gangs nach dem ersten Teil auch mal ein paar Schießprügeln einsacken und sich so effektiver gegen die Fieslinge wehren können, was allerdings zu putzigen Szenen führt, in denen eine einzige Schrotladung aus großer Distanz einen Transporter explodieren lässt oder Trash mit einem kleinen Revolver auf mehrere hundert Meter einen Hubschrauber zur Explosion bringt, während dessen Bordschütze ihn großzügig verfehlt. Auch dufte ist Strikes ca. acht Jahre alter Filius, der Papi allerdings ballernd, bombenlegend und granatenwerfend zur Seite steht. Durch den tatkräftigen Einsatz aller Beteiligter schnell der Bodycount in größere Höhen, nur leider werden die oft gleich ablaufenden Scharmützel mit den stets gleich aussehenden Mordbuben in Konzernbesoldung teilweise etwas eintönig, gerade in den immergleichen Kanalisationssettings. Dabei ist die Kameraarbeit aber recht gelungen und Castellari veredelt das Treiben mit effektiv eingesetzten Zeitlupen, ehe er im Finale dann eine Schippe drauflegt, wenn die große Endschlacht inmitten der Bronx einsetzt. Zimperlich geht der Film dabei nicht zur Sache, denn diverse Beteiligte werden hier blutig erschossen und weggeflämmt, während der skrupellose Konzern in einer besonders derben Szene Gefangene zu lebenden Bomben umfunktioniert und der Nähe ihrer Befreier zündet.

Das lässt den Konzern dann auch als wahrhaft hassenswertes Antagonistenkonglomerat erscheinen, auch wenn die einzelnen Mitglieder kaum Profil gewinnen. Ein überspitzter Kommentar zum Thema Gentrifizierung lässt sich in diesem quasifaschistischen Profitstreben auch finden, doch zum gesellschaftskritischen Werken sollte man „Bronx Warriors 2“ besser nicht hochjazzen. Castellaris Film ist in erster Linie eine reuelose Ballerorgie, deren Simpelplot in erster Linie daraus besteht sich erst aus der Bronx heraus und nachher wieder dorthin zurückzuschlagen, was als Folie für diverse Scharmützel dient. Überraschend ist allenfalls, wenn eine vermeintlich zentrale Figur bereits in der Filmmitte den Löffel abgibt – im Finale werden natürlich wieder große Teile der Belegschaft weggehäckselt, auch wenn man manchen Antagonisten einen etwas würdigeren Abgang wünschen würde.

Insofern ist „Bronx Warriors 2“ ein ebenso einfacher wie derber Endzeitreißer, in dem die Actionmasse die Actionklasse übersteigt, aber immer genug los ist um schauspielerische und schreiberische Defizite einigermaßen zu übertünchen. Henry Silva als Schurke ist eh eine Hausnummer, auch wenn „Bronx Warriors“ ein wenig der Einfallsreichtum des weniger actionreichen, aber minimal besseren Vorgängers abgeht.

Knappe:

Wie schon den Vorgänger hat X-Cess auch den zweiten Teil ungekürzt und ungeprüft auf DVD veröffentlicht, während vorige DVD- und VHS-Veröffentlichungen an ein paar Stellen geschnitten waren. Auch in diesem Falle ist die DVD ist sowohl einzeln als auch in einer Trilogie-Box erhält, welche den Vorgänger sowie „The Riffs III“ enthält, den allerdings die deutsche Titelgebung zum Pseudosequel machte. An Extras bietet die DVD Trailer sowie Galerien mit Artworks und Aushangfotos.

© Nils Bothmann (McClane)

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