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The Void

Originaltitel: The Void__Herstellungsland: Kanada__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Jeremy Gillespie, Steven Kostanski__Darsteller: Ellen Wong, Kathleen Munroe, Aaron Poole, Kenneth Welsh, Art Hindle, Daniel Fathers, Stephanie Belding, Amy Groening, Trish Rainone, Evan Stern u.a.
The Void

Ein Must See für Horrorfans: “The Void”

Eigentlich geht es Horrorfans aktuell so gut wie nie. Die alten Klassiker werden aus Jugendschutzsicht rehabilitiert und einem neuen Publikum in Form von Remakes zugänglich gemacht. Und im Kino laufen beständig neue Produktionen, die so günstig produziert werden können, dass sogar ein vermeintliches Mager-Einspiel von 10 Millionen Dollar als Riesenerfolg gewertet werden kann. Horror boomt. Und das ist gut so. Schade ist nur, dass dieser Boom wenig Besonderes hervorbringt. Horror, der mit Sehgewohnheiten bricht, der wirklich gruselt und nicht nur nach Schema F irgendwelche Teens in irgendeine Waldhütte entsendet.

Würde mich heute einer nach den besten Horrorfilmen fragen, es wären so gut wie keine Produktionen des aktuellen Booms darunter. Selbst eigenwillige „Strohfeuer“ wie „The Witch“ wären mir kaum eine Erwähnung wert, „It Follows“ vielleicht schon. Mit „The Void“ ist nun ein Film aufgetaucht, der meiner Meinung nach – und ein oder zwei weitere Sichtungen vorausgesetzt – das Zeug zum echten Klassiker haben könnte. Ironischerweise macht auch „The Void“ nichts bahnbrechend Neues. Stattdessen besinnt er sich auf die echten Klassiker („Hellraiser“ und „Das Ding aus einer anderen Welt“ kommen einem sofort in den Sinn). Und musste sich sein Geld mal wieder über Crowdfunding hereinholen. Die Studios gehen eben doch lieber auf Nummer sicher…

Sheriff Carter sieht einem gewohnt langweiligen Arbeitstag entgegen. Er steht mit seiner Karre irgendwo in der Pampa am Straßenrand herum und wartet darauf, dass sich Fuchs und Hase im angrenzenden Wald „Gute Nacht“ sagen. Da bricht ein Mann aus dem Unterholz. Alkoholisiert, wie Carter vermutet. Er will dem Mann helfen und bemerkt, dass dieser schwer verletzt zu sein scheint. Er rast mit ihm ins Krankenhaus.

Hier geht bald Seltsames vor. Eine Krankenschwester sticht einen Patienten ab und schneidet sich das Gesicht in Fetzen. Dann scheint sie auch noch rasend schnell zu einem Ungeheuer zu mutieren. Vor dem Krankenhaus bauen sich obendrein Gestalten in weißen Roben auf und attackieren jeden, der das Gemäuer verlassen will. Sheriff Carters gemütlicher Routinejob hat sich in einen Albtraum verwandelt. Und da hat er die Kellergänge des Krankenhauses noch gar nicht entdeckt…

Der Trailer von „The Void“ transportiert dessen düstere Atmosphäre toll

Der konsequent düstere, mit gedeckten Farben arbeitende und von langen und ruhigen Einstellungen dominierte „The Void“ lässt sich anfänglich ordentlich Zeit zum Erzählen. Seine Figuren werden effektiv und glaubhaft verortet, die Grundsituation wird glaubwürdig etabliert und beinahe spielend wird eine erstaunlich dichte Atmosphäre aufgebaut, die mitten in den Film hineinzieht.

Das Schöne: Die etablierten und toll gespielten Figuren sind nicht die typische Horrorfilm-Opferherde, die irrational handelnd und Unfug schwatzend von einer Dummheit zur nächsten stolpert. Selbst neu hinzustoßende Figuren haben immer eine echte Funktion, erweitern die Geschichte und fügen ihr neue Aspekte hinzu. Dementsprechend sind wir dem Figuren-Interieur von „The Void“ auch nie voraus, entdecken mit ihm das große Ganze und taumeln gemeinsam von einem WTF-Moment zum nächsten.

The Void

Sheriff Carter (l) erlebt die übelste Nacht seines Lebens.

Und von denen hat es zum Ende hin einige. Denn obschon „The Void“ zu einem gewissen Zeitpunkt erstaunlich viel von seinem Mysterium erklärt, baut er gleichzeitig eine ganze Wand an neuen Fragen auf, die – das hellraiserartige Ende deutet es in gewisser Weise an – vielleicht in einer Fortsetzung geklärt werden könnten.

Bis dahin muss erst einmal „The Void“ reichen und der geht auf vielerlei Arten durch Mark und Bein. Das Offensichtlichste ist seine Anlehnung an das ungemütliche, schleichend gruselnde Horrorkino der 80er. Look, Feel und Stimmung von „The Void“ haben nichts mit dem aktuellen Horrorkino gemein. Man meint die Vorbilder um jede Ecke des extrem begrenzten und dennoch nie langweilig werdenden Schauplatzes lugen zu sehen. Dazu passen dann auch die handgemachten Special Effects, die ja bereits im Vorfeld der Veröffentlichung des Filmes für enorme Furore gesorgt hatten.

The Void

Eine dunkle Messe? Der Übergang in eine andere Bewusstseinssphäre? Die Feier des heiligen Dreiecks? Wer weiß, wer weiß…

Und sie sind wirklich ein Höhepunkt des Streifens. So wunderbar schlotzig und schleimig, so widerlich, so wuchernd, so genial! Das Beste: Die Macher von „The Void“ tappen nicht in die Falle, ihren Film irgendwann nur noch auf diese Effekte auszurichten. Sie setzen deren Einsatz highlightartig. Was die Wirkung nur noch verstärkt. Viele Brutalitäten gibt es dabei im Übrigen nicht zu bestaunen. Denn anstelle von Splatter geht es dem Film mehr um Mutationen, um Veränderungen, um den Wechsel von Ebenen… trotzdem platzt hier freilich auch so manches Körperteil.

Ein weiteres Highlight des Filme ist sein Soundtrack. Ebenfalls stark auf der Retrowelle surfend, wird hier mit vornehmlich elektronischer Musik richtig Terror gemacht. Gerade gegen Ende wird der Film mehr und mehr zu einem dröhnenden, beinahe opernhaften Ungeheuer – das Bilder, Musik, Handlung und Schauplätze kongenial verschmilzt. Die Abwesenheit von jedwedem Humor oder überflüssiger Ironie kommt der finsteren Atmosphäre von „The Void“ ebenso zupass. Diese sorgt dann auch für ein permanentes Gefühl der Verunsicherung, was die Spannungskurve des Filmes effektiver befeuert, als es zig Jump Scares jemals könnten. Einzig das Ende könnte manchem zu offen und kryptisch ausfallen. Zudem bleiben sehr viele Fragen ungeklärt. Doch vielleicht darf die Regie-Doppelspitze aus Jeremy Gillespie und Steven Kostanski ja nachlegen und irgendwann das Rätsel um die allgegenwärtigen Dreiecke klären? Ich wäre in jedem Fall dabei!

8 von 10

„The Void“ erscheint am 19. Mai 2017 von Ascot Elite auf DVD und Blu-ray und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Leider warten die Datenträger mit keinerlei Extras zur Entstehung der herrlich widerlichen Mutationen auf.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Ascot Elite__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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