Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

When Eagles Strike

Originaltitel: Operation Balikatan__Herstellungsland: Philippinen__Erscheinungsjahr: 2003__Regie: Cirio H. Santiago__Darsteller: Christian Boeving, Rey Malonzo, Eddie Garcia, Joe Mari Avellana, Monsour Del Rosario, Christian Boeving, Davee Youngblood, Nate Adams, Stacy Keach u.a.
When Eagles Strike

Cirio H. Santiago spielt für Roger Corman mal wieder Krieg: “When Eagles Strike”

„Hey Roger! Klar, wir haben das Jahr 2003. Aber hey, lass uns doch mal wieder einen Film wie früher machen. So als wäre die Zeit stehengeblieben. Klar, gegen Vietcongs sollten unsere heldenhaften GIs nicht mehr kämpfen, aber wie wärs mit Terroristen?“ Stellt euch vor, Produzenten-Legende Roger Corman sagt zu einem solchen Vorschlag: „Ja“! Dann, ja dann habt ihr einen Film wie „When Eagles Strike“.

Der schaut wirklich exakt so aus wie die Filme, die Cirio H. Santiago in den 80ern und 90ern wie am Fließband („Kill Zone“, „Jungle Force“, …) drehte. Nur dass eben die Nam-Exploitation nun dem heroischen Kampf gegen den Terror weichen musste. Davon abgesehen zeugt nur ein einziger Laptop davon, dass in der Filmwelt des fleißigen Philippinos die Uhren nicht vollends stehen geblieben sind. Wirklich erstaunlich…

Erzählt wird wie gewohnt eine beliebige 0815-Geschichte. Ein amerikanischer Botschafter und ein Senator werden auf den Philippinen entführt. Eigentlich waren sie vor Ort, um Werbung für den Kampf gegen den Terror zu machen. Nichtsahnend, dass sie selbst schnell von selbigem eingeholt werden würden. Der aufrechte und mutige Marine Andrew, ein wandelnder Muskel und so charismatisch wie Raufasertapete, wird mit einer Handvoll Amerikaner und Philippinos losgeschickt, um die Politiker zu befreien und nebenbei den Terroristen ordentlich eins aufs Maul zu hauen.

Mehr Handlung braucht ein Cirio H. Santiago nicht, um eine filmlange Verfolgungsjagd zu starten, die mit ordentlich Tempo und ohne echten Leerlauf über den Zuschauer hinwegrast. Zu Beginn inszeniert er mal eben seinen persönlichen D-Day: Wenn die Marines auf der Insel der Terroristen landen, wird es nämlich erst einmal blutig. Beine gehen verlustig, auch Arme werden abgeschossen, Blutbeutel platzen und diverse Helden beißen schon vor dem ersten echten Heldenmoment in den Strandsand.

Danach werden die verbliebenen Marines schlicht und ergreifend durch den Dschungel gehetzt. Dabei ist es vollkommen Latte, dass diesmal anstelle von Vietcongs irgendwelche Terroristen beständig aus dem Unterholz brechen und die Marines dezimieren. „When Eagles Strike“ wirkt wie ein verspätetes Best Of der Cirio H. Santiago Reißer, in dem aufrechte GIs gegen hinterfotzige Kommunisten in den Dschungelkrieg zogen. Das neue Feindbild ändert daran rein gar nichts.

Die Handlungsszenen bestehen aus Momenten, in denen die Marines mal in Deckung gehen oder tatsächlich Dialoge absondern. Oder wenn Stacy Keach („Die Klasse von 1999“) als hehrer Chef der Soldaten aus irgendeinem Flecktarn-Stützpunkt Befehle und platte Parolen bellt:

Meine Männer sterben erst, wenn ich es ihnen befehle!

Der Rest ist einfach nur Dauerfeuer pur. Klar, hier und da wird der Kampf gegen den Terror kritisch hinterfragt und als Politik und Geschäft verurteilt, aber hey, letzten Endes geht es in „When Eagles Strike“ nur um Action. Diese kommt oft genug auf, wenngleich nicht ganz in der Frequenz wie in Cirios Altwerken. Sobald dann aber geballert wird, stapelt sich ein amtlicher Leichenberg auf und es darf sogar mal ordentlich mit Kunstblut geschmoddert werden. Dafür war ja zu seinen Vietnam-Film-Zeiten das Geld meist zu knapp.

Neben den bekannt mickrigen Explosionen (meist werden irgendwelche Feuertöpfe gezündet), dürfen auch ein paar Strohhütten explodieren und Santiago flicht erstaunlich oft Martial-Arts-Fights ein. Das kannte man aus seinen Nam-Exploitationern bisher eher weniger. Dabei entstehen sogar regelrecht komplexe Action-Setpieces. Die zudem in hübschen Settings steigen. Vor allem die Szenerie um eine Hängebrücke hat mir richtig gut gefallen.

Von den Darstellern bleibt ausnahmslos Christian Boeving („Zombie Massacre“) in Erinnerung, der als Kind mal in einen Topf voll Samenstränge äääh Muskelberge gefallen sein muss. Den Anführer nimmt man ihm zwar zu keiner Sekunde ab, wenn er aber bei jeder Bewegung ausschaut, als würde er sich den letzten Weihnachtsbraten aus dem Rektum pressen, kommt schon ordentlich Stimmung auf. Und in den Fights geht er wie ein junger Arnold Schwarzenegger zu Werke. Also sehr abgehackt und hakelig in den Bewegungen.

Was am Ende bleibt ist ein großer Spaß. Cirio H. Santiago hat hier ein Spätwerk auf die Beine gestellt, das wirkt, als sei die Zeit stehengeblieben. Man glaubt zu keiner Sekunde des Filmgenusses, dass dieser Film in den 2000er Jahren entstanden sein könnte: Keine CGIs, keine verschwurbelte Handlung, keine fetten Helden, keine Ostblockhinterhöfe, keinerlei politische Korrektheit und keinerlei Furcht vor der Möglichkeit, hier ziemlichen Schwachsinn abzuliefern. Großartig. Macht man sich das alles im Vorfeld bewusst, wird man von „When Eagles Strike“ auf hinerweichend miese Art glänzend unterhalten. Nicht mehr und nicht weniger.

6 von 10

Die deutsche DVD zum Film erschien von MIG und kommt im ebenfalls ewig gestrigen 4:3 Format daher. Wie gesagt, man glaubt nicht, dass der Film von 2003 sein könnte. Nur die Freigabe, die ist im Vergleich zu früher trotz einiger Härten und deftigem Oberfieswicht-Finisher etwas moderner: FSK 16. Highlight der Disc ist eine bestimmt 40minütige Werkschau von Cirio H. Santiago in Form absolut blödgeil rockender Trailer. Die sorgten dann bei der Erstauflage des Filmes für die FSK 18 Freigabe der Disc im Gesamten. Leider ist mir nicht bekannt, ob die neu aufgelegte FSK 16 Disc ebenfalls diese Trailershow beinhaltet.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: MIG__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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