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300

Originaltitel: 300__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2006__Regie: Zack Snyder__Darsteller: Gerard Butler, Lena Headey, Dominic West, David Wenham, Vincent Regan, Michael Fassbender, Tom Wisdom, Andrew Tiernan, Rodrigo Santoro u.a.
300

Das martialische Schlachtenepos “300”

Um 500 v. Chr. war das Perserreich unter Dareios I. bestrebt, seine Hege- monieansprüche auch im griechischen Raum durchzusetzen. Darum begann man um 490 v. Chr. mit einem Feldzug gegen Griechenland, wurde allerdings bei Marathon empfindlich eingebremst. Seine Eroberungspläne gab man aber nie auf und fiel um 480 v. Chr. wieder in Griechenland ein. Diesmal unter dem persischen Großkönig Xerxes I.. Diesem Großangriff sahen sich die Griechen relativ unvorbereitet gegenüber. Doch sie hatten Glück im Unglück, denn der spartanische König Leonidas stellte sich an einem Engpass (den Thermopylen – ein durchschnittlich 15 Meter breiter Pass im Kallidromos-Gebirge) mit seinen Elitekriegern, den Spartiaten, der persischen Übermacht und konnte so für die Griechen im Hinterland etwas Zeit gewinnen. Zwar wurde Leonidas mit seinen Mannen komplett aufgerieben und gingen griechische Metropolen wie Athen in Flammen auf, doch die so gewonnene Zeit konnte man nutzen, um die griechischen Flottenverbände zusam-menzuziehen und neu zu koordinieren. So gelang es, die Flotte der Perser bei Salamis empfindlich zu schlagen. Nach diesem beeindruckenden Sieg gingen die Griechen in die Offensive, schlugen die Perser erneut bei Platää und beendeten in Folge dessen den Feldzug der Perser.

Aus diesen ohnehin interessanten Geschehnissen pickte sich der in Comickreisen geradezu kultisch verehrte Frank Miller – wie schon der Sandalenfilm “Der Löwe von Sparta” – die Schlacht an den Thermopylen heraus und konzentrierte sich damit auf den heldenhaften Kampf einer gnadenlos unterlegenen Abordnung tapferer Krieger gegen einen übermächtigen Gegner. Dabei scherte sich Frank Miller keinen Deut um historische Genauigkeit. Beispielsweise lehnte er sich eher an die historischen Überlieferungen Herodots an, da dessen Zahlen in Bezug auf die aufeinandertreffenden Heerscharen in ihrer Überzogenheit einfach besser auf eine comiceske Handlung bzw. eine Graphic Novel anzuwenden sind. Miller geht es um den Blut-, Schweiß- und Tränenaspekt des Opfertodes von Leonidas und da spielt die historische Genauigkeit nicht wirklich eine Rolle. Unterhalten sollte seine Graphic Novel und das gilt auch für deren Verfilmung.

Dieser wird aus Sicht des Erzählers Dilios geschildert. Ein Mitstreiter des ehrenvollen spartanischen Königs Leonidas, dem er beinahe bis zum Schluss zur Seite gestanden hat. Der faszinierten Zuhörerschaft berichtet er von einem spartanischen Ritual, in dessen Verlauf kranke, schwächliche und missgebildete Babys getötet wurden. Ein Baby übersteht dieses Auswahlverfahren und wird in “staatliche Obhut” gegeben, wo man es zu einem gnadenlosen Kämpfer erzieht. Nach einem Initiationsritual, während dem der zum Jüngling Gereifte auf sich allein gestellt in der Wildnis überleben muss, wird der Junge zu einem Spartiat (Elitekrieger Spartas, die weit über die Landesgrenzen hinaus gefürchtet waren) und im weiteren Verlauf gar zum König von Sparta. Sein Name: Leonidas. Um 480 v. Chr. steht eine Abordnung persischer Gesandter vor ihm und fordert ihn auf, sich dem gottgleichen Xerxes kampflos zu ergeben. Der stolze König hört sich das Angebot der Perser ruhig bis zum Schluss an und bringt die Überbringer des schmachvollen Kapitulationsangebotes um. Der Senat von Sparta sieht dieses unbeherrschte Tun nicht allzu gerne und stellt sich offen gegen die Mobilmachungspläne des Königs. Auch die Befragung des Orakels, eine Instanz, gegen das sich nicht einmal ein König durchsetzen kann, bringt keine guten Nachrichten für Leonidas. Dass das Orakel längst von persischen Geldern korrumpiert ist, kann er freilich nicht ahnen. Ohne jegliche Rückendeckung seines Stadtstaates versammelt er die 300 besten Kämpfer seines Heeres um sich und bricht offiziell zu einer Art Ortsbegehung auf. In Wirklichkeit bezieht er mit seinen Männern Stellung an den Thermopylen. Ein Engpass, der die Übermacht des persischen Heeres komplett aufhebt und leicht durch eine Handvoll Männer zu verteidigen ist. Dieses Manöver wird über das Wohl und Wehe Griechenlands entscheiden …

Und am Ende wird Leonidas beweisen, dass auch Götter bluten …

Die abgöttisch verehrte Comicvorlage, die hochinteressante und auf puren Heroismus setzende Grundgeschichte (die man zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges vor allem den in Stalingrad eingekesselten Männern immer wieder gerne in Erinnerung rief!!!) und die Reduzierung der Filmhandlung auf das pure archaische Aufeinandertreffen zweier Kriegsmaschinerien verspricht auf dem Papier für Fans testosteron- und adrenalingeschwängerter filmischer Vorschlaghämmer Unterhaltung vom Feinsten. Leider kann „300“ diese Erwartungen nicht ganz erfüllen. Die Gründe dafür sind recht vielfältiger Natur. Zunächst muss man anmerken, dass die Geschichte sehr dünn ist. Doch das war die Vorlage von Miller auch schon und simple Handlungen müssen nicht zwingend schlecht sein, um wuchtig zu unterhalten, was gerade die actionaffinen Leser sicher mit einem Kopfnicken bestätigen werden. Dennoch wäre ein wenig mehr geschichtliche Anbindung sehr fein und ein wenig mehr Tiefgang durchaus wünschenswert gewesen.

Nehmen wir als Beispiel Leonidas Erziehung und seine daraus folgende Einstellung zum Kampf. Diese Episode ist stark, kraftvoll und dank des präzisen Off-Erzählers Dilios stringent, spannend und eben wie der gesamte Film sehr geradlinig. Doch leider fehlt genau durch diese Erzählweise die Erklärung der Motivation für diese Vorgänge. Warum werden die Jugendlichen so getrimmt? Entstehen ihnen dadurch Vorteile? Welchen Rang nehmen sie aufgrund der Erziehung ein? Werden sie durch diese Erziehung zu bloßen Kampfmaschinen oder wird auch die Bildung vorangetrieben? Was bedeutet der “schöne Tod”, den sie suchen und anstreben? Und und und. Die Folge der fehlenden Motivation hinter den Handlungen und Einstellungen der Figuren und vor allem der Spartiaten lässt den Zuschauer nicht hundertprozentig in den Film hinein. Ein Fakt, der bei den martialischen “Schöner Tod” Reden dringend notwendig gewesen wäre. Denn so laviert man beständig zwischen zweifellos vorhandener Faszination für diese Kriegerkaste und Unverständnis für ihr “lebensmüdes” und den Krieg suchendes Wesen hin und her. Um eine Lösungsmöglichkeit anzubieten, hätte ich mir eine Art „Last Samurai“ ähnliches Konstrukt erhofft, in dessen Verlauf man mehr an die zunächst so fremd erscheinenden Figuren herangebracht wird und dann eben auch verstehen kann, warum sie handeln, wie sie handeln. Ein weiterer Grund für das eher mangelnde Involvement des Zuschauers ist die Tatsache, dass uns bis auf den grandiosen Leonidas nicht wirklich eine Figur näher gebracht wird. Ich war beispielsweise erstaunt, wie wenig Dilios Darsteller David Wenham aktiv ins Geschehen eingreifen darf, immerhin ist dieser dank „Herr der Ringe“ bei Weitem kein Unbekannter mehr. Die Folge dieses “Vorgehens” ist, dass die ersten gefallenen Spartiaten, deren Ableben man schon ein wenig überinszeniert, nicht viel Eindruck beim Zuschauer hinterlassen und man nicht anfängt, im Verborgenen die „300“ runterzuzählen … Kurzum: Irgendwie lässt das Gemetzel vor allem zu Beginn seltsam kalt.

Wo man die Charaktere also seltsam unterentwickelt lässt und sich dabei zu sklavisch an die “Schlichtheit” der Miller’schen Vorlage hält, baut man dann plötzlich einen seltsamen Storystrang ein, der Tiefgang vorgaukeln soll, dabei aber grandios scheitert. Es geht dabei um die Bemühungen von Leonidas Frau Gorgo, die versucht, den Senat Spartas davon zu überzeugen, das Heer zu mobilisieren. Um der Nebenhandlung Gewicht zu geben, hätte es einiges mehr bedurft, als man letztendlich geboten bekommt. Zunächst hätte es bessere Darsteller gebraucht. Dominic West und Lena Headay (der ich nicht erst seit „Brothers Grimm“ jegliche Form von Leinwandpräsenz abschreibe) sind so unpräsent und langweilig in ihrer Darstellung geraten, dass diese Abschnitte selbst als pure Tempoverschlepper grandios versagen, da sie sich eben nicht zum kurzen Durchatmen von den Metzelszenen eignen, sondern das Tempo gleich komplett aus dem Film nehmen und ihm grandiose Längen verschaffen. Dabei werden obendrein wirklich alle Klischees von Intrigen bei Hofe abgefeiert, was diese Nebenhandlung auch noch genauso vorhersehbar macht, wie es eben dank Geschichtsschreibung der Ausgang des Filmes auch ist. Zwischendrin gibt es ultrakitschige Bilder von Gorgo inmitten eines Sonnenstrahls der Unschuld vor dem spartanischen Senat und die übliche “sexuelle Gefälligkeitseinlage”. Viel interessanter wären mehr Szenen aus dem persischen Zeltlager gewesen. Denn alleine die Szene in Xerxes Zelt mit der Kombination aus körperlichen Missbildungen und unverhohlener Sexualität schlägt in punkto Optik und Dekadenz der Szenerie jede Sparta-Nebenhandlung um Längen und beschert dem gesamten Film einen herrlich verstörenden Höhepunkt.

Neben diesen Problemen haben sich auch einige Unebenheiten im dramaturgischen Aufbau eingeschlichen. Am schwersten fällt dabei die vollkommene Abstinenz von Spannung ins Auge. Natürlich sind die Abläufe der Handlung geschichtlich vorgezeichnet und damit das Ende weit vor Filmbeginn bekannt. Dies kann doch aber nicht die Ausrede dafür sein, dass man es ansonsten nicht schafft, in den ausufernden Schlachtenszenen so etwas wie Dramatik unterzubringen. Die Spartiaten sind mir persönlich einfach einen Tick zu unbesiegbar geraten. Natürlich ist das comicesk und damit im Sinne der Vorlage, doch ich habe meines Erachtens schon in meinem „Sin City“ Verriss dargelegt, dass ich unter einer Comicadaption eben nicht nur das bloße Abfilmen und Nachstellen von Panels verstehe. Ich wünsche mir einen Mediensprung von einem Medium (Comic) zum anderen (Film) mit sinnvollen Anpassungen an das neue Medium. Und wenn Miller in seinem „300“ derartige Spannung nicht aufbauen kann oder will, dann sollte sich das eben nicht 1:1 auf der Leinwand spiegeln …

Doch genug der Meckerei. Denn wenn man sich mit dem Umstand anfreunden kann, dass „300“ anstatt einer Story, starken Charakteren und einer gelungenen Dramaturgie vor allem von seiner berauschenden Optik zusammengehalten wird, erlebt man bei diesem Film ein wirkliches Wunder. Denn die Übertragung der Terrakottafarbenen Panels von Frank Miller auf die große Leinwand ist in optischer Hinsicht eine grandiose Meisterleistung. Gedreht im Back-Lot Verfahren agierten die Darsteller vor riesigen Blue- und Greenscreens, wo dann später Hintergründe und Menschenheere digital eingeflochten wurden. Das Ergebnis ist zu jedem Zeitpunkt einfach atemberaubend geraten und dank Farbfilter, Farbreduzierungen (auf vor allem Bronze- und Erdfarben) und Überzeichnungen geographischer Gegebenheiten ein gelungenes Abbild der Graphic Novel Vorlage. Etwas platte Symbolismen wie das jesusartige Abbild von Leonidas gegen Ende oder die herrlich überzeichneten Gestalten in den Reihen der Perser (die teils wie Orks oder irgendwelche „Silent Hill“ Kreaturen anmuten) wirken auf den ersten Blick etwas befremdlich, unterstreichen letztendlich aber vor allem die Herkunft des Ursprungsstoffes. Eine tolle Idee ist die jedweder Form körperlicher Physiognomie widersprechende Ausgestaltung der Xerxes Figur, die vor allem im Vergleich mit den ohnehin hünenhaften Spartanern immer wieder aufs Neue verblüfft. Einzig die der Figur auferlegte Synchronstimme erinnert ein wenig an den Stargate Synchronisationsfehlgriff der Figur des Pharaos … seltsame Rauschestimmen sind nämlich nicht wirklich bedrohlich … meiner Meinung nach.

Die Highlights im Film setzen in optischer Hinsicht natürlich die Schlachtenszenen. Insbesondere die Szenen, in denen die Spartaner Kostproben ihrer Phalanx bieten dürfen, sind absolut erstaunlich. Man fragt sich, warum Regisseur Zack Snyder („Man of Steel“) darauf bestand, diese Kampfweise zu dynamisieren, da das zum einen der Kampfart der Spartaner widerspricht (Spartaner brachen fast nie aus diesen Kampfanordnungen aus und verfolgten beispielweise niemals fliehende Gegner) und zum anderen gar nicht nötig gewesen wäre, da alleine schon die “Halten”, “Drücken”, “Stoßen” Einlagen und die “Keilformation” im Kampf gegen die persische Reiterei zum Besten gehören, was man bisher im Sandalenfilm zu sehen bekommt hat. Doch auch die Ausbrüche aus dieser Phalanx machen einiges her und sind absolut überdurchschnittlich inszeniert und choreographiert. Genial sind dabei vor allem zwei Szenen geraten. Zum Einen der Ausbruch Leonidas aus der Phalanx und der Kampf zweier Spartaner Seite an Seite gegen immer neue heranstürmende Gegner. Beide Szenen wurden im One Shoot Verfahren gedreht und machen aufgrund der virtuosen Einbindung von Fast Forward und Super Slow Mo Einlagen mehr als nur Staunen. Zumal durch rabiate Zooms und schnelle Schwenks immer wieder der Eindruck entsteht, hier könne gar nicht ohne Schnitte gearbeitet wurden sein. Spitze! Doch nicht nur diese Szenen verursachen Gänsehaut. Auch wenn die Spartaner dem Wahnsinn nahe zuschauen, wie Teile der persischen Flotte an der griechischen Küste zerschellen oder Leonidas sich inmitten seiner toten Kameraden gegen gleißendes Sonnenlicht erhebt und seinen Kampfschrei loslässt, dann ist „300“ Emotionskino pur, das aufgrund der bloßen heroischen und vor allem martialischen Überzeichnung einen Gänsehautabgang nach dem Anderen bewirken kann.

Schenkt ihnen nichts, aber nehmt ihnen alles …

Die dabei aufgebotenen Gewalttätigkeiten sind ebenfalls alles andere als ohne. Dass man dem Film Gewaltverherrlichung vorwerfen kann, ist spätestens nach den ersten Metzelszenen und dem doch arg zynischen Off-Kommentar – der scheinbar nur aus One Linern und Durchhalteparolen zu bestehen scheint – keine Frage mehr, doch gerade durch den comichaft überzeichneten Look werden die Gewaltspitzen trefflich abgemildert und vor allem das in exorbitanten Mengen umherspritzende – offensichtlich der digitalen Retorte entstammende – Blut eröffnet ganz neue Formen der Gewaltästhetisierung und erinnert fast schon an Beat Takeshis Blutwolken in Blütenform bei „Zatoichi“. Optisch muss man also bei „300“ wahrlich keinerlei Abstriche machen und dies gilt unisono für den grandiosen Score von Tyler Bates, der vor allem in den martialischen Kampfeinlagen genauso martialisch dahertönt und mit gigantischen Chorälen in die Phalanx treibender Actionscores vorzupreschen vermag. Doch auch in den ruhigeren Momenten findet er immer wieder feine kleine Themen und lässt seinen enorm dominanten Score niemals in der Belanglosigkeit verschwinden.

Das Ergebnis ist ein visuell überwältigender, akustisch grandios donnernder, überlanger Videoclip – mit einem bravourös aufspielenden Gerard Butler als Leonidas -, der leider an einigen Längen leidet und den Zuschauer vor allem zu Beginn nicht wirklich packen kann. Zu fremd und diffus erscheinen Motivation und Beweggründe der Figuren und zu simpel kommt das darunter liegende Storykonstrukt daher. Ist man allerdings in der Lage, sich geschlagene zwei Stunden einfach in eine vollkommen fremde Welt fallen zu lassen, bekommt man hier einen Film, für den einst das Kino erfunden wurde. Style over Substance par Excellence …

In diesem Sinne:
freeman



300

300 Mann verteidigen einen engen Pass und damit das Schicksal Griechenlands.

Regisseur Zack Snyder („Dawn of the Dead“) macht keinen Hehl daraus, dass sein Film – ob seiner opulenten Bilderfluten – nicht viel zu bieten hat. Faschistoide Tendenzen hin oder her. „300“ polarisierte das Publikum mal wieder und regte in zahlreichen Foren regsame Diskussionen unter den Kinofans aus. Was haben wir da eigentlich gesehen? „Meisterwerk“? Oder einfach nur „absoluter Bullshit mit radikaler Aussage“?

Nach „Sin City“ ist „300“ nun die zweite Verfilmung einer Graphic-Novel des Zeichners Frank Miller. Stilistisch wirkt auch „300“ wie seine erste Verfilmung und erschafft eine einzigartige Symbiose aus computergenerierten Umwelten mit realen Schauspielern, welche nahtlos ineinander übergehen und die comicartige Verspieltheit mit der Realität verbindet. Durch diesen Duktus entsteht eine Atmosphäre, die sich letztendlich am ehesten mit einem Comic vergleichen lässt. Stellenweise wurden somit die Bilder der Graphic Novel 1:1 übernommen, womit man wahrlich von einer werkgetreuen Umsetzung sprechen darf, welche am ehesten der Intention Millers entspricht.

In „300“ erzählt uns Miller die Geschichte des Leonidas – König von Sparta, welcher mit dreihundert Mann gegen Xerxes, den König der Perser, und dessen Armee antritt, um weiterhin in Freiheit, Ehre und Stolz zu leben.

Im Grunde reicht schon dieser eine Satz aus, um die Quintessenz des Stoffes zu erfassen, mehr bleibt da nicht übrig. Doch wie bereits erwähnt, macht Regisseur Zack Snyder auch keinen Hehl daraus, und bietet schon in den ersten Minuten des Filmes grandiose Aufnahmen (aus dem Computer) und demonstriert schon einmal, wo uns die Tour hinführen soll. So sehen wir, wie Leonidas einen Abgesandten des Xerxes, nachdem dieser ihm ein Angebot über seine Forderungen machte, mitsamt seinen Männern in einen Brunnen wirft. Untermalt vom monströsen Soundtrack des versierten Komponisten Tyler Bates („Grindhouse“) werden wir Zeuge, wie einer nach dem anderen in einer spektakulären Slow-Motion-Szene in die Tiefen des Brunnen stürzt. Die Glorifizierung des Todes, die optische Perfektion, die Schönheit innerhalb dieser Grausamkeit, deutet darauf hin, dass Snyder keinen Wert auf ein einzelnes menschliches Wesen legt. Vielmehr mutieren die Männer in seinem Film zu absoluten Tötungsmaschinen, welche nur aus einem Grund handeln: Die Freiheit für ihr Volk. Daraus erfolgt auch die oftmals kritisierte faschistoide Tendenz, und menschenverachtende Szenen, welche sogar noch für Humor unter dem Publikum sorgen sollen (Die Szene, in der Leonidas einen Apfel ist, während sich um ihn herum Leichen stapeln und seine Männer die noch Lebenden mit einem Dolch erstechen lässt). Stellenweise funktioniert das auch ganz gut – wenn man sich darauf einlässt. Doch bestimmt werden viele Zuschauer mit solchen und ähnlichen Szenen ihre Probleme haben.

Erstens muss man natürlich plakatieren, dass es sich immer noch um einen reinen Unterhaltungsfilm handelt; dazu auch noch um die Verfilmung einer Graphic Novels. Dass man hier keinen Tiefgang oder eine kritische Auseinandersetzung zum Thema Krieg erwarten sollte, dürfte ebenfalls klar sein. Snyder konzentriert sich somit auch voll und ganz auf den Bombast der Bilder. Und wenn dann das Kriegsgetümmel erst beginnt, und wir Zeugen werden, wie riesige Elefanten eine Klippe hinabstürzen oder monströse Kreaturen zum Kampf blasen, kann man sich an den durchgestylten Bildern einfach nicht satt sehen. Dass es sich um Bilder aus dem Computer handelt, wird einem auch nur höchst selten klar. Ähnlich wie in „Sin City“ vermag es auch Snyder, eine komplett andere Welt zu erschaffen, in der die Gesetze der Natur keine Gültigkeit zu besitzen scheinen. Wenn z.B. die Pfeile der Armee Xerxes’ die Sonne verdunkeln und die dreihundert Männer des Leonidas dann auch noch zu lachen beginnen, so muss man auch als Zuschauer grienen. Snyder erschafft eine Welt, welche menschliche Gefühle weitestgehend ausklammert. Hier gibt es keinen Raum für Liebe oder Schmeicheleien. Hass und der Durst nach Blut sind die einzigen Triebe der Dreihundert, welche für einen ehrenhaften Tod kämpfen, auf das sie nie vergessen werden.

Die wenigen Dialogszenen zwischen den Kämpfen hingegen wirken oftmals ebenso synthetisch wie die computergenerierten Umwelten. Somit verkommt auch der Subplot um eine Verschwörung im Königshaus zum störenden Ballast, wodurch sich die Geschichte teils selbst ausbremst. Hier offenbart sich dann auch die größte Schwäche des Filmes: Die Hohlheit der Story, welche jedwede Ironie vermissen lässt, sich viel zu ernst nimmt und dadurch abbrüchig wirkt. Hätte Snyder in den richtigen Momenten für etwas mehr Ironie gesorgt, dann würde sein Film sicher besser funktionieren. Doch er beharrt über die komplette Laufzeit des Filmes auf einer unnötigen Ernsthaftigkeit, welche sich immer mehr ermüdend auf den Zuschauer auswirkt. Da helfen auch die wenigen humoristischen Einlagen wenig (welche, wie bereits erwähnt, auch nicht jedermanns Sache sein dürften). So ähnlich verhält es sich sogar mit den zahlreichen Actionszenen. Anfangs kann man sich an den Bilderfluten kaum satt sehen, doch zunehmend wiederholen sich die Sequenzen und werden gar langweilig, da auch die Action keinerlei Steigerung widerfährt, sondern sich ständig wiederholt. Dass es dann auch keinen wirklichen (Action-) Showdown gibt, ist aber nicht Snyders Schuld, sondern liegt an Millers Vorlage. Dennoch bleibt man leicht unbefriedigt zurück…

Nun, was genau ist nun „300“? Einerseits ist er ein reiner Unterhaltungsfilm und sicher sind die genannten Kritikpunkte zu verkraften, wenn man sich bewusst ist, dass „300“ nichts weiter ist, als ein Knallbonbon mit einer mehr als hohlen Story, welche unreflektiert und ohne auch nur mit der Wimper zu zucken ein Schlachtengemälde inklusive herber Blutplatte serviert. Doch blickt man einmal hinter diese Fassade, so offenbart sich das Vakuum, welches die optischen Finessen in sich aufsaugt und das synthetische Bauwerk komplett in sich einstürzen lässt. Letztendlich ist „300“ nichts weiter, als ein großer, teurer Unsinn, welcher unter Umständen richtig Spaß machen kann. Nicht mehr – und auch nicht weniger. Zu welcher Fraktion man letztendlich gehört – ob man seinen Spaß an dem Film hat und ob einem der faschistoide Grundgedanke sauer aufstößt oder inwieweit man ihn überhaupt wahrnimmt -, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Doch für Gesprächsstoff sorgt der Film allemal. Und das ist ja auch schon was.

© LivingDead

Die deutsche DVD und Blu-ray kommt von dem Label Warner Bros und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Die verschiedenen Auflagen beider Medien unterscheiden sich in der Fülle an Extras, die sie dem Zuschauer offerieren.

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Brothers Home Entertainment__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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