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3:15 – Die Stunde der Cobras

Originaltitel: 3:15__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: Larry Gross__Darsteller: Adam Baldwin, Danny De La Paz, Deborah Foreman, Bradford Bancroft, Wendy Barry, Wayne Crawford, Gina Gershon, Ed Lauter, Mario Van Peebles, Wings Hauser, Dean Devlin u.a.
3:15 - Die Stunde der Cobras

In dem Gang-Actionthriller „3:15 – Die Stunde der Cobras“ hat Mario Van Peebles eine Gastrolle, während Adam Baldwin den Protagonisten gibt

Larry Gross feierte seine größten Erfolge als Drehbuchautor von vier Walter-Hill-Filmen („Nur 48 Stunden“, „Straßen in Flammen“, „Und wieder 48 Stunden“, „Geronimo“) und brachte es auf bisher eine Spielfilmregie, „3:15“, bei uns noch mit dem Beititel „Die Stunde der Cobras“ versehen.

Die hierzulande im Titel erwähnten Cobras sind eine Jugendgang, angeführt von Cinco (Danny De La Paz), und haben mit Jeff Hannah (Adam Baldwin) auch einen kräftigen Schläger in ihren Reihen. Solche Leute brauchen sie auch, denn als Jugendgang der 1980er muss man ständig sein Territorium verteidigen, so auch in der Auftaktszene, in der eine andere Gang im Revier der Cobras Stress macht. Während die Cobras Lederjacken als Erkennungszeichen tragen, sind die Gegner in Karohemden und Footballjacken gekleidet, sodass man schon optisch darauf vorbereitet wird, dass die Cobras mit den gegnerischen Bubis den Boden aufwischt. Als Cinco jedoch einen Rivalen hinterrücks erdolcht, hat Jeff die Schnauze voll und steigt aus der Gang aus.

Ein Jahr später hat er sich einen Ruf als Basketballer und netter Schüler erarbeitet, Gang-Liebchen Lora (Wendy Barry) als Freundin gegen die brave Sherry (Deborah Foreman) aus gutem Hause ausgetauscht und seine Akte gesäubert. Derweil haben die Cobras die Schule übernommen und dealen sich fröhlich durch die Klassenräume und den Schulhof, was der Direktor gar nicht gerne sieht, obwohl es bei den Schülern gut anzukommen scheint, wenn man sich die Menge an Kunden anschaut. Damit haut auch „3:15“ in die Sparte jener Jugend-außer-Kontrolle- und Selbstjustizreißer, deren führender Vertreter Mark L. Lesters „Die Klasse von 1984“ ist, auch wenn „The Warriors“ (wieder ein Walter-Hill-Film) schon einige Jahre zuvor Maßstäbe im Bereich des Bandenfilms gesetzt hatte.

Mit Hilfe des Cops Morans (Ed Lauter) organisiert der Direx eine Razzia, bei der die Cobras hopps genommen werden. Als sich Jeff weigert Drogen für den flüchtenden Cinco zu verstecken und dieser eingeknastet wird, schwören die Cobras Rache. Und weil dies ein Genrefilm der 1980er ist, sind die Schurken bald schon wieder auf freiem Fuße…

3:15 - Die Stunde der Cobras

Cobra-Chef Cinco (Danny De La Paz) und Ex-Mitglied Jeff Hannah (Adam Baldwin) werden zu Feinden

Wer jetzt denkt, dass es direkt zu Kampfhandlungen und derber Gewalttätigkeiten kommt, der ist schief gewickelt. Denn viel mehr orientiert sich „3:15“ an dem Westernklassiker „High Noon“ – auch der Filmtitel gibt jene Uhrzeit an, in der die Cobras Jeff zum finalen Duell fordern. Bis dahin wird erst mal ergründet, wer im Mikrokosmos Schule zu Jeff steht und wer den Schwanz einzieht, was „3:15“ mit weniger psychologischer und sozialkritischer Finesse als das große Vorbild macht, aber doch achtbar ins Highschool-Milieu überträgt, kleine Überraschungen inklusive. Vor allem interessant ist natürlich der Gegensatz zwischen Jeffs eher braver Gegenwart und seiner Vergangenheit, den vor allem seine Freundin auszuhalten hat – ihr Entsetzen in jener Szene, in der Jeffs alte Attitüde durchbricht und er Cobra-Mitglied Whitey (Bradford Bancroft) bei der Verteidigung Sherrys beinahe krankenhausreif prügelt, spricht Bände und zeigt durchaus das Potential der Geschichte von der Vergangenheit, die den Helden einzuholen droht.

Dass dies dem Film gelingt, liegt vor allem auch an der Darstellung Adam Baldwins, der Jeff facettenreich darstellt und nicht nur mit seiner Physis überzeugt – leider sollte er später erst für TV-Serien wie „Firefly“, „Chuck“ und „The Last Ship“ die entsprechende Anerkennung bekommen, die ihm beim Film weitestgehend verwehrt blieb. Deborah Foreman („Sundown“) ist brauchbar als Freundin im Stresstest, während Danny De La Paz („Freejack“) als Schmierlappen zwar etwas eindimensional, aber doch eingängig verabscheuenswert auftritt. Bradford Bancroft spielt ähnlich wie in „Teuflische Klasse“ aus dem selben Jahr einen punkigen Außenseiter, hier nur eben als Schurkenfigur, während „3:15“ noch ein paar markige Darsteller in Nebenrollen hat: Ed Lauter („Extreme Justice“) gibt den lakonischen Cop, Wings Hauser („Todesschwadron“) schaut für eine Szene als Vater Sherrys vorbei, Mario van Peebles („New Jack City“) gibt den Anführer ein Black-Panther-artigen schwarzen Jugendgang und Gina Gershon („Best of the Best 3 – No Turning Back“) ist als Teil der Cobrettes, der weiblichen Cobra-Fraktion, in einer frühen Nebenrolle zu sehen.

3:15 - Die Stunde der Cobras

Whisperer (Mario Van Peebles) führt die schwarze Jugendgang an der Highschool an

Dabei atmet „3:15“ rauen Eighties-Style in Bild und Ton, inklusive einem starken Zeitgeist-Soundtrack, bei dem vor allem „Lined Up“ von Shriekback und „Something’s Gotta Change“ von Ruth Daniels ins Ohr gehen. Das tröstet dann auch über die eine oder andere Länge hinweg, denn der Spannungsaufbau auf dem Weg zum erwarteten Finale schwächelt. Die Cobras halten sich mit den Anfeindungen zurück und es gibt viele aufgenommene Subplots und Ansätze, die ins Leere laufen. Da wären die schwarze Jugendgang sowie eine auf dem Schulhof Karate übende Asiatengang, die zwar auch in zwei, drei Szenen mit Jeff interagieren, aber sonst kaum thematisiert werden, was gerade angesichts des anfangs gezeigten Territorialbewusstseins der Cobras seltsam anmutet. Das ist die Rivalität einiger Cobrettes mit Lora, die zwar mit Cinco zusammen ist, aber wohl immer noch Gefühle für Jeff hat. Da sind Figuren, die auftauchen und verschwinden wie es dem Drehbuch gerade passt, was „3:15“ unterm Strich etwas inkohärent aussehen lässt.

Wenn es dann allerdings mal rummst, also vor allem im Showdown, dann bietet Larry Gross‘ Film rohe, raue Gangaction, bei der meist die Fäuste oder Messer sprechen, seltener mal eine Schusswaffe. Das ist alles eher erdig und nur begrenzt spektakulär in Szene gesetzt, was aber auch hervorragend zum Setting und zum Ton des Films passt – wilde Ballereien oder dicke Explosionen wären hier fehl am Platze. So funktioniert der Showdown als große Entladung der aufgebauten Aggressionen und Spannungen auf beiden Seiten, auch wenn etwas mehr Action im Vorfeld dem Film sicher nicht geschadet hätte.

Das Hauptproblem des gut gespielten und schick inszenierten „3:15“ bleibt aber das Script, das sich bei der Etablierung seiner „High Noon“-Prämisse in interessanten, aber oft unterentwickelten Ansätzen verzettelt. Schade um Adam Baldwins starkes Spiel, das Flair und den duften Soundtrack, aber so ist „3:15“ eben nur ein okayer Jugendkriminalitätsreißer der 1980er und kein Highlight.

Hierzulande hat Cannon/VMP den Film auf VHS veröffentlicht, ab 18 Jahren freigegeben und wahrscheinlich ungekürzt. In Holland gibt es „3:15“ auf DVD, aber nur in VHS-Qualität, weshalb es sich dabei um ein Bootleg handeln könnte.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Cannon/VMP__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein

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