Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

47 Meters Down: Uncaged

Originaltitel: 47 Meters Down: Uncaged__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Johannes Roberts__Darsteller: Nia Long, John Corbett, Sophie Nélisse, Brec Bassinger, Sistine Rose Stallone, Corinne Foxx, Brianne Tju, Davi Santos, Khylin Rhambo, Axel Mansilla u.a.
47 Meters Down: Uncaged deutsches Plakat

Hai-Horror der etwas seriöseren, allerdings nicht wirklich logischen Art: “47 Meters Down: Uncaged”.

„47 Meters Down: Uncaged“ endet mit einem interessanten Fakt. Jedes Jahr würden demnach im Schnitt zehn Menschen Hai-Attacken zum Opfer fallen. Im gleichen Zeitraum würde der Mensch um die 100 Millionen Haie töten. Zumindest auf der großen Leinwand bekommen die immer wieder als perfekte Tötungsmaschinen gebrandmarkten Ozeanbewohner die Möglichkeit, die Statistik zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Immerhin.

Mia und Sasha sind Stiefschwestern. Während Sasha an der örtlichen Schule ihren Stiefel cool durchzieht und sich von niemandem dumm kommen lässt, fällt das Mia schon bedeutend schwerer. Regelmäßig wird sie Opfer von Mobbing-Attacken. Und Sasha sieht sich nicht in der Verantwortung, dies abzuwenden. Mias Vater versucht zumindest, die beiden enger aneinander zu schweißen. Darum vermacht er ihnen Eintrittskarten für eine Besichtigung Weißer Haie an der Küste.

Doch stattdessen überreden Sashas Freundinnen Alexa und Nicole die beiden zu einem Tauchausflug. Gemeinsam dringt man in ein unter Wasser stehendes Höhlensystem ein. In dem hat Mias Vater vor kurzem eine verschollene Maya-Stätte entdeckt. Doch das labyrinthische Höhlensystem hält nicht nur atemberaubende Schauwerte, sondern auch extrem hungrige Haie bereit. Die machen alsbald Jagd auf die jungen Damen, denen zudem der Sauerstoff auszugehen droht.

Schaut in den Horrorfilm der zuschnappenden Art hinein

Als Regisseur Johannes Roberts („The Strangers: Opfernacht“) 2017 zwei junge Damen „47 Meters Down“ in einem Hai-Käfig einsperrte und durch die Hölle gehen ließ, konnte niemand ahnen, wie gut das funktionieren würde. Vor allem an den Kinokassen. Nach dem veritablen Erfolg von „47 Meters Down“ war eine Fortsetzung nur eine Frage der Zeit. Teil zwei folgt nun dem üblichen Höher-Schneller-Weiter-Sequel-Prinzip und präsentiert mehr Haie, mehr Opfer, ein größeres Gefängnis und weniger Logik.

Dabei steigt Roberts nach seinem erstaunlich langen Vorspann mit der Exposition ein. Die ist derart kurz geraten, dass keines der präsentierten vier Mädchen irgendwie greifbar wirkt. Vor allem Alexa und Nicole bleiben absolut kontur- und gesichtslos und auch Mia und Sasha sind kaum mehr als wandelnde Klischees. Im Grunde genommen der Todesstoß für jeden Horrorfilm. Eine Opfermasse, die einem egal ist. Doch Johannes Roberts holt mit seiner Inszenierung die Kastanien aus dem Feuer. Effektiv und wirkungsvoll.

Denn genauso atemlos wie er seine Figuren vorstellt, wirft er sie mitten in ihren Alptraum hinein. Wenn die vier Mädels zu der unterirdischen Maya-Stätte tauchen, wird einem auch als Zuschauer ganz flau im Magen. Denn die überschwemmten Labyrinthe könnten enger kaum sein. Immer wieder landen unsere Heldinnen in Sackgassen. „The Descent“ lässt spätestens dann grüßen, wenn die Mädchen mit ihrer Tauchausrüstung kaum noch durch Spalten und Co. gelangen können.

47 Meters Down: Uncaged mit Sophie Nelisse, Sistine Stallone und Corinne Fox (v.l.)

Brianne Tju, Corinne Foxx, Sistine Rose und Sophie Nélisse geraten an gefräßige Fressmaschinen.

Entfesselt Roberts dann seine eigentlichen Stars, wird „47 Meters Down: Uncaged“ teils mörderspannend. Denn obschon einem relativ Rille ist, wen es erwischt, inszeniert Roberts den Weg dahin extrem packend. Da werden Jump Scares gezündet, die ab und an derart aus dem Nichts kommen, dass sie selbst erfahrene Horrorfans zusammenfahren lassen. Immer wieder wird die Enge der Umgebung zum weiteren Feind und Szenen wie jene an einem unterirdischen Strudel sind pures Nägelkaukino.

Dazu gesellen sich die Haie, die mit ihren weißen Augen und tiefen Narben wahrlich furchterregend ausschauen und einwandfrei getrickst sind. Und ziemlich brachial zu Werke gehen. Damit der Film nicht zu schnell vorbei ist, werden auch immer neue Menschen-Häppchen in das Labyrinth geworfen. Klingt unlogisch? Nunja, wer bei „47 Meters Down: Uncaged“ mit Logik rangeht, wird sich den ganzen Film kaputt machen.

Schon die alles einleitende Sequenz um arglos irgendwo abgelegte, teure Taucherausrüstung kommt einem schlechten Witz gleich. Dass die vier Mädels ohne große Erfahrung in der präsentierten Umgebung keinerlei Probleme beim Tauchen zu haben scheinen, ringt einiges an „Respekt“ ab. Schreiende Fische animieren zu schallendem Gelächter und die Film-Haie sind schon höchst seltsame Wesen. Vorgestellt werden sie als Tiere, die irgendwie in das Höhlensystem gelangt sind und dann einfach da blieben.

Haihorror mit schönen Menschen und schönen Bildern

Yummie, Hanging Buffet!

Sie konnten zwar so wenig sehen, dass sich ihre Augen zurückbildeten und sie ihre Körper an den engen Gängen komplett zerschunden haben, aber trotzdem suchten sie nicht das Weite. Wovon sie sich in dem – vom Wasser abgesehen – total leeren Labyrinth ernährten? Who cares. Dass aufgrund der mangelnden Sehfähigkeiten andere Sinne geschärft worden, erkennt man auch nirgends. Da schwimmen die Haie in manchen Szenen Millimeter über den Heldinnen hinweg, ohne Witterung aufzunehmen, ohne das Gewimmer und Gejammer wahrzunehmen und ohne die ausgeblasene Atemluft zu bemerken. Welcher Sinn wurde bei den Viechern denn eigentlich geschärft?

Ganz davon abgesehen, dass „47 Meters Down: Uncaged“ total ausblendet, dass Haie mit ihren Elektrorezeptoren und Chemorezeptoren kleinste Veränderungen im Wasser bemerken. Dazu gesellen sich radebrechend doofe Szenen, wie jene um ein Notsignal, das mal abschreckend auf die Haie wirkt, dann wieder nicht.

Auch das irrationale Verhalten der Heldinnen geht einem hier und da schon gewaltig auf die Nüsse. Vor allem deren Dauerkrakeelen macht für den Film einfach keinen Sinn. Allerdings haben es unsere Heldinnen auch nicht leicht, denn obschon ihre Tauchermasken gar riesig ausfallen, sind ausgerechnet in den Spannungsszenen Mimik und Gestik der Mädels dank der Umgebung null zu erkennen. Da bleiben nur die stimmlichen Organe. Davon abgesehen schlagen sich Sophie Nélisse („Close“), Brianne Tju („The Crooked Man“) und die Filmdebütantinnen Corinne Foxx (Tochter von Jamie Foxx) und Sistine Rose Stallone (Tochter von Sylvester Stallone) ganz ordentlich.

“47 Meters Down” ist ein Filmhappen, der nicht jedem munden wird

Wer nicht in der Lage ist, für 90 Minuten auf jedwede Logik zu pfeifen, der wird mit „47 Meters Down: Uncaged“ nicht glücklich werden. Alle anderen können hier einen irre effektiven, in Teilen unfassbar packenden Horrorfilm erleben, der immer wieder starke Jump Scares und großartige Einzelszenen aufzubieten vermag. Und der stark von seinem tollen, in den Pinewood Studios aufgebautem, labyrinthischem Setting zehrt, das mittels feiner Unterwasserfotografie ins rechte Licht gerückt und von einem sphärischen Score von tomandandy in eine passige Atmosphäre getaucht wird.

Doch selbst jene, die die Logik den Haien zum Fraß vorzuwerfen vermögen, werden mit dem Film nicht rundum glücklich werden. Der Grund dafür ist das Finale. Dieses liefert zwar mörderfette Bilder und ein paar weitere Beweise für die wie geschmiert hinter dem Film laufende Effektmaschinerie, ist aber derart mutlos geraten, dass man den Eindruck gewinnen muss, dass Haie ihre Opfer letzten Endes doch nur wie ein Bonbon lutschen. Da liegen Figuren quer in den Mäulern der ach so perfekten Mördermaschinen und gehen am Ende mit leichten Verletzungen nach Hause. „Logisch“ entfährt es da sogar dem wohlgesonnenen Zuschauer.

06

Ein weiteres Ärgernis ist, dass Concorde Film bei „47 Meters Down: Uncaged“ sichtbar, hörbar und fühlbar die Schere angesetzt hat, um eine FSK 12 Freigabe zu erreichen. Fast 2,5 Minuten des in den USA auf PG 13 getrimmten Streifens mussten dafür weichen. Ein Achtung ergeht damit an alle, die dem Film im Kino eine Chance geben wollten. Hier läuft er seit dem 10. Oktober.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Concorde Film__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Ja__ Blu-ray/DVD: Nein/Nein, seit 10.10.2019 im Kino

Tagged as: , , , , , , , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 5743933 andere Actionnerds