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63lbs

Originaltitel: 63lbs__ Herstellungsland: USA-GB__ Erscheinungsjahr: 2013__ Regie: Anyrin (Arran Bowyn)__ Darsteller: Michael Madsen, Samantha Bailey, Robert Miano, Danielle Kennedy, Sean Brosnan, Cade Carradine, …

63lbs “63lbs” kann man sich (in der Originalfassung) hier anschauen!

Co-verfasst und in Szene gesetzt von Arran Bowyn (aka Anyrin) sowie auf der aus den frühen 1970ern stammenden Kurzgeschichte “the Disneyland Man” Gustav Hasfords basierend – seinerseits ja bestbekannt dafür, Autor von “the Short-Timers” zu sein; der semi-autobiographischen Roman-Vorlage zu Stanley Kubrick´s Meisterwerk “Full Metal Jacket” – handelt es sich bei “63lbs” um einen (ohne Abspann) rund 14-minütigen “Short” aus dem Jahr 2013, der in einer trostlos-bedrückenden “malthusianischen Welt” angesiedelt daherkommt…

Wem der Begriff nicht geläufig ist: Er geht auf den britischen Ökonomen Thomas Robert Malthus zurück, der in seinem 1798er Aufsatz “the Principle of Population” die bis dahin gängige Ansicht kritisierte, dass eine wachsende Bevölkerung die Fähigkeit einer größeren Wirtschaftsleistung bedinge. Seiner kontrovers diskutierten These nach würde die Bevölkerungszahl exponentiell anwachsen – die Nahrungsmittel-Produktion dagegen bloß linear, so dass sich die Kluft zwischen Nachfrage und Angebot zunehmend vergrößern würde…

Malthus sah es als unvermeidlich und wichtig an, dass Hungersnöte, Krankheiten und Kriege das Wachstum der Bevölkerung immer wieder einschränken. Zudem sprach er sich bspw. dafür aus, die Lebenslage der Armen zu verschlechtern, damit sie weniger Kinder gebären. Das bekannte 1968er Sachbuch “the Population Bomb” Paul und Anne Ehrlichs zeichnete ein gar noch pessimistischeres Bild. Nunja, bewahrheitet haben sich diese Prognosen jedenfalls nicht – und das aus verschiedenen Gründen, auf die ich hier aber nicht weiter eingehen werde…

“63lbs” eröffnet mit einem Voiceover seines von Michael Madsen (“Sin City“) gemimten Haupt-Protagonisten – im Zuge dessen jener u.a. davon berichtet, dass sein Dasein und Job früher mal (gemäß des Vorbilds, das sein Vater war) “zweckvoll-bedeutsam” gewesen sei, bevor ihn “die Dunkelheit” im Laufe der Zeit jedoch “korrumpierend verändert” hätte. Gefolgt wird das von einem Zitat aus letzterem oben genannten Werk, welches eine (in der Realität nicht eingetretene) Situation beschreibt, die von Bowyn als Basis seiner fiktiven Story verwendet wurde:

“The battle to feed humanity is over. In the 1970s, the world will undergo famines. Hundreds of millions of people are going to starve to death, in spite of any crash programs embarked upon now.” Im Anschluss daran setzt das Geschehen inmitten in einer kargen, bergigen Wüstengegend ein – 40 Jahre nach Beginn der erwähnten humanitären Katastrophe, aufgrund derer ein älterer Herr (Robert Miano) gerade dabei ist, seine junge Enkelin an einen Mann zu verkaufen, der genau dafür zu ihm und seiner Familie angereist war: Mr. Johnston (Madsen).

Johnston ist im Dienste einer Organisation tätig, welche ein “Fleisch-Verwertungs-Programm” betreibt – allerdings bilden Menschen, nicht Tiere, den Rohstoff der betreffenden Produkt-Erzeugnisse. Für jedes Pfund Körpergewicht wird ein “Food Token” gezahlt. Die kleine Windy (Samantha Bailey) wiegt 63lbs und wohnt seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrem Opa und ihrer Oma (Danielle Kennedy). Jene haben auch noch andere Kinder bei sich aufgenommen und sehen sich angesichts ihrer Not nun zu diesem schwerwiegenden Schritt gezwungen…

Windy besitzt eine Gehbehinderung, ist auf das Tragen von Beinschienen angewiesen und wird von anderen Kids mitunter als “Krüppel” bezeichnet. Warum man ausgerechnet sie – also die Tochter des eigenen Sohns – ausgewählt hat, wird aber nie wirklich klar – u.a. da sie nicht etwa an einen Rollstuhl gebunden ist, sondern durchaus einigermaßen selbständig agieren kann (stehen, laufen, ins Auto einsteigen etc.). Schwer fällt es ihnen nichtsdestotrotz. Irgendwann schreitet ihr Opa kurzerhand wortlos davon – den endgültigen Abschied somit umgehend…

Natürlich weiß Windy nichts von den wahren Hintergründen des “Trips”. Johnston´s Aussage nach bringt er sie zu einem “neuen, besseren Zuhause” – und verspricht ihr auf der Fahrt außerdem (da sie ihn mehrfach darum bittet), auf dem Weg Disneyland zu besuchen. Ihr Vater wollte immer mal mit ihr dorthin, bevor er gestorben war – und in ihrer Vorstellung hält sie jenen Themen-Park für “the happiest place on earth”. Sie ist ein nachfragendes, nettes Mädel – weshalb es Johnston umso lieber hätte, dass sie möglichst einfach nur stillsitzt und nicht redet…

Johnston ist kein gefühlloser “Collector” – vielmehr jemand, der selbst seitens der Leute, für die er tätig ist, bedrohend unter Druck gesetzt wird: Sollte er sich weigern oder ihnen sonstwie Anlass geben, ihn zu feuern, würde seine eigene Familie “den Preis dafür zahlen”. Inzwischen hat ihn all das von ihm Getane “abgestumpft” – doch diese Stunden im Wagen mit Windy – mit ihrer unabsichtlich-unwissend auf seine Gedanken und sein Gewissen einwirkenden freundlichen, kindlich-unschuldigen Art – beginnen zunehmend an ihm zu nagen…

Diese Phase von “63lbs” funktioniert recht brauchbar – was eher der Performance Samantha Baileys (“the Good Mother”) als der ihres wesentlich erfahreneren Screen-Partners zu verdanken ist, welcher an sich zwar nicht schlecht spielt, im Verlauf aber bessere Momente als diese hinterm Steuer im Gespräch mit ihr zu bieten hat. Die Rolle weitestgehend in dem von ihm gewohnten Stil portraitierend – also von seiner Mimik, Gestik und Dialog-Wiedergabe her – sehe ich persönlich einen “emotionalen Ausbruch” gegen Ende hin als Madsen´s beste Szene an…

Im Rahmen des Castings hatte die damals zehnjährige Samantha rund 80 Konkurrentinnen ausgestochen – während Madsen von Pierce´s Sohn Schrägstrich seinem Kumpel Sean Brosnan (“U.F.O.“) für das Projekt “akquiriert” wurde, welcher bereits (als einer der ersten) mit an Bord war. Nach Madsen folgte dann Miano relativ zügig, mit dem jener in der Vergangenheit schon mehrfach (u.a. bei “Donnie Brasco” und “Chasing Ghosts”) zusammengearbeitet hatte. Ebenfalls noch mit von der Partie: Keith´s Spross Cade Carradine (“Gutshot Straight“)…

Gemeinsam mit Brosnan taucht letzterer an dem angesteuerten Ziel Johnstons auf – welches sich als eine Einrichtung entpuppt, in der die “angelieferten” Menschen getötet werden sowie ihr Fleisch unmittelbar darauf verwertet wird. Die Gedanken des Publikums anregend, hat man das Innere des Gebäudes ungezeigt belassen. Stattdessen sehen wir zwei draußen plaudernd ihre Pause verbringende “Metzger” – ihre weißen Kittel blutbespritzt – und das in der Gegenwart einiger bewaffneter Männer, die offenbar für die Sicherung des Geländes zuständig sind…

Was mir nicht so gut gefiel, was die sehr “unsubtile” Präsentation dieser Leute: Bspw. prügeln sich die militärisch ausgerüsteten “Contractor” (zum Sparring und Zeitvertreib) und ist überdies auch noch ein deutlich gepflegter als die übrigen herumlaufender Typ anwesend, der eventuell einen Regierungs-Beamten darstellen soll – schwarzer Anzug und Sonnebrille inklusive. Natürlich ist mir ist bewusst, dass Bowyn damit Punkte wie das “Dehumanisierend-verrohende” des Ganzen weiter herausstellen wollte – doch war mir das einen Zacken too on the nose

Unzufrieden war ich zudem mit dem Verhalten Windys vor Ort, welches uncharakteristisch für sie ist – nämlich ihr widerstandsloses Mitgehen mit Brutner (Brosnan); komplett ohne irgendwie irritiert oder verängstigt zu sein. Dürftig wird das per Voiceover thematisiert: “Windy doesn´t even know where she is anymore. (…) Their minds go first, it seems.” Sorry, aber da fehlt dem Zuschauer eine wichtige, konkrete Info zu. Gewiss hat Johnston sie weder im Wagen unter Drogen gesetzt noch dürfte sie wohl kaum glauben, dass das “the Magic Kingdom” sei…

An sich war es nicht ernsthaft zu erwarten, dass alle erkeimenden Fragen beantwortet werden bzw. in der viertelstündigen Handlungs-Entfaltung umfassend auf alles eingegangen wird, was mit dem grundlegenden Szenario in Verbindung steht – hauptsächlich im Hinblick auf die Beschaffenheit der verbliebenen Gesellschaft sowie die Machenschaften der Mächtigen; also Entscheidungsträger und etwaige Profiteure dieser implementierten unethisch-unmoralischen Praktik, deren Notwendigkeit in dieser Form spontan durchaus “zweifelhaft” anmutet…

Bowyn´s Background als Regisseur diverser Werbe-Clips hatte ihm im Vorfeld nützliche Erfahrungen beschert – und ich muss sagen, dass die gewählten Locations (u.a. ein altes, verlassenes kalifornisches Goldgräber-Städtchen) in Kombination mit dem “ungehobelt-rauen” Eindruck sowohl seiner Inszenierung als auch der Bebilderung Marc Shaps (“My Father die”) eine zum Inhalt passende “trostlose Atmosphäre” erzeugen, welche obendrein seitens eines interessant-eigenwilligen Scores Mark Sayfritz’ (“Abattoir“) ergiebig angereichert wird…

Ursprünglich wollten Bowyn und Madsen die Materie anschließend noch zu einer Feature-Film-Version ausbauen – doch da inzwischen bereits eine Dekade verstrichen ist, stehen die Chancen dafür eher schlecht. Aber wer weiß? Individuelle Schicksale innerhalb einer Geschichte, welche sich darum rankt, zu welch gravierenden Maßnahmen die Menschheit ggf. zu gehen bereit wäre, um ihr Fortbestehen zu sichern: Ordentliche post-Katastrophenereignis-Movies mit zum Nachdenken anregenden Story-Elementen sind generell ja eigentlich immer willkommen…

Kurzum: Trotz reizvoller Ansätze und achtbarer Eigenschaften wird “63lbs” seinem Potential bloß eingeschränkt gerecht, so dass man alles in allem leider ein merkliches Stück weit unbefriedigt zurückgelassen wird…

7 von 10

Stefan Seidl

63lbs

Regisseur Anyrin am Set mit Madsen und Bailey.

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Copyright des “63lbs” Postermotivs und der Screenshots/Fotos: Arran Bowyn & ?__ Freigabe: Not Rated__ DVD/BluRay: nein/nein

 

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