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69 Tage Hoffnung

Originaltitel: The 33__Herstellungsland: Chile, USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Patricia Riggen__Darsteller: Cote de Pablo, Juan Pablo Raba, Antonio Banderas, Juliette Binoche, Rodrigo Santoro, Lou Diamond Phillips, James Brolin, Gabriel Byrne, Kate del Castillo, Naomi Scott u.a.
69 Tage Hoffnung mit Antonio Banderas DVD Cover

Antonio Banderas erlebt 69 Tage Hoffnung im gleichnamigen Katastrophenfilm.

2010 hielt das Schicksal von 33 chilenischen Grubenarbeitern die Welt über zwei Monate hinweg in Atem. „69 Tage Hoffnung“ alias „The 33“ zeichnet die dramatischen Tage nach.

Mario soll eigentlich seinen Urlaub antreten, aber er braucht Geld. Also bittet er seinen Vorarbeiter, trotzdem arbeiten zu dürfen. Mario bekommt den Zuschlag und fährt mit 32 anderen Kumpels in die Tiefen einer gigantischen Goldmine. Doch dem Sicherheitsbeauftragten ist die Lage nicht geheuer. Ein ebenso primitives wie effizientes Vorwarnsystem deutet an, dass das Gestein, in das die Mine gehauen ist, aktuell extrem aktiv ist und sich ständig verschiebt.

Doch die Geldgier der Besitzer der Mine ist wie gewohnt König und es kommt, wie es kommen muss. Mario und seine Kollegen werden Zeuge, wie weite Teile der Mine in sich zusammensacken. Den Minenarbeitern gelingt es mit Mühe und Not, sich in einen Teil der Mine zurückzuziehen, der „Refugium“ genannt wird. Hier haben die Kumpels ausreichend Luft und einiges an Proviant. An der Erdoberfläche ist man derweil gewillt, die Arbeiter einfach abzuschreiben. Jedwede Rettungsaktion wäre extrem teuer und am liebsten würde man einen Deckel auf das Unglück machen.

Doch die Kunde von dem Mineneinsturz erreicht unversehens die Medien. Der neue Minister für Bergbau wird abgestellt, sich der Problemlage anzunehmen. Zum Leidwesen seiner Vorgesetzten ist der extrem interessiert daran, die Kumpel zu retten. Alleine, ihm droht die Zeit wegzurennen.

Schaut in “69 Tage Hoffnung” mit Antonio Banderas und Lou Diamond Phillips hinein

„69 Tage Hoffnung“ versucht, die Rettung der Minenarbeiter aus den verschiedensten Blickwinkeln zu beleuchten. Zum einen spielt natürlich das Schicksal der Kumpel unter Tage eine gewichtige Rolle. Wie organisieren sie sich? Wie verlieren sie nicht den Mut und vor allem, wie haushalten sie mit den knappen Ressourcen? Über Tage versuchen derweil die Angehörigen nicht die Hoffnung zu verlieren. Was schwerfällt, wenn man sieht, wie langsam die dritte Partei – die chilenischen Behörden – arbeitet. Mehr als drei Tage verstreichen, bevor die ersten Bohrungen in Richtung der Kumpels stattfinden. Zudem spielen die internationalen Medien ebenso eine Rolle wie die verschiedenen, zur Rettung herbeigerufenen Firmen.

Diese verschiedenen Standpunkte sorgen für eine dicht gepackte Dramaturgie, lassen den Film hier und da aber auch überladen und unfokussiert wirken. Zudem startet der Film etwas zu rasant in seine Handlung. Lässt bereits nach gut zehn Minuten eindrucksvoll getrickst die Mine einstürzen und sorgt für ein paar starke Desaster-Szenen. Leider hat man bis dahin keinen der Kumpel irgendwie kennengelernt und im weiteren Verlauf werden sie einem auch nur äußerst sparsam nahegebracht. Die meisten bleiben komplett gesichtslos, was der Spannung definitiv nicht gut tut. Ganz abgesehen vom bekannten Verlauf der Ereignisse.

Und gerade weil man eben weiß, wie alles endete, fragt man sich, wieso der Film nicht versucht, unbekanntere Seiten der Ereignisse aufzuarbeiten. Beispielsweise stärker auf die Dynamik der Kumpels untereinander zu fokussieren. Diese befanden sich in einer echten Extremsituation. Bekamen beispielsweise mit, dass tagelang nicht nach ihnen gesucht wurde. Und trotzdem blieben sie ein handzahmer Haufen, der sich nur mal kurz wegen etwas Essens in die Haare bekam? Wirklich? Auch die Machenschaften der Minenbesitzer spielen keine Rolle. Stattdessen bekommen wir viel Geheule der Angehörigen, pathetisches Liedergesinge und hohle Politikphrasen.

Im Mittelteil des Filmes wird es dann durchaus interessant. Die Kumpel werden von außen mit Luxusgütern versorgt und es wirkt, als würden sie einfach unter Tage Urlaub machen. Plötzlich entsteht eine ganz seltsame Stimmung unter den Kumpels, die definitiv auch spannungsfördernd wirkt. Leider werden Momente wie dieser viel zu schnell wieder ausgeblendet.

Logische Ungereimtheiten trüben die Spannung

Problematisch sind zudem kleinere logische Ungereimtheiten. Wieso magern die Kumpels nicht ab? Warum sind die immer perfekt rasiert? Weshalb haben sie Angst, zu verdursten, wenn ein pathetischer Dialog an einem unterirdischen See geführt wird? Und wo kommt der auf einmal her? Zudem wird auch das Refugium selbst nie verortet. Wie groß ist es wirklich, wie ist es ausgeformt? Wieso ist da unendlich viel Luft vorhanden? Alles interessant, alles kein Thema.

Zu der zunehmenden Unzufriedenheit beim Zuschauer ob der offenen Fragen gesellt sich dann auch Verwunderung über das Offensichtliche. Wieso spielen in einem Film über chilenische Bergarbeiter ein Spanier und eine Französin die Hauptrollen? Während Antonio Banderas („The Expendables 3“) zumindest noch extrem kraftvoll aufspielt und ein paar tolle Momente hat, kann man Juliette Binoches („Ghost in the Shell“) Auftritte als Öko-Schwester eines Verschütteten aufgrund ganzer Wagenladungen brauner Schuhcreme im Gesicht und seltsamem Overactings so gar nicht ernst nehmen.

Hauptrolle drei ging an Rodrigo Santoro („300: Rise of an Empire“), der mit dem Bergbauminister die wohl dankbarste Rolle abbekommen hat und auch eine Art Charakterwandlung durchmachen darf. Lou Diamond Phillips („Canyon Cop“) gibt den Sicherheitsbeauftragten der Mine und ist mit den 32 Arbeitern im Refugium eingeschlossen. Hier spielt er souverän, wird nach starkem Auftakt vom Drehbuch aber extrem zurückgenommen. In Nebenrollen erleben wir Gabriel Byrne („Hereditary“), James Brolin („Unternehmen Capricorn“) und Bob Gunton („Der Sturm“). Und selbst in den dann noch unwichtigeren Rollen muss man chilenische Darsteller mit der Lupe suchen. Schon erstaunlich bei einem zu großen Teilen in Chile gedrehten, mit chilenischen Geldern finanzierten und von einem chilenischen Ereignis berichtenden Film.

Optisch arbeitet der Film gekonnt mit Gegensätzen. So eröffnet der Film mit großartigen Panoramabildern der chilenischen Natur, fliegt über Felsformationen und Wüsten und endet in einem engen Stolleneingang, der zum Herz der Goldmine führt. So wird der Film auch im weiteren Verlauf arbeiten und die Enge und Finsternis in der Mine mit sonnendurchfluteten Bildern der Sets rund um die Mine konterkarieren. Großartig auch der Moment, in dem im Erdinnern das Inferno losbricht und über Tage davon nichts weiter zu bemerken ist, als eine dünne Sandsäule, die gen Himmel steigt. Als wäre nie etwas passiert. Leider kann der Soundtrack von James Horner (es war einer der letzten des Komponisten) da nicht mithalten.

“69 Tage Hoffnung” bleibt letztlich sehr belanglos

Was am Ende bleibt, ist eine nette Chronik der damaligen Ereignisse und ein filmisches Statement für den eisernen Willen des Menschen. Das ist alles nett anzuschauen, gut gespielt, technisch einwandfrei umgesetzt und für zwei unterhaltsame Sonntagnachmittag-Stunden geeignet. Wirklich mitreißend, spannend und dramatisch wird es aber leider nie. Interessante Momente werden nur kurz angerissen und nicht vertieft. Und die arg pathetischen Einlagen um die Familien der Kumpels geraten extrem seifig. Apropos: Wie wenig involvierend der Film ist, zeigt schon die Tatsache, dass man meist nicht einmal ansatzweise weiß, wer da über Tage zu wem unter Tage gehört. Schade.

04

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von Warner Home Video und ist mit einer FSK 12 Freigabe ungeschnitten. Die Extras zum Film sind leider wenig erhellende, rein werbelastige Featurettes.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Bros.__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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