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96 Hours – Taken 2

Originaltitel: Taken 2__Herstellungsland: Frankreich__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Olivier Megaton__Drehbuch und Produktion: Luc Besson__Darsteller: Liam Neeson, Maggie Grace, Famke Janssen, Rade Serbedzija, Leland Orser, Luke Grimes, Luenell, Laura Bryce, Kevork Malikyan, Aclan Bates, D.B. Sweeney, Jon Gries u.a.
96 Hours - Taken 2

Liam Neeson zeigt in der Luc Besson Produktion “96 Hours – Taken 2” erneut diversen Lumpen, wo der Bauer den Most holt!

Wir erinnern uns: Als wir Bryan Mills zuletzt begegneten, fegte er gerade eine Bande albanischer Mädchenhändler vom Globus, da diese den Fehler gemacht hatten, die Tochter des Ex-Agenten und jetzigen Personenschützers zu entführen. Das Ergebnis war rasante, düster realistisch angehauchte Action, die Liam Neeson (Battleship, The Grey) in späten Jahren als neuen Actionhelden etablierte und von Kritik und Publikum durchaus positiv aufgenommen wurde. Beste Voraussetzungen also für eine Rückkehr von Mills, die angesichts des Vorgängers aber deutlich schwächer geraten ist …

Im Nachfolger, in Deutschland „96 Hours – Taken 2“ genannt und eine arg ungelenke Titelkombination aus dem Originaltitel und der „Eindeutschung“ von Teil 1, arbeitet Mills nach wie vor im Personenschutz und hat immer wieder ein fürsorgliches Auge auf seine ehemalige Familie. Bei der hängt gerade der Haussegen schief, da die Beziehung zwischen seiner Ex Lenore und deren neuem Freund auseinander bricht. Um seine Frau auf andere Gedanken zu bringen, lädt er sie nach Istanbul ein, wo er einen Job zu verrichten hat und für Lenore und Kim ein paar Tage Erholung dranhängen will. Wider Erwarten tauchen seine beiden Mädels tatsächlich in Istanbul auf und man verbringt gemeinsam eine schöne Zeit in der türkischen Metropole. Inzwischen braut sich allerdings allerlei Ungemach zusammen, denn die Familien der albanischen Mädchenhändler, die Mills einst richtete, verlangen nach Rache und wollen Mills und seiner Familie an den Kragen. Und tatsächlich gelingt es ihnen, Bryan und Lenore zu entführen. Doch Kim denkt gar nicht daran, ihre Familie aufzugeben. Unter Anleitung ihres Vaters Bryan, der freilich auch in Gefangenschaft nicht untätig bleibt, versucht sie, ihre Eltern zu retten …

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Liam Neeson lässt es wieder krachen!

Was hier wie eine ganz nette Variation des Schemas aus „96 Hours aka Taken“ anmutet, ist leider weitaus weniger interessant, als man meinen könnte. Schuld ist das vollkommen mutlose Drehbuch von Luc Besson und seinem Co-Writer Robert Mark Kamen, denen leider so gar nichts Packendes einfällt, um „96 Hours – Taken 2“ aus dem Wust ähnlich gelagerter Filme herausragen zu lassen. Man beginnt mit einem tappsig lustigen, überbesorgten Bryan Mills als Familienbrummbär und lanciert darum einige hübsche Schmunzelmomente. Auch die Grundsituation um die Rachegelüste der Albaner schieben Besson und sein Regisseur Olivier Megaton flott und zwingend an, doch plötzlich beginnt „96 Hours – Taken 2“ zu zerfallen. Weil man sich einfach nicht traut, den interessanten Status Quo der Entführung von Bryan konsequent durchzuziehen und Kim zwingender als Actiongirlie zu etablieren. Die Folge dieser Mutlosigkeit: Bryan ist zur Hälfte des Filmes längst wieder befreit und man hat sichtliche Probleme, den Film am Laufen zu halten. Also lässt man Bryan, der in „96 Hours“ gerade wegen seiner coolen, souveränen Methodik selbst in hektischsten Situationen so zu begeistern wusste, einige Male vollkommen unlogisch handeln, um – so hoffte man vermutlich zumindest – die Spannungskurve noch halbwegs oben zu halten. Doch dies gelingt überhaupt nicht mehr, da sich vor allem die Logiklöcher und -patzer zu häufen beginnen (Highlight: Die für den Film vollkommen sinnlosen Szenen um einen erschossenen Cop!) und man sich allmählich zu fragen beginnt, wie oft eine der Schlüsselfiguren eigentlich noch entführt werden soll. Zudem hat es das Drehbuch schon im Vorfeld versäumt, einen wirklich bedrohlichen oder zumindest brutal fiesen Antipoden für Bryan aufzustellen. Obwohl gerade das Rachemotiv, das über dem Film schwebt, genau eine solche Figur gebraucht hätte. Und so bleibt das Kroppzeugs, das Bryan richtet, genauso gesichtslos wie in „96 Hours“ und mutet teils noch farbloser an. Was unter dem veränderten Storyansatz betrachtet aber nicht wirklich der richtige Weg ist.

Kim: Was wirst du als nächstes tun?
Bryan: Was ich am besten kann …

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Da knackt es im Mädchenhändlergenickgebälk: “Taken 2”

Doch damit enden die Probleme noch lange nicht, denn Besson und Co. versäumen es zudem vollends, ihre Figuren weiter zu entwickeln. Im Grunde darf nur Kim neue Seiten aufzeigen, doch dies – wie schon erwähnt – eher halbherzig. Währenddessen bleibt Famke Janssens Lenore auf die Mutter- und Opferrolle beschränkt (eine Schande, wenn man ihre tollen Xenia Onatopp Auftritte in „Goldeneye“ im Hinterkopf hat) und Bryan Mills zeigt inzwischen keinerlei Form von Schwächen mehr oder irgendwelche anderen neuen Charaktereigenschaften. Überraschungen sind dem vorhersehbaren Drehbuch gleich vollends fremd und gewitzte Szenen, wie die amüsant überzogene „Standortbestimmung“ oder das freche Einparken bei der amerikanischen Botschaft bleiben vollkommene Mangelware.

Von Drehbuchseiten sieht es also eher schlecht aus, kann „96 Hours – Taken 2“ wenigstens auf anderen Gebieten punkten? Durchaus. Vor allem Olivier Megatons farbsatte, edle und mit coolen Kamerafahrten versehene Inszenierung, die sehr an seinen „Colombiana“ erinnert, stellt einen gelungenen Kontrast zu den grauen, tristen und rohen Bildern des Vorgängers dar und hebt den Film optisch deutlich vom Vorgänger ab. Auch Istanbul als Schauplatz der Actionhatz ist ein optisch reizvoller und unverbrauchter Kontrastpunkt zu Paris bei Mills erstem Einsatz. Das sieht alles fraglos gut aus, macht „96 Hours – Taken 2“ gleichzeitig aber auch gefühlt zu einem weiteren dieser französischen, hochglanzpolierten und immer belangloser werdenden Actionvehikel, die Besson aktuell gefühlt im Monatsrhythmus auf den Markt wirft. Nichts gegen diese Filme!!! Fürwahr nicht, sind diese doch meist Garanten für kurzweilige Unterhaltung! Leider, leider steht nun allerdings genau diese neue, optisch hochglanzpolierte Oberfläche von „96 Hours – Taken 2“ nur zu symptomatisch für alle Probleme des Filmes, dem schon alleine aufgrund seiner Optik das Zwingende, das realistisch Brutale des Vorgängers ziemlich abgeht. Sowohl in der eigentlichen Story, aber auch und vor allem in der Action …

96 Hours - Taken 2

Maggie Grace im Powergirliemodus

Bei der meint man fast, Olivier Megaton habe sich von dem eher lahmen Drehbuch ein wenig anstecken lassen, denn der sonst so flott montierende und auch nette Ideen in seine Action einbringende Franzose wirkt extrem gebremst in der Umsetzung seiner Action. Er versucht zwar den realistisch harten Ansatz des Vorgängers weiter zu führen, was auch ganz gut klappt, aber es fehlen einfach echte Highlightszenen, die in Erinnerung bleiben. Im Grunde hat „96 Hours – Taken 2“ das „Lockout“ Problem: Es passiert zwar beständig etwas und der Film ist immer in Bewegung und in Action, aber einen echten Höhepunkt zu benennen, fällt unheimlich schwer. Klar, die Autoverfolgungsjagd in den engen Gassen Istanbuls macht durchaus Laune, man hat aber auch beständig das Gefühl, das gerade in dieser Szene soviel mehr möglich gewesen wäre. Auch die Keilereien von Mills haben wieder ordentlich Druck, werden von Megaton aber hypernervös und verwackelt inszeniert, was der erneut sehr coolen Choreographie, die aus Neeson beinahe den besseren Seagal macht, ziemlich schadet. Und die Ballereien bleiben zwar ziemlich harsche und gewalttätige Momente, sind aber gleichzeitig vollkommen blutleer und verkümmern so zum kindlichen Cowboy und Indianerspiel mit „Peng Peng“ Rufen. Allgemein hat man eh ein wenig das Gefühl, einer verharmlosten PG 13 Variante von Mills zuzusehen …

96 Hours - Taken 2

Bryan Mills alias Liam Neeson bei dem, was er am besten kann.

„96 Hours – Taken 2“ ist leider durch und durch ein ziemlich zahnloser Versuch, das grimmige Original spannungsfördernd und konsequent weiterzuführen. Der Ansatz, die Familien der Bösewichter aus „96 Hours“ Rache an Mills und Co. nehmen zu lassen, ist zwar ein toller Anknüpfungspunkt ans Original und mit einer herrlich seltsamen Moral gesegnet, wird aufgrund der saftlos gezeichneten 0815 Bösewichtfratzen allerdings vollkommen verschenkt. Selbst der Oberlump – zumindest charismatisch von Rade Serbedzija gegeben – verkommt zum Langweiler (sein Verhalten im Showdown, inklusive der Tatsache, dass er unbewaffnet herumrennt, mutet einfach nur lächerlich an) und macht keinerlei Spaß. Auch die interessante Idee, Mills zum passiven Entführten zu machen und stattdessen ein Familienmitglied als aktiven Part zu etablieren, klingt auf dem Papier aufregender, als es das im fertigen Film ist, der sich überhaupt nicht traut, diese Trumpfkarte auch nur ansatzweise zu ziehen. Doch dem langweiligen Drehbuch, der etwas unpointiert gesetzten, dafür harsch brutalen Action und einigen seltsamen Tempoproblemen (Mills stapft irgendwann wie ein gelangweilter Tourist durch Istanbul!) stehen auch einige Pluspunkte gegenüber.

Optisch macht der Film einiges her und das Istanbul Setting sorgt für ein paar sehr schöne Bilder – die aber zumindest für mein Dafürhalten den düster realistischen Ansatz des Franchises ziemlich konterkarieren. Der Soundtrack groovt sich derweil gut durch (Megaton ist scheinbar „Drive“ Fan, denn von dessen Soundtrack entlehnt er gleich zwei Stücke. Dazu das coole „Too Close“ von Alex Clare) und von Liam Neeson im Berserkermodus kann ich persönlich gar nicht genug bekommen. Sein Charme und seine Souveränität in Verbindung mit der beeindruckenden Physis des inzwischen ja auch 60igjährigen sind die wohl größten Pluspunkte von „96 Hours – Taken 2“. Auch Maggie Grace, die sich wohl allmählich zur neuen Muse Bessons mausert, macht eine Weile einen sehr guten Job als zum Powergirlie mutierender Teenager. Und dennoch bleibt leider nicht mehr als oberflächlicher, deutlich braverer Durchschnitt, der dem Original nicht wirklich das Wasser reichen kann. Derartige Fließbandarbeit hat Bryan Mills eigentlich nicht verdient. Luc Besson sollte definitiv mal wieder etwas mehr Hirnschmalz und vor allem Mut in seine Drehbücher investieren …

“96 Hours – Taken 2” ist ab 15. März 2013 auf DVD und Blu Ray von Universum Film erhältlich und erscheint im “Extended Cut”, der im Vergleich zur Kinofassung einige Härten mehr zu bieten hat und ab 16 freigegeben ist.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film GmbH__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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