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Abattoir

Originaltitel: Abattoir__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2016__ Regie: Darren Lynn Bousman__ Darsteller: Jessica Lowndes, Joe Anderson, Dayton Callie, Lin Shaye, John McConnell, Bryan Batt, Michael Paré, J LaRose, Jay Hugulay, Aiden Flowers, …

Ein amerikanisches Postermotiv.

Ein amerikanisches Postermotiv.

Das deutsche Covermotiv.

Das deutsche Covermotiv.

„Our houses are such unwieldy property that we are often imprisoned rather than housed by them.“
(Henry David Thoreau, 1854)

Basierend auf seiner eigenen „Graphic Novel“-Reihe gleichen Namens, hat Regisseur Darren Lynn Bousman mit „Abattoir“ (2016) eine interessante Variante klassischer Genre-Stoffe abgeliefert. Ein anständiges Maß an Kreativität ist nichts Ungewöhnliches für den 1979 in Kansas geborenen Amerikaner, welchen die meisten Zuschauer sicherlich dank der ersten drei „Saw“-Sequels und/oder des 2010er „Mother´s Day“-Remakes kennen dürften – wohingegen er seitens einer treuen Fan-Gemeinde vorrangig für seine düster-grotesken Musicals „Repo! The Genetic Opera“, „the Devil´s Carnival“ sowie der zugehörigen Fortsetzung „Alleluia!“ geschätzt wird. Im Zentrum seiner aktuellen Horror-Veröffentlichung steht die gern über Kriminalfälle schreiben wollende Journalistin Julia (Jessica Lowndes), deren Schwester (Jackie Tuttle), Schwager (Jay Huguley) und junger Neffe (Aiden Flowers) eines Abends von einem offenbar Geistesgestörten (Michael Paré) brutal daheim ermordet werden. Als sie einige Tage später das Haus der Verstorbenen noch einmal aufsucht, muss sie im Zuge dessen feststellen, dass das verschuldete Grundstück und Gebäude inzwischen bereits (ungewöhnlich rasch) verkauft worden ist – wie auch dass der neue (unbekannte) Besitzer ausgerechnet allein nur den Raum, in welchem die grausamen Taten begangen wurden, komplett herausgerissen bzw. entfernt hat. Verwundert und entsetzt, beginnt sie prompt entsprechend zu recherchieren – und findet dabei heraus, dass das keineswegs ein Einzelfall ist: In den vergangenen Dekaden sind immer wieder ähnliche „Schauplätze“ auf diese Weise „verschwunden“ – jeweils nachdem ein geheimnisvoller Herr die besagten Immobilien zuvor erworben hatte. Die aufgetane Spur deutet in Richtung des kleinen Städtchens New English – wohin sie kurzerhand beherzt aufbricht. Mit von der Partie ist ihr Ex-Freund Grady (Joe Anderson) – seines Zeichens ein weiterhin Gefühle für sie hegender, sich um sie sorgender Cop…

Bei einem Titel, der übersetzt „Schlachthaus“ lautet, könnte man ja durchaus denken, Bousman sei mit dem Streifen „zu seinen Wurzeln zurückgekehrt“ – doch schon in Gestalt der Darreichung des anfänglichen Verbrechens an Julia´s Verwandtschaft erkennt man, dass dem wohl nicht so ist. Statt auf ein Aufzeigen der entsetzlichen Details wurde der betreffende Fokus nämlich auf die mysteriösen Begleitumstände gerichtet: Warum hat der Killer sie angerufen, was meint er mit den kryptischen Aussagen, die er ihr gegenüber bei einem Besuch im Gefängnis äußert – und ist es ein Zufall, dass er aus derselben Gegend wie ihre Mutter stammt? Obgleich Grady und ihr Chef (Bryan Batt) eine andere Meinung vertreten, ist sie fest davon überzeugt, dass „mehr“ dahinter steckt – erst recht, als sie von der seltsamen Sache mit den Räumen erfährt. Emsig forscht sie weiter und besucht auch einige Örtlichkeiten, an denen Derartiges geschehen ist – worüber hinaus ein ungemütliches VHS-Tape auftaucht und ein gewisser „Jebediah Crone“ eine gewichtige Rolle bei all dem zu spielen scheint. Diese Handlungsphase entfaltet sich relativ straff sowie mit einem markanten „Neo-Noir-Touch“ versehen, der sich u.a. in Anbetracht der gewählten Locations und Ausleuchtung ebenso wie anhand bestimmter Frisuren, Kleidungsstücke, Fahrzeuge, Charaktere und Dialog-Stile bemerkbar Schrägstrich unverkennbar macht. Im Rahmen Julia´s Trips wandelt sich die Atmosphäre hin zu einer solchen, die gemeinhin mit „Southern Gothic“ umschrieben wird: Gedreht in Louisiana, begegnen sie die Ansässigen (unter ihnen der von John McConnell verkörperte Sheriff) mit Schweigen, Ablehnung oder gar Feindseligkeit – nur eine ältere, allein in ihrem Haus am Waldrand lebende Dame (Lin Shaye als Allie) nimmt sie bei sich auf und ist überdies dazu gewillt, mit ihr und Grady über das zu reden, was an diesem isolierten Ort bereits seit längerem vor sich geht…

Je näher Julia der Wahrheit kommt, desto gefährlicher wird es für sie. Zwar ist Grady da, um sie zu beschützen – doch das volle Ausmaß der Bedrohung eröffnet sich ihnen erst nach und nach. Jessica Lowndes („Eden“) sieht gewohnt hübsch aus und portraitiert sie annehmbar – leider aber gelingt es dem Film nicht, ein substanzielles Maß an Anteilnahme für die Figur zu generieren, weshalb man nur bedingt mit ihr „mitfiebert“ und dem Ende genau dadurch ein Teil seiner „Kraft“ verwehrt bleibt. Selbiges gilt im Prinzip für Joe Anderson´s („Horns“) Grady, der einem nie wirklich sympathisch wird und mir obendrein zuviel mit seiner Pistole herumgefuchtelt hat. Während in Nebenrollen Akteure á la Bryan Batt („the Runner“), John McConnell („Left Behind“), J. LaRose („Dark Places“) und Michael Paré („Gone“) solide Auftritte absolvieren, schadet der an sich keineswegs schwachen Performance Lin Shayes („Ouija“) vor allem die Tatsache, dass man sie einfach schon sehr oft in vergleichbaren Parts gesehen hat. Nichtsdestotrotz vermittelt sie insbesondere einen speziellen Moment an einem Schminkspiegel dank ihres Mienenspiels herausragend creepy. Es ist Allie, die Julia und Grady mit einer Reihe dienlicher Infos versorgt: Tatsächlich steht der gesuchte Jebediah Crone im Zentrum des finsteren Treibens, welcher als Prediger in die Stadt kam, einen blutigen Kult um sich vereinte sowie von Dayton Callie (TV´s „Sons of Anarchy“) ordentlich, allerdings einen Zacken „zu reserviert“ zum Besten gegeben wird. Im nebeligen Wald haben er und seine Anhänger quasi „das ultimative Haunted House“ erschaffen: Ein riesiges, komplett aus zig Schauplätzen von Tragödien aller Art (Morde, Suizide, tödliche Konfrontationen etc.) zusammengezimmertes Bauwerk, in dem das jeweilige „Böse“ noch immer zugegen ist. Die ihn dazu bewegenden Motive sollen hier natürlich nicht verraten werden – wohl aber, dass sich diese „Variation“ ansprechend von den sonst so im Genre üblichen Szenarien unterscheidet…

Statt die „Graphic Novels“ Bousmans direkt zu adaptieren, hat Skriptautor Christopher Monfette (TV´s „12 Monkeys“) eine neue, alternative Geschichte verfasst, die (samt einzelner konkreter Verbindungen zum Ursprungsmaterial) quasi „im selben Universum“ angesiedelt daherkommt sowie relativ gradlinig erzählt wird: Julia stellt Recherchen an, fördert Hinweise zutage und findet schließlich die Antworten auf ihre Fragen in New English. In irgendeiner Weise „preisverdächtig“ ist das Abgelieferte zwar nicht – doch das dürfte wohl auch niemand erwartet haben. Ohne je richtig spannend zu werden, bewegt sich die Story in einem absichtlich eher ruhig gehaltenen Tempo mit nur punktuell eingestreuten (ihrerseits bloß mäßig wirkungsvollen) „Jump Scares“ versehen voran – wohingegen die stylish arrangierten Bilder und die mit ihnen verknüpfte düster-bedrückende Atmosphäre auf jeden Fall Lob verdienen: Unterlegt mit einem angepassten Score Mark Sayfritzs („Until Death“), haben Bousman, Cinematographer Michael Fimognari („Demonic“), Set Decorator Ruston Head („Blood Out“), Art Director Christina Eunji Kim („American Ultra“) sowie Produktions-Designerin Jennifer Spense („Lights Out“) echt feine Arbeit geleistet. Highlight des Films ist zweifelsohne sein finales Drittel – als es hinein ins Innere des riesigen, Labyrinth-artigen „Hauses der gepeinigten Seelen“ geht, in welchem die Geister der Verstorbenen immer und immer wieder ihre verschiedenen Tode „durchleben“ müssen. Was dahinter steckt, hat mir im Ansatz „Thir13en Ghosts“ in Erinnerung gerufen – nur dass die eigentliche Gefahr für Julia im Vorliegenden nur bedingt von den „Gesammelten“ ausgeht. Für einen „Indie“ mit einem eingeschränkten Budget sehen die CGI-Effekte übrigens prima aus – und es wäre durchaus zu wünschen, dass Bousman die Chance erhält, eine Fortsetzung realisieren zu können, bei der er dann hoffentlich weiter auf den reizvollen Ansätzen und Ideen aufbauen kann, mit denen „Abattoir“ aufzuwarten vermag…

Hierzulande ist der Streifen seit Anfang Oktober auf DVD und BluRay erhältlich…

Stefan SeidlAbattoir

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Abattoir

Copyright der Poster-/Covermotive und Pics: Dark Web Pictures / Les Enfants Terribles / Luminary Ent. / Pacific Bridge Pictures / Radical Studios / Momentum Pictures (US) / UPI (GB) / Constantin Film (D)__ Infos zur deutschen VÖ:__ Freigabe: FSK-16__ Geschnitten: nein__ DVD/BluRay: ja/ja__

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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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