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Abduction

Originaltitel: Abduction__Herstellungsland: China__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Ernie Barbarash__Darsteller: Scott Adkins, Andy On, Truong Ngoc Anh, Lily Ji, Aki Aleong, Daniel Whyte, Mike Leeder, Brahim Chab, Paul W. He, Philippe Joly, Michael Darrow u.a.

„Time travel, speech impediments, kung fu aliens – these are just 3 reasons why you need to watch Roger Corman’s Abduction. Switch your brain off and enjoy pure B movie bliss. Was also wonderful to reunite with fellow action star Andy On who I worked with on my second ever movie Black Mask 2.“

Abduction mit Scott Adkins und Andy On DVD Cover

Scott Adkins kickt und stottert sich durch Roger Cormans “Abduction”.

Das verkündete Scott Adkins („Avengement“) auf seinem Facebook-Account, als „Abduction“ in den Staaten als DTV-Premiere an den Start ging. Und eigentlich klang das gar nicht übel. Zumal, wenn man bedachte, dass Tim Man die Choreographie der Actionszenen übernommen hatte. Alle Zeichen deuteten auf spaßige Actionunterhaltung hin. Das Ergebnis jedoch… Hier hilft nicht einmal „Hirn aus, Film ab!“

Alles dreht sich um zwei Männer. Einer, Quinn, erwacht in irgendeiner Art Festung, wo Menschen spinnenartige Vorrichtungen aus dem Nacken gezerrt werden. Er kann unbemerkt verschwinden und bahnt sich seinen Weg durch das Gemäuer. Irgendwann gelangt er in eine große Halle. Dort steht seine Tochter in einem Käfig eingepfercht. Er will sie befreien, doch dazu müsste er ihr eine seltsame Kette abnehmen. Ein riesiger Kerl in Mönchskutte empfiehlt ihm, genau das nicht zu tun. Seine Tochter würde sonst sterben.

Da stürmen drei Gestalten auf Quinn zu. Er kann sie alle umboxen, aber der hünenhafte „Mönch“ ist da von einem anderen Kaliber. Er verpasst Quinn einen wuchtigen Schlag, der ihn durch eine Mauer befördert. Wir sehen, wie Quinn in einer fremd wirkenden Welt immer tiefer stürzt und in einem Gewässer landet. Als er auftaucht, befindet er sich plötzlich in einem Springbrunnen auf einem Platz in Vietnam.

Derweil lernen wir Conner kennen. Ein Killer, der seinen letzten Job vollendet, bevor er mit seiner Freundin aus der Verbrecherwelt ausbrechen will. Doch dazu soll es nicht kommen, denn hünenhafte Kerle in Mönchskutten tauchen in Conners Wohnung auf und entführen seine Frau auf höchst ungewöhnliche Art und Weise. Natürlich macht sich Conner sofort auf die Suche nach der Entführten, kommt aber mit Storys um eine Art Alien-Entführung nicht sonderlich weit.

Eines Tages steht eine Psychologin vor ihm, die ihm seine seltsame Geschichte abzukaufen scheint. Sie stellt ihm einen Patienten vor, dessen Tochter ebenfalls von Aliens entführt worden sei: Quinn! Gemeinsam gehen die beiden in die Offensive, um ihre Lieben zurückzuholen.

Schaut in den Fantasy-Trash mit Scott Adkins und Andy On hinein

Ich denke, nach dieser Inhaltsangabe muss ich über die Beschaffenheit der Story nur wenige Worte verlieren. „Abduction“ ist purer Trash. Trash, den man keine Sekunde ernstnehmen kann. Der sich selbst aber viel zu ernst nimmt. Der zaghaft gereichte Humor schafft es nicht, die beknackte Story aufzubrechen. Und es scheint auch nirgendwo auch nur ein Anflug von Ironie durch. Stattdessen packt „Abduction“ um seine mal wirklich kindische Story einfach deftige Action und meint, dass das dem Kind im Manne schon ausreichen werde. Das tut es aber nicht. Auch weil die Story unfassbar umständlich erzählt wirkt, sich mit fortschreitender Zeit immer mehr zieht und am Ende einfach nur noch langweilt.

Zumindest macht Scott Adkins in „Abduction“ Spaß. Nachdem er in Vietnam auftaucht, hat er seine Erinnerung verloren und stattdessen ein Stottern und diverse Ticks angehäuft. Wieso und weshalb? Egal. Hauptsache, er macht sich ordentlich zum Affen. Und Adkins stehen die dadurch entstehenden Humormomente durchaus gut. Zumal seine Mimik bei einigen Szenen herrlich debil geraten ist. Schauspielerisch wird er null gefordert. Dafür darf er häufiger mal hinlangen.

Wobei allerdings sein Co-Star, Andy On („Zombie Fight Club“), mengenmäßig mehr Action abbekommen hat. Dessen Conner versteht sich auf effektive Kicks und Hiebe und verteilt dabei gerne noch blaue Bohnen, die er vornehmlich aus nächster Nähe in seine Gegner pumpt. Choreographiert von Tim Man („Accident Man“) machen zumindest die dynamischen Szenen von „Abduction“ eine Menge her und lassen für wenige Minuten den Kokolores drum herum vergessen.

Viele von Adkins’ Signature Moves bekommt man dabei leider nicht zu sehen. Denn obschon „Abduction“ alles andere als realistisch rüberkommt, will die Action nie so wirklich überdrehen. Schade ist zudem, dass die weitgehend nur angedeuteten Giga-Kampfkräfte der Entführer in den Mönchskutten nie vollends gezündet werden. Es nicht einmal einen Finalkampf mit ihnen gibt. Was allerdings auch daran liegt, dass der Showdown vollkommen misslungener, nichtssagender Schwachsinn ist.

Gereicht wird all das an billiger Billigoptik. Viel Knete scheint Roger Corman (Adkins produzierte im Übrigen ebenfalls mit) nicht lockergemacht zu haben. Es scheint fast so, als hätte Regisseur Ernie Barbarash („Pound of Flesh“) alles Geld in die vietnamesischen Drehorte gepumpt. Blöd nur, dass er daraus nichts macht. Die Schnittbilder, die lokale Atmosphäre erzeugen sollen, werden dämlich montiert und planlos gereicht. Anstelle von vietnamesischen Plätzen dominieren wenig anheimelnde Innenräume. Und der öde Digitallook legt sich bleiern auf die Augenlider. Vom eintönigen Score ganz zu schweigen.

“Abduction” darf gerne von Aliens entführt werden

„Abduction“ ist kaum mehr als alberner Fantasy-Trash, dessen unausgegorene, jedweder Beschreibung spottende Story das Leben aus dem Zuschauer zu ziehen scheint. Würde sich der Film selbst nicht so ernst nehmen, man könnte über den Story-Wirrsinn problemlos hinwegsehen. Aber befreiender Humor oder zumindest eine gewisse Kurzweiligkeit kennt der Film nicht.

So bleiben alles in allem nur zwei coole Stars, die in den leider zu selten aufkommenden Actionszenen alles richtig und zumindest circa 20 Prozent des Filmes zu annehmbarem Actionkino machen. Während Andy On mit seiner stoischen Performance gefällt, darf sich Scott Adkins in diversen Szenen mit Wonne zur Feile machen. Und man meint, durchaus zu erkennen, dass ihm das sogar Spaß macht. Hätte „Abduction“ beide Darsteller schon früher zusammengebracht und ausschließlich auf deren Actionman-Qualitäten gesetzt, hätte aus dem Film vielleicht sogar etwas werden können. So isses kaum mehr als ein Satz mit X…

02

Die deutsche Veröffentlichung ist von Koch Media für den 28.11.2019 geplant. In den USA erschien der Film bereits von dem Label Shout Factory auf DVD und Blu-ray mit den entsprechenden Regionalcodes (1/A). Diese präsentieren den Film als Producer’s und Director’s Cut. Der Producer’s Cut ist etwa acht Minuten kürzer und dabei vornehmlich um diverse nichtssagende Dialoge erleichtert worden.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Shout Factory__Freigabe: Not Rated__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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