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Act of Valor

Originaltitel: Act of Valor__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Mike McCoy, Scott Waugh__Darsteller: Roselyn Sanchez, Jason Cottle, Emilio Rivera, Nestor Serrano, Alexander Asefa, Gonzalo Menendez, Ailsa Marshall, Alex Veadov, Drea Castro, Sonny Sison, Keo Woolford, Aurelius DiBarsanti u.a.
Act of Valor

Echte Seals spielen Navy Seals in “Act of Valor”

Als eine CIA Agentin entführt wird, schickend die USA ein Navy Seals Team zu deren Befreiung. Die Aktion gelingt und die Seals befreien nicht nur die Agentin, sondern finden auch noch ein Handy, das, einmal geknackt, Informationen über einen Terroristen namens Christo liefert. Sogleich wird das Seals Team erneut losgeschickt, den Top Terroristen festzusetzen. Dabei erfährt man, dass Christo mit einem echten Terror-Hardliner kollaboriert, der einen Anschlag auf die USA plant, der 9/11 wie einen Spaziergang im Park aussehen lassen soll. Es beginnt eine Jagd auf die beiden Terroristen, die das Seals Team um die halbe Welt führt …

Der Film Act of Valor über die amerikanischen Navy Seals, in den Hauptrollen mit echten Seals besetzt, versprach vollmundig ein vollkommen neues, weil unerhört authentisches Actionfilmerlebnis. Dabei vergaß man allerdings vollkommen die Story und Charakterentwicklung/-zeichnung. Die Story entwickelt sich dabei vor dem Auge des Zuschauers immer weiter. Eine simple Geiselbefreiung wird immer größer und verzweigter in ihren Auswirkungen. Ein Ansatz, der durchaus Spaß machen kann, wenn die sich entwickelnde Story aus sich heraus spannend ist und sich eventuell sogar in Richtungen entwickelt, die man im Vorfeld nicht erwartet hätte. All das liefert Act of Valor leider nicht. Er türmt stattdessen einfach ein Ereignis auf das nächste und wirkt dadurch seltsam fragmentarisch. Überraschungen bleiben dabei vollkommen außen vor. Echte Spannung auch.

Dennoch erfüllt die Story zumindest ihren Zweck und hält den Film zusammen. Der besteht aus 4 Actionszenen und lanciert dazwischen unglaublich viel Werbung für das Abenteuer Navy Seals. Aus Flugzeugen springen, auf U-Booten rumturnen, markige Kampfeinlagen bestehen, dazwischen One Liner absondern und Terroristen kalt stellen. Interessant wäre einmal, zu erfahren, wie viele Amerikaner sich nach Genuss des Filmes berufen gefühlt haben, ins US Militär einzutreten. Verdenken kann man es ihnen nicht. Denn was man in Act of Valor zu sehen bekommt, ist schon ziemlich heftiger Military Porn. Flugzeugträger, startende und landende Jets, topmoderne Waffensysteme und Drohnen … man merkt schnell, dass das Pentagon diesem überlangen Werbespot sehr positiv gegenüber stand (kein Wunder, war das Projekt doch als Rekrutierungsvideo geplant) und die Produktion offenkundig aus den Vollen schöpfen durfte.

Act of Valor

Materialaufwand satt im Actioner “Act of Valor”

Die beiden Regisseure Scott Waugh und Mike McCoy setzen das Kriegsgerät und den Film selbst technisch fehlerfrei in Szene, erschaffen Dynamik ohne Wackelkameraexzesse und bauen sehr stark auf POV Optik, zeigen also das Geschehen diverser Actionszenen direkt aus der Perspektive der Soldaten. Dadurch kommt noch mehr Dynamik in die Action, allerdings auch ein etwas verharmlosender Computerspiellook, der gerade bei den nicht unbedingt wenigen Kopfschüssen eine sehr zynische Dimension bekommt. Allgemein ist Act of Valor kein Film von Traurigkeit. Es setzt blutige Headshots, Folterandeutungen, saftige Körpertreffer und Menschen, die von Bomben förmlich pulverisiert werden. Also genug Momente, die den Actionfan erfreuen werden. Gerade in der Action läuft Act of Valor aber immer wieder Gefahr, seinen eigenen Ansatz zu unterwandern. Denn es wirkt wenig glaubwürdig, dass alle Actionszenen in wüstem Munitionsverbrauchsschießen enden und die meist als Stealth Missionen beginnenden Einsätze urplötzlich in brachiale, etwas kopflos wirkende Actionmomente umkippen, in denen die Seals häufiger nicht wirklich souverän herüberkommen. Dem Actionfreund geht dabei natürlich das Herz auf, zumal die Action sehr druckvoll inszeniert ist. Dem Logikfan dagegen bzw. dem Fan von Spezialeinheitenfilmen, der Wert auf ein authentisches Vorgehen der beschriebenen Einheiten legt, könnte dieses Anbiedern ans Actionpublikum durchaus ein wenig aufstoßen.

Act of Valor

Ein Seal spielt keinen Seal, ein Seal ist ein Seal … oder so … Schauspielkunst ist in “Act of Valor” nicht zu erwarten.

Ein weiteres echtes Problem sind die darstellerischen Leistungen. Die „eindrucksvollsten“ Momente vereinen dabei die wild chargierenden Terroristendarsteller auf sich, die zumindest mit Verve spielen und wirklich so etwas wie Charaktere (wenn auch höchst flache) entwerfen. Den echten Navy Seals in den Rollen der filmischen Navy Seals geht dagegen das schauspielerische Handwerk vollkommen ab. Sie wirken durch die Bank wenig charismatisch und bleiben weitgehend auch vollkommen gesichtslos. Am Überzeugendsten wirken sie in der physisch anspruchsvollen Action, abseits dieser Momente fällt das darstellerische Unvermögen schon stark auf. Insbesondere der Darsteller von Rorke, der Anführer der Sealstruppe, ist unglaublich blass und niemals im Leben würde ich diesem Mann irgendwohin folgen oder ihm mein Leben anvertrauen. Allgemein sollte man bei Act of Valor das Thema Schauspiel lieber ad acta legen, denn sonst versaut man sich den Film vollkommen. Da hilft auch das Mitwirken von sexy Roselyn Sanchez als Geisel herzlich wenig …

Act of Valor

Für ordentlich Ablenkung ist gesorgt: In “Act of Valor” brennen nicht nur Autos!

Doch machen wir uns nichts vor: Act of Valor ist als Actionfilm gedacht – wenn dieser nebenher noch ordentlich Werbung für das US Militär macht, hat er seinen eigentlichen Zweck voll und ganz erfüllt. Und das schafft der Streifen mühelos. Sich überschlagende und explodierende Autos, Miniguns im Dauerfeuer, fetteste Waffensounds, flotte Action, Handgranaten vs. Raketenwerfer Duelle und militärische Spielzeuge en masse erfreuen den kleinen Jungen im Manne. Die dünne Story hält das Konstrukt vernünftig am Laufen, die Musik peitscht den Film gut voran, die POV Sequenzen werden mit zunehmender Laufzeit immer mehr von einer Spielerei zu einem netten Stilmittel und optisch macht der Streifen obendrein verdammt viel verdammt richtig. Leider lenkt all das nicht davon ab, dass Seals als Darsteller nichts taugen, der Film sich billigster Schwarz Weiß Zeichnung bedient (alle Amis sind gut, jeder Nichtami stellt eine potentielle Bedrohung dar), die Story in mehrere kleine Einzelepisoden zerfällt, man von den Seals nicht wirklich etwas erfährt, die Terroristen keine echten Motive haben und Act of Valor doch ziemlich unverfrorene Werbung für das Abenteuer Krieg/Mannwerdung darstellt und sich keinerlei kritische Töne erlaubt. Von Selbstironie oder gar echtem Humor ganz zu schweigen. Was bleibt ist technisch perfekte und durchaus flotte Actionunterhaltung, die man tunlichst nicht hinterfragen sollte. Und so bleibt die einzige wirkliche Überraschung, dass Act of Valor weit weniger patriotisch daherkommt, als man befürchten musste. Immerhin … ideologisch gesehen tut er dagegen fast schon weh!

Die deutsche Blu Ray/DVD Veröffentlichung von Universum Film entspricht der internationalen Schnittfassung des Filmes, die im Vergleich zur amerikanischen Kinofassung ein paar Szenen patriotischer Natur missen lässt und vielleicht gerade deshalb durchaus konsumierbar wirkt. Bild- und Tonqualität genügen dabei höchsten technischen Ansprüchen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Ja, internationale Kinofassung__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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