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Action USA

Mit „Action USA“ legte der Stuntman und Stunt Coordinator John Stewart sein Regiedebüt vor, in dem der Titel Programm ist. Die dünne Story um zwei FBI-Agenten, die eine Kronzeugin beschützen, gestohlene Diamanten suchen und dabei von Schurken gejagt werden, ist nur Vorwand für eine Orgie von Stunts und Verfolgungsjagden.

Originaltitel: Action U.S.A.__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1989__Regie: John Stewart__Darsteller: Gregory Scott Cummins, William Hubbard Knight, Barri Murphy, William Smith, Cameron Mitchell, Ross Hagen, Hoke Howell, Gary Beal, Malcolm King, Rod Shaft, David Sanders, Larry Holmes u.a.
Action USA

In John Stewart Stuntorgie “Action USA” ist der Titel Programm

John Stewart, seines Zeichens Stuntman und Stunt Coordinator (u.a. bei „Die Hyänen“ und „Ferris macht blau“), wollte nicht immer nur für andere Regisseure tätig sein, sondern selbst auf dem Chefsessel Platz nehmen, weshalb er als Storylieferant und Produzent sein eigenes Regiedebüt vorantrieb, „Action USA“.

Nun klingt der Name schon so, als ob man einem Zwölfjährigen die Aufgabe gegeben hätte sich einen möglichst markigen Titel für einen amerikanischen Actionfilm auszudenken. Und „Action USA“ sieht so aus, als ob besagter Zwölfjähriger im gleichen Aufwasch auch noch das Drehbuch geschrieben hätte. Gleich zu Beginn rast Billy Ray (Rod Shaft) mit seiner gepimpten Karre, die wie ein Vorläufer der Schlitten mit Lachgaseinspritzung aus „The Fast and the Furious“ daherkommt, nebst Freundin Carmen (Barri Murphy) über die Landstraßen, danach geht es zum Schäferstündchen, das wiederum von zwei Goons unterbrochen wird. Es kommt zu einer Verfolgungsjagd, die einen Hubschrauber, mehrere Autos und diverse Stunts beinhaltet, an deren Ende Billy Ray allerdings sein Leben aushaucht.

Was das Publikum zu diesem Zeitpunkt allerdings begriffen hat: Billy Ray, der alte Filou, hat dem Gangsterboss Frankie Navarro (Cameron Mitchell) Diamanten in nicht unerheblichem Wert geklaut, die dieser aus nachvollziehbaren Gründen wiederhaben will. Immerhin hat er mit den Steinchen ein großes Geschäft vor. Wind von dem Diebstahl haben auch die FBI-Agenten Osborn (Gregory Scott Cummins) und McKinnon (William Hubbard Knight), Spitzname: Panama, bekommen. Als schwarz-weißes Beamtenduo stehen die beiden in der Buddy-Cop-Tradition, „Lethal Weapon“ war zwei Jahre zuvor erschienen, wobei die Reibereien hier sehr dezent sind und es sich bei den beiden von Anfang an um gut eingespielte Partner handelt, die gar nicht erst zusammenfinden müssen.

Osborn und McKinnon jedenfalls wollen Carmen als einzige Zeugin beschützen und mit ihrer Hilfe die Diamanten finden, auf deren Aufenthaltsort Billy Ray ihr einen Hinweis gab. Frankie hingegen heuert den Spezialisten Drago (Ross Hagen) an, der zusammen mit Frankies Handlangern Jagd auf das Trio macht…

Action USA

Osborn (Gregory Scott Cummins) will die Kronzeugin beschützen und die Diamanten finden

Dass vor allem Stuntleute hinter „Action USA“ standen, kann der fertige Film an keiner Stelle verbergen. Der Hauch von Story ist in erster Linie dazu da, um die nächste Verfolgungsjagd, den nächsten Sturz oder den nächsten anderweitigen Stunt vorzubereiten, alles andere ist egal. Dass neben Frankie am Ende noch andere Schurken auftauchen, während der Gangsterboss kaum noch eine Rolle spielt, ist auf dem Papier dramaturgisch komplett misslungen, im Film aber nicht weiter von Belang, da der Mafioso eh kein sonderlich wichtiger oder häufig gezeigter Bösewicht war. Das Rätsel um den Aufenthaltsort die Diamanten ist in Rekordzeit gelöst, aber die wertvollen Steine sind eh bloß ein besserer MacGuffin. Und wenn eine Person aus dem Heldentrio mal entführt wird, dann ist auch das nur Mittel zum Zweck, um die Gruppe kurzzeitig zu trennen, damit der- oder diejenige mit der nächsten waghalsigen Aktion gerettet werden kann.

Doch genau durch die Art, die jede Drehbuchüberlegung einfach nur dem Blick auf den nächsten Stunt unterordnet, gewinnt „Action USA“ einen naiven Charme. Wenn ein Auto durch ein Haus rast, das danach direkt explodiert (!!!), dann ist das einerseits komplett Banane, andrerseits passt es genau in die Welt von Stewarts Film, in der immer eine Rampe für den nächsten Autosprung parat steht, alles bei der nächsten Berührung explodiert und an jeder Ecke ein neues Vehikel steht, in das man einsteigen kann, wenn man das alte gerade zu Schrott gefahren hat. Dabei nimmt sich „Action USA“ auch selbst nicht zu ernst, ist zwar von der Schule der hohen Komik entfernt, aber hat ein paar ganz witzige Momente, etwa wenn der schwarze Panama in einer Redneck-Kneipe warten muss, ohne dass er das Stammpublikum nach „Nur 48 Stunden“-Art aufmischen kann. Dass das Ganze in einer riesigen Kneipenschlägerei endet, bei der die Leute fröhlich durchs Interieur geworfen werden, versteht sich in „Action USA“ von selbst.

Action USA

Ein häufiger Anblick in “Action USA”: Es kommt zu einer Verfolgungsjagd

Doch bei aller berechtigen Kritik an der dürftigen Geschichte, den einfachen Dialogen und der fehlenden Figurenzeichnung muss man Stewart und seiner Crew eines lassen: Sie verstehen ihr Metier. Es gibt nur wenige Schusswechsel und abseits der Kneipenprügelei kaum Nahkämpfe, was nicht die schlechteste Entscheidung ist, denn diese Art von Action können andere wesentlich dynamischer inszenieren. Dafür setzt „Action USA“ auf diverse lange Verfolgungsjagden, waghalsige Aktionen, bei denen die Stuntleute aus Hubschraubern hängen oder von Hochhäusern stürzen, und dicke Explosionen. „Action USA“ ist – trotz gelegentlicher Todesfälle und einiger Nacktszenen – ein Actionfilm, der perfekt in die Ära von „Das A-Team“ und „Ein Colt für alle Fälle“ passt, in der stuntlastige, nicht allzu harte Spektakel eine Hochphase hatten.

Für seinen puren Genrefilm konnte John Stewart auch die eine oder andere bekannte B-Nase gewinnen, ganz prominent vor allem Cameron Mitchell („Mission Cobra“) und Ross Hagen („Alienator“), die in größeren Schurkenrollen ihr Charisma in die Waagschale werfen. Gregory Scott Cummins („Wings of Freedom“) als zerzauster Held macht ebenfalls eine recht gute Figur, während William Hubbard Knight („Geboren am 4. Juli“) und Barri Murphy („Armed for Action“) an seiner Seite eher blass rüberkommen. Der Rest der Belegschaft ist kaum der Rede wert, einen sehr kleinen Gastauftritt hat Schwergewichtsboxer Larry Holmes als einer von Frankies Männern.

Man kann „Action USA“ sicherlich einiges vorwerfen, vor allem sein offensichtliches Desinteresse an Dingen wie Story, Dramaturgie oder Charakteren, aber eines sicherlich nicht: Dass er unehrlich ist. John Stewarts Regiedebüt ist eine Stuntshow, die auch nie mehr sein möchte, die ordentlich auf die Tube drückt und ansehnliche Action liefert. Dazwischen ist der Film immer etwas egal, aber als launige Simpelunterhaltung geht das Ganze schon klar.

In Deutschland ist „Action USA“ bisher nur auf VHS bei dem Label VPS erschienen. Die deutsche Fassung ist ab 16 Jahren freigegeben und soll gekürzt sein, aber Informationen darüber was fehlen soll gibt es bisher nicht. In den USA erschien Ende 2020 eine limitierte Blu-Ray-Auflage bei Vinegar Syndrome, ab April soll dort außerdem eine DVD-Auflage des Films bei MVD Rewind erscheinen.

© Nils Bothmann (McClane)

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