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Acts of Violence

Originaltitel: Acts of Violence __Herstellungsland: USA, Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Brett Donowho__Darsteller: Bruce Willis, Cole Hauser, Shawn Ashmore, Ashton Holmes, Melissa Bolona, Sean Brosnan, Sophia Bush, Mike Epps, Tiffany Brouwer, Jenna B. Kelly u.a.
Acts of Violence mit Bruce Willis Deutsches DVD Cover

Bruce Willis unterstützt in “Acts of Violence” drei Brüder beim Ausheben eines Mädchenhändlerringes.

Die Brüder Roman, Deklan und Brendan MacGregor sind immer gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Als eine Art Schwester haben sie die kleine Mia, die in der Nachbarschaft bei einer Pflegefamilie lebte, in ihre Herzen geschlossen. Jahre später stehen Roman, der jüngste der Brüder, und Mia kurz vor ihrer Hochzeit und beide genießen die letzten Tage in Freiheit. Roman besucht mit seinem Bruder Brendan einen Stripclub und Mia zieht mit Freundinnen um die Häuser.

Doch die Feierlichkeiten um Mia eskalieren plötzlich, als zwei Kerle sehr zudringlich werden. Mia watscht die beiden cool ab, hat aber nicht damit gerechnet, wie rachsüchtig die beiden sind. In einem Moment der Unachtsamkeit zerren die Kerle Mia vor dem Party-Etablissement in einen Transporter und verschwinden. Als Roman, der von Mia kurz vorher eine Nachricht auf die Mobilbox gesprochen bekommen hat, seine Zukünftige zurückrufen will, geht die nicht ran. Was sehr ungewöhnlich für sie ist.

Mit Brendan rast er zu Deklan, der sich die Mobilbox-Nachricht genauesten zu Gemüte führt und heraushört, wie Mia von den Kerlen gepackt wird. Dank eines Online-Dienstes peilt man Mias Handy an und bricht auf, um sie zu befreien. Bei diesem Befreiungsversuch stechen die Brüder in ein Wespennest. Zwar ist Mia nicht vor Ort, aber mehrere andere, mit starken Narkotika betäubte junge Frauen.

Die Brüder rufen die Polizei, die ihnen erklärt, dass diese Frauen vermutlich von einem Mädchenhändlerring entführt worden, dem die Cops schon lange Zeit machtlos gegenüberstehen. Die MacGregor-Brüder haben genug gehört, um zu wissen, dass ihnen die Polizei nicht helfen kann. Darum rüsten sie massiv auf und beschließen, Mia auf eigene Faust zu befreien. Eine Entscheidung, die ihnen große Opfer abringen wird…

Schaut in “Acts of Violence” mit Bruce Willis und Cole Hauser hinein

Obwohl die Geschichte von „Acts of Violence“ prinzipiell nach einem flotten Selbstjustiz-Actionthriller klingt, will der Film von Regisseur Brett Donowho niemals richtig mitreißen. Man findet überhaupt nicht richtig in die Geschichte hinein und man kommt gar nicht zu dem Punkt, wo man Roman seine Mia zurückwünschen oder um das Leben der anderen Brüder bangen würde. Ein gewichtiger Grund dafür ist, dass „Acts of Violence“ seine Hauptfiguren nur sehr grob verortet.

Man erfährt einfach nichts über die Brüder, was über gröbste Informationen wie „Roman ist Arzt“, „Deklan war Soldat“ und „Brendan ist verheiratet“ hinausgehen würde. Und wenn dann etwa Deklan doch einmal tiefer blicken lassen darf, etwa wenn er gleich zu Beginn des Filmes von einer posttraumatischen Belastungsstörung aufgrund seines Einsatzes in Afghanistan berichtet, kann man absolut sicher sein, dass diese Inhalte im gesamten Film keine wesentliche Rolle spielen werden.

Acts of Violence mit Cole Hauser

Deklan hat im Afghanistankrieg gedient und bevorzugt die größeren Kaliber.

Zudem gesteht das Drehbuch den drei Brüdern keinerlei gemeinsame Momente zu, die mal intimer ausfallen. Die vielleicht geholfen hätten, überhaupt eine glaubwürdige Dynamik zwischen Roman, Deklan und Brendan herzustellen. Dass man hier Brüdern zuschaut, ist infolgedessen kaum mehr als eine Behauptung des Filmes. Diese mangelnde Bindung zwischen den Hauptfiguren schlägt sich unter anderem in erschreckend emotionslosen Reaktionen auf Tragödien im familiären Umfeld nieder.

Doch auch sonst bekleckert sich „Acts of Violence“ in erzählerischer Hinsicht nicht mit Ruhm. Die ohnmächtige Polizei, ein von einem vorgeblich korrupten System beschützter Bösewicht, von Zufällen vorangetriebene Ermittlungen,… Die Klischees purzeln in „Acts of Violence“ förmlich übereinander. Würden diese mit Verve dargereicht oder auch mal gebrochen werden, man könnte sie allesamt verschmerzen. „Acts of Violence“ gelingt genau das aber nicht. Hinzu kommen Handlungselemente, die für das, was sie dem Film de facto bringen, viel zu breit ausgewalzt werden. Sämtliche im Nichts endende Szenen um ein Betäubungsmittel seien stellvertretend genannt.

So hallen eigentlich nur zwei Story-Momente halbwegs nach: Zum einen ist die „Quelle“ für die Menschenhändler zwar naheliegend, wurde so bislang aber eher weniger in Filmen genutzt. Zum anderen bemüht sich der Film immer wieder um einen erstaunlich politisch korrekten Anstrich, der Selbstjustiz bis zuletzt nicht dulden mag.

Acts of Violence Actionszene

Die MacGregor-Brüder geraten unter heftigen Beschuss.

Actiontechnisch hallt vor allem der Showdown nach. In selbigen werden die MacGregor-Brüder in einem Häuschen belagert, welches ordentlich zu Klump geschossen wird. Dabei wird vornehmlich mit großkalibrigen Waffen gefeuert, was auch zu blutigen Einschusswunden führt. Insgesamt ist diese Actionszene als durchaus zu gelungen zu bezeichnen, wenngleich sie zwei kleinere Problemherde hat: Zum einen ist die Zahl der Angreifer zu gering und zum anderen wirkt die Action in einigen Momenten seltsam steif.

Was unisono für die restlichen, deutlich weniger aufwändigen und rundweg zu kurzen Actionszenen gilt, da aber sogar noch deutlicher auffällt. Insbesondere eine Sequenz, in der Deklan, von einem Polizeischutzschild gedeckt, die Lumpen umnietet, wirkt total undynamisch. Während technisch mittels vielen Schnitten noch versucht wird, hier Dynamik reinzubringen, ist die Choreografie der Szene einfach zu platt. Ansonsten liefert die Kollision eines Hummers mit einem SUV Augenfutter und eine Szene um die Befriedung eines Drogenlagers mutet vor allem taktisch ausgereift an. Auch der zackige Score unter den Actionszenen weiß zu gefallen.

Abseits der Action inszeniert Brett Donowho im von ähnlichen Emmett-Furla-Produktionen („The Prince“) gewohnten Breitbildlook, der vor allem bei Nachtszenen auf Hochglanz mit Komplementärfarben setzt. Ansonsten arbeitet „Acts of Violence“ vornehmlich mit erdigen, warmen Farben. Erstaunlich ist, dass „Acts of Violence“ diesmal insgesamt reichlich knapp budgetiert wirkt. Wo Emmett-Furla beispielsweise sonst zumindest halbwegs hübsch aussehende Sets auftreiben können, wirken selbige in „Acts of Violence“ häufig reichlich abgerissen. Zwar sind die weitläufigen Hafen- und Eisenbahngeländesets für einen Actioner prinzipiell nicht uninteressant, nur sollte man selbige dann auch für mehr nutzen als ein paar nette Drohnen-Kamera-Flüge.

Acts of Violence mit Bruce Willis

Nur ein Tag am Set und dennoch omnipräsent im Film: Bruce Willis.

In Sachen Schauspiel sollte man sich von dem Film nicht viel erwarten. Ashton Holmes („The Divide“), Shawn Ashmore („X-Men – Zukunft ist Vergangenheit“) und Cole Hauser („The Hit List“) werden als Gebrüder-Gespann, wie bereits dargestellt, vom Drehbuch vollkommen alleine gelassen. Vor allem Hauser spürt man in einigen Szenen deutlich an, dass er am Set wohl nicht wirklich glücklich war. Auch Ashmore habe ich selten so unbeteiligt in einer Rolle gesehen.

Richtig engagiert ist hingegen Melissa Bolona („Rage – Tage der Vergeltung“) als Mia! Sie bringt die verschiedenen Gemütszustände ihrer Figur treffend auf den Punkt und kommt durchweg einfach irre sympathisch rüber. Mike Epps („All about the Money“) ergeht es im Grunde wie den Darstellern der MacGregor Brüder: Man stellt ihm eine Figur hin, die keinen Deut durchdacht wirkt. Sein Bösewicht hat aber erstaunlicherweise dennoch ein paar richtig irre Momente.

Sophia Bush („The Hitcher“) fungiert als bloßer Stichwortgeber für den Darsteller des aufrechten Cops im Film: Bruce Willis. Der war angeblich nur einen Tag am Set, hat da aber offensichtlich einen emsigen Tag gehabt und kann tatsächlich als einer der Hauptdarsteller im Film angesehen werden. Zudem wirkt er bei weitem nicht so gelangweilt wie etwa bei den Emmett-Furla-Filmen „Precious Cargo“ oder „Marauders“.

Bruce Willis und die Action retten “Acts of Violence” gerade so über die Ziellinie

Was am Ende bleibt, ist eine Emmett-Furla-Produktion, die sich zumindest für Bruce-Willis-Fans nicht zur gewohnten Mogelpackung entwickelt. Die zahlreichen Auftritte des Stars wurden sehr gut über den Film verteilt und geben ihm so eine durchaus spürbare Präsenz im Film. Ansonsten will „Acts of Violence“ aber nicht richtig funktionieren. Das Drehbuch holpert ungelenk von Szene zu Szene. Räumt unwichtigen Szenen (Die Stripbar) und Handlungselementen (Das Narkotikum) viel zu viel Zeit ein und vergisst vollkommen, seine Charaktere und deren Interaktionen mit Leben und Glaubwürdigkeit zu füllen. Leider hat „Acts of Violence“ auch nicht genügend Blendgranaten, beispielsweise in Form von Action, um diese Probleme vollends zu überspielen. Dazu hätte es schon mehr Szenen von der Qualität des hübschen Showdowns gebraucht.

4 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien am 3. Mai 2018 von Constantin Film / Highlight und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Die Datenträger warten mit einem Making of und den Filmtrailern auf.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Constantin Film / Highlight__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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