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Aftershock – Die Zeit nach dem Ende

Originaltitel: Aftershock__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1990__Regie: Frank Harris__Darsteller: James Lew, Michael Standing, Elizabeth Kaitan, Jay Roberts Jr., Chris DeRose, John Saxon, Deanna Oliver, Russ Tamblyn, Matthias Hues, Michael Berryman, Christopher Mitchum u.a.
Aftershock – Die Zeit nach dem Ende DVD Cover

“Aftershock – Die Zeit nach dem Ende” bietet viel Endzeit-Action

Die Welt ist mal wieder komplett zerstört. Warum dem so ist, deutet zumindest der Titel des hier besprochenen Action-Trashes an: Ein brachiales Erdbeben könnte an den Zerstörungen und der Zerlegung der Zivilisation Schuld tragen. Ob dem wirklich so ist, wird zumindest aus der deutschen Synchronfassung nicht ersichtlich. Oder aber die Erklärung fällt in einem so öden Nebensatz, dass es nicht verfängt. Anyway.

„Aftershock – Die Zeit nach dem Ende“ beginnt mit einem mittleren Massaker von fieswichtigen Überlebenden an anderen, unbescholten wirkenden Überlebenden. Inmitten des Massakers materialisiert sich auf einmal eine junge Dame am Ort des Geschehens und wird von den Fieswichtern einkassiert. Was der Zuschauer da schon ahnen darf: Bei der Dame handelt es sich wohl um eine Außerirdische.

Die hat die einst mit der Voyager ins Weltall geschossenen Grüße der Menschheit an außerirdisches Leben aufgeschnappt und wollte anscheinend mal schauen, ob wir wirklich so dufte Lebewesen sind. In einer engen Zelle gelandet, scheinen die Fieswichte alsbald den guten Eindruck der Menschheit weitgehend zerstört zu haben. Doch Moment: In einer Nachbarzelle hockt Tausendsassa Willie. Der ergreift in einem günstigen Moment die Möglichkeit zur Flucht.

Irgendwie kommt auch unsere Außerirdische bei dem ganzen Tohuwabohu frei und schließt sich Willie an. Das ungleiche Gespann muss sich nun durch die kaputte Endzeit kämpfen und versucht, die Außerirdische wieder gen ihre Heimat zu schicken.

Schaut in den Endzeit-Actioner hinein

„Aftershock – Die Zeit nach dem Ende“ hat ganz genau eine wirklich geile Szene und das ist sein Showdown. Während die Action und die gesamte Handlung des Filmes im Vorfeld maximal wie Stückwerk wirken, Zusammenhang missen lassen und sich teilweise elendig ziehen, stimmt in dem Showdown alles. Er macht richtig Laune, die Action ist rund und die halbgare Story wird zu einem runden Ende gebracht. In der Folge beschleicht einen irgendwie das Gefühl, dass der gesamte Film erst im Nachhinein um diesen Showdown herum gestrickt wurde.

Dass Held Willie im Showdown plötzlich in neuer Montur auftritt und eine Art Ninja gibt, während er in den Minuten zuvor eher tölpelhaft durch die Kulissen stolperte, unterstreicht den Eindruck nur. Der Showdown kommt infolgedessen wie ein Showcase für den Darsteller Jay Roberts Jr. rüber, während alle Szenen davor eher wie Antiwerbung anmuten. Dass er um „Aftershock“ herum kaum noch in anderen Filmen in Szene gesetzt wurde, verdeutlicht, dass die Antiwerbung deutlich eindrücklicher war.

Was auch daran liegt, dass sie im Vergleich zum Showdown eben viel mehr Zeit in Anspruch nimmt. Äußerst ungelenk in Szene gesetzte Zeit. Denn der Streifen mäandert schon reichlich ziellos vor sich hin. Vor allem, wenn unsere Helden im Untergrund ankommen, bahnt sich ein wahrer Labermarathon mit langweiligen Bildern seinen Weg. Zumindest mündet das Gelaber irgendwann in eine große Actionsequenz, in der Roberts Jr., ihr ahnt es vielleicht, keine Rolle spielen darf.

Stattdessen werden recht beliebig wirkend irgendwelche Abmurks- und Mit-Pfeil-und-Bogen-Schieß-Szenen aneinandergepappt, dazwischen steigen mal kleinere Explosionen und eine im Schnitt reichlich versaubeutelte Hausexplosion sorgt für Belustigung. Danach wird der Weg in Richtung Showdown frei gemacht. Doch der liegt da noch eine ganze Weile entfernt. Eine sehr lange Weile.

Kurzum: Erzählerisch geht hier nicht viel zusammen. Doch der Film hat neben dem Showdown noch ein paar positive Seiten. Da wäre zum einen das Endzeitszenario. Hier punktet „Aftershock – Die Zeit nach dem Ende“ brutal. Der Location-Scouter hat ein paar prächtige Settings gefunden, die, vermutlich noch zusätzlich vermüllt, glaubhaft eine zerstörte Welt bebildern. Auch und vor allem das Setting des Showdowns, eine alte Fabrikanlage, rockt schwer und wird ausschweifend genutzt.

Ein weiterer Pluspunkt ist die nette Besetzung. Also zumindest jene in kleinen und minimal kleinen Nebenrollen. John Saxon („Nightmare“), Richard Lynch („Cashfire“), der auch als Stunt-Koordinator tätige James Lew („Defender – Straßenkrieg in L.A.“), Al Leong („Stirb Langsam“) und Gerald Okamura („Full Impact“) halten hier unter anderem ihre B-Film erprobten Visagen in die Kamera. Dazu gesellen sich die gnadenlos overactenden Michael Berryman („Die Barbaren“) und Matthias Hues („Fist Fighter“). Ersterer mit roter Langhaarperücke und kirschroten Lippen, zweiterer in einem Lendenschurz, der aus einer bajuwarischen Lederhose gefertigt wurde! Genial!

„Aftershock – Die Zeit nach dem Ende“ bringt einen wenig zum Beben

Der in funktionaler DTV-Optik erstrahlende Endzeit-Actioner „Aftershock – Die Zeit nach dem Ende“ stellt die Geduld seiner Zuschauer in den ersten 70 Minuten extrem auf die Probe. Die Story kommt nicht zu Potte, das Handlungselement um die Außerirdische ist so kurios wie egal und der Held eine einzige Flachpfeife. Ideen wie jene, blutige Treffer mittels Gotcha-Munition umzusetzen, sorgen da zumindest ansatzweise für so etwas wie eine grundlegende Belustigung.

Als unser Held dann seinen ersten Auftritt mit Ninja-Schwert und einer anscheinend eigens dafür mitgeschleppten Eisnebelmaschine hinlegt, dreht sich das Ganze in eine positive Richtung. Denn nun rollt der Showdown an. Und der macht im steilen Setting mit Geschlitze, Rumgeballer und fiesem Beinbruch definitiv Laune und ist eigentlich der einzige Grund, sich diesen Film anzuschauen. Wobei, Hues mit seinem bayerischen Lendenschurz ist auch eine Schau.

04 von 10

„Aftershock – Die Zeit nach dem Ende“ wurde zu VHS-Zeiten trotz FSK 18 Freigabe nur heftig geschnitten veröffentlicht. Maritim Pictures / Cargo Records brachten den Film am 28. August 2020 erstmals uncut auf DVD heraus. Auf dieser prangt nach wie vor das FSK 18 Siegel. Die Bildqualität mit ihrem teils unruhigen Bildstand erinnert an jene einer VHS-Kassette.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Maritim Pictures__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Nein/Ja

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