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Alien Agent

Originaltitel: Alien Agent__Herstellungsland: Kanada__Erscheinungsjahr: 2007__Regie: Jesse V. Johnson__Darsteller: Mark Dacascos, Emma Lahana, Billy Zane, Kim Coates, Amelia Cooke, Luke Darnell, Rob Hayter, Lindsay Maxwell, Kelsey McIlroy, Sean O. Roberts, Darren Shahlavi u.a.
Alien Agent

Mark Dacascos in Alien Agent.

Jesse V. Johnson, die B-Filmactionhoffnung im Regiebereich, trifft auf Mark Dacascos und gemeinsam stemmt man einen Actionstreifen, der schon in den Trailern doppelt so sehr rockte, wie alle letzten Dacascosstreifen vor diesem Unternehmen zusammengenommen. Die Hoffnungen waren groß, die Ernüchterung nach dem Filmgenuss ist umso größer.

Dabei beginnt “Alien Agent” ganz groß: Eine megasexy junge Dame (wer sie nackt sehen will, muss LEIDER “Species 3” ertragen) steht auf einer riesigen Verkehrsbrücke und steigt über deren Geländer. Sie bringt sich in Position und springt, einen Salto rückwärts schlagend, von dem Bauwerk. Just in diesem Moment fährt ein Transporter unter der Brücke durch, dessen Ladeflächenabdeckung die Dame durchbricht, um in dem Innenraum mit einer MP alle Insassen zu durchlöchern. Sekunden später ist der Wagen übernommen und ihre Handlanger wollen gemeinsam mit der Dame fliehen. Da taucht eine Type hinter ihnen auf und eröffnet aus seinem fahrenden Wagen heraus das Feuer auf die Flüchtigen. Diese ballern aus allen Rohren zurück und durchlöchern den Typ förmlich. Einer der Handlanger springt von dem Transporter auf das fahrende Vehikel des Verfolgers, während die sexy Madame mit einem Granatwerfer das Verfolgungsauto zur Explosion bringt, das sich daraufhin – mehrmals um die Querachse drehend – überschlägt und in einem schönen Feuerball aufgeht.

Kaum gelandet steigt zu heldenhafter Mucke der Verfolger unversehrt aus dem Wagenwrack und geht auf den Typ los, der sein Auto entern wollte und seltsamerweise ebenfalls vollkommen unversehrt ist. Eine knackig kurze Martial Arts Keilerei später ballert der Verfolger dem Handlanger mit einer abgesägten Schrotflinte quer durch den Schädel und der geneigte B-Fan kommt aus dem Johlen gar nicht mehr raus.

Leider geht’s ab diesem Zeitpunkt nur noch bergab, mit ganz kleinen Zwischenhochs. Zunächst einmal greift nämlich fortan die schwer abstruse Geschichte. Der Planet einer Alienrasse steht vor dem Ende, deshalb suchen sie eine neue Welt zum Überleben. Die Erde wurde auserkoren und so schickt man Späher aus, die die Erde erkunden und auf die Übernahme vorbereiten sollen. Dieses Vorgehen finden manche der Aliens aber nicht so töfte, weswegen sie einen der Ihren losschicken, um die Vorbereitungsbemühungen für die Invasion zu unterbinden. Ryker heißt der Gute, sieht aus wie Mark Dacascos und kickt wie ein junger Gott. Er stolpert fortan durch eine vollkommen wirre und niemals so recht zum Punkt kommende Geschichte, die nicht wirklich so etwas wie Spannung oder zwingende Stringenz entwickeln kann. Vielmehr wird teils endlos sinnloser Kram gelabert und dürfen weder Mark noch Regisseur Jesse Johnson das machen, was sie am besten können.

Sobald sich dann das Drehbuch doch mal wieder erbarmt und die Geschichte um den Portalbau für die Invasoren zugunsten von Action ausblendet, wird es richtig spektakulär! Egal ob Jesse V. Johnson Regular Dominiquie Vandenberg mit einem großkalibrigen MG einen Diner befriedet oder Mark Dacascos durch Wände bricht, um kurz darauf eine Handvoll Bäddies einzutüten, für das actionaffine Fanvolk wird hier einiges geboten. Shoot Outs, Kloppereien, Explosionen, alles drin, was drin sein muss. Leider gibt es aber da eben noch viel Drumherum und keiner schien gemerkt zu haben, dass genau dieses Drumherum vollkommen obsolet ist … vor allem dann, wenn die eigentlichen Höhepunkte eben wirklich rocken.

Warum dem so ist, kann man nur vermuten, allerdings wurden im Umfeld der Produktion einige Nachrichten lanciert, die nahe legten, dass dies letztendlich kein echtes Jesse V. Johnson Produkt ist, da man ihn diesmal wohl nur für die reinen Dreharbeiten rekrutierte und ansonsten komplett außen vor ließ. Allerdings ist fraglich, ob dieser Film mehr getaugt hätte, wenn Jesse bis zum Schluss dabei gewesen wäre, denn hier stimmt eben bis auf seine Spezialszenen nicht viel. Und selbst da wirkt er ab und an recht gebremst. Eine vollkommene Enttäuschung ist dahingehend zum Beispiel der Kick zwischen Mark Dacascos und Dominiquie Vandenberg, bei dem Mark nicht einen einzigen Kick oder Schlag setzen darf, während Vandenberg sogar ganze Steinsäulen zu Klump drischt! Vom arg uninspirierten und im Leeren verlaufenden Showdown ganz zu schweigen. Hier kommt es nicht einmal zu einer Endkonfrontation zwischen Mark Dacascos und Oberbäddie Billy Zane! Sehr seltsam das Ganze …

Und damit sind wir beim Schauspielerischen. Hier gibt es nicht viele Gründe zur Beschwerde. Mark Dacascos ist als Held immer eine hervorragende Wahl, bringt er doch mehr als reichlich Charme und Schmäh mit, um mit seinen Figuren mitzufiebern. Dass er dabei nie viel schauspielert, ist kein Geheimnis, aber das macht ein Harrison Ford beispielsweise auch nicht. Im Gegensatz zu seinen letzten Projekten sieht man Mark diesmal aber endlich mal wieder voll in Action – eben auch mit ein paar gewohnt gelungenen und edel anzuschauenden Kickereinlagen. Highlight des Filmes ist bei allem Actionrambazamba und abstruser Aliengeschichte aber seine Liebesgeschichte zu einer niedlichen kleinen Dame, die er irgendwann im Laufe des Filmes aufsammelt und fortan immer retten muss. Diese Einlagen haben nämlich verdammt viel Charme und Witz. Optisches Highlight ist freilich die sexy Brückenspringdame Amelia Cooke, die einiges an Eye Candy in den Film pumpt, den interessantesten Bösewichtcharakter des Filmes befeuern darf und in den Fightszenen ihres Charakters obendrein eine verdammt gute Figur macht. Dominique Vandenberg (“Pit Fighter“) darf so richtig die Sau rauslassen und alles zu Klump hauen, was ihm in den Weg kommt, was dem kleingewachsenen Bullterrier mehr als gut steht. Die bekannteren Namen dürften aber Billy Zane und Kim Coates sein, die aber beide nie so recht im Film ankommen. Vor allem Billy Zane verpufft vollkommen ungehört und das, wo er den Hauptbösewicht darstellen soll. Ob man hier seine Drehtage falsch kalkulierte oder er irgendwann keinen Bock mehr hatte, weiß ich nicht, beides würde mich aber nicht überraschen.

Technisch kann man sich bei “Alien Agent” nicht beklagen. Was Jesse V. Johnson noch lernen muss, ist, die Handlungsszenen ebenfalls ein wenig mehr zu beschleunigen und ihnen mehr Dynamik zu verleihen. Die Dialog- und Handlungsszenen sind teils erbärmlich gepaced, schlampig geschnitten und dümpeln unglaublich fad vor sich hin, was die zuvor gestiegenen Actionszenen fast immer wieder komplett erdet und den Film auch ordentlich herunterreißt. Auch ging mit der SCI-FI Story die Einbindung von CGIs einher, die allesamt einen eher weniger gelungenen Eindruck machen. Zwar sind sie in ihrer Gesamtheit an einer Hand abzählbar, wirklich notwendig erscheinen sie aber allesamt nicht … Wie eben die verquere Story von “Alien Agent” …

Was bleibt ist ein Actionstreifen, der im Vorfeld vielversprechend klang, aber nicht allzu viel von diesen Verheißungen umsetzen kann. Zwar kickt Mark  Dacascos endlich mal wieder ausgiebiger und setzen so manche Actionszenen durchaus wieder Standards fürs B-Genre, aber die um diese wirklichen Höhepunkte drapierte Story ist so wirr und ziellos in ihrer Ausrichtung, dass man einfach vollkommen unbefriedigt zurückbleibt und sich nach dem seltsamen Showdown nur fragt: Was war denn das? Schade!

Die deutsche DVD kommt von MIG und ist in Bild und Ton rundum gelungen. Die Freigabe schlägt bei der Leihscheibe mit einer KJ zu Buche, was aber auf die aufgespielten Trailer zurückgeht, da der Hauptfilm ab 16 freigegeben ist. Dem trägt die deutsche Kaufscheibe Rechnung und ist eben auch mit einer FSK 16 uncut.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Bilder: MIG__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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