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Ambulance

Originaltitel: The Ambulance__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1990__Regie: Larry Cohen__Darsteller: Eric Roberts, James Earl Jones, Megan Gallagher, Red Buttons, Janine Turner, Eric Braeden, Richard Bright, James Dixon, Nick Chinlund u.a.
Ambulance Mediabook Cover

Eric Roberts jagt durch die Nacht in “Ambulance”.

Comiczeichner Josh, der mal eben für Marvel Comics arbeitet und unter Stan Lee dient, ist ein echter Schwerenöter, der jedem Frauenrock nachsteigt. Diesmal hat es die aparte Cheryl erwischt. Mit viel taktlosem Gelaber versucht Josh, eine Charme-Offensive zu starten. Seine Bemühungen finden jedoch ein jähes Ende, als seine Zufallsbekanntschaft plötzlich vor ihm zusammenbricht.

Ein eilig herbeigerufener Krankenwagen bringt die Dame in ein nahe gelegenes Krankenhaus und Josh verspricht, sie dort zu besuchen und nach dem Rechten zu sehen. Und Josh hält Wort. Direkt nach der Arbeit eilt er zu dem Krankenhaus, in das Cheryl eingeliefert werden sollte. Doch hier ist sie niemals angekommen. Josh kommt das seltsam vor und er beschließt, auch andere Krankenhäuser in der Umgebung abzuklappern. Doch Cheryl ist nirgends eingeliefert worden…

Josh ist sich sofort sicher, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Er wendet sich an die Polizei, wird allerdings nicht wirklich ernst genommen. Doch er lässt nicht locker und versucht, „seine Cheryl“ wieder zu finden. Die einzige Spur, die er hat: Der Krankenwagen, mit dem Cheryl abtransportiert wurde. Ein aus der Zeit gefallenes Modell…

Schaut in den Thriller „Ambulance“ mit Eric Roberts hinein:

Es ist eine schlichte, wie geniale Idee, die „Ambulance“ trägt: Aus einem Symbol, das für Leben und Rettung in letzter Sekunde steht, wird etwas absolut Böses gemacht. „Ambulance“ von Horrorfilmikone Larry Cohen spielt durchaus gekonnt mit diesem Motiv, lässt vor allem Josh irgendwann beinahe panisch auf alles reagieren, was mit Krankenhäusern, Ärzten und eben Rettungswagen zu tun hat.

Im Schaffen von Larry Cohen ist das Motiv nicht neu. Schon in seinem Drehbuch zu „Maniac Cop“ wurde ein eigentlich meist positiv besetztes Berufsumfeld zum Symbol für den puren Terror. Dabei erinnert die Grundidee eines „dämonisierten“ Ambulanzwagens, der Unschuldige jagt und einem wenig erquickenden Schicksal zuführt, stark an den atmosphärisch beeindruckenden deutschen Thriller „Fleisch“ aus dem Jahre 1979. Hier waren die Rollen noch vertauscht: Der Ambulanzwagen bzw. dessen Fahrer entführte in „Fleisch“ den Mann einer Pärchenkonstellation, um ihn an Organhändler zu verschachern, während die Frau hernach auf die Jagd auf dem Ambulanzwagen ging.

Während „Fleisch“ auf eine düstere, ausweglose Atmosphäre setzte, geht es Larry Cohen eher um atemlose Gehetztheit. Er hält seinen „Ambulance“ immer in Bewegung, lässt kaum Leerlauf aufkommen und schickt seine Hauptfigur auf eine temporeiche Hetzjagd, angefüllt mit Verfolgungsjagden, Prügeleien und teilweise etwas arg zufällig wirkenden Story-Wendungen.

Ambulance Eric Roberts und James Earl Jones

Josh berichtet den Cops, was er erlebt hat. Glauben mag ihm aber keiner so recht.

Ein weiterer wichtiger Unterschied ist der sich konstant durch den Film ziehende, teilweise ins Groteske mäandernde Humor von „Ambulance“. Alleine schon die an Comic-Helden erinnernden Stehauf-Qualitäten der Hauptfigur Josh (der ja obendrein auch noch selbst Comics zeichnet), sind spektakulär und tragen teilweise fast schon absurd komische Züge. Doch auch die Figuren rund um Josh haben alle einen gewissen Wahnsinn anhaften. Seien es der von James Earl Jones („Karate Tiger IV“) gespielte Detective, der Josh zumindest ansatzweise zu glauben scheint, oder Red Buttons als ehemaliger Reporter.

Den normalsten Eindruck macht lange Zeit der fiese Oberbösewicht, doch selbst der darf im Finale fast schon manisch hinter Josh herjagen. In selbigem steigt dann auch die spektakulärste Stuntszene, die die Story explosiv abrundet und das i-Tüpfelchen auf die bisher präsentierten Verfolgungsjagden und Actionszenen setzt.

Immer mitten im Zentrum des Geschehens: Eric Roberts („Heaven’s Fire“). Der Mime ist immer an der Grenze zur Hyperaktivität. Ist permanent am Plappern. Overacted sich in manchen Szenen um Kopf und Kragen. Bleibt als schürzenjagender Hallodri aber immer sympathisch und ist ein Held, mit dem man gerne bis zum Schluss mitfiebert, auch wenn die wilde Schnitzeljagd nach Cheryl einige fiese, schwarzhumorige Überraschungen für ihn bereithält. Überraschungen, die „Ambulance“ selbst auch verdammt gut tun und ihn deutlich von der Konkurrenz abheben.

Ambulance Megan Gallagher

Ob diese Cops Josh helfen werden?

Optisch ist der lebendige „Ambulance“ durch und durch ein Kind seiner Zeit. Teilweise schreckliche Fönfrisuren treffen auf diverse modische Entgleisungen. Davon abgesehen ist der Film sehr dynamisch in Szene gesetzt und bemüht sich um eine flotte Bebilderung. Dabei spielt er zu weiten Teilen eher bei Nacht, was Larry Cohen immer mal wieder nutzt, um mit Komplementärfarben die Comic-Atmosphäre seines Filmes zu unterstreichen.

Was man „Ambulance“ (gerade im Vergleich zu „Fleisch“) vorwerfen kann, ist, dass er seine Prämisse nicht zu Hundert Prozent umgesetzt bekommt und so nicht ganz so packend gerät. Irgendwie würde man sich mehr Panikgefühle wünschen, wenn der Ambulanzwagen wieder mal irgendwo entlang gerollt kommt. Dieses Manko gleicht der Film mit hohem Tempo, schrägem Witz, tollen Ideen und einigen unvermuteten Storyschlenkern (wo der Ambulanzwagen und dessen Fahrer letzten Endes gefunden werden, ist schon eine hübsche Idee) locker wieder ausgleicht. Dass dabei nicht alles schlüssig zu einem Ende gebracht wird (beispielsweise erwischt es von den eingeführten Lumpen nur zwei onscreen) und diverse Plottholes auftauchen (es ist schon seltsam, wie viele Leute von der Ambulanz entführt wurden und wie wenig Ahnung die Cops von diesen Vermisstenfällen haben), macht zu einem gewissen Teil auch den Charme dieses Streifens aus. Der will einfach nur 95 Minuten flott unterhalten und schafft das absolut spielend.

7 von 10

Lange Zeit gab es von „Ambulance“ nur eine VHS und ein DVD-Bootleg. Koch Media hat sich nun endlich des Filmes angenommen und ihm eine absolut würdige Mediabook-Umsetzung beschert. Diese erschien am 22. Juni 2017 und wartet mit dem Film auf DVD und Blu-ray in absolut tadelloser audiovisueller Umsetzung auf. Dazu gesellen sich diverse Extras, etwa ein Audiokommentar von Larry Cohen und eine Extra-DVD, die eine 70-minütige Dokumentation zum Schaffen von Larry Cohen als Herzstück aufbietet.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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