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American Samurai

Originaltitel: American Samurai__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1992__Regie: Sam Firstenberg__Darsteller: David Bradley, Mark Dacascos, Valeria Trapp, John Fujioka, Melissa Hellman, Michael Morim, Rex Ryon, Antony Szeto u.a.
American Samurai

Mark Dacascos in Sam Firstenbergs “American Samurai”

Drew Collins stürzte als kleines Kind mit seinen Eltern irgendwo im asiatischen Kulturkreis ab. Der Junge, der den Crash als einziger überlebte, wird von einem netten Japaner, namens Tatsuya, gefunden und von ihm wie sein eigener Sohn groß gezogen. Katanatrainingsstunden inklusive. Kenjiro, dem eigentlichen Sohn des Japaners, gefällt diese Entwicklung allerdings gar nicht, denn Kenjiro fühlt sich von seinem Vater vernachlässigt. So gerät er schnell auf die schiefe Bahn, schließt sich der Yakuza an und wird von seinem Vater geächtet. So geht das Familienschwert nach dem Tod von Tatsuya nicht etwa an den “rechtmäßigen” Erben sondern an Drew. Eine Schmach, die Kenjiro nicht verkraftet. Er taucht ab und versucht, wann immer es geht, dem Schwert habhaft zu werden. Eines Tages gelingt ihm das auch. Drew versucht nun seinerseits das Schwert wieder zurückzuerlangen. In seiner Profession als Journalist stößt er auch recht bald auf eine sachdienliche Spur, denn es tauchen in der Türkei vermehrt Leichen auf, deren todbringende Wunden eindeutig Kenjiros versierte Kampfsporterfahrungshandschrift tragen. Und wenn Drew Kenjiro findet, findet er auch das Schwert … so hofft er. Doch Drew findet nicht nur Kenjiro wieder. Nein, schneller als ihm lieb ist, findet er sich selbst in Duellen auf Leben und Tod wieder …

American Samurai

Mark Dacascos als Kenjiro

Sam Firstenberg verwurstet in seinem Streifen “American Samurai” so ziemlich alle zeitgenössischen Kampfsportfilme, die auch nur ansatzweiße einen Dollar an den Kinokassen eingebracht haben. So ist der Einstieg freilich eindeutig von “American Fighter” “inspiriert” inklusive des Darstellers John Fujioka, der schon Michael Dudikoff in “American Fighter” auf diverse Infights vorbereitete. Diese Routine hält dann eine Weile vor, vermischt sich aber mehr und mehr mit Elementen der absoluten Genrereferenz “Bloodsport“, dessen Handlung er dann eigentlich komplett übernimmt. Denn ist das Schwert erst einmal geklaut und Drew auf die Spur von Kenjiro gestoßen, erfährt er, dass sich Kenjiro in einer Art Untergrundzirkel die Zeit damit vertreibt, diversen Kombattanten gegen erkleckliche Gewinnsummen einen neuen Scheitel zu ziehen. Und dass Drew an diesen Fights teilnehmen wird, ist von Minute eins an so sicher wie das Amen in der Kirche. Dabei sind die Abweichungen von “Bloodsport” reine Makulatur. Der Sieg im Kumite wird durch den Erwerb eines Schwertes ersetzt, es gibt eine Fotografin anstelle einer Reporterin, der bärbeißige, holzfällerhemdtragende Superproll heißt NICHT Jackson, unser Held wurde unterrichtet, seinen 6. Sinn zu schulen, erlernt dies aber NICHT dank des Handfischens von Goldfischen und und und. Ihr seht, mit echten Unterschieden hat das alles nichts zu tun. Die einzigen wirklichen Unterschiede zu “Bloodsport” sind der Bruderkonflikt zwischen Drew und Kenjiro und die Tatsache, dass die Fights mit allen möglichen Hieb- und Stichwaffen ausgeführt werden. Ansonsten würde der Streifen mühelos als “Bloodsport 5” durchgehen.

Dabei macht der Film gar nicht erst den Fehler, seine nicht vorhandene Story über Gebühr zu strapazieren. Es gibt eine kurze “Drew wird erwachsen” Sequenz, der Bruderkonflikt wird lanciert und kurz darauf gibt es schon die ersten Toten. Keine zwei Minuten später flaniert man schon durch die Türkei, um kurz darauf ein paar Filet Mignons in der Kampfarena aus den Gegnern zu schnitzen. Das Ganze wird garniert mit hanebüchen bekloppten Dialogen und teils grandios miesem Schauspiel.

American Samurai

“American Samurai” David Bradley kickt auch Wikinger

Kurzum: Innovationen braucht man sich hier in keinerlei Hinsicht zu erwarten und auch sonst ist der Film maximal unterdurchschnittlich geraten. Dennoch muss es doch einen Grund geben, warum der Streifen im Actionfandom einen doch recht hohen Stellenwert besitzt. Den Grund hierfür braucht man dann auch nicht lange suchen, da er einem förmlich bei jedem Fight ins Auge sticht. Er heißt: Krachlederne Brutalität. Da werden Arme am Ellbogengelenk gebrochen, Hände abgeschnitten, Arme halbiert, Kehlen tranchiert, Köpfe von den Schultern gehauen und es wird erstochen, geschlitzt und geschnetzelt, als gäbe es kein Morgen. Wenn sich dann der Held selbst mit Daumen und Zeigefinger eine Kugel aus einer Bauchwunde pult, überrascht das dann auch keinen mehr. Firstenbergs Ziel war offensichtlich ein Bloodsportklon mit kübelweise Blut und nicht nur ein oder zwei verbogenen Kauleisten. Diese Einlagen werden selbstzweckhaft bis zum Exzess ausgekostet und man beginnt sich als Zuschauer vor jedem Fight unweigerlich zu fragen, was wohl diesmal an Körperteilen gen Erdboden fallen wird. Über Blutarmut braucht man sich also bei der fast ausschließlich swordplaylastigen Action nicht zu beklagen. Leider täuscht diese offenherzige Gewaltinszenierung nicht über die eigentlich recht schwache Qualität der Action hinweg.

Mit jedem weiteren Fight beschleicht den Zuschauer nämlich mehr und mehr das Gefühl, dass nur die Wenigsten aus dem “American Samurai” Cast wirklich versierte Kampfsportler sind. Bestes Beispiel ist ein Kampf zwischen einem Perser und dem Holzfällerhemdproll. Beide Fighter stehen sich gegenüber. Der Ami textet den Perser voll. Der schwingt die Schwerter als “Antwort” so ungelenk, dass man permanent Angst hat, der schneidet sich gleich selber den Kopf ab. Der Ami schmeißt sein Messer, trifft den Perser ins Bein. Kampf vorbei. Hallo? Die zweite Einlage vom Ami ist ähnlich arm. Und derartige “Kämpfe” gibt es leider einige. Von einer Choreographie oder Action im eigentlichen Sinne kann da eigentlich nicht die Rede sein. Und so wird es nur dann wirklich interessant, wenn David Bradley, Tony Szeto als Phan-Xu oder Mark Dacascos ins Geschehen eingreifen, denn die drei wissen, wie gutes Martial Arts auszusehen hat. Dabei sorgt Bradley für die eleganten Einlagen, da er nebenher viel und hoch kickt, Szeto für die akrobatischen Nummern und Dacascos leistet viel Vorschub für die gnadenlose Härte des Streifens, denn seine Figur des Kenjiro agiert so souverän und konsequent mit dem Samuraischwert, dass es eine tiefschlitzende Freude ist. Leider bleiben dadurch Mark Dacascos Körperbeherrschung und Kenntnisse verschiedenster Kampfsportarten weitgehend außen vor. Unter diesen Voraussetzungen gerät der Fight Phan-Xu gegen Kenjiro zu einem echten Highlight des Streifens und man beginnt sich doch massiv auf den Endfight Bradley – Dacascos zu freuen … doch welch Ernüchterung stellt sich da ein.

American Samurai

Eine Analyse des ziemlich misslungenen Endfights. Bitte klicken!

Ich habe zu dem Ende von “American Samurai” ja meine ganz eigene Verschwörungstheorie. Diese besagt, dass der Endfight eigentlich nur aus zwei Moves besteht! Zunächst sitzen sich Kenjiro und Drew gegenüber, giften sich an und halten Samuraiehrenbekundungen für den Gegner ab. Dann kommt der erste Angriff. Das Ergebnis sind kaputte Füße (wer den Film kennt, weiß, was ich meine). Und danach kommt die “Schwertabwehr” mit verheerenden Folgen. Mehr scheint für den eigentlichen Showdown nicht geplant gewesen zu sein. DOCH im fertigen Film gibt es nun zwischen Ehrbekundungen und kaputten Füßen eine etwas längere Fightsequenz. Doch diese erscheint mir persönlich wie ein Zusammenschnitt aus verschiedenen alternativen Einstellungen anderer Fights des Filmes. Meine “Beweise”: Alle Fights im Film werden in Totalen gezeigt, damit die ohnehin kaum vorhandene Choreographie überschaubar bleibt. Es gibt keine wirklichen Nahaufnahmen der Fighter oder “Kämpfer kämpft mit der Kamera” Einlagen. In dem Endfight besteht auf einmal der ganze Kampf aus Nahaufnahmen und “Kämpfer kämpft gegen Kamera” Einlagen! Dazwischen werden ein paar Posings von Dacascos und Bradley geschnitten, bei denen niemals beide gemeinsam im Bild sind! Auch bei den Nahaufnahmen kann man nie das Gegenüber erahnen! Und dann kommt die Szene, die mich immer wieder an der Echtheit des Kampfes zweifeln lässt! Dacascos wehrt einen Schwerthieb ab! Dabei fliegt auf einmal ein rotes Stück Stoff durchs Bild! Nur: Bradley hat NICHTS Rotes an sich (Dacascos ebenfalls nicht)! Ganz im Gegensatz zu Phan-Xu – aus dessen Fight mit Kenjiro diese Aufnahme stammen muss!!! -, er hat rote Fähnchen an seinen Schwertern! Kurzum: Irgendwie riecht der ganze Fight extrem nach Fake! Und das ist eben schade, weil entweder hätte man ihn so kurz und knackig lassen sollen, wie ich es bei der “2 Final Moves” Theorie angedeutet habe, oder man hätte einen echten Kampf drehen sollen. Ob nun Mark Dacascos oder David Bradley nicht mehr für Nachdrehs zur Verfügung standen, kann ich nicht sagen. Was ich sagen kann, ist, dass der Endfight in der jetzigen Form sehr zerfahren und unzusammenhängend wirkt und eigentlich nur enttäuscht. Einzig die wirklich gedrehten Szenen um die beiden “Final Moves” mit Dacascos und Bradley haben echtes Flair und transportieren sogar eine leicht melancholische Grundnote, die durch das ruhige Musikthema trefflich untermalt wird.

American Samurai

Iiiiih, Blut!

Zu den schauspielerischen Leistungen im Film muss man nicht viel sagen. David Bradley agiert wie gewohnt wie ein Stein. Mark Dacascos tut es ihm gleich, kann aber alleine schon dadurch punkten, dass ein gefrorenes Gesicht einem Bäddie schon von jeher besser steht als einem Good Guy. Alle anderen Darsteller im Film sind zumindest mir weitgehend unbekannt und auch nicht der Erwähnung wert. Zumeist müssen sie eh nur kicken und das gelingt dem einen mehr dem anderen weniger gut. Die Optik des Filmes ist ein recht zweischneidiges Schwert. Es gibt Momente, die sehen einfach nur übel aus: Der Anfang um den Absturz ist mit seinen Modelltricks Trash pur und auch manchen Szenen in den türkischen Außenarealen fehlt jegliches Flair. Auch der Schnitt des Streifens wirkt recht ungelenk und zerfahren und strotzt vor Anschlussfehlern (als Stichwort sei der am Bein verletzte blonde Hüne genannt). Ansonsten kann der Streifen schon einigermaßen überzeugen und bietet solide DTV Optik. Etwas schade fand ich die letztendliche Sterilität des Kampfplatzes. Er mutet wie eine Art türkisches Ex Verlies an und hat per se ordentlich Ausstrahlung, aber irgendwie ist da alles so sauber und geleckt, dass damit die von dem Knast aufgebaute Stimmung per se recht hart kontrastiert wird und viel Charme verloren geht. Hier ein wenig Dreck, da noch Blutflecken am Boden und es hätte gepasst. So fragt man sich nur, wann denn der Arzt zum Operieren eintreten wird. Akustisch gibt es den ganzen Film über ein Thema auf die Ohren, das vor allem zum Ende hin gut passt, ansonsten aber viel zu unprägnant ist und auch gar nicht erst großartig lanciert wird. Man setzt lieber auf die Schmerzenschreie der Kämpfer. Ein echtes Ärgernis ist allerdings der beständige Off Kommentar von Tatsuya, der Drew nach wirklich jedem Atemzug belehrt, seinen 6. Sinn nicht zu vernachlässigen und ihm Samuraiweisheiten vorbetet, die dem Zuschauer spätestens nach dem 4. oder 5. mal echt auf den Sack gehen.

Das Ergebnis ist ein Bloodsportklon, dessen unzweifelhaft vorhandener Ruhm sich einzig und allein aus der doch ordentlichen Härte nährt. In dieser Kategorie lässt “American Samurai” sogar Genrehighlights wie “Shootfighter” recht arm aussehen. Abgesehen von diesem “Pluspunkt” sieht es bei “American Samurai” aber leider recht arm aus. Die Fights sind teils unspektakulär, manche Fighter schlicht unfähig und das dank David Bradley und Mark Dacascos zweifellos vorhandene Potential wird sehr leichtfertig verschenkt. Für Fans amerikanischer Martial Arts Streifen ist der Film dennoch durchaus zu empfehlen, da die Konzentration auf Schwertkämpfer doch recht nette Abwechslung vom Genreeinerlei bietet. Ansonsten dürfte der Streifen aber nur für Komplettisten der beiden Hauptdarsteller interessant sein …

Eine deutsche DVD von offizieller Seite gibt es leider nicht. Nur ein – qualitativ sehr gelungenes, aber böses – Bootleg von Rabbit transportiert die unrated Version des Streifens in deutscher Sprache. Die deutsche FSK 18 VHS Version grenzt an einen schlechten Witz. Legal gibt es “American Samurai” in Frankreich von dem Label DVDY. Selbst die amerikanische RC1 von Warner Home Video / Cannon Video hat nur die verstümmelte R-Rated Version an Bord …

In diesem Sinne:
freeman

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