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Aquaman

Originaltitel: Aquaman__Herstellungsland: USA/Australien__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: James Wan__Produktion: Zack Snyder u.a.__Darsteller: Jason Momoa, Amber Heard, Willem Dafoe, Patrick Wilson, Dolph Lundgren, Yahya Abdul-Mateen II, Nicole Kidman, Leigh Whannell, Graham McTavish, Randall Park, Temuera Morrison, Michael Beach u.a.
Aquaman

In James Wans “Aquaman” spielen neben Jason Momoa unter anderem Amber Heard, Patrick Wilson, Willem Dafoe und Dolph Lundgren mit

In der modernen Popkultur war Aquaman, der auf einem Riesenseepferdchen reitende Blondschopf aus der Justice League, immer mehr zum Objekt von Spott geworden, wobei auch ein unbeholfener TV-Pilotfilm aus dem Jahr 2006 nicht wirklich half. Doch schon das Ensemblestück „Justice League“ zeugte vom unerwarteten Reiz einer modernen Interpretation, die James Wan im Solofilm „Aquaman“ nun noch ausbauen darf.

Ehe Arthur Curry (Jason Momoa) als jener (im Gegensatz zum Comic nicht mehr blonde) kernige Kerl auftritt, als den wir ihn aus „Justice League“ kennen, beschäftigt sich „Aquaman“ mit der Vorgeschichte seines Helden: Am Strand von Maine wird 1985 die flüchtige, verwundete Atlantaner-Königin Atlanna (Nicole Kidman) angespült und von dem Leuchtturmwächter Tom Curry (Temuera Morrison) aufgelesen. Aus dieser Rettung erwächst erst Liebe, später ein Sohn, doch eines Tages stehen Truppen aus Atlantis vor der Tür, die Atlanna zurückholen wollen. Diese besiegt die Angreifer zwar, kehrt aber freiwillig in das Untersee-Königreich zurück, damit Tom und Arthur sicher sind. Wie schon andere Blockbuster (zuletzt beispielsweise „Ant-Man and the Wasp“) arbeitet auch „Aquaman“ mit digitaler Verjüngung in den Rückblenden und die Ergebnisse sind tatsächlich bestechend gut gelungen. Allerdings gilt bei „Aquaman“ allgemein, dass die Effekte im Gegensatz zu etwa „Justice League“ nicht wie mit der heißen Nadel fertiggestrickt aussehen, sondern viel Zeit und Mühe darin investiert wurde.

In der Gegenwart lebt Arthur an der Oberfläche, denkt nicht an eine Rückkehr nach Atlantis und hilft (See-)Leuten in der Not, etwa einer russischen U-Boot-Besatzung, die von dem modernen Piraten Manta (Yahya Abdul-Mateen II) und seiner Crew bedroht werden. Dabei überlässt Aquaman allerdings Mantas Vater Jesse (Michael Beach) im havarierten U-Boot seinem Schicksal und hat damit einen neuen Feind. Einen, der in Geschicke von Atlantis eingreift, denn im Auftrag von Arthurs Halbbruder König Orm (Patrick Wilson) lässt dieser ein Treffen zwischen diesem und König Nereus (Dolph Lundgren) attackieren, um einen Krieg zwischen den Völkern über und unter der Wasseroberfläche erst zu simulieren und dann anzufachen. Mit dem Krieg des zuvor isolierten Volkes und den familiären Zwisten zwischen Hauptfigur und Schurke beackert „Aquaman“ ähnliches Terrain wie „Thor“ und „Black Panther“, aber Genrefilme ähneln sich ja öfter und so viele verschiedene Backgrounds hat das Superheldengenre schon in Comicform nicht parat.

Während Orm und Nereus nach der Allianz von mindestens vier der sieben Unterwasserreiche streben, damit Orm den Titel Meisters des Ozeans erhält, sucht Nereus‘ Tochter Mera (Amber Heard) Arthur auf und überredet ihn zur Rückkehr nach Atlantis, da Orm als Meister des Ozeans einen Angriff auf die Welt der Menschen plant. Gemeinsam mit dem königlichen Ratgeber Vulko (Willem Dafoe) will sie Arthur zum Dreizack König Atlans führen, der Arthur die Macht über Atlantis geben würde…

Aquaman

Arthur Curry (Jason Momoa) alias Aquaman wird von Mera (Amber Heard) und Vulko (Willem Dafoe) unterstützt

Klotzen, nicht kleckern, das ist James Wans Devise. Trotz seiner Verwurzelung im klein budgetierten Horrorkino kann der Mann auch den Exzess, wie bereits „Furious 7“, vor allem in seinem Vehicular-Warfare-Showdown, bewies. Ähnlich aus den Vollen schöpft Wan auch bei „Aquaman“, erschafft in satten Farben leuchtende Unterwasserwelten, in denen Unmengen von Seekreaturen leben, in denen die Unterseevölker unterschiedlich gestaltet sind, in denen die Stadt Atlantis ein geschäftiges, leuchtendes Nest wie die Science-Fiction-Metropolen aus „Star Wars“ oder „Valerian“ ist. Andere Locations erscheinen wie eine Tiefseevariante von „Avatar“, während Wan genügend eigene, nicht weniger beeindruckende Szenen schafft. Szenen, in denen Krieger auf Riesenseepferdchen und Haien gegen krustentierartige Krabbenmenschen antreten, Szenen, in denen Aquaman und Mera mit Magnesiumfackeln durch eine schier unendliche Zahl lichtscheuer Widersacher hindurchtauchen, Szenen, in denen ein Unterwassergladiatorenkampf in allen drei Dimensionen ausgetragen wird. Vielleicht gehört „Aquaman“ auch deshalb zu den Superheldenfilmen, bei denen 3D auch mal Sinn macht, denn tatsächlich taucht man analog mit dem Film noch tiefer in seine mythischen Welten ein, die man gerne erkundet, da es in den detailreich gestalteten Szenerien immer so viel zu entdecken gibt.

Außerdem ist „Aquaman“ auch so gedreht, dass sich Actioninszenierung und 3D nicht beißen. War etwa der Bourne-Stil von „Captain America: Civil War“ nur eingeschränkt 3D-verträglich, so sind die Einstellungen hier lang genug, dass man sie auch in 3D gut erfassen kann. In einigen Szenen nutzt „Aquaman“ das Format sogar zu seinem Vorteil aus, etwa wenn die Kamera bei einer Verfolgungsjagd einem durch Wände brechenden Elitekrieger folgt oder beim Auftakt mit Atlanna ohne sichtbare Schnitte durch die Gegnerhorde wirbelt. Obwohl die Actionszenen oft mit CGI arbeiten, was bei den Unterwasserfights zwangsläufig vonnöten ist, so erdet „Aquaman“ das Ganze so gut es geht und versucht die Action noch so körperlich zu inszenieren wie möglich. Damit dies gelingt, heuerte man den unter anderem für „John Wick“ und „Atomic Blonde“ verantwortlichen Fight Choreographer Jon Valera an. Natürlich: An die Wucht von „Captain America: The Winter Soldier“ kommt man aufgrund des fantasylastigeren Szenarios in den Kämpfen nicht ganz heran, aber immerhin schon erfrischend nahe. Noch dazu ist die Action übersichtlich inszeniert und liefert eine Vielzahl unterschiedlich groß skalierter Kampfhandlungen: Vom Einer-gegen-einen über Scharmützel zwischen Aquaman und kleinen Gegnergruppen bis hin zur wahrhaft gigantischen Endschlacht ist für jeden Geschmack etwas dabei und für Abwechslung gesorgt.

Aquaman

König Nereus (Dolph Lundgren) herrscht über eines der sieben Unterwasserkönigreiche

Die Handlung gewinnt dann aufgrund der Parallelen zu ähnlich gelagerten Superheldenstorys (und den antiken Sagen, Theaterstücken oder Tatsachen, die sie zitieren) dann nicht unbedingt einen Originalitätspreis, hält mit seinem royalen Intrigenstadl den Motor aber am Laufen. So hat „Aquaman“ dann trotz einiger Vorsehbarkeiten ordentlich Drive, trotz einer stattlichen Laufzeit von rund 143 Minuten – nur im Mittelteil, wenn die Jagd nach dem Dreizack zu einer Art Schatzsuche Marke Indiana Jones, inklusive Screwball-Geplänkel zwischen Arthur und Mera wird, dann taumelt der Film ein wenig, bewegt sich etwas zu weit von seiner eigentlichen Story über den (Halb-)Bruderzwist und die drohende Invasion der Oberflächenwelt hinfort.

Dass die „Thor“-Filme durchaus eine Inspiration gewesen sein könnten, merkt man auch am Tonfall des Films, der einerseits die Gravitas des Ganzen deutlich macht, sich auch mal (durchaus packendes) Pathos gönnt, aber andrerseits nicht gänzlich auf humoristische Auflockerungen verzichtet, die wesentlich homogener in den Film eingefügt sind als etwa jene in „Justice League“. Einer der schönsten Comedy-Momente findet sich relativ früh im Film, wenn die nach Kneipenschlägerei riechende Frage einiger prolliger Barbesucher, ob Arthur der Fischmann aus den Nachrichten sei, anders aufgelöst wird als erwartet. So lässt Wan seinen Helden nicht unfreiwillig komisch wirken, wobei auch die modernere Ausrichtung Aquamans guttut – dieser Aquaman ist ein glaubwürdiger Wildfang, ein royaler Rebell, der in seinem Handeln nicht albern wirkt.

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Arthurs Halbbruder, König Orm (Patrick Wilson), arbeitet auf einen Krieg zwischen den Bewohnern von Atlantis und den Menschen hin

Dass Wan auch an der Story mitschrieb, welche Will Beall („Gangster Squad“) und David Leslie Johnson-McGoldrick („Orphan“) dann zu einem Drehbuch ausarbeiteten, kann man auch an kleinen Details erkennen, die auf Wans Wurzeln im Horrorfilm hinweisen. So liegt auf Tom Currys Tisch ein Buch von H.P. Lovecraft (seltsamerweise nicht seine „Dagon“-Story) und wenn es Arthur und Mera es später mit einem degenerierten Fischmenschenstamm zu tun bekommen, dann sind Horror im Allgemeinen und Lovecrafts Seekreaturen im Speziellen nicht mehr fern. Sowieso: Das Design der Waffen, Rüstungen, Fahrzeuge und Kreaturen ist erste Sahne, kreativ gemacht und mit dem nötigen Ernst angegangen; selbst die Riesenseepferdchen wirken nicht lächerlich. Im Gegensatz zu „Fluch der Karibik 2“ und „Kampf der Titanen“ verzichtet man zwar leider auf einen Riesenkraken, aber ein kleineres Exemplar tritt als Trommler beim Gladiatorenkampf auf und das größte aller Seemonster wirkt wie eine Mischung aus Saurier, Riesenkrabbe und Krake.

Ebenfalls ein Gewinn ist Jason Momoa („Braven“) in der Hauptrolle, der sich als kerniger Actionheld mit Augenzwinkern erneut empfiehlt. Mit Willem Dafoe („The Great Wall“), Nicole Kidman („Stoker“) und Temuera Morrison („The Marine 2“) hat man gleich drei starke Schauspieler in wichtigen Nebenrollen besetzt, ähnlich wie den altgedienten Actionstar Dolph Lundgren („Black Water“), der dank jahrelanger Erfahrung und seines markigen Auftretens problemlos neben diesen Schauspielschwergewichten bestehen kann. In Sachen Cameos sind Auftritte von Graham McTavish („Creed – Rocky’s Legacy“) als König Atlan, Randall Park („The Interview“) als Atlantis-besessener Forscher und James Wans Weggefährte Leigh Wannell („Cooties“) als Frachtpilot zu verzeichnen. Mit Patrick Wilson ist noch ein Wan-Spezi (aus den „Insidious“- und „The Conjuring“-Reihen) an Bord, der einen nicht überragenden, aber dennoch recht formidablen Schurken abgibt, ähnlich wie auch Yahya Abdul-Mateen II („Baywatch“) als Nebengegner. Einzig und allein Amber Heard („Machete Kills“) fällt da etwas ab, wirkt mit ihrer roten Arielle-Frisur immer ein wenig wie auf dem Weg zum Kostümball, nicht immer wie wirklich in der Rolle drin.

Doch trotz der etwas blassen Amber Heard und einiger Hänger im Mittelteil ist „Aquaman“ der bisher gelungenste Vertreter des DC-Universe, das 2013 mit „Man of Steel“ gestartet wurde, auch besser als „Wonder Woman“: James Wan entwickelt einen Stil, der nicht bloß dem von Produzent Zack Snyder nacheifert, der Pathos, Ernst und ironische Auflockerung stimmig verbindet und mit famoser Kameraführung für grandiose Actionszenen sorgt. Vor allem aber sind die Unterwasserwelten des Films ein Hingucker sondergleichen. Man mag argumentieren, dass manches Space-Science-Fiction-Motiv hier nur in die Tiefsee übertragen wird, aber wenn die Idee so simpel ist: Warum haben das nicht mehr Leute zuvor getan? Und James Wan tut es auf ebenso unterhaltsame wie kreative und bildgewaltige Weise.

Warner bringt „Aquaman“ am 20. Dezember 2018 in die deutschen Kinos, die FSK gab den Film ungekürzt ab 12 Jahren frei.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 20.12.2018 in den deutschen Kinos

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