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Ash vs Evil Dead – Staffel 1

Originaltitel: Ash vs Evil Dead – Season 1__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Sam Raimi, Michael J. Bassett, David Frazee, Michael Hurst, Tony Tilse, Rick Jacobson__Darsteller: Bruce Campbell, Ray Santiago, Dana DeLorenzo, Jill Marie Jones, Lucy Lawless, Samara Weaving, Hemky Madera, Rebekkah Farrell u.a.

Ash vs Evil Dead - Staffel 1Ash vs Evil Dead - Staffel 1

Und so wie sie sich zufällig auf den Marktplatz verlaufen, werden die heiligen Kühe weiter auf die Streckbank gespannt, um dem nach frischem Blut johlenden Publikum noch mehr Euphorieschauer über den Rücken zu jagen. Dabei geht die Serie zur “Evil Dead”-Franchise in der ersten Staffel sehr ähnlich vor wie jene zu “From Dusk Till Dawn”. Mit dem besseren, weil originalverbundeneren Ausgang allerdings.

Ein Problem jedoch teilt sich die Starz-Produktion mit derjenigen für El Rey: Eine beengte, kammerspielartige Ausgangssituation soll auf eine Serienstaffel ausgeweitet werden. Wo “From Dusk Till Dawn” jeden Furz von Rodriguez’ Vorlage zur Wolke aufbauschte und in der Quintessenz die gesamte Handlung noch einmal nacherzählte, da versteht sich “Ash vs. Evil Dead” als Sequel zur Filmtrilogie, die als speziellen Joker Originaldarsteller Bruce Campbell (“Waxwork II“) in der Hand hat. Und was ist der hungrig: Reißt von Szene 1 die gesamte Handlung an sich und lässt den jungen Ash hinter einem gealterten Gesicht immer wieder erscheinen. Dazu noch Originalregisseur Sam Raimi (“Darkman“), der es sich nicht nehmen ließ, Episode 1 höchstselbst zu inszenieren. Und welche Freude er daran hat, einmal wieder nicht der Masse gefallen oder etwas Neues bieten zu müssen. Ausgelassen rezitiert er sich selbst, lässt Fingerübungen wie die berühmte Egoshot-Kamerafahrt von selbst gleiten, Dämonen ihre Köpfe verdrehen, Oneliner wie ein Repetiergewehr knattern… kurz gesprochen, er lässt tatswahrhaftig die Teufel tanzen.

Wichtig war es, die besondere Art des Horror-Slapsticks überzeugend zurückkehren zu lassen, die er mit seinen Filmen begründet hatte. Gerade hier trumpft die erste Staffel nicht nur im Piloten, sondern in praktisch jeder Episode groß auf: Eklige Fratzen lauern hinter jeder Ecke, umständlich verrenkt und fies sabbernd, als hielte eine höhere Macht Marionetten in der Hand und hadere noch mit der Lenkung. Eine okkulte Beschwörung in Episode 4 lässt ein besonders widerliches Exemplar von der Leine, das zu alldem mit interessanten visuellen Tricks im Andenken an Harryhausens Stop-Motion-Kreaturen auch noch originell zum Zittern gebracht wird. Und weil Kleinvieh auch Mist macht, wird das Repertoire um Puppenhorror erweitert, ohne Angst vor unfreiwilliger Komik und abstruser Qualität der Spezialeffekte; denn das alles macht schließlich auch die Vorlagen aus.

Werft einen Blick auf den Trailer zu “Ash vs Evil Dead – Staffel 1”

Dass die morsche Waldhütte mit Schaukel Ziel des Weges sein würde, verstand sich ab dem Moment, als sich Ash sein Korsett überstreifte, um in einer abgehalfterten Kneipe auf Brautschau zu gehen. Es war in diesem Zusammenhang eine gute Entscheidung, das Format der acht regulären Episoden (Episode 1 und 10 dauern einige Minuten länger) der nicht allzu tief reichenden Substanz anzupassen; selbst mit 27-Minuten-Laufzeiten gehören Füllszenen und repetitive Dämonenattacken rückblickend zu den größten Schwächen der Staffel. Ash ist eben eher der Typ für schnörkellosen Groove Metal, da sind aus dem Drehbuch keine antreibenden Storyimpulse zu erwarten – auch wenn seine Co-Stars Ray Santiago, Dana Delorenzo und Jill Marie Jones ihn auf gelungene Weise komplettieren. So ziehen sich einige der mittleren Folgen gerade noch so aus der Affäre, wird doch zunehmend offensichtlicher, dass sie das Unvermeidliche lediglich hinauszögern, eine Rückkehr Ashs an seine alte Wirkungsstätte. Als sich das gottlose Quartett kurz vor dem Finale noch mit einer Bürgerwehr auseinandersetzen muss, ist die Luft beinahe raus, doch gerade rechtzeitig bekommt das Drehbuch die Kurve und holt die Kohlen aus dem Feuer.

Überhaupt profitiert die Auftaktstaffel sehr davon, dass ihre erste und letzte Episode qualitativ deutlich herausstechen, so dass man mit einem guten Gefühl einsteigt und am Ende auch tatsächlich zufriedengestellt ist. Rick Jacobson legt für das Finale eine ziemlich ernste Miene auf und serviert ein paar deftige Horror- und Schockmomente, ohne selbstverständlich völlig auf eine ironische Brechung zu verzichten. Das Ende ist in dank einer bizarre Kehrtwende in Sachen klassischer Helden- und Aufopferungsmotive sogar ausgesprochen stark und setzt die Anker für die zweite Staffel, die den weniger beachteten “Armee der Finsternis” möglicherweise wieder auf den Plan bringen könnte – zumindest im Geiste, da für eine tatsächliche Bezugnahme auf die Ereignisse im fantasylastigen dritten Teil offenbar die Rechte fehlen.

Die Schwächen sind natürlich nicht wegzudiskutieren. Die Möglichkeiten zeitgenössischen Fernsehens werden aus erzählerischer Perspektive kaum genutzt, dafür aber hundertprozentig in der Frage, was man zeigen darf und was nicht. Blutig, grotesk und exzessiv liefert “Ash vs Evil Dead” in vielen Momenten verblüffend exakt das Feeling der ersten beiden Filme. Die Serie pendelt originalgetreu zwischen puristischem Horror und erlösendem Slapstick, auch dank der Beteiligung Campbells, der auch einfach nicht zu imitieren gewesen wäre. Und wie schon bei “From Dusk Till Dawn” bleibt nun die alles entscheidende Frage: Da die Pflicht jetzt durch ist, wie wird die Kür aussehen?

7 von 10

“Ash vs Evil Dead ist seit Oktober 2015 auf Amazon Prime verfügbar. Im September 2017 folgte außerdem eine Auswertung auf DVD und Blu-ray über 20th Century Fox.

Sascha Ganser (Vince)

Bildergalerie von “Ash vs Evil Dead – Staffel 1”

Ash vs Evil Dead - Staffel 1

Auch viele Jahre nach den Filmen hängt Ash noch im alten Job fest.

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Eine Umschulung zum Bestatter wäre mit Ashs Erfahrung durchaus eine Option.

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Schon die erste Staffel weiß mit ein paar äußerst bizarren Kreaturen aufzufahren.

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Die Botschaft an Ash steht buchstäblich in den Himmel geschrieben. Ob er sie auch versteht?

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Lucy “Xena” Lawless mit der Sense im Kampf gegen ein Skelett.

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Ash mit Vollausstattung.

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Limbo Dance mal anders.

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Der doppelte Ash als Referenz an “Armee der Finsternis”.

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Kinder, lest mehr Bücher!

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Diese nervigen Blagen fressen einem glatt die Haare vom Kopf.

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