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Auge um Auge

Originaltitel: Out of the Furnace__Herstellungsland: Großbritannien, USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Scott Cooper__Produzent: Tony Scott u.a.__Darsteller: Christian Bale, Zoe Saldana, Woody Harrelson, Willem Dafoe, Forest Whitaker, Casey Affleck, Sam Shepard, Boyd Holbrook, Dendrie Taylor, Tom Bower u.a.
Auge um Auge

Die düstere Revenge-Story “Auge um Auge” ist eine der letzten Produktionen von Tony Scott.

Rodney Baze hat nach seiner Heimkehr aus dem Irakkrieg keine große Lust, wie sein Bruder Russell im örtlichen Stahlwerk zu versauern und sein Leben zu verschenken. Aufgrund seiner Kriegserfahrungen mit ordentlich Wut im Bauch gesegnet, beschließt er, mit illegalen Fights seinen Geldbeutel zu füllen. Doch das Geld fließt nicht wie erwartet, weshalb er seinen „Promoter“ bittet, ihm einen gut bezahlten Fight „in den Bergen“ an Land zu ziehen. Hier, im Hillbilly-Land, gehen die Uhren anders und hat Harlan DeGroat das Sagen. Das soll auch Rodney schmerzhaft erfahren, denn als er sich während seines Fights der Anweisung Harlans widersetzt, wie abgesprochen zu Boden zu gehen, klinkt dieser aus und ballert sowohl Rodney als auch dessen Promoter über den Haufen. Da sich die Polizei ohnmächtig gibt, beschließt Russell, seinen Bruder im Alleingang zu rächen…

„Auge um Auge“ ist die vollkommen entschleunigte Version der in unseren Breiten so beliebten DTV-Revenge-Stories nach immer gleichem Muster: Ein Familienmitglied segnet unfreiwillig das Zeitliche und der wütende Bruder zieht los, um das Unrecht zu sühnen. Der wesentliche Unterschied zwischen DTV-Hammer und „Auge um Auge“ sind die Figuren bzw. deren Zeichnung und eben das Tempo der Geschichte. Während der DTV Streifen schnell zum Kern der Geschichte kommt und niederen Instinkten huldigt, lässt sich „Auge um Auge“ richtig Zeit für seine Geschichte und seine handelnden Figuren. Dadurch erhalten vor allem die beiden Brüder wundervoll plastische Züge.

Auge um Auge

Spielt auf den Punkt in “Auge um Auge”: Christian Bale

So ist Rodney schon immer der unstete Typ gewesen. Ruhelos, rastlos, voller Flausen im Kopf und dem Glücksspiel und brutalen Boxkämpfen zugetan. Der Einsatz im Irak wirft ihn komplett aus der Bahn. Gezeichnet an Seele und Körper kehrt er aus dem Krieg zurück und stürzt in die Bedeutungslosigkeit. In den Fights sieht er einen Weg, sich auch im Leben zurückzukämpfen. Mit fatalen Folgen. Russell dagegen ist der bedacht handelnde, häusliche Typ. Er hat keine großen Ambitionen. Er will mit seiner Freundin glücklich werden und sein normales Leben weiter leben. Daran ändert ein heftiger Autounfall alles. Auch Russell wird entwurzelt, seines Lebens beraubt, schafft es aber, nach dem Knastaufenthalt (er fuhr betrunken) wieder ein Stück Normalität in sein Leben zu bringen. Bis ihm dann erneut alles genommen wird… So erhalten alle Figuren von dem starken Drehbuch Ecken und Kanten und wirken niemals nur oberflächlich gezeichnet. Auch der zunächst eindimensional und extrem bedrohlich wirkende Harlan deGroat bekommt im Angesicht seiner Strafe menschliche Züge und zwischen seinen Ausrastern scheint da auch immer etwas Humanes durch, das den Berserker erdet.

Auge um Auge

Woody Harrelson brilliert als Harlan

Derartig lebendige Figuren sind freilich ein dankbares Feld für deren Darsteller. Allen voran Christian Bale („The Dark Knight“) als leicht maulfauler Russell. Was dieser durch Worte nicht zu sagen vermag, transportiert Bale über ein hochpräzises Minenspiel, in dem man alle emotionalen Zustände seiner Figur ablesen kann. Seinen Bruder spielt Casey Affleck („Gone Baby Gone“) und trifft die feinsten Nuancen seines schwierigen Charakters auf den Punkt. Auch körperlich zeigt er sich in Topverfassung. Als Harlan deGroat liefert Woody Harrelson („Die Tribute von Panem“) eine grandiose schauspielerische Leistung ab, bei der das lustige Images des Darstellers auf einen absolut unberechenbaren Charakter trifft und eine beinahe verstörende Wirkung beim Zuschauer zur Folge hat. In Nebenrollen brillieren Sam Shepard („Safe House“) als Onkel der Brüder, Zoe Saldana („The Losers“) als Love Interest von Russell, Forest Whitaker („The Last Stand“) als städtischer Cop und Willem Dafoe („Odd Thomas“) als „Promoter“ von Rodney.

Actiontechnisch darf man sich von dem ruhig, aber ungemein konzentriert erzählten Streifen nichts erwarten. Regisseur Scott Cooper („Crazy Heart“) ging es mehr um die Dynamik zwischen den Figuren als um große Action-Eskapaden. Hier explodiert nichts, hier steigen keine Shootouts. Einzig die brachial brutalen, rohen Fights von Rodney entsprechen dem, was man landläufig unter Action versteht. Gegen Ende wird auch kurz geballert, von Actionschauwerten aber keine Spur. Warum auch?

Auge um Auge

Action spielt keine große Rolle in “Auge um Auge”

„Auge um Auge“ ist eine Geschichte um Rache aus dem tiefsten Herzen der USA, wo die Kerle noch kernig sind und sich einer ähnlichen, von derben Flüchen durchzogenen Sprache bedienen. So muten die Dialoge für Feingeister wenig geeignet an, doch die eigentliche Geschichte dagegen macht einen großen Bogen um das übliche Revenge-Bauchkino. Hier schlittern Menschen unverschuldet in eine Gewaltspirale, die sie irgendwann nicht mehr kontrollieren können und an deren Ende keinerlei Gefühl von Befriedigung für den Zuschauer steht. Russell wird am Ende getan haben, was er selbst für richtig hielt. Doch damit wird sein Leben noch einmal zerstört. Gewalt ist keine Lösung, aber im Fall von Russell bringt sie zumindest für den Moment einen Augenblick des inneren Friedens. Dann regiert wieder die Leere. All das transportieren die intensiv aufspielenden Darsteller auf den Punkt und verleihen der unaufgeregten, sehr bedächtigen und von breitesten Scope-Bildern veredelten Inszenierung Scott Coopers viel Kraft und vor allem auch Spannung. Denn gerade nach der langen Exposition greift mit dem Tod von Rodney ein Rädchen ins andere und beginnt „Auge um Auge“ zu ernten, was er im Vorfeld säte. Dem beizuwohnen ist wenig angenehm, aber es verschafft einem das Gefühl, gerade etwas ganz Besonderes gesehen zu haben.

Der Film kommt am 3. April 2014 von TOBIS Film in die deutschen Kinos und ist mit einer FSK 16 Freigabe uncut.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: TOBIS Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 3. April 2014 im Kino

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