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AWOL-72

Originaltitel: AWOL-72__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: Christian Sesma__Darsteller: Luke Goss, RZA, Bokeem Woodbine, Heather Roop, Jackie Guerrido, Louis Mandylor, Leif Gantvoort, Brooke Newton, Tomoko Karina, Jillisa Lynn u.a.
AWOL-72

Luke Goss als Deserteur in “AWOL-72”!

Es gibt gute Tage und es gibt schlechte Tage. Conrad Miller könnte mit beiden Varianten super leben, muss sich aber derweil mit einem ganz besonders beschissenen Tag zufriedengeben. Gerade als ihm seine sexy Freundin offenbarte, dass sie schwanger sei, muss er nämlich alle Siebensachen packen und sie sitzen lassen. Miller ist ein Deserteur (AWOL=Absence Without Official Leave=unerlaubtes Fernbleiben von der Truppe), dem seine Verfolger gefährlich nahe gekommen sind. Obendrein ist er ein Deserteur mit wirklich wichtigen Informationen…

Diese überstürzte Flucht aus den Armen seiner Geliebten ist freilich nur der Anfang! Miller gerät in kürzesten Abständen in immer schlimmere Situationen und hinterlässt wahre Leichenberge. Als auch noch ein Killer auf ihn angesetzt wird, wird es für den Deserteur mehr als knifflig. Endgültig die Schnauze voll hat Miller, als auch noch seine schwangere Freundin ins Visier seiner Verfolger gerät. Er geht in die Offensive…

„AWOL-72“ wäre gerne vertrackt erzählt. Und „AWOL-72“ wäre auch gerne richtig cool. Und geht es um die Gewalt, wäre „AWOL-72“ auch noch gerne ein wenig tarantinoesk. Das klappt alles nicht wirklich. Vor allem die Story ist so unglücklich aufgezogen, dass niemals Spannung aufkommen will. Auch weil das Drehbuch ein viel zu großes Geheimnis darum macht, was nun die Informationen sind, die Miller gestohlen hat. Obendrein wird nie ein wirklich bedrohlicher Antipode für Miller aufgebaut.

Der stolpert stattdessen immer nichtsahnend in die absurdesten Situationen und wirkt in selbigen immer viel zu souverän. Der von RZA („The Man with the Iron Fists“) gegebene Cop und der von Bokeem Woodbine („The Night Crew“) gespielte Killer tragen ebenfalls nicht zu einer Verdichtung oder Zuspitzung der Ereignisse bei. So entwickelt „AWOL-72“ trotz seines beständigen Vorwärtsdranges keinen Flow und kein ordentliches Tempo.

Deshalb versucht er immerhin in Sachen Gewalteskalationen etwas zu reißen. Dementsprechend werden hier Nasen und Extremitäten gebrochen, Hirne rausgepustet und Körperteile mit Messern durchstoßen. Das alles bekommt obendrein einen sehr schmutzigen Anstrich, was die Action recht ruppig wirken lässt. Leider kommt sie aber viel zu selten auf. Die erste wirklich brauchbare Szene steigt erst nach über 50 Minuten Film. Bis dahin wird schlicht und ergreifend nur gelabert. Nichts Erhellendes. Nichts Interessantes. Einfach nur Gelabertes.

Tja, und danach steigt auch nur noch eine weitere Actionszene. Die hat die selben Attribute wie die Vorhergehende, lässt aber ebenfalls wirklich aufsehenerregende oder spektakuläre Momente missen. Sprich: Außer ein paar Shootouts und etwas Handgemenge sind es nur die brutalen Spitzen, die für kleinere Aha-Momente sorgen. Explosionen, Verfolgungsjagden, einstürzende Häuser… Fehlanzeige.

Zumindest müht sich Luke Goss („Zombie Dead – Undead“) einmal mehr redlich. So kommt es, dass man seiner Figur recht gerne in die nächste abgefahrene Situation folgt, obwohl man in jeder Sekunde spürt, wie allein Goss vom Drehbuch gelassen wird. Ein cooler Spruch hier oder ein sarkastischer Kommentar da hätten dem Film deutlich mehr Spritzigkeit verliehen. Auch wäre es schlau gewesen, vollkommen auf Goss zu fokussieren. Denn die wenig erquickenden und ziellos wirkenden Dialogwüsten rund um RZAs Charakter nehmen dem Film einiges an Tempo.

Nichts Halbes und nichts Ganzes bietet auch die technische Umsetzung des Filmes. So ist „AWOL-72“ ganz nett bebildert und versucht aus seinen wenig glamourösen Schauplätzen das Beste herauszuholen, dennoch geht einem der zu cleane und sterile Digitallook irgendwann einfach nur noch auf die Eier. In dieses Horn stößt auch der Soundtrack. Während der Vor- und der Abspannsong super ins Ohr gehen, dudeln die Score-Elemente während des Streifens einfach nur dröge vor sich hin.

Umgestürzte explodierte Autos, brennende Hochhäuser, großkalibrige Waffen und cool dahin latschende Hauptdarsteller: Die Code 1 Scheibe wirbt mit allem, was dem Actionfan lieb und teuer ist. Der Inhalt bäckt dann allerdings deutlich kleinere Brötchen. Eine Story, die nicht zündet und total unfokussiert erzählt wird, Action, die nicht knallt, und Darsteller, die vom Drehbuch vollkommen alleine gelassen werden. So werden dann auch auf dem Papier knackig wirkende 75 Minuten Nettolaufzeit ordentlich lang. Man kann hier nicht einmal von dem viel bemühten verschwendeten Potential sprechen, denn nichts an „AWOL-72“ macht den Eindruck, als sei irgendwer in der Lage gewesen, hier besser abzuliefern. Schade eigentlich…

Die Code 1 DVD von „AWOL-72“ stammt von dem Label Vertical Entertainment, ist „not rated“ und wirkt ungeschnitten. Die deutsche DVDD/Blu-ray zum Film erscheint am 18. November 2016 von Lighthouse Home Entertainment unter dem deutschen Titel “Fahnenflüchtig“. Über die Schnittfestigkeit der ab 16 freigegebenen Datenträger ist leider noch nichts bekannt.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label der amerikanischen VÖ: Vertical Entertainment__Freigabe: not rated__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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