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Bad Boys For Life

Originaltitel: Bad Boys for Life__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: Adil El Arbi, Bilall Fallah__Produktion: Jerry Bruckheimer u.a.__Darsteller: Will Smith, Martin Lawrence, Joe Pantoliano, Alexander Ludwig, Vanessa Hudgens, Paola Nuñez, Charles Melton, Kate del Castillo, Happy Anderson, Massi Furlan u.a.
Bad Boys For Life Poster mit Will Smith und Martin Lawrence

Die Bad Boys sind zurück in “Bad Boys For Life”.

Geht es nach Marcus Burnett, sind die Tage von ihm und Mike Lowrey als Bad Boys längst gezählt. Marcus hat keinen Bock mehr auf gefährliche Einsätze, hart an der Grenze zur Legalität. Und dass Mike ewig jung und kugelsicher tut, gefällt ihm auch nicht. Kurzum: Marcus sinniert über das Ende seiner Karriere als Cop. Dies wird noch befeuert, als er direkt zu Beginn von „Bad Boys For Life“ von seiner Tochter zum Großvater gemacht wird.

Mike kann diesen trüben Gedankengängen überhaupt nichts abgewinnen. Hitzige Wortgefechte sind wie gewohnt die Folge. Auf der Feier zur Geburt des Enkels von Marcus eskaliert die Situation. Man verabredet einen Wettstreit, dessen Ausgang über das weitere Wohl und Wehe beider Dickköpfe entscheiden soll. Wer gewinnt, bleibt allerdings offen, denn mitten in dem Wettlauf wird Mike Opfer eines Drive-by-Shootings.

Während der schwerverletzte Mike im Krankenhaus nur langsam wieder zu Kräften kommt, schwört Marcus gegenüber Gott, dass er jeglicher Gewalt abschwören würde, wenn Mike überlebt. Und er genießt derweil seinen Quasi-Ruhestand. Doch natürlich jucken Mike die Schwüre von Marcus kein Stück. Er will denjenigen fassen, der ihn ermorden wollte.

Da Marcus standhaft auf seinem Ruhestand beharrt, ermittelt Mike zunächst auf eigene Faust beziehungsweise mit den Spezialisten des Eliteteams AMMO. Doch je mehr Mike über das Motiv für das Attentat erfährt, umso mehr wird ihm klar, dass er Marcus für einen letzten großen Ritt an seiner Seite brauchen wird.

We ride together, we die together. Bad Boys For Life.

Schaut in den Actionkracher mit Will Smith und Martin Lawrence hinein

Ein viel zu schnell dahinrasender Porsche. Ein schreiender Marcus Burnett im Verbal-Clinch mit Mike Lowrey. Viele Warnungen. Viel Gewürge. Eine Autotür, ein Wasserhydrant und *bämm*: Direkt zu Beginn von „Bad Boys For Life“ hat man sofort dieses herrliche Gefühl, dass man sich die kommenden zwei Stunden vertrauensvoll in die Hände guter alter Bekannter begeben darf. Das gelingt vor allem deshalb so gut, weil die Chemie zwischen Will Smith („Gemini Man“) und Martin Lawrence („Bad Boys 2“) auch nach 17 Jahren Pause keinerlei Schaden genommen hat. Und sofort fühlt man sich wieder im Franchise angekommen.

Bad Boys For Life mit Will Smith in Action

Endlich mal wieder Geballer, bei dem über den Boden geslidet wird.

Über die Freude aufgrund des schönen Wiedersehens verdrängt man direkt ein wenig, dass die eigentliche Story zunächst schwerfällig in Gang kommt. Läuft sie dann, hält sie „Bad Boys For Life“ mühelos zusammen und fährt verstärkt gegen Ende ein paar nette Entwicklungen auf, die vor allem Mike Lowrey interessante neue Facetten abgewinnen. Problematisch ist, dass der Aufbau der Geschichte zulasten der Bösewichter geht. Um diese will sich der Film spürbar einige Überraschungen aufheben, weswegen man von ihnen wenig bis gar nichts erfährt. Das lässt sie kaum im Film ankommen und nur wenig bedrohlich wirken. Manche Gimmicks (ich sage nur „La Brucha“) versanden gar vollends.

Ein Problem, das auch die weitgehend vollkommen blass bleibende Besetzung der Spezialeinheit AMMO mit voller Härte trifft. Mit dieser weiß das Drehbuch (unter anderem von Joe Carnahan) gefühlt überhaupt gar nichts anzufangen. Stocken die Ermittlungen, werfen sie ein Gadget in den Ring und weiter geht’s. Wer da warum wofür zuständig ist, juckt den Zuschauer bald genauso wenig wie das Drehbuch. Im Grunde genommen hätte es für den Film gereicht, Will Smith die Anführerin der Einheit, gespielt von Paola Nuñez, an die Seite zu stellen. Die hat zum einen gute Szenen mit Smith und zum anderen eine starke Ausstrahlung, wird aber durch das Gewusel um sie herum (u.a. Vanessa Hudgens („Frozen Ground“) und Alexander Ludwig („Midway“)) geschwächt.

Bad Boys For Life mit Jacob Scipio

Jacob Scipio hat als Fieswicht ein paar coole Einzelszenen abbekommen.

In der Folge hängt „Bad Boys For Life“ vor allem in der ersten Filmhälfte gefühlt immer mal wieder ganz kurz durch. Vor allem, wenn Smith und Lawrence eben strikt getrennte Wege gehen. Wobei auch diese Momente teils köstliche Situationskomik bergen. Etwa wenn der Tagesbeginn von Marcus und Mike parallel geschnitten wird, kann man sich ein Lachen einfach nicht verkneifen.

Diese kurzen Hänger haben auch ein wenig damit zu tun, dass sich die Regisseure Adil El Arbi und Bilall Fallah die größer skalierten Actionszenen für die zweite Filmhälfte aufheben. In der ersten Filmhälfte ist ein ruppiger Shootout in einer Art Werkstatt das absolute Highlight, flankiert von kleineren Mano-a-Mano-Duellen, in denen vor allem Jacob Scipio als Bösewicht seine enorme Körperbeherrschung zelebrieren darf.

AMMO im Actionfilm

Die Spezialeinheit AMMO lässt den Zuschauer vollkommen kalt.

Ab der Filmmitte wird die Action dann deutlich größer skaliert. Eine hübsche Verfolgungsjagd zwischen einem Motorrad und einem Motorrad mit Seitenwagen generiert bald die ersten größeren Kollateralschäden in Form unbeteiligter Karosserien. Diese dürfen in druckvollen Handmade-Feuerbällen aufgehen. Richtig den Hammer holt „Bad Boys For Life“ dann im Showdown raus. Hier wird ein cooles Setting in Mexiko dem Erdboden gleichgemacht. Zwar häufen sich im Showdown die CGI-Momente, diese sind allerdings stark umgesetzt und bebildern ein Feuerinferno, das in seiner realen Form an einem Filmset niemals zu beherrschen gewesen wäre.

Während die beiden Regisseure abseits der Action immer mal wieder den Look der Michael-Bay-Vorgänger imitieren (starke Farbkorrekturen, breite Miami-Bilder, Hochglanzlook) oder manchmal gar ironisch brechen (achtet auf eine eindrückliche „die Kamera-will-die-Helden-Umrunden“-Szene), orientieren sie sich in der Action Null am großen Vorbild. Zusammen mit Spiro Razatos, Mike Gunther und Henrik Hansen setzen sie vollends auf lange, ruhige Einstellungen, die der Action richtig Raum zum Atmen geben. Die hyperenergetische Optik Bays findet im dritten Teil der Bad Boys in keinem Moment eine Entsprechung.

Bad Boys For Life mit Will Smith und Martin Lawrence

Martin Lawrence und Will Smith sorgen endlich wieder für Action

Und diese eigene Handschrift tut der Action wirklich irre gut. Die wirkt durchweg wie ein Throwback in die guten alten 90er-Jahre. Verzichtet weitestgehend auf CGI und Greenscreen-Gedöhns. Und hat sich auch eine Menge Brutalität bewahrt. Kleine Splatterspitzen, amtlicher Blutzoll und ein netter Bodycount lassen das Actionherz höher schlagen. Während der Rest des Körpers zu den nur leicht variierten musikalischen Rhythmen der Vorgänger wippt. Tja ja, damals waren echte Musikthemen noch wichtig für Actionfilme.

“Bad Boys For Life” bietet feine 90s-Action in actionarmen Zeiten

Das Beste an dem ganzen Unterfangen ist, dass „Bad Boys For Life“ niemals bemüht wirkt. Locker und leicht knüpfen die neuen Regisseure, die laut „Bad Boys For Life“-Pressekonferenz auch bei „Beverly Hills Cop 4“ randürfen, an die Vorgänger an und rücken auch kleinere Vergehen des Vorgängers wieder gerade. So weicht der ausufernde Zynismus des zweiten Teils einem wirklich sympathischen und vor allem treffsicheren Humor. Zudem fahren Arbi und Fallah auch in Nebenrollen bekannte Franchise-Gesichter wie Joe Pantoliano oder Theresa Randle auf. Und ein Cameo zum Abfeiern für Hardcore-Fans gibt es auch. Man achte auf den Hochzeitsmoderator!

Die Story funktioniert nach leicht verhaltenem Start sehr gut, die beiden Hauptdarsteller spielen sich gekonnt gegenseitig die Bälle zu und optisch und akustisch ist der Film ein wahrer Augenschmaus. Dabei vor allem die Action, bei der man echt das Gefühl hat, dass irgendwer am Set gesagt haben MUSS: Wir haben Kohle für fette Action, also lasst uns genau das auch auf der großen Leinwand zeigen. Dass die Action sich obendrein angenehm blutrot präsentiert, ist nur die Kirsche auf der Torte. Das Ergebnis ist einfach extrem unterhaltsam und dürfte meiner Meinung nach sehr schnell fortgesetzt werden. Wir Actionfans können uns ja schließlich nicht nur auf „John Wick“ als Kino-Galionsfigur verlassen.

Last but not least würde ich den Film gerne noch in Relation zu den Vorgängern setzen. Dazu muss man wissen, dass ich „Bad Boys 1“ nicht so sehr mag. Ich hatte mir damals von dem coolen Trailer zum Film ein deutlich mehr auf Actionpowerhouse getrimmtes Filmerlebnis versprochen und war am Ende von dem ganzen Verwechslungsstoryhumorgedöhns sehr angeödet. „Bad Boys 2“ hingegen mag ich, weil er mir genau das lieferte, was Teil 1 mir verwehrte: Unvergessliche Poweraction. Übergroß, größenwahnsinnig, geil. Storytechnisch schlägt „Bad Boys For Life“ für mein Dafürhalten beide Filme. Actiontechnisch übertrumpft er zudem Teil 1. Der unterliegt Teil 3 meiner Meinung nach also vollends. Nur an „Bad Boys 2“ kommt „Bad Boys For Life“ trotz Storyvorteilen und angenehmeren Humors nicht vorbei. Dazu fehlt es in der Actionabteilung leider an unvergesslichen Actionszenen der Marke „Ja, sie werfen mit Autos. Ich bin ja nicht blind.”

07

„Bad Boys For Life“ läuft ab dem 16. Januar 2020 in den deutschen Kinos und kommt von Sony Pictures. Der Film hat ungeschnitten eine Freigabe ab 16 erhalten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu den Filmen?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Nein/Nein, ab 16.1.2020 im Kino

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