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Beyond Valkyrie – Morgendämmerung des Vierten Reichs

Originaltitel: Beyond Valkyrie: Dawn of the 4th Reich__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Claudio Fäh__Darsteller: Sean Patrick Flanery, Tom Sizemore, Kip Pardue, Stephen Lang, Rutger Hauer, Eric Ladin, Johannes Herrschmann, Pasha D. Lychnikoff, Tom Padley, Julie Engelbrecht, Michael Epp u.a.
Beyond Valkyrie

Rutger Hauer ist als Widerständler in dem Kriegsactioner: “Beyond Valkyrie” dabei.

Am 20. Juli 1944 versuchen Graf Schenk von Stauffenberg und diverse Verbündete ein Attentat auf Hitler, das leider fehlschlägt. „Beyond Valkyrie“ erzählt eine parallel zu diesen Vorgängen ablaufende Geschichte. In dieser wird Captain Evan Blackburn mit dem Auftrag betraut, den Deutschen Adam von König aus Deutschland heraus zu holen. Dieser gehört zum militärischen Widerstand aus Hitlers eigenen Reihen und gilt als wichtiger Kopf des Kreisauer Kreises. Dieser befasste sich theoretisch mit der politischen und gesellschaftlichen Neuordnung Deutschlands nach einem eventuellen Fall Hitlers.

Von König soll nämlich über ein ganz besonderes Geheimnis der Deutschen Bescheid wissen, was erklären soll, warum die Deutschen tonnenweise Gold aus dem Land herausschaffen. Blöderweise läuft die Aktion für Blackburn und Co. eher hakelig an: Ihr Flugzeug wird weit vor dem Zielgebiet abgeschossen. Auf dem Weg zu von König kreuzen sie zudem den Weg russischer Widerstandskräfte, die ihrerseits nach einer eigenen Agenda arbeiten und über die Vorgänge weit mehr zu wissen scheinen, als sie zugeben wollen.

Dennoch muss man sich zusammenraufen, um die ungeheuerlichen Pläne der Nazis final zu durchkreuzen…

Wer etwas mehr Spaß mit „Beyond Valkyrie“ haben möchte, sollte vor der Erstsichtung dringend darauf verzichten, die Inhaltsangaben auf dem DVD-Cover zu leben. Was im Film nämlich lange als unbekannte Größe die Spannung oben hält, wird dort ziemlich freigiebig verraten. Aus welchem Grund auch immer. Aber in Zeiten, in denen knallige kleine B-Kriegsactioner ohnehin nur noch auf Vanilla-Discs und ausschließlich auf DVD veröffentlicht werden, muss man sich als Filmverleih anscheinend keine Gedanken mehr darüber machen, ob man das gesamte Werk direkt vor dem Filmgenuss zerspoilert.

Doch gehen wir einmal davon aus, ihr habt auf meine Warnung gehört. Dann erhaltet ihr mit „Beyond Valkyrie“ einen nicht übel erzählten, actionreichen Beitrag zum Thema „Abenteuerspielplatz 2. Weltkrieg“. Der finale Film zerfällt ein wenig in zwei Hälften. Die erste führt und kurz und knackig die nur schemenhaft umrissenen Charaktere ein und schickt sie auf ihre Queste, von König zu finden. Dabei darf Regisseur Claudio Fäh („Northmen“) einen hübsch aufgeregten Flugzeugabsturz inszenieren und unsere Helden immer mal wieder in kleinere Scharmützel stürzen.

Zwischen der Action ruckelt „Beyond Valkyrie“ immer mal wieder ordentlich und wirft etwas zu freigiebig mit 0815-Phrasen aus dem Handbuch des besonders seifigen Pathos’ um sich. Da beginnen einem immer mal wieder die Ohren zu schlackern. Hört man dann doch mal genauer hin, fällt auf, dass die Charaktere weitgehend nichts zu sagen haben. Doch Fäh hält das Tempo ordentlich hoch, punktet mit einer angenehm farbsatten und dynamischen Inszenierung und sammelt vor allem in der Action ordentlich Pluspunkte.

Beyond Valkyrie

Blackburn (Mitte) und sein Team…

Wurde von König dann gefunden, wird es – wenn man das Cover NICHT gelesen hat – durchaus interessant, denn das Motiv hinter den Untaten der Nazis in „Beyond Valkyrie“ ist gar nicht mal so dumm und wird vor dem Abspann sogar noch mit einigen tatsächlichen Kriegsfakten in den Bereich des Möglichen gerückt. Und damit steigt dann auch Teil 2 von „Beyond Valkyrie“, denn Claudio Fäh schickt seine Mannen nun auf Queste Nummer zwei: Hier gilt es die Pläne der Nazis zu durchkreuzen. Und das mit viel Karacho!

Fäh schaltet nun in den Dauer-Action-Modus und hetzt seine Helden atemlos von Actionsetting zu Actionsetting. Da wird ein Zug voller Nazis geentert, ein deutscher Hafen dem Erdboden gleich gemacht und eine ganze Armee Nazis über den Jordan geballert. U-Boote, Bombenteppiche, Tiger-Panzer und blaue Bohnen satt sind inklusive. Der Aufwand beeindruckt, die Action macht richtig Spaß und das Tempo ist nun wirklich auf Anschlag.

Leider häufen sich nun auch kleinere Problemherde. Die arg seifige Musik kleistert auf einmal die Action zu, suboptimale und bisher weitgehend umschiffte CGI-Effekte brechen sich Bahn und die allgemeine Humorlosigkeit des Filmes erdet die Actionsause sehr. „Beyond Valkyrie“ nimmt sich einfach viel zu ernst. Beständig vermisst man ein Augenzwinkern oder ironische Brechungen. Das ist besonders deshalb so schade, weil die mal wirklich ordentliche Schauspielerriege durchaus in der Lage gewesen wäre, etwas Leichtigkeit in den Film zu tragen.

Beyond Valkyrie

Lecker Elke unterstützt die Amerikaner bei ihrer Himmelfahrtsmission.

In Nebenrollen tummeln sich hier Namen wie Stephen Lang („Gridlocked“) oder Tom Sizemore („Company of Heroes“) als Vorgesetzte von Blackburn. Der wird von einem herrlich locker aufspielenden Sean Patrick Flanery („Sinners and Saints“) gegeben. Augenblicklich denkt man wieder an seine erfolgreiche Serie „Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“. Da hechtete er zwar eher durch den ersten Weltkrieg, nun macht aber auch als Nazikiller eine hervorragende Figur. Und gerade ihm hätte man schon den einen oder anderen Oneliner gewünscht. An seiner Seite als Newbie der Gruppe agiert Kip Pardue („Stag Night“) und sexy Julie Engelbrecht („The Last Witch Hunter“) darf als gute Deutsche Blackburn und Co. unter die Arme greifen… und sich ausziehen. Einen guten, aber zu wenig präsenten Bad Ass darf der Deutsche Michael Epp („Collide“) verkörpern.

Als wichtiges Mitglied des polnischen Widerstandes hat Rutger Hauer („RPG – Real Playing Game“) einen kurzen, aber prägnanten Auftritt, den er souverän absolviert. Neben einigen britischen und amerikanischen Darstellern rekrutieren sich die meisten anderen aus bulgarischen Akteuren. Was nicht weiter verwundert, wurde die Phillip-J.-Roth-Produktion doch in und um Sofia in Szene gesetzt.

„Beyond Valkyrie“ entpuppt sich letzten Endes als wirklich unterhaltsame und temporeiche B-Actionkost, die eine hübsche Abenteuerstory in ein Weltkriegsgewand kleidet und einen netten Mix aus geschichtlich Verbrieftem und thesenartig Gesponnenem auffährt. Die höchst soliden Darstellerleistungen von einem insgesamt ansehnlichen Cast und die schön anzusehende, auf die genreübliche monochrome Farbfilterei verzichtende Optik des Streifens wissen sehr zu gefallen. Und auch in der Action punktet der Film. Diese ist angenehm druckvoll in Szene gesetzt, arbeitet mit sichtbaren Trefferwirkungen und setzt auf einen Mischmasch aus handgemachten und (überzeugenden!) digitalen Effekten. Und da die Action vor allem den Ausklang des Filmes überdeutlich dominiert, hilft sie im Abgang auch über einige unrunde Momente und die äußerst dünne Charakterzeichnung von „Beyond Valkyrie“ hinweg. Dem hätte es final gut getan, hätte ihn das Drehbuch von unter anderem Don Michael Paul („Sniper: Ghost Shooter“) vollends in die Abenteuerecke geschoben und ihm dabei etwas Witz und Ironie eingeimpft.

6 von 10

Die deutsche DVD zum Film erschien von Sony Pictures Home Entertainment, hat eine FSK 16 Freigabe und ist ungeschnitten. Rutger Hauer hat dieses Mal die Synchronstimme von Steven Seagal abbekommen. Heiheijei…

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures Home Entertainment__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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