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Black Adam

Originaltitel: Black Adam__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2022__Regie: Jaume Collet-Serra__Darsteller: Dwayne Johnson, Aldis Hodge, Pierce Brosnan, Noah Centineo, Sarah Shahi, Quintessa Swindell, Marwan Kenzari, Bodhi Sabongui, Mohammed Amer u.a.
Black Adam mit Dwayne Johnson

Dwayne – The Rock – Johnson gibt “Black Adam”.

Im Vorfeld von „Black Adam“ wurde viel berichtet, dass es vor allem dem jetzigen Hauptdarsteller Dwayne Johnson ein Anliegen war, die Figur passgerecht auf die große Leinwand zu wuchten. Ursprünglich sollte die Figur schon in „Shazam!“ zu sehen sein, woraus letzten Endes aber nichts wurde. Drei Jahre nach dem durchaus erfolgreich gelaufenen „Shazam!“ bestätigte Warner dann, dass dessen wichtiger Antipode „Black Adam“ seine eigene Verfilmung erhalten werde. 2021 war selbige fertig, geriet dann aber in die Corona-Wirren. Nun kann man die Superheldenverfilmung endlich auf der Leinwand genießen.

Die Stadt Kahndaq ist 2600 Jahre vor Christus eine Wiege der Zivilisation. Bis – für Menschen leider typisch – einige wenige entscheiden, über die anderen herrschen zu wollen. Aus ehemals glücklichen Einwohnern werden unterjochte Sklaven, die für den Herrscher ein Element namens Eternium abbauen. Dieses wird zur Krone von Sabbac umgeformt, die dem Träger unendlich viel Macht bringen soll – sogar über die Unterwelt.

Bald regt sich unter den versklavten Einwohnern von Kahndaq Widerstand. Ein Junge schickt sich an, zu einer Art Held heranzureifen. Als er von den Henchmen des Herrschers gerichtet werden soll, greifen die aus „Shazam!“ bekannten Magier ein und statten ihn mit schier unendlichen Kräften aus. Mit diesen gelingt es, den Despoten zu stürzen. Doch nicht nur der Unhold verschwindet am Ende der alles entscheidenden Schlacht, sondern auch der Held.

In der Jetztzeit wird Kahndaq erneut unterdrückt. Die sogenannte Intergang, ein Verbrechersyndikat, hält die Stadt in ihrer eisernen Umklammerung. Die Archäologin Adrianna Tomaz will diesem Zustand ein Ende setzen. Sie sucht nach der Krone von Sabbac, in der Hoffnung, dass sie damit den einstigen Helden der Stadt wiedererwecken und so das Schreckensregime der Intergang beenden kann. Am Ende gelingt es ihr, Teth-Adam wiederzuerwecken. Leider entpuppt der sich nicht als der erhoffte strahlende Held. Eher im Gegenteil.

DC-Comic-Verfilmung mit Dwayne Johnson als Antiheld

„Black Adam“ braucht eine ganze Weile, bis er richtig in Schwung kommt. Wie viele andere Superheldenfilme, die eine Origin-Story transportieren, hat er zu Beginn eine Menge zu erzählen und muss intensives World-Building betreiben. Das funktioniert zwar gut, ist aber bei weitem nicht so temporeich und flott wie erhofft. Doch „Black Adam“ bereitet hier den Boden für zwei Clous.

Der interessanteste Clou ist, dass „Black Adam“ seine Origin-Story irgendwann einfach auf den Kopf stellt und aus einer anderen Perspektive aufrollt. Damit fahren Drehbuch und Regie gekonnt ein paar vermeintliche Logikbugs des ersten Filmdrittels zu, geben dem Black-Adam-Charakter noch einmal etwas mehr Drive mit auf den Weg, machen ihn greifbarer und werten sogar das bisher Gesehene durchaus noch einmal deutlich auf.

Der zweite Clou sorgt dann dafür, dass der Motor hinter „Black Adam“ wie ein geschmierter Motor dahin surrt. Denn die Comicverfilmung führt nicht nur „Black Adam“ ins DC-Filmuniversum ein, sondern auch die Justice Society of America. Diese lässt den Actionfaktor sprunghaft nach oben schnellen und wird mehrfach auf witzige Weise genutzt, um dem Hauptcharakter den Spiegel vorzuhalten.

Dwayne Johnson als Black Adam

Dwayne Johnson war es eine Herzensangelegenheit, die Comicfigur Black Adam auf die Leinwände zu bringen.

Auch dem Zuschauer wird über die Gegensätzlichkeit zwischen Black Adam und den strahlenden Helden der Justice Society noch einmal eingehend verklickert, dass Black Adam wahrlich kein Held ist, auch wenn ihn manche Charaktere im Film gerne so sehen würden. Das gipfelt in einem Dialog, der eigentlich alles sagt, was man über diesen etwas anderen Superhelden wissen muss:

Hawkman: Helden töten keine Menschen.
Black Adam: Tja, ich schon.

Und er tut das mit viel Liebe zum fiesen Detail. Direkt zu Beginn erleben wir einen wahren, mit „Paint it, Black“ von den Stones untermalten Amoklauf, in dem Dwayne Johnson als übermächtiger Superheld fast schon verspielt Hubschrauber der Intergang ineinander krachen, Militärtransporter explodieren und Menschlein zu Staub zerfallen lässt. Im weiteren Verlauf wird er immer wieder verschiedene Menschen aus dem Leben reißen. Teilweise mit fast schon zynischem Unterton, was es durchaus glaubhaft macht, dass der Film einige Male am PG-13-Rating gescheitert ist.

In einer besonders derben Szene lässt er einen Gegner am ausgestreckten Arm mittels seiner Kräfte zerschmelzen, bis er nur noch das Gerippe des Kerls vor sich hält. Dem bricht er dann auch noch genüsslich das Genick. Und genau diese Derbheiten machen tatsächlich auf perverse Art Laune und geben „Black Adam“ etwas Eigenes. Etwas, das ihn von den aktuell über die Leinwände tobenden Superhelden abhebt.

Am ehesten könnte man „Black Adam“ mit „Deadpool“ oder „The Suicide Squad“ vergleichen, nur mit dem Unterschied, dass ihm deren offensiver Humor vollkommen abgeht – und „Black Adam“ schon um ein Vielfaches mächtiger angelegt ist. „The Suicide Squad“ findet im Übrigen via Amanda Waller in den Streifen, die Black Adam die Justice Society of America auf den Hals hetzt.

Black Adam mit Pierce Brosnan und Aldis Hodge

Dr. Fate und Hawkman unterstützen Black Adam oder jagen ihn, wie man es eben sehen will.

Actiontechnisch wird in „Black Adam“ eine Menge geboten: Fliegende „Motorräder“, erzitternde Hochhäuser, Giga-Explosionen, Dauergeballer und wilde Kloppereien. Einige Einlagen davon sind wunderbar wuchtig und spektakulär! Allerdings: Um diese genießen zu können, darf man keine Abneigung gegen CGI-Orgien haben. Vor allem der Showdown ist ein einziges Geblitze und Geflashe und rutscht in Einzelszenen schon in Richtung Playstation-Optik ab.

Dies geschieht vor allem rund um den Bösewicht des Filmes, der im Finale eine leider lächerliche Gestalt angenommen hat. Doch auch abseits des Finishes ist der Bösewicht eine der größten Schwachstellen am Film. Von ihm geht keinerlei Bedrohlichkeit aus und sein Darsteller spielt reichlich farblos auf.

Leider nimmt man auch Dwayne Johnson („Red Notice“) nie so wirklich ab, wie sehr er für den Charakter brennen soll. Er wuchtet sich mit dem immer gleichen Gesichtsausdruck durch die Handlung und agiert auch in den etwas dramatischeren Szenen um seine Figur nicht unbedingt gut. Allerdings spielt Johnson und seiner Ausstrahlung die relativ griesgrämige Anlage seiner Figur nicht wirklich in die Karten. So muss er es über die Physis regeln und zumindest das klappt ganz gut. Als ein Unding empfand ich die Idee, Johnson ausgerechnet in Richtung Finale plötzlich für lange Zeit aus dem Spiel zu nehmen.

Sarah Shahi und Pierce Brosnan in der DC-Comic-Verfilmung

Sarah Shahi darf Black Adam immer mal wieder emotional herausfordern.

In diesem Abschnitt wirkt „Black Adam“, als hieße er eigentlich „Justice Society of America“. Hatte der Film durch die Konfrontation der beiden Heldenparteien ungemein an Schmiss, Tempo und vor allem auch Witz hinzugewonnen, liegt der Fokus nun lange Zeit ausschließlich auf den vier Mitgliedern. Das Schöne: Zwei der vier Darsteller machen einen hervorragenden Job. Vor allem Pierce Brosnan („Misfits“) sorgt als mächtiger Zauberer Doctor Fate für viel trockenen Humor. Und Aldis Hodge („Jack Reacher: Kein Weg zurück“) spielt so souverän auf, dass ihm nicht einmal das lächerliche Hawkman-Kostüm schaden kann. Er hat im Allgemeinen auch die beste Chemie mit Dwayne Johnson.

Noah Centineo als Atom Smasher und Quintessa Swindell als wunderschön getrickste Cyclone können da nicht mithalten. Wenn ich ganz ehrlich sein darf, sind sie für die Handlung letzten Endes sogar vollkommen egal. Angenehm taff spielt Sarah Shahi („Shootout“) als Adrianna Tomaz auf, die zudem „Black Adam“ immer mal wieder hübsch aufbrechen darf.

In optischer Hinsicht fühlt man sich von dem mit satten Farben arbeitenden Blockbuster vollkommen verstanden. Jaume Collet-Serra („Jungle Cruise“) überzieht zwar alles mit einem leicht nervenden gelblichen/bräunlichen Farbfilter, liefert ansonsten aber absolut starke Bilder, die dank cool gesetzter Zeitlupen auch in der hektischsten Action für Übersicht sorgen. Nur im Finale verlieren er und die Effektleute jedwedes Maß. Der absolute Hammer ist der gefühlt nur aus Bässen bestehende Score von Lorne Balfe. Der lässt hier ein paar mächtige Themen durch die Lautsprecher donnern.

„Black Adam“ sorgt für nette Antihelden-Unterhaltung

Es braucht seine Zeit, bis „Black Adam“ endlich in die Spur gefunden hat. Sobald allerdings die Justice Society of America in den Film gefunden hat und beinahe zeitgleich die Action noch einmal deutlich größer skaliert wird, weiß das zu immer brachialer wummernder Musik gereichte „In-Trümmer-Legen“ kurzweilig und mit Sinn für fette Bilder zu unterhalten. Dann fetzen auch ein paar unvermutete Gags um Türen oder einen Giganten und dessen Schusselfehler.

Ja, Dwayne Johnson wird dem eigenen Anspruch nicht gerecht, der Bösewicht ist eine Luftpumpe und in Richtung Finale einfach nur noch lächerlich, die CGI-Schlachten hat man so schon einige Male zu oft gesehen und hier und da wirken die Effekte doch arg konsolenhaft. Dennoch verfliegt die Zeit geradezu. Und wenn vor sich hin glühende Zombiewesen über die Leinwand wackeln, Black Adam mal wieder ein Menschlein beinahe beiläufig abmurkst und Pierce Brosnan gut gelaunt den Erklärbar gibt, macht der Streifen mit seiner sich durchaus sehr wuchtig anfühlenden Action einfach Laune.

Beim nächsten Mal darf Black Adam aber gerne deutlich fieser sein. Ich denke, nur in diese Richtung hat die Figur wirklich das Potential, auf der Leinwand zu bestehen. Denn sagen wir es doch, wie es ist: Das DC-Universum hat mit Superman, der im Übrigen auch mal vorbeischaut (achtet auf die *Justice League*-Mundpartie!), bereits einen Black Adam in nett. Im Großen und Ganzen jedoch kann ich das aktuell stattfindende Bashing des Streifens nicht wirklich verstehen und vergebe:

7 von 10

Der Trailer von „Black Adam“

Der Film läuft seit dem 27. Oktober 2022 in den deutschen Kinos. Er kommt von Warner Bros. und ist mit einer FSK 12 ungeschnitten. Inzwischen kann man den Film von Warner auf DVD und Blu-ray erwerben oder bei verschiedenen VoD-Portalen streamen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Bros.__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, seit 27.10.2022 in den Kinos

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