Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Black Belt

Don ‘The Dragon’ Wilson auf den Spuren von Kevin Costner. Als Ex-Cop, Privatdetektiv und Bodyguard beschützt er in „Black Belt“ eine Sängerin vor den Schergen eines Mafiabosses und dem irren Killer Matthias Hues, welcher der Dame in diesem von Roger Corman produzierten Reißer nachstellt.

Originaltitel: Blackbelt__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1992__Regie: Charles Philip Moore, Rick Jacobson__Darsteller: Don ‘The Dragon’ Wilson, Deirdre Imershein, Matthias Hues, Richard Beymer, Alan Blumenfeld, Jack Forcinito, Bob McFarland, Joe Garcia, Mitchell Bobrow, Victor Mohica, Brad Hefton, Mia M. Ruiz u.a.
Black Belt

In “Black Belt” duellieren sich Don ‘The Dragon’ Wilson und Matthias Hues

Produzent Roger Corman sah in Don ‘The Dragon‘ Wilson einen vermarktbaren Actionstar, mit dem er nicht nur die achtteilige „Bloodfist“-Reihe, sondern auch den Sci-Fi-Reißer „Futurekick“ sowie „Black Belt“ drehte.

Der Beginn des Films gehört jedoch dem Antagonisten. Profikiller John Sweet (Matthias Hues) nimmt sich mit einer Prostituierten ein Hotelzimmer – verschwindet aber vor dem Akt noch mal kurz, um eine Angelegenheit zu erledigen. Bereits in der Auftaktszene darf Matthias Hues, seines Zeichens gelernter B-Actionhüne und blondes Unsel, eine Kronzeugen nebst Beschhützern im wahrsten Sinne des Wortes totschlagen. Allerdings ist die derbe Kampfszene recht kurz; Hues macht wirklich „kurzen“ Prozess mit seinen Opponenten. Dass es dem Callgirl kaum besser ergeht, deutet der Film vorerst nur an, gibt aber bald darauf Gewissheit.

Sweet ist gleichzeitig ein fanatischer Fan der Sängerin Shanna (Deirdre Imershein), der er auch gleich einen abgeschnittenen Frauenfinger als Präsent in ihrer Umkleide hinterlässt – die unfreiwillige Spenderin ist unschwer zu erraten. Shanna ist verängstigt, will aber der Polizei nicht trauen. Daher heuert sie Jack Dillon (Don ’The Dragon’ Wilson) an. Dillon ist den Gesetzen des Genrefilms folgend natürlich Bodyguard, Ex-Cop, Privatdetektiv und Kampfsporttrainer in einem, der seine Detektei dann auch „Black Belt Investigations“ nennt. Wenn er eine junge Prostituierte im Auftrag ihrer Eltern von der Straße holt, dann wird (natürlich) von der Mutter kein Geld kassiert, sondern nur der Zuhälter fachgerecht zusammengeprügelt, um seinen Gerechtigkeitssinn zu unterstreichen.

Dillon stimmt dem Auftrag zu, nachdem man Sweets übel zugerichtete Opfer gefunden hat. Derweil hat Shanna noch ganz andere Probleme: Ihr Labelboss Eddie Deangelo (Richard Beymer) ist Mafioso und sie will sich von ihm lösen. Doch ihr Förderer will nicht auf ihre Einnahmen verzichten und hat seine Schlägertrupps, um seine Wünsche durchzusetzen. Jack und Shanna geraten in Lebensgefahr von mehreren Seiten…

Schaut euch den Trailer zu „Black Belt“ an

Black Belt

Ex-Cop und Bodyguard Jack Dillon (Don ‘The Dragon’ Wilson) kann ordentlich hinlangem

Dass der Kevin-Costner-Hit „Bodyguard“ Pate für diesen Actionkrimi stand, ist unschwer zu erkennen. Anstelle von Whitney-Houston-Balladen gibt es Poprock aus der zweiten Reihe, der angenehm ins Ohr geht, aber auch keine Megakracher produziert. Dass Dillon und Shanna irgendwann ein Paar werden, ergibt sich nicht nur aus der Vorlage, sondern auch aus der Tatsache, dass ihr aktueller Manager/Lover ein Wiesel ist, das vor Eddie nur so buckelt. Dieser wiederum erfüllt alle Klischee des italoamerikanischen Mafiabosses, hat aber auch erfreulicherweise genug Schergen zu bieten, dass Dillon ordentlich was zu tun bekommt. Bei Sweet sieht das ähnlich aus, denn der Schlagetot war früher Soldat, der genug Atzen aus der Zeit an seiner Seite hat, sodass es beim Bodyguard-vs-Killer-Plot nicht einfach nur um das Duell Mann gegen Mann geht. Sweets Motive sind eher generisch, ein Mutter-Komplex, dessen erwartbare Hintergründe in Rückblenden aufgedeckt werden und hervorragend zu den Serienkillerfilmen jener Ära passen. Das mag nicht originell sein, wird aber durch die Bildschirmpräsenz des Schurken und die raue Atmosphäre des Films mehr als ausgeglichen.

Aus dieser Grundlage bastelt „Black Belt“ einen routinierten Actionkrimi ohne großes Thrillpotential. Die Identität des Bösewichts ist schnell bekannt, allenfalls sein Aufenthaltsort ist noch zu ermitteln, wobei derartiges meist durch Kneipenschlägereien oder Leichenfunde vonstattengeht, aber dafür ist das Tempo in den rund 90 Minuten angenehm zackig. Zwischendrin wird die Lovestory vorangetrieben und es gibt reichlich Attentate auf Leib und Leben, mit sich teilweise überschneidenden Interessen. So killt Sweet beispielsweise ein paar Mafia-Attentäter, weil er Shanna für sich haben möchte. Der Psychopath sammelt sowieso einen ordentlichen Bodycount an, wobei „Black Belt“ auch ein paar sympathische Nebenfiguren draufgehen lässt, was dem Film mehr Fallhöhe verpasst. Charles Philip Moore („Angel of Destruction“) und Rick Jacobson („Full Contact“) inszenieren das trotz überschaubaren Budgets recht gut aussehend und setzen in Bar- und Nachtclubszenen auf eine ähnlich bunte Ausleuchtung wie z.B. „Defender“, schaffen aber auch sonst recht stimmige Bilder ohne allzu sehr in den Billig-Look anderer Direct-to-Video-Filme zu rutschen.

Black Belt

Für John Sweet (Matthias Hues) ist das Töten mit bloßer Hand gleichzeitig Beruf und private Obsession

Überdurchschnittlich hart sind sicherlich die Mordszenen, vor allem wenn John Sweet seine Gegner kurz und klein schlägt, weshalb man die Schneiderei in vielen Ländern beinahe verstehen kann. Ansonsten bietet die Action kurze, aber recht blutige Shoot-Outs, kleine Verfolgungsjagden sowie ein wenig an Stunts, etwa einen Autocrash am Ende einer Verfolgungsjagd. Für den Fan ist das hübsch anzusehen, ebenso wie die Fights, auf denen das Hauptaugenmerk ruht. Diese wirken bisweilen etwas zu inszeniert, was leider auf diverse Don-Wilson-Vehikel zutrifft. Doch gerade beim Barfight und im Finale, in dem Dillon nicht nur Sweet, sondern vorher auch noch dessen Veteranen-Buddys auseinandernimmt, liefert „Black Belt“ sehr ansprechende B-Action ab, ähnlich wie beim Lagerhallen-Shoot-Out, bei dem praktischerweise viele Kartons parat stehen, in die getroffene Gegner stürzen können.

Darstellerisch ist „Black Belt“ vielleicht nicht großen Offenbarung im B-Bereich, aber die Darsteller verkörpern ihre Klischeerollen recht einnehmend. Das gilt in erster Linie für die Kontrahenten und B-Action-Veteranen Matthias Hues („Gunfight at Rio Bravo“) und Don ’The Dragon’ Wilson („Tödliches Inferno“), von deren Duell der Film auch teilweise lebt. Auf der einen Seite Wilson als desillusionierter Cop, dessen innere Abstumpfung gut zum nicht gerade üppigen Mienenspiel des Actionstars passt, auf anderen Seite Hues als stets brodelnder Psychopath, dessen gelegentliches Overacting zu den Ausbrüchen Sweets passt. Deirdre Imersheim („Skyscraper“) ist solide als Sängerin zwischen den Fronten, Richard Beymer („Twin Peaks“) gibt den Mafiaboss überzeugend bösartig, während Alan Blumenfeld („Wargames“) als früherer Partner Dillons und Jack Forcinito („Time Burst“) als schmierlappiger Manager Shannas noch kleinere Akzente setzen. Wie der Vorspann den geneigten Zuschauer informiert, kommen noch diverse Nebendarsteller hinzu, die über mehr Martial-Arts-Trophäen als Schauspielstunden verfügen, aber die sind dementsprechend vor allem die Kampfszenen da.

„Black Belt“ ist solider, harter Actionkrimi, dem es an Originalität mangelt und auch in Sachen Schauwerte nicht zur Spitzenklasse im B-Bereich zählt, da der eine oder andere Fight etwas steif daherkommt. Dafür gibt es Mordszenen, Nahkämpfe und Shoot-Outs in guter Schlagzahl, das Duell von Bodyguard und Schlagetot gewinnt durch die Figur des dämonisch-psychopathischen Schurken. Dank seines Tempos und der gelungenen Inszenierung eines der besten Vehikel für Don ‘The Dragon‘ Wilson.

„Black Belt“ hatte in vielen Ländern Probleme mit der Freigabe: In den USA wurden diverse Gewaltspitzen für ein R-Rating entfernt, in Deutschland wurde der Film mit einer FSK-16-Freigabe um mehr als 12 Minuten und teilweise ganze Szenenblöcke erleichtert. Unter anderem in Holland erschien der Film ungekürzt auf VHS, auf DVD gab es die Unrated-Fassung später auf die britischen DVD, während frühere VHS-Releases dort ebenfalls stark gekürzt waren. In Deutschland wurde der Film jüngst von Shamrock Media/Cargo Records in der ungekürzten Unrated-Fassung veröffentlicht, die sogar ab 16 Jahren freigegeben wurde. Als Bonusmaterial gibt es Trailer.

© Nils Bothmann (McClane)

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Shamrock Media/Cargo Records__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Nein

Tagged as: , , , , , , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 14887992 andere Actionnerds