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Black Friday

Originaltitel: Black Friday__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2000__Regie: Darren Doane__Darsteller: Gary Daniels, Christopher J. Stapleton, Ryan Kos, Christopher Janney, Paul Gunning, Matthew Reithmayr, Larry Bagby, Hollywood Heard, Markus Botnick, Markus Fogwell u.a.
Black Friday mit Gary Daniels

In “Black Friday” gerät Gary Daniels mit den Kidnappern seiner Familie und fiesen Regierungsbeamten aneinander.

Der Gary Daniels Streifen „Black Friday“ stammt aus dem Jahr 2000 und hat bis zum heutigen Tage keine Auswertung in Deutschland erfahren. Das mag verwundern, hat allerdings auch seine Gründe. Denn qualitätsmäßig geht bei „Black Friday“ nicht viel zusammen. Das Beste ist – man mag es kaum glauben – seine Story.

In der dreht sich alles um Anwalt Dean Campbell. Der hat eine Vergangenheit als Mitglied einer reichlich brutalen Spezialeinheit, entdeckte irgendwann aber sein Gewissen und wollte fortan nur noch den Hilflosen dienen. Als der Anwalt eines Tages von seiner Arbeit nach Hause kommt, ist sein Haus von Regierungsbeamten umstellt. Seine Frau und sein Kind, so erklärt man ihm, würden als Geiseln gehalten.

Dean soll nun den Beamten den Grundriss seines gewaltigen Anwesens nahebringen und den Beamten so einen überraschenden Zugriff ermöglichen. Doch im Stützpunkt der Regierungsbeamten versuchen diese, Dean auszuschalten. Der kann sich mächtig gewaltig wehren und nietet alle Angreifer um. Danach begibt er sich zurück zu seinem Haus, dringt in sein Anwesen ein und will die Geiselnehmer im Alleingang stellen. Da steht er plötzlich vor einem Mann, den er nur zu gut kennt.

Schaut in den Actionfilm mit Gary Daniels hinein

Wenn Gary Daniels („Final Reprisal“) als Dean dem alles andere als unbekannten Eindringling gegenübersteht, kehren sich in „Black Friday“ bereits zum zweiten Mal die Rollen von Gut und Böse eindrücklich um. Diese Momente (im Stützpunkt der Beamten und in Deans Haus) sind definitiv die reizvollsten Einfälle des Drehbuchs von „Black Friday“. Diese waren es vermutlich auch, die Daniels dazu bewegten, diesen Streifen mit zu produzieren.

Es kann eigentlich nur so sein, denn ansonsten spult das Skript nur Action nach Schema F mit uninteressanten Figuren ab und tut sich reichlich schwer, Zug in seine Geschichte um Nuklearwaffen und damit verübte Fiesheiten zu bekommen. Elend lange, langweilige und vor allem schmucklose Einstellungen sowie teils bis zu zehn Minuten lange Dialogwüsten, bei denen die wenigsten Sätze wirklich Gehaltvolles zum Film beitragen, verschleppen das Tempo des Actioners mit schmieriger Gutmensch-Attitüde an eigentümlicher Grundgesinnung teils brutal.

Dazu gesellen sich eine abgeranzte, stockfinstere Optik und ein in den Ohren scheppernder, für sich genommen gar nicht mal übler Heavy-Metal-Score. Da der aber so gut wie nie zu den Bildern passen mag, konterkariert er deren Wirkung teils zusätzlich. Der einzige Special Effect des Streifens ist obendrein mit lächerlichst noch nett umschrieben. In der Folge fühlt sich „Black Friday“ immer wieder wie ein Amateurstreifen an. Der zumindest seinem Regisseur, der kurz zuvor bereits „Ides of March“ mit Daniels gedreht hatte, kein Glück bringen sollte. Immerhin brachte er es danach fast nur noch auf Musikvideos und Kurzfilme.

Mir ist klar, dass ein Gary Daniels Film natürlich vornehmlich von der Action lebt. Dementsprechend schauen wir hier mal genauer hin. Dabei fällt direkt auf, dass jegliche Balleraction total steif, undynamisch, blutleer und öde geraten ist. Es mangelt an zusätzlichen Kameraeinstellungen, Schnitten, Bloodpacks und einer Idee, wie man das statische Geballer lebendiger machen könnte.

Dagegen sieht es in Sachen Martial Arts schon besser aus. Die Choreografien besorgte Tsuyoshi Abe, der bis heute als Stuntman und Stunt-/Fightkoordinator in Hollywood seine Brötchen verdient. Der sorgt für zwei!!!, immerhin nette Kampfsporteinlagen, in denen Gary Daniels einige High- und Drehkicks präsentieren darf.

Leider fehlen im ersten Kick von Daniels gegen den Choreografen höchstselbst ein paar zusätzliche Kamerawinkel und beschleunigende Schnitte. Von denen gibt es dann im zweiten Fight viel zu viele. Allerdings musste hier auch sichtlich kaschiert werden, dass Daniels Gegner gedoubelt werden musste. Zudem macht man hier den Fehler, Gary Daniels ab und an recht schwach aussehen zu lassen. Etwa, wenn Gary minutenlang auf den Fieswicht eindrischt und dieser gefühlt keinerlei Schaden nimmt, stattdessen seinerseits mit wenigen Glückstreffern beinahe Gary plattmacht.

„Black Friday“ gerät zum schwarzen Tag für alle Beteiligten

Zugegeben, die kühn konstruierte Story um irgendwelche Nuklearwaffen hat etwas. Die von ihr präsentierten beiden Twists machen auch Laune. Und ein kickender Gary Daniels ist immer einen Blick wert. Aber davon abgesehen versagt „Black Friday“ an allen Fronten. Dramaturgie, Spannung, Technik, Action, Schauspiel – alles mutet seltsam amateurhaft, ultrabillig und wie gewollt und nicht gekonnt an.

Jeder, der den Film einlegt und die ersten Minuten bestaunt, wird alsbald hoffen, dass Gary Daniels die sein Haus belagernden Beamten und die Geiselnehmer blutig abmurkst. Hier sind nämlich ein paar herrliche Kanten dabei, die sich als Gegner für einen versierten Actionhelden gut machen würden. In dieser Form hätte sich der Film sicherlich sogar nach Deutschland verkaufen lassen. Leider hat dieses Offensichtliche am Set niemand erkannt. Und so killen sich die Kanten lieber gegenseitig oder werden von irgendwem anderen gekillt. Und Gary guckt dumm zu. So lieben wir unsere Action…

02 von 10

Eine DVD zum Film gibt es in den USA von dem Label Trinity und in Großbritannien von dem Label Prism Leisure. Beides sind reine Vanilla-Discs und hatten sichtlich dasselbe gruselige Master, wobei die Code 1 Scheibe zumindest so etwas wie einen Schwarzwert besitzt. Witzigerweise haben weder die US- noch die UK-Scheibe auf Cover oder Backcover irgendwelche Bilder aus dem Film zu bieten. Stattdessen bediente man sich großzügig bei anderen Gary-Daniels-Werken.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label der US-VÖ: Trinity__Freigabe: ungeprüft__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Nein/Ja

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