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Blood Shot

Originaltitel: Blood Shot__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2011__Regie: Dietrich Johnston__Darsteller: Brad Dourif, Christopher Lambert, Lance Henriksen, Martin Klebba, Michael Bailey Smith, Jeff Chase, Pej Vahdat, Paula Trickey, Azita Ghanizada, Brennan Elliott u.a.
Blood Shot

Christopher Lambert, Lance Henriksen und Brad Dourif schauen in dem schrägen Buddy-Movie “Blood Shot” vorbei.

Rip glaubt an Monstren. Vampire, Werwölfe und dergleichen. Aktuell, so behauptet er, sei er auf der Jagd nach einem Vampir. All das wäre nicht weiter verwunderlich, wenn Rip nicht ein erwachsener Mann wäre. Ein Polizist obendrein. So ist er sich der Häme seiner Kollegen mehr als nur gewiss. Und auch privat hängt der Haussegen schief, denn seine Frau hat die Schnauze voll von seinen Fantastereien. Was Rip nicht ahnt: Er soll mit seiner Obsession recht behalten…

Als er mal wieder einem ungewöhnlichen Schatten hinterherjagt, landet Rip inmitten einer gigantischen Ballerei, in deren Verlauf mehrere Turbanträger das Zeitliche segnen. Gerichtet werden sie von einem hünenhaften, kalkweißen Typ mit stechend roten Augen. Er scheint die auf ihn abgefeuerten Kugeln förmlich zu schlucken. Als der Typ mit dem Gemetzel fertig ist, gerät er mit Rip aneinander. Der überlebt die Begegnung nur knapp, ist nun aber erst recht angefixt.

Derweil erfährt der Zuschauer, dass der kalkweiße Typ tatsächlich ein Vampir ist und für eine Spezialeinheit der CIA, die Vampire Division, arbeitet. Diese meuchelt im Auftrag der Regierung vornehmlich Terroristen. Diesmal soll ein besonders hochrangiger Topterrorist um die Ecke gebracht werden, plant dieser doch einen gewaltigen Anschlag auf Manhattan. Da er im Zuge dessen auch noch die Frau von Rip entführt, um sie als Geisel für seine Zwecke zu nutzen, raufen sich Vampir und Cop natürlich zusammen, um dem Terror-Babo mal so richtig die Visage zu demolieren…

„Blood Shot“ ist Trash. Soviel vorweg. Richtig hemmungsloser Trash! Allerdings von der Sorte, bei der man sowohl über als auch mit dem Film lachen kann. Was ihn sehr unterhaltsam und damit zu gutem Trash macht. Wieso? Weil sich der Film keine Sekunde lang ernst nimmt und seine abstruse Geschichte geradlinig durchzieht. Im Grunde seines Herzens ist er ein klassisches Buddy-Movie, nur eben mit leicht ungewohnten Partnern. Immerhin jagt hier ein Vampir Terroristen. Im Auftrag der Regierung. Na klar. Dabei lässt er Sprüche ab wie:

„Wir machen das jetzt auf meine Art. Laut und stolz. Die amerikanische Art eben!“

Richtig schön überdrehen kann „Blood Shot“ bei seinen Bösewichten. Den Terroristen. Diese bestehen an jedem Wirkungsort auf ihren Harem, unterhalten sich eigentlich nur mittels den Begriffen „Jalla“ und „Allah“, haben anscheinend in ihrem Spind den Sprenggürtel immer neben dem Blaumann hängen und sind sogar zu dumm, Vampire als ebensolche zu erkennen. Sie halten sie für Dschinns oder – kein Scheiß – Juden. Und am liebsten testen sie ihre Massenvernichtungswaffen an süßen Hunde-Welpen! Diese Schweine! Doch neben derart tumben Humor-Momenten erlaubt sich der Film auch feine Spitzen gegen die aktuelle Situation in den USA: Wenn die Terroristen etwa erklären, dass sie unbehelligt in die USA einreisen, indem sie sich so offensiv wie möglich als Terroristen geben und darum niemals verdächtigt werden würden, weil das ja im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht politisch korrekt wäre, ist das schon eine wirklich witzige und auch hintersinnige Humoreinlage.

Blood Shot

Der Vampir mit seinem Chef bei der “Vampire Division”.

Trotz der Hauptfigur des Terroristen meuchelnden Vampirs versteht sich „Blood Shot“ nicht als Horrorfilm. Dementsprechend setzt er nicht auf eine dunkle Atmosphäre oder Jump Scares und kann es sich auch erlauben, seine Figur so zu beugen, wie er es braucht. So ist der Vampir in „Blood Shot“ immun gegen Knoblauch, verbindet mit Silberkugeln einen zwickenden Schmerz und nur Kreuze oder Pflöcke können ihm etwas anhaben. Sein Begehr ist nicht, Menschen zu wandeln, und ausgesaugt werden freilich nur die fiesen Lumpen. Getötet wird dabei vornehmlich mit Waffengewalt.

Denn „Blood Shot“ versteht sich als Actionmovie. Mit ausladenden Shootouts. Diese sind zwar recht zahlreich, aber leider arg statisch inszeniert. Zumindest ist der Vampir wohl John Woo Fan und ballert bevorzugt beidhändig. Dabei steht er zumeist unbeweglich im Raum und ballert wild um sich, während ihm die Gegner andauernd vor die Läufe seiner Knarren springen. Etwas mehr Dynamik kommt erst dann ins Spiel, wenn der Vampir und Rip gemeinsam ballern und Rip den Vampir als seinen mobilen Schutzschild missbraucht. Werden die Lumpen getroffen, spritzt vor allem CGI-Blut, welches nicht ansatzweise mit den wenigen, sehr saftigen, handgemachten Effekten (etwa ein paar blutige Headshots) mitzuhalten vermag. Auch ein paar derbere Handmade-Splatter- und Masken-Effekte deuten an, dass hier schon Leute am Werk waren, die könnten, wenn sie wollten, nur müsste dazu wohl das Geld stimmen.

Und das war bei „Blood Shot“ sichtlich nicht der Fall. Der Film spielt beständig in den abgeranztesten Gebäuden. Diese werden dominiert durch kahle, fensterlose Wände und verfügen über so gut wie keine Inneneinrichtung. Alles sieht alt, verfallen und irgendwie immer gleich aus. Was es auch schwer macht, zu erkennen, wo der Film gerade spielt. Dennoch war das Geld für zwei ganz nette Explosionen da. Immerhin. Und hier und da bemüht man sich mit schrägen Perspektiven gegen den Einheitslook anzukämpfen. Das Fleisch war sozusagen willig, nur der Geldbeutel war schwach…

Blood Shot

Vampir und Cop räumen gemeinsam auf.

Doch diese geldbedingten Makel wiegen gar nicht so schwer. Das liegt vor allem daran, dass man den Darstellern anmerkt, was sie für Spaß an diesem Schmarren hatten. Vor allem Brennan Elliott als Rip (Was für ein Name… R.I.P.!) und Michael Bailey Smith („The Hills Have Eyes“) als Vampir funktionieren köstlich zusammen. Während Rip von Szene zu Szene mehr aussieht wie durch den Fleischwolf gedreht, haut der immer makellos aussehende Vampir (im Nosferatu-Look!) einen süffisant ironischen Spruch nach dem anderen raus und amüsiert den Zuschauer köstlich. Und wenn die beiden kabbelnd zusammenwachsen, sieht man, dass Regisseur Dietrich Johnston (bisher drehte er nur den Kurzfilm „Blood Shot“, der die Handlung des hier besprochenen Films vorwegnimmt) seine Hausaufgaben gemacht hat und weiß, was Buddy-Movie Fans sehen wollen.

Den fiesen Bösewicht gibt Brad Dourif („Curse of Chucky“) mit viel Wonne und köstlichem Terrorlump-Make-Up. Sein Bob genannter Charakter ist einfach eine herrlich grotesk überzogene Ansammlung an Klischees zum Thema Terroristen, die man natürlich nie ernst nehmen kann. Dabei agiert Dourif eher selten im affektierten Overacting Modus, den man von ihm kennt. Er setzt mehr auf stoischen Ernst, was seine radebrechend dämlichen Aktionen bzw. jene seiner Mitstreiter trefflich konterkariert. Als Auftraggeber des Vampirs erleben wir Lance Henriksen („Harte Ziele“), der einfach die ganze Zeit über wie ein Schlot raucht, ein Stück weit den Erklärbär gibt und ein etwas größeres Cameo abliefert. Noch weniger Screentime hat Christopher Lambert („Ghost Rider 2“) als Präsident der Vereinigten Staaten. Dabei dürfte er seine drei Auftritte mit seltsam blondierten Haar locker an einem halben Drehtag runtergerissen haben. Doch wie gesagt, man spürt einfach, dass alle am Film Beteiligten den Film verstanden haben und ihn als das nehmen, was er ist: Nonsens…

Etwas in Schieflage gerät der Film immer dann, wenn die Verballhornung der bekanntesten Terroristenklischees etwas unreflektiert auf die knallharte Realität trifft. Wenn etwa die Terroristen ihren Superplan an einer Tafel mittels Strichmännchen und Kleinkind-Bildchen erklären, ist das wundervoll debil. Wenn ebenjene Terroristen wenig später mit ihren Taten die allgegenwärtigen Bilder von vor Kameras geköpften Geiseln heraufbeschwören, ist das dann deutlich zu ernst. Derartige Einlagen gehen nicht wirklich zusammen, weshalb „Blood Shot“ nicht immer stilsicher wirkt. Die extrem billige Anmutung des Filmes und auch die statische Actionregie schaden dem Streifen zusätzlich. Insgesamt jedoch ist der Film einfach mal eine mörderschräge Chose, die erstaunlich gut unterhält, einige gute Lacher aufbietet, größtenteils gekonnt mit Klischees spielt, ein vernünftiges Tempo zu bieten hat und mit einigen irren Ideen aufwartet. Ich werfe dahingehend nur mal die Schlagwörter „Vampir-Rohrpost“ oder „Ziegendämon“ in die Runde. Nimmt man diesen ganzen Schwachsinn nicht zu ernst, werden vor allem Trashfans von „Blood Shot“ erstaunlich gut unterhalten.

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von Eurovideo/Great Movies und ist mit einer FSK 18 ungeschnitten. Der Blu-ray liegt der Film „Mordlust – Some Guy who kills People“ bei.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Eurovideo/Great Movies__Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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