Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Bloodshot

Originaltitel: Bloodshot__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: Dave Wilson__Darsteller: Vin Diesel, Eiza González, Sam Heughan, Toby Kebbell, Guy Pearce, Talulah Riley, Lamorne Morris, Jóhannes Haukur Jóhannesson, Siddharth Dhananjay, Alex Hernandez u.a.
Bloodshot Comic-Verfilmung mit Vin Diesel Poster

Vin Diesel gibt den Lumpen als “Bloodshot” Saures.

Soldat Ray Garrison hat in Kenia einen Auftrag erfolgreich zum Abschluss gebracht. Das will er mit seiner Frau im schönen Italien feiern. Doch die Feierlichkeiten dauern nicht lang, denn ein paar Lumpen stürmen das Hotelzimmer des Paares. Zwar kann Ray die Angreifer lange von sich fernhalten, doch ein verabreichtes Betäubungsmittel setzt ihn irgendwann außer Gefecht. Als er wieder zu sich kommt, will ein Kerl von ihm wissen, woher die Informationen für den erfolgreichen Einsatz in Kenia stammten.

Doch Ray kann dahingehend keinerlei Angaben machen. Das macht seine ebenfalls gefesselte Frau zur Zielscheibe. Wenige Sekunden später fräst sich ein Bolzenschussgerät durch ihren Kopf. Dann schießt der Kerl Ray mitten ins Gesicht. Wenig später erwacht Ray auf einer eigentümlichen Liege. Er scheint quicklebendig. Kurz darauf setzt es einen Strom aus Erklärungen. Ein Wissenschaftler erklärt Ray, dass er gestorben und mittels Naniten, winzig kleinen Robotern in seinem Blut, wiederbelebt worden sei. Diese sollen ihn quasi unverwundbar machen, erhöhen seine Stärke und Reaktionsschnelligkeit.

Ray nimmt all das wie durch einen Schleier wahr. Denn seine Gedanken sind ganz wo anders. Er will den Tod seiner Frau rächen. Und die Naniten in seinem Blut machen ihm das möglich. Eilig hacken sie sich in alle Kommunikationssysteme und machen den Aufenthaltsort des Killers ausfindig. Sofort bricht Ray aus dem Wissenschaftskomplex, der jetzt seine neue Heimat ist, aus und fährt wie ein Racheengel in die Reihen der Söldner des Mörders seiner Frau. Doch hat Ray am Ende wirklich den wahren Mörder seiner Frau vor der Flinte? Kann er seinen Erinnerungen und den Ausführungen seiner Retter glauben?

Schaut in die Comicverfilmung mit Vin Diesel hinein

Sony scheint es schon ein wenig zu wurmen, dass sie aktuell nur mit dem Spinnenmann wirklich am aktuellen Superhelden-Comic-Hype partizipieren können. Also schauten sie sich ein wenig in der Welt der Comics um und taten mit Valiant Comics einen lange Zeit sehr erfolgreichen, in unseren Breiten weitgehend unbekannten Comic-Verlag auf. Aus dessen Fundus suchten sie sich mit „Bloodshot“ einen Helden aus, der zwar ein wichtiges Aushängeschild von Valiant ist, aber rein vom Story-Output her nicht zwingend Franchisematerial darstellt. (Mehr Informationen zum Comic)

Der jetzt unter der Regie von Effektkünstler Dave Wilson („Avengers: Age of Ultron“) entstandene Film nimmt sich zielgerichtet einige wichtige USPs der Comicreihe her und überträgt diese adäquat auf die große Leinwand. Es dreht sich alles um die Naniten, ein Projekt namens Rising Spirit, hinterlistige Wissenschaftler, Erinnerungsmanipulationen und einen verdammt wütenden Superhelden, der auf seinem Rachefeldzug kein Halten kennt. Alles nicht (mehr) neu, alles nicht (mehr) innovativ, für 110 durchaus flotte Actionminuten aber allemal ausreichend.

Bloodshot mit Naniten und Vin Diesel

Bloodshot im Nanitensturm.

Zudem der auch die Comis antreibende Twist um die Manipulierbarkeit von Erinnerungen, Träumen und dergleichen mehr ausreichend Impact hat, um einer Story ordentlich Vortrieb zu leisten. „Bloodshot“ tut zugleich gut daran, nicht zu viel zu erklären und sich in pseudowissenschaftlichem Geschwafel zu ergehen. Kurz und knapp wird alles Wissenswerte in kleinen Häppchen gereicht und von einigen hübschen Actionszenen flankiert.

Dabei ragt jene in einem Verkehrstunnel weit aus dem Film heraus. Schafft mit einer ganzen LKW-Ladung Mehl ein herrlich surreales Setting und zeigt, aus welchem Holz der Held der Story geschnitzt ist: Knochen brechen, Körper werden von Kugeln durchsiebt, Granaten explodieren unter daraufliegenden Körpern und um einen Wagen mit Panzerglas zu knacken, wird schonmal ein Lump gegen die Scheiben gepresst, bis eine entsicherte Granate an dessen Waffengürtel explodiert und Wagen, Bloodshot und Granatenträger wegschleudert. Das wird von Action-Unit-Regisseur und Stuntlegende J.J. Perry ultrastylisch in Szene gesetzt und entwickelt auch dank intelligent gesetzter Zeitlupen ordentlich Druck. Und Vin Diesel passt mit seiner irren Physis zu dieser Szene wie Arsch auf Eimer.

Eiza Gonzales hilft Vin Diesel

KT hilft Ray Garrison aka Bloodshot

Leider, leider, leider wird diese eigentlich geile Actionszene, die mit einem fetten LKW-vs-PKW-Stunt eingeleitet wird, echte „Bloodshot“-Fans wenig begeistern. Der Grund dafür ist ganz einfach: „Bloodshot“ ist ein PG-13-Film. Derb genug, um in Deutschland eine wohlverdiente FSK 16 zu kassieren, aber eben im Vergleich zu den Comics ein Totalausfall. Die atmen eine Gewalttätigkeit, der die Verfilmung niemals gerecht werden kann. Die wirkt angesichts der präsentierten Action und der zelebrierten Power teils unwirklich blutleer. Schade, denn auch die restlichen Actionszenen wissen weitgehend zu gefallen.

Darunter eine wirklich flotte Verfolgungsjagd zwischen Vin Diesel, einem getunten Gegner und einem Motorrad, bei der ein paar geile Sequenzen gezündet werden. Auch ein weiterer, kurz und knackig gereichter Rachefeldzug von Ray, der im ganzen Film nicht ein einziges Mal „Bloodshot“ genannt wird, rockt gut. Der Showdown dagegen ist leider ziemliche CGI-Grütze geworden. Die Effekte wissen bei dem vom Ansatz her gar nicht mal so verkehrten Aufzugkampf zwar absolut zu überzeugen, dieser Showdown ist aber irgendwie nicht das, was man sich von dem Film erhofft hat. Zumal die Partikelflut in den letzten Sekunden auch reichlich deplatziert wirkt.

Alles andere als deplatziert wirkt Vin Diesel („Fast & Furious 8“) in „Bloodshot“. Der wird der Figur mehr als gerecht und lädt den Film mit dem ihm eigenen Pathos auf. Es geht immer mal wieder leicht um Familie und damit verbundene Werte. Ohne dass es derart nerven würde wie in den aktuellen „Fast & Furious“-Streifen. Viel spielen muss er dabei nicht. Denn sein Ray Garrison bleibt schon reichlich unterentwickelt. Was aber auch in der Comic-Vorlage begründet ist. Hier war der Held auch alles andere als eine Shakespeare-Figur.

Bloodshot mit Sam Heughan und Vin Diesel

Vin Diesel haut rein!

An Diesels Seite agiert ein ordentlicher Guy Pearce („Lockout“), der seinen Mad Scientist angenehm geerdet anlegt und sich niemals ins Overacting flüchtet. Etwas mehr Bedrohlichkeit seiner Figur hätte dem Film aber sicherlich gut gestanden. Ein Highlight des Filmes ist die ebenso sexy wie taff aufspielende Eiza González („Alita: Battle Angel“), die alleine schon das Eintrittsgeld wert ist. Das gilt unisono für Toby Kebbells („Kong: Skull Island“) kurze Auftritte. Alleine seine wunderbar absurde Tanzeinlage muss man einfach gesehen haben!

Ebenfalls klasse ist Lamorne Morris („The Christmas Chronicles“) als Tech-Nerd. Der Schauspieler darf seinen vor allem in den letzten beiden Staffeln von „New Girl“ etablierten, wunderbar schrägen Nerd-Humor hier wieder hervorkramen und bereichert jede einzelne seiner Szenen mit einem tollen, dem Film wirklich gut tuenden Humor. Verschenkt wirken hingegen Namen wie Sam Heughan und Alex Hernandez, die hinter ihren Exoskelett-Gimmicks total untergehen. Das ist vor allem bei Heughan schade, da der in „Bad Spies“ echte Actionman-Qualitäten durchscheinen ließ.

In seinem Look und Feel unterscheidet sich „Bloodshot“ in keinster Weise von aktuellen Actionkrachern im Hochglanzlook. Zu Beginn spielt der Regisseur häufiger mal mit Unschärfen und überstrahlenden Flächen, was er gerne über den ganzen Film hinweg hätte durchziehen können. Ansonsten setzt er auf eine dynamische Bebilderung, die freilich in der patent umgesetzten Action richtig aufdreht. Etwas beliebig gerät leider der Score von Steve Jablonsky, den man tatsächlich erst beim Abspann wirklich durchzuhören meint.

„Bloodshot“ dürfte gerne in Serie gehen

„Bloodshot“ hebt sich vor allem in einer Sache wohltuend vom Gros aktueller Comic-Verfilmungen ab: Er ist kleiner skaliert. Es wird kein Weltuntergang heraufbeschworen und es müssen keine Landstriche vor der Auslöschung bewahrt werden. Stattdessen bleibt der Film straff an seiner Hauptfigur dran. Und die schert sich einen Scheiß um die Welt, will stattdessen ihren Rachedurst löschen.

Das Ergebnis mag so manchem Fan der Comic-Vorlage nicht rundweg schmecken, da doch auch einige unnötige Abweichungen vom Ursprungsstoff auszumachen sind, aber für die Zeit des Filmgenusses macht „Bloodshot“ durchaus eine Menge richtig und ist qualitäts- und unterhaltungstechnisch meilenwert entfernt von manch anderem Vin-Diesel-Unrat der Marke „The Last Witch Hunter“. Vielmehr passt der Brocken von einem Darsteller blendend auf die Rolle und dürfte gerne noch den einen oder anderen, dann vielleicht herzhafter mit der Farbe Rot hantierenden Nachfolger stemmen.

07 von 10

„Bloodshot“ läuft seit dem 5. März 2020 in den deutschen Kinos und kommt von Sony Pictures Entertainment Germany. Mit einer FSK 16 Freigabe ist die Comic-Verfilmung ungeschnitten. Seit dem 27. März kann man den Film auch in Deutschland bereits als VOD genießen. Siehe unten folgenden Link.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures Entertainment Germany__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Nein/Nein, ab 5.3.2020 im Kino

Tagged as: , , , , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 6935561 andere Actionnerds