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Bloodstone

Originaltitel: Bloodstone__Herstellungsland: USA, Indien__Erscheinungsjahr: 1988__Regie: Dwight H. Little__Darsteller: Brett Stimely, Rajinikanth, Charlie Brill, Jack Kehler, Christopher Neame, Anna Nicholas, Laura Albert, Tej Sapru u.a.
Bloodstone

Abenteuerkost von Dwight H. Little: „Bloodstone“

Als Filme wie die „Indiana Jones“-Reihe oder „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ in den 1980ern zu Kassenerfolgen avancierten, waren die kostengünstigen Rip-Offs von „Quartermain“ bis „Dakota Harris“ nicht weit. Regisseur Dwight H. Little („Last Rampage“) steuerte zur Abenteuerwelle „Bloodstone“ bei.

Vor allem der Zemeckis-Erfolg „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ dürfte hier Pate gestanden haben, wie man zum einen an der humoristischen Ausrichtung, zum anderen am Paarkonzept sieht – wobei die Frau in Littles Film dann eher zum In-Gefahr-Geraten und zum Gerettet-Werden da ist. Es geht um das frisch vermählte Paar aus Sandy (Brett Stimely) und Stephanie McVey (Anna Nicholas), das seine Flitterwochen in Indien verbringt. Man ist jetzt im Textilgeschäft, doch dem redelustigen Mitreisenden Paul Lorre (Jack Kehler) vertraut man an, dass Sandy vorher Cop war, woraufhin dieser etwas sparsam guckt.

Denn Paul hat einen wertvollen Rubin, den titelgebenden Blutstein, dabei, ahnt aber, dass er als stadtbekannter Krimineller am Bahnhof durchsucht werden wird. Also versteckt er den roten MacGuffin im Gepäck des Paares, das ihn so für ihn ins Land bringt. Dass sein Nachname Lorre ist, dürfte kein Zufall sein, denn er erinnert nicht nur vom Aussehen ein wenig an Peter Lorre, sondern jener spielte auch die Rolle des Joel Cairo in John Hustons legendärer Dashiell-Hammett-Adaption „Die Spur des Falken“. An jene erinnert auch „Bloodstone“, denn in beiden Geschichten jagen halbseidene Parteien das wertvolle titelgebende Objekt, dort den Maltester Falken, hier den Blutstein.

Wo bei John Huston Sam Spade zwischen die Fronten geriet, sind es hier Sandy und Stephanie, denn nicht nur Paul und die Polizei wollen jeweils den geschichtsträchtigen Rubin, sondern auch der mächtige Gangsterboss Van Hoeven (Christopher Neame). Und der schreckt weder vor Mord noch vor Entführung zurück…

Schaut in den Trailer zum Film

„Bloodstone“ wäre, wie bereits gesagt, wohl gern eine B-Version des Zemeckis-Hits, ist aber dann doch deutlich weniger pfiffig geschrieben. Der Wortwitz hält sich in Grenzen, die Situationskomik funktioniert nur gelegentlich und gerade die Figur des überlegen tuenden, aber eigentlich überforderten Inspector Ramesh (Charlie Brill) wirkt oft etwas forciert in den Film gepresst, auch wenn der als eine Art indischer Inspector Clouseau immerhin den einen oder anderen Lacher auf seiner Seite hat. Allerdings beißt sich der gelegentlich etwas kindische Humor mit mancher Mord-und-Totschlag-Szene – da hatten Indy und Co. die Balance aus Komik und Ernst einfacher besser raus.

Was dem Ganzen dann ebenfalls fehlt, ist ein Lead mit den Qualitäten von Harrison Ford oder Michael Douglas. Gerade Brett Stimely („Transformers 3“) mag als blonder Sunnyboy zwar dem klassischen Heldentypus entsprechen, wirkt aber meist eher bemüht als wirklich überzeugend. Anna Nicholas („Eiskalte Leidenschaft“) ist eine egale Damsel in Distress, während Jack Kehler („Unbesiegbar – Der Traum seines Lebens“) und Christopher Neame („Steel Dawn – Die Fährte des Siegers“) als manipulative Fieswichte ein paar Akzente setzen können. Auch Charlie Brill („Wings of Freedom“) beweist durchaus komödiantisches Talent, auch wenn es etwas seltsam anmutet, dass ein amerikanischer Schauspieler einen Inder in einem Film spielt, der in Indien gedreht wurde. Als einheimisches Zugpferd verpflichtete Little dafür dann Rajinikanth („Ra.One – Superheld mit Herz“) : Im Westen quasi unbekannt, in Bollywood ein großer Star, hier in seinem ersten englischsprachigen Film, in dem er den treuesten Verbündeten des Helden spielt, Shyam Sabu.

Sabu ist nämlich nicht nur der Taxifahrer, der Sandy und Stephanie ins Hotel bringt, nein, Drehbuchgott Zufall will es natürlich so, dass der Rubin erst in seinem Kofferraum landet und er sich danach als gut vernetzter Untergrundkämpfer erweist, der auch noch zig Homies für den Fight gegen Schurken wie Van Hoeven mobilisieren kann. Da rascheln die Drehbuchseiten überdeutlich, auch wenn Sandy und Sabu immerhin eine ganz gute Chemie entwickeln – wahrscheinlich sogar eine bessere als die von Sandy und seiner Angetrauten. Und so kämpft und witzelt man sich durch den einfachen Plot, der trotz verschiedener Parteien darauf hinausläuft, dass Sandy seine Holde aus den Klauen von Hauptschurke Van Hoeven befreien muss, alles andere ist nebensächlich und leider auch so inszeniert.

Aber immerhin macht Little das Beste aus der Ausgangslage des Films, der von Exploitation-Guru Nico Mastorakis („Hired to Kill“) geschrieben und geschnitten wurde. Dem größtenteils in Bangalore gedrehten Film sieht man den Dreh vor Ort positiv an, denn die Locations verbreiten schnell Abenteuerfeeling, zumal „Bloodstone“ gerade in Hälfte zwei einige nette Set-Pieces zu bieten hat, wenn die Helden des Finsterlings Handlanger prügelnd und schießend aus dem Weg räumen. Inszenatorisch fehlt der Drive von späteren Little-Actionkrachern wie „Zum Töten freigegeben“ oder „Rapid Fire“, aber immerhin gute Hausmannskost serviert „Bloodstone“ in dieser Beziehung.

„Bloodstone“ ist ergo kein zu Unrecht vergessener Genreklassiker, bietet aber solide Standardkost, die etwas unter den blassen Leads und dem 08/15-Script leidet, das diverse Motive aus Abenteuer- und Noir-Klassikern zusammenwirft. Doch „Bloodstone“ ist immerhin mit sicherer Hand inszeniert, besitzt Abenteueratmosphäre und Schauwerte in Form von Locations und Action. Nicht sonderlich memorabel, aber doch recht kurzweilig.

© Nils Bothmann (McClane)


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Cover

Mediabook Cover B der Blu-ray von Wicked Vision

Indien-ana Jones

Es gibt diese Kategorie von Filmklassikern, die einfach jeder Mensch auf der Welt liebt – so sehr, dass jene, die es nicht tun, mit argwöhnisch verkniffenen Augen gemustert werden. Solche Klassiker müssen etwas ganz Besonderes an sich haben, etwas, das einen universellen Nerv trifft. Die Sterne müssen günstig stehen, so dass etwas Einzigartiges, nicht Planbares, nicht Reproduzierbares entsteht. Wie ein Indiana Jones eben.

Das ist die eine Wahrheit. Die andere, die weniger romantische Wahrheit ist, dass es trotz aller Magie immer noch einer Formel bedarf, an die sich der Filmemacher zu halten hat. Verstößt er gegen die Formel, so einfach ist der Mensch dann doch auszurechnen, gibt es keine Liebe. Doch zumindest die Formel kann durchaus geplant und – ein wenig Geschick vorausgesetzt – fachmännisch reproduziert werden.

Nur wenige Formeln fußen auf einer derart klar definierten Kontur wie dem Edelstein, der sich durch seine unveränderlichen Eigenschaften zu einem wichtigen MacGuffin gleich mehrerer Genres gemausert hat. Nicht nur das Heist Movie ist ganz offensichtlich von ihm geprägt, sondern auch der Fantasy- und nicht zuletzt der Abenteuerfilm. Zumeist in verbotenem Terrain verborgen, spiegelt er traditionell die Begierden und Abgründe seiner Jäger. Schon durch seine bloße Existenz wirbelt er Staub auf; niemand bewahrt in seiner Anwesenheit die Fassung. Schweißperlen, hektisch getauschte Blicke, eine Ruhe vor dem Sturm löst er aus, nicht zuletzt den Sturm selbst, während er selbst eigentlich nur bewegungslos in der Pose verharrt und die kurzen Momente der Aufregung auf dem langen Zeitstrahl der Geschichte einfach an sich vorbeiziehen lässt.

Fachmännisch abgepaust

In dem von Nico Mastorakis geschriebenen Indiana-Jones-Epigon „Bloodstone“, das eigentlich ein Epigon zweiter Reihe ist, weil es Robert Zemeckis‘ „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ sogar noch mehr ähnelt, zeichnet sich die Formel so kristallklar im Bild einer jeden Szene ab wie eine Dolly-Schiene, die noch in die Kadrage ragt und die Illusion auflöst. Man kann den Weg des Rubins von Zeitungsartikeln durch Taschen und Kofferräume in Villain-Hände hinein wahrhaft blind vorzeichnen, bevor es überhaupt soweit kommt. Jede Bewegung ist exakt einstudiert, die Konstellation der Figuren und der Ablauf der Geschehnisse wird in keinem Detail dem Zufall überlassen.

So entstehen Situationen, wie man sie von einem Abenteuerfilm erwartet und sich insgeheim auch ein klein wenig erhofft; ein nonchalantes Gespräch eines abenteuerlustigen Paars im Zugabteil mit einem kauzigen Fremden zum Beispiel, in dem auch mal frei nach Hitchcock die Gebote des harmlosen Smalltalks aus den Angeln gehoben werden. Ein Schurke mit Telefonhörer am Ohr gestikulierend in seinem Büro stehend, das vor lauter Kitsch zu explodieren droht. Der Blick auf eine Großstadt in einem Land von unüberschaubarer Exotik. Und dann wäre da noch der einheimische Navigator, der sich so unbekümmert durch die Sets bewegt, dass der zugehörige Film seinen Rhythmus widerstandslos annimmt.

Das muss man allerdings so erst einmal hinbekommen. Von Christopher Neames blütenweißem Anzug, der die mysteriöse Verschlagenheit eines Ricardo Montalbán in „Fantasy Island“ (1977) mit der Hitzköpfigkeit eines Al Pacino in „Scarface“ (1983) kombiniert, bis zu Anna Nicholas‘ verschmitztem Lächeln, das ohne jeden Zweifel vom selben Waffenkaliber ist wie dasjenige von Karen Allen in „Jäger des verlorenen Schatzes“ (1981)… hier ist einfach alles mit Maßarbeit arrangiert, um maximale Wirkung zu erzielen. Die Dimensionen der Produktion verraten zwar, dass wir uns hier nicht gerade in der A-Klasse befinden, aber eben auch nicht in einem dieser völlig vogelwilden C-Movie-Kopiervorgänge, denen Qualitätssicherung ein Fremdwort ist. An Originalität mag es mangeln, an fundierter Analyse nicht; da wusste wohl jemand ganz genau, wie er die Bausteine zusammenzusetzen hat.

Indische Turbulenzen

Bedanken kann sich Mastorakis auch bei Dwight H. Little, dem er die Regie vor Ort überließ. Little war eher ein Späteinsteiger im Filmgeschäft, hatte aber mit dem Kalter-Krieg-Thriller „KGB – Der schmutzige Krieg“ (1985) und dem bereits Richtung Larger-Than-Life-Konzept schielenden Actioner „Inferno USA“ (1986) offenbar genug Meriten gesammelt, um auch für ein Indy-Replikat in Betracht gezogen zu werden. Little macht gerade angesichts der herausfordernden Drehumstände einen soliden, sauberen Job darin, eine Reihe von Vorgaben kompetent abzufilmen. Dabei profitiert er alleine schon von den – aus westlicher Sicht zumindest – alles andere als alltäglich wirkenden indischen Originalschauplätzen, die zwar der Globetrotter-Vielfalt eines teuren Major-Titels entbehren, in sich selbst jedoch immer noch genug Abwechslung bieten, um einen kompletten Film zu tragen, zumal die Mischung aus urbanen und natürlichen Landschaften sowie bunt ausgestatteten Innenraum-Dekors als ausgewogen zu bezeichnen ist.

An halsbrecherischen Stunts und aufwändig konzipierter Action mangelt es dem mit 1 bis 1,5 Millionen US-Dollar eher schmal budgetierten Streifen allerdings merklich. Es gibt eine an „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ (1984) angelehnte Sequenz um eine Hängebrücke über einem reißenden Strom, man wird Zeuge einer wilden Taxifahrt durch die engen Straßen der Stadt und eine Hängepartie an der Außenfassade eines Hotels steht ebenfalls auf dem Plan. Dann wird die Luft aber auch schon dünn. Aufgebote an reitenden Komparsen, Schwertkampfduelle und rituelle Prozessionen erinnern wiederum eher an alte Swashbuckler- und Orient-Verfilmungen aus den 50er Jahren als an moderne Kinounterhaltung der späten 80er.

Demgemäß verharrt „Bloodstone“ lieber bei seinen Basics und versucht sich zum Ausgleich für ausbleibendes Spektakel einfach an einer augenzwinkernden Charme-Offensive. Brett Stimely und Anna Nicholas versprühen durchaus eine naive Chemie und sind sich auch nicht zu schade, anrückende Schergen aus dem Badezimmer ihres Hotels heraus mit dem lustvollen Gestöhne frisch Verliebter zu verwirren, nur um sie Sekunden später mit blauen Bohnen zu versorgen. Jack Kehler in der Rolle des exzentrischen Fremden Paul Lorre erinnert durchaus an den Peter-statt-Paul Lorre aus „Mr.Moto“-Tagen.

Mit Charlie Brill in der Rolle eines Inspektors liefert er sich regelmäßige Slapstick-Duelle, die den Ton des Films manchmal aber arg ins Alberne driften lassen. Ein echter Clou ist die Besetzung des Taxifahrer-Sidekicks mit Rajinikanth. Weil der indische Superstar abgesehen von diesem einen Film nie eine Rolle in einer nicht-indischen Filmproduktion gespielt hat, könnte der westliche Zuschauer beinahe meinen, einen lokalen Komparsen vor sich zu haben, der womöglich im wahren Leben tatsächlich Taxi fährt und eher per Zufall in die Produktion gestolpert ist.

Sein eher untypischer Charme erschließt sich jedenfalls erst im Laufe der Geschichte, wenn er eine erfrischend andere Interpretation des klassischen Fremdenführer-Rollentypus liefert und dem eigentlichen Hauptdarsteller Brett Stimely so manches Mal die Show stiehlt. Hier gelingt dem Streifen dann auch mal die Illusion, nicht ganz und gar aus reinem Kalkül zu bestehen, auch wenn die rückwärts in den Mund geschnippte Zigarette als Markenzeichen Rajinikanths dann doch wieder daran erinnert, dass hier im Grunde alles aus inszenierter Pose besteht.

„Bloodstone“ – Die Budget-Variante der großen Klassiker

„Bloodstone“ zeichnet sich letztlich durch eine exzellente Beobachtungsgabe für die Eigenschaften der größten Abenteuer-Klassiker aus, was sich vom Casting über das Location Scouting und die Kostüme bis in die primären Faktoren Drehbuch, Produktion und Regie hinein durchweg bemerkbar macht. Während Robert Zemeckis mit dem ähnlich gearteten „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ im Indiana-Jones-Fahrwasser aber selbst fast schon ein Mini-Klassiker gelang, bleibt dem Dwight-Little-Streifen lediglich der Trostpreis und das Schicksal, über die Jahrzehnte vergessen worden zu sein. Um ähnlich innig geliebt oder zumindest respektiert zu werden wie die großen Vorbilder, hätte es wohl auch einfach etwas weniger Formel und etwas mehr Einzigartigkeit gebraucht. Vielleicht hätte aber auch einfach ein höheres Budget den Unterschied gemacht, denn: Die Knochen werden nun mal unsichtbarer, je mehr Fleisch an ihnen hängt.

Gute:

 

Informationen zur Veröffentlichung

Limited Collector’s Edition Nr. 87: Bloodstone

Man sollte meinen, Abenteuerfilme haben es grundsätzlich leicht, beim Publikum zu landen; allzu viele gibt es von ihnen ja nicht, und die meisten, die man so kennt, gehören zu den Dauerbrennern auf Fernsehern in aller Welt. Andererseits gibt es wohl kein Vorbeikommen an dem einen großen Klassiker seines Genres. Dahingehend teilt man sich wohl ein Schicksal mit den Dinosaurierfilmen, Fantasy-Epen und Space Operas dieser Welt.

Und so trug es sich zu, dass es ein Film wie „Bloodstone“ bei uns nie über die Videokassette hinaus geschafft hat. In den USA erschien vor gut 20 Jahren immerhin eine DVD, bevor Arrow den Streifen im Jahr 2020 in Großbritannien und den USA als Blu-ray in HD-Qualität neu auflegte, was natürlich perfekt in die große Nico-Mastorakis-Initiative des Labels passte, die außerdem Veröffentlichungen seiner Regiearbeiten „Hired to Kill“, „The Wind“, „Die Todesaugen“, „Maniac City“, „The Zero Boys“ und „.com for Murder“ umfasste. Wicked Vision zieht nun für den deutschen Markt nach und bringt die meisten Features der „Bloodstone“-Auslandsscheibe mit… und wie so oft noch einiges mehr.

Die Verpackung

Als Teil der langlebigen „Limited Collector’s Edition“-Reihe, die Ende des Jahres übrigens ihr zehnjähriges Jubiläum feiert, gehört natürlich auch der Blutstein in ein formschönes Mediabook eingepackt. Allerdings stehen diesmal nur zwei anstatt der oft üblichen drei Motive zur Auswahl. Das ist nicht das erste Mal, geht aber auch mit einer reduzierten Gesamtauflage einher, die nun bei 888 Stück liegt.

Cover A kennt man gemeinhin als das offizielle Kinoplakat zum Film, das auch schon der VHS als Klappenbild gedient hat. Der smaragdgrüne Hintergrund betont die Parallelen zu „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“, auch wenn Brett Stimely und Anna Nicholas hier nicht wie Michael Douglas und Kathleen Turner im Tarzan-Stil die Liane schwingen. Gefüllt ist die Fläche stattdessen mit Säbeln, Tigern, Pferden, orientalischen Dachkuppeln, Explosionen und einer Kobra, die Laserstrahlen aus den Augen schießt (zu VHS-Zeiten sogar mit integriertem Leucht-Gimmick) – also alles, was es braucht, um auf eine bunte Expedition eingestimmt zu werden. Dieses bekannte Motiv war bereits bei der Arrow-Disc als Wendecover enthalten und bekommt hier wenig überraschend die höhere Auflage von 666 Stück zugeteilt.

Asphalt Kid

„Bloodstone“ feiert gleichzeitig seine deutsche Blu-ray und DVD-Premiere.

Bleiben 222 Einheiten für das live zur Ansicht vorliegende Cover B. Das von Graham Humphreys angefertigte Arrow-Hauptcover wurde dafür nicht wiederverwertet; stattdessen setzte sich Jole Stamenkovic an eine neue Collage. Deren Stil orientiert sich deutlich am Originalposter, setzt aber bei der Grundierung lieber auf ein sattes Dottergelb, wodurch eher Lawrence-von-Arabien-Flair freigesetzt wird… oder auch jenes des Grüne-Diamanten-Sequels „Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil“. Beim Blick auf die Kulissen im Film möchte man sogar behaupten, es passe besser als das Originalmotiv. Durch Schattierungen finden auch Orangetöne in die Komposition und bilden die Brücke zum Rubin, der als rotes Ei zentral über dem ebenso roten Titel thront, als würde er in einer im Mediabook eingearbeiteten Fassung liegen.

Drumherum sind die vier wichtigsten Darstellerköpfe gemeinsam mit einigen Settings platziert. Wüsste man es nicht besser, könnte man Stamenkovics Motiv auch als Originalposter einer nie entstandenen Fortsetzung betrachten, bei der alle wichtigen Figuren zurückgekehrt sind. Diesem speziellen Motiv hätte vielleicht sogar wieder ein Mattdruck recht gut gestanden, idealerweise mit Spotlack für den Rubin; dennoch sieht das Hochglanzmotiv äußerst edel aus und ergänzt sich mit dem Original-Artwork ideal.

Innen wird das Zusammenspiel der beiden Grundfarben weiter fortgeführt. Die sandigen Hintergründe unter den Disc-Trays überzeugen mit verspielten Ornamenten und dezent eingearbeiteten Portraits von Stimely, Nicholas und Rajinikanth, während die Discs und das Booklet das Grün des Originalposters auftragen. Vorder- und Rückseite des Booklets nutzen dabei geschickt Ausschnitte des grünen Posters und lassen sie fast so wirken wie eigens angefertigte Spezialmotive.

Das Booklet zum Abenteuerfilm

Das eingefasste Booklet ist insgesamt 28 Seiten stark. Christoph N. Kellerbachs Essay erstreckt sich dabei über volle 25 Seiten, wobei der Text nur gelegentlich von halbseitigen Stills aufgebrochen wird. Mehr Auflockerung ist auch nicht nötig, denn die bunten Zwischentitel und äußerst schicken Zierhintergründe in Form dunkler, fliesenartiger Muster sorgen alleine schon für optische Abwechslung.

Inhaltlich findet der Autor mit den ungewöhnlichen Drehumständen äußerst dankbare Bedingungen für einen ausholenden Text vor. Schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass ein griechischer Autor und Produzent einen amerikanischen Regisseur nach Indien schickt, um dort mit einem der größten indischen Filmstars einen Abenteuerfilm für den internationalen Markt zu drehen und so die westliche und östliche Filmindustrie zu verschmelzen. Die Herausforderungen, die bei einem solchen Projekt entstehen, beschreibt Kellerbach in vielen überaus interessanten Details, die unter anderem Monsun-Regenfälle, schaulustige Rajinikanth-Fanatiker, aggressive Affen, Sabotage-Akte durch eine Terrororganisation und mehr beinhalten.

Mitunter entsteht der Eindruck, das eigentliche Abenteuer habe nicht im Film stattgefunden, sondern in den zugehörigen Dreharbeiten. Zwischendurch wird sogar noch ein Exkurs in Form eines neuen Interviews mit Kameramann Eric Anderson aus dem Jahr 2024 geboten, der sich bildhaft an die Dreharbeiten erinnert und die kulturellen Unterschiede, die er dabei beschreibt, ganz offensichtlich als besondere Erfahrung zu schätzen weiß, anstatt sie argwöhnisch zu betrachten. Kellerbach schließt seinen Text dann mit der Veröffentlichungshistorie, die in Indien wesentlich erfolgreicher verlief als in den USA, sowie einem Ausblick auf weitere Projekte der Beteiligten.

Das Bild

Das Bild wurde seinerzeit von Arrow vom Originalnegativ in 4K neu abgetastet. Je nach Sequenz hinterlässt es unterschiedliche Eindrücke. In Innenbereichen wie auch in den nächtlichen Außenszenen sind Handfackeln oft die einzige Leuchtquelle, so dass in den daraus entstehenden dunklen Kontrasten oft massives Rauschen entsteht, wenn die wenigen Lichtpartikel in die nicht ausgeleuchteten Bereiche vordringen. Tagsüber hingegen wirkt alles hell, freundlich, offen und übersichtlich. Khakifarbene Akzente durchziehen das Bild nicht nur durch die Kleidung der Einheimischen in der Stadt, sondern auch durch Felsstein und das milchige Wasser der Flüsse. Ansonsten ist „Bloodstone“ durch seine extravagante Ausstattung vor allem ein sehr bunter Film, der seine Farbenpracht trotz mäßiger Schärfe und teils heftigem Korn gut auszuspielen weiß. Im Gegensatz zur Videokassette ist das Bildformat nun auch erstmals auf 1,85:1 kadriert – auf der Blu-ray wie üblich in 1080p, auf der DVD in Standardauflösung.

Der Ton von „Bloodstone“

Die deutsche Synchronisation überzeugt zunächst einmal mit einer sehr kernigen Ansammlung von Stimmen, wie es sie heute gefühlt seltener geworden sind, auch wenn man darüber streiten kann, ob ein Martin „Russell Crowe“ Umbach auf den blonden, strahlenden Helden passt, oder ein Ekkehardt „Steven Seagal“ Belle auf einen atypischen Action-Sidekick wie Rajinikanth (wobei…). Der in Stereo abgemischte Sound-und-Effekt-Track verteilt sich dynamisch über die beiden Kanäle. Im Grunde purzelt, klingelt oder poltert es permanent irgendwo; da ist das Zischen einer Schlange oft nur Sekunden vom Knurren eines Tigers entfernt.

Der Soundtrack mischt indische Folklore mit typischen Spannungsmitteln westlicher Action- und Spannungsserien damaliger Zeit; von der Bongo zum Drumcomputer ist es oft nur ein kleiner Sprung. Auch der englische Originalton ist natürlich in Stereo-Abmischung dabei und hat darüber hinaus sogar noch einen 5.1-Surround-Track mit an Bord, der gerade den Soundtrack noch effektiver um die Stimmen herum zu drapieren weiß. Übrigens ist auch der O-Ton nicht frei von Synchronisation, befand Nico Mastorakis die Stimme von Hauptdarsteller Brett Stimely doch laut etlicher Quellen im Bonusmaterial als zu sanft, um vor dem Publikum zu bestehen, so dass zumindest er in der Postproduktion eine neue Stimme bekam.

Skurril übrigens, dass es neben den üblichen englischen und deutschen Untertiteln diesmal auch griechische zur Auswahl gibt. Das hat sicherlich mit dem Mitwirken von Nico Mastorakis zu tun, zumal dessen „The Wind“ damals ebenfalls mit griechischen Untertiteln ausgestattet war.

Die Audiokommentare

Eine „inzwischen bewährte Zweier-Konstellation“ nennt derweil Dr. Kai Naumann seine Mitwirkung im Audiokommentar mit Wicked-Vision-Mitarbeiter Laurent Ohmansiek, die fürwahr nicht zum ersten Mal so zusammenkommt, wobei es auffällig ist, dass die Beiden dazu tendieren, sich vor allem die Videotheken-Perlen aus dem Portfolio zu picken. „Bloodstone“ passt da perfekt ins Schema, weshalb auch bei jeder Gelegenheit die Vorzüge dieser Sorte Film hervorgehoben wird, ohne die Mängel natürlich auszuklammern. Naumanns eher filmwissenschaftliche Herangehensweise harmoniert gut mit Ohmansieks leicht nerdigem Ansatz, wobei Letzterer immer wieder mit Details zur Produktion wie zum Genre an sich zu glänzen weiß, was gleichermaßen für eine grundlegende Expertise wie auch für eine gute Vorbereitung spricht. Wenn sich zwischendurch mal Lücken ergeben, werden auch mal die Biografien der Beteiligten vertieft. Die Mischung aus lockerer Unterhaltung und fundierter Analyse passt gut und darf in Zukunft gerne weiterhin stattfinden.

Dabei hätte es den Kommentar ja eigentlich gar nicht zwingend gebraucht, denn mit Voice-Overs ist die Scheibe auch so bereits gut bestückt. Zwei englischsprachige Kommentare (mit optionalen deutschen Untertiteln) sind nämlich auch an Bord. Michael Felsher, Produzent, Cutter und Regisseur unzähliger Video-Streifen und Making Ofs vornehmlich aus dem Horror-Sektor, übernimmt die Moderation in dem Audiokommentar mit Regisseur Dwight H. Little. Wenn man möglichst viel über die Dreharbeiten selbst erfahren möchte, ist man hier natürlich richtig. Der Regisseur thematisiert etliche Herausforderungen und nimmt oftmals sehr konkret Bezug auf die jeweils gerade gezeigte Sequenz.

Der zweite englische Kommentar bietet einen Solo-Auftritt des in New York ansässigen Journalisten Bryan Reesman, der nicht nur im filmischen Bereich aktiv ist, sondern auch Inhalte zu Literatur über Musik aus dem weiteren Bereich des Rock-Genres beigesteuert hat. Reesman legt ein höllisches Sprachtempo vor und neigt dazu, seine Punkte wie von einer Liste abzuhaken, ist aber trotzdem darum bemüht, eine informelle Tonalität beizubehalten. Beide Kommentare sind damit gleichermaßen informativ, ergänzen sich aber dahingehend, dass der eine aus der Mittendrin-Perspektive beschrieben ist und der andere mit einem Blick von außen.

Interview mit Nico Mastorakis

Wer es nicht so mit reinem Gequassel ohne Bild hat, findet im Bonus-Bereich noch zusätzliches Beschäftigungsmaterial. „Keepin‘ it to myself“ (28 Min.) ist ein sogenanntes „Selfie-Interview“, was bedeutet, dass Produzent und Drehbuchautor Nico Mastorakis mit einem iPhone durch seine Gemächer spaziert und mit seiner markanten Reibeisenstimme und ironischem Zwinkern in die Kamera spricht. Diese unkonventionelle Lösung geht auf die Covid-Pandemie zurück, die grassierte, als das Video für die im Juli 2020 veröffentlichte Arrow-Scheibe aufgenommen wurde, und die es verhinderte, dass sich ein Filmteam mit Mastorakis treffen konnte. Während er über die Produktion von „Bloodstone“ referiert, flimmern großzügig Ausschnitte aus einigen von seinen anderen Produktionen über den Screen. Darüber hinaus werden gegen Ende des Beitrags noch einige Outtakes aus den Privatarchiven präsentiert (Badewanne / Hotelraum / Festraum), die bis dahin nie veröffentlicht worden waren.

Asphalt Kid

Links: Nico Mastorakis trotzt Corona und nimmt auf eigene Faust per iPhone ein Interview mit sich selbst auf. Rechts: Der indische Superstar Rajinikanth mit dem Objekt der Begierde.

Video Essay über Rajinikanth

Auch ein mit Bildern unterlegtes Audio-Interview über Rajinikanth (22 Min.) ist mit an Bord. Sprecher Josh Hurtado hat abgesehen von diesem einen Beitrag derzeit keinen Credit in der imdb, wird aber von verschiedenen Quellen als Filmenthusiast mit Affinität zum internationalen Independent-Kino und insbesondere zum zeitgenössischen indischen Kino beschrieben. Wer mehr über den Nebendarsteller von „Bloodstone“ wissen will, der mit seiner unangepassten Performance sicher auch bei Zuschauern Eindruck hinterlassen hat, die ihn bis dahin nicht kannten, wird in diesem Beitrag mit einem ausführlich dargelegten Werdegang bis hin zu einem der größten Superstars des indischen Kinos belohnt. Schade höchstens, dass den Monolog nicht interessante Archivfotos begleiten, sondern lediglich Bilder aus dem Hauptfilm.

Trailer und Bildergalerie

Abschließend folgt noch der englische Trailer sowie eine 4-minütige Bildergalerie bestehend aus Produktionsfotos.

Diesmal ist die DVD übrigens inhaltlich identisch mit der Blu-ray. Wer also dem SD-Format treu geblieben ist, muss keine Abstriche machen.

Fazit zur „Bloodstone“-Veröffentlichung von Wicked Vision

Damit wurde also ein weiteres Juwel aus dem Nil – ähm, Unsinn, aus dem Vrishabhavathi River natürlich – geborgen und ist bereit, als rot leuchtendes Kleinod fortan die Regale von Abenteuerfilmfans zu schmücken, die offen sind für die verschmähte Videothekenware der zweiten Reihe. Wer „Indy“ und „Quatermain“ sagt, muss nicht zwingend „Bloodstone“ sagen… aber wenn man einmal im Fieber ist, liefert die „Poor Man’s Version“ der großen Klassiker – Zitat aus einem Audiokommentar -, in einer hübschen und gut ausgestatteten Edition bestes Ergänzungsfutter.

Bildergalerie zum Abenteuerfilm von Dwight H. Little

Bloodstone

Man wüsste gar nicht, was man auf der Kirmes lieber gewinnen würde, das Plastikschwert oder den Plastikrubin.

Bloodstone

In indischen Zügen kommt man garantiert mit interessanten Fahrgästen ins Gespräch.

Bloodstone

Über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Bloodstone

Dank Charlie Brill (l.) und Jack Kehler (r.) mangelt es „Bloodstone“ an Slapstick wahrlich nicht.

Bloodstone

Ein knallrotes Gummiboot ist das aber nicht.

Bloodstone

„Indiana Jones und der Tempel des Todes“ für den schmalen Geldbeutel.

Bloodstone

Wenn man die Augen zukneift, sieht man B.A. und Face aus dem „A-Team“.

Bloodstone

Nobel geht die Welt zugrunde.

© Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Wicked Vision / VPS__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Unbekannt__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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