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Bloodsucking Bastards

Originaltitel: Bloodsucking Bastards__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Brian James O`Connell__Darsteller: Fran Kranz, Pedro Pascal, Joey Kern, Joel Murray, Emma Fitzpatrick u.a.

Bloodsucking Bastards

Bloodsucking Bastards Mediabook Cover B

Mediabook Cover B von “Bloodsucking Bastards”

Würde man eine Umfrage in Auftrag geben, in der es darum ginge, das beliebteste Monster der Filmgeschichte zu ermitteln, der Vampir würde höchstwahrscheinlich den obersten Rang erklimmen. Als eines der ältesten Geschöpfe, das je auf Zelluloid gebannt wurde, wusste es schon immer, mit der Evolution des Films mitzugehen. Es musste sich dazu nicht einmal über längere Zeiträume in tiefster Dunkelheit verstecken.

Zwar kam es vor, dass der Horrorfilm mit neuartigen Entwürfen moderner Schreckgestalten Quantensprünge vollzog… der blutsaugende Nachtwandler wurde in diesen Phasen auch mal zum ausgedienten Relikt erklärt und auf das Abstellgleis verwiesen. Man musste jedoch stets damit rechnen, dass er über kurz oder lang wieder an den Nabel der Popkultur zurückkehren würde, perfekt angepasst an die neuen Umweltbedingungen.

Zu verdanken hat er das seiner unvergleichbaren Wandlungsfähigkeit, über die er ironischerweise gerade deswegen verfügt, weil sie auf alten mythologischen Grundlagen aufbauen kann. Erst weil jedes Kind weiß, dass Knoblauch, Kreuze, Weihwasser, Pfähle und Sonnenlicht als Abwehrmittel gegen den Vampir verstanden werden, kann es ihm überhaupt erst gelingen, sich darüber hinwegzusetzen. Und wenn die osteuropäischen Wurzeln schon so früh in der Filmgeschichte gekappt wurden und die ganze Welt erobert werden konnte, wieso sollten Vampire viele Jahrzehnte später nicht auch die Chefsessel in den höheren Etagen einer Firma einnehmen?

Das fünfköpfige Comedy-Kollektiv „Dr. God“ präsentiert ein Szenario, in dem Vampirismus sinnbildlich für die parasitäre Aushöhlung kleinerer Mitarbeiter (und auch der Kunden) zur Profitmaximierung eines Unternehmens steht. Der Titel „Bloodsucking Bastards“ ist dabei als freundlicher Gruß an die Manager-Abteilung zu verstehen, unterzeichnet von der gesammelten White-Collar-Trägerschaft, abgestempelt mit einem saftigen Mittelfinger. Insofern gar keine dumme Idee, dem Büro-Typus „dynamischer Power-Manager“ die Eigenschaften eines Vampirs zuzuschreiben, denn wenn man sich mal durch die Klassiker des Vampirfilms wühlt, fällt doch eines auf: Vampire agieren um ein Vielfaches effizienter als „normale“ Menschen. Erfüllung finden sie nur beim Aussaugen ihrer Opfer. Und Spaß haben sie keinen an ihrem Leben, geschweige denn, dass sie überhaupt ein Leben jenseits ihrer blutsaugenden Bestimmung hätten.

Obwohl sich eine uralte Gestalt wie der Vampir zwischen Druckern, Kaffeemaschinen und Schreibtischen wohl seines ursprünglichen Heimvorteils beraubt fühlen dürfte, ist „Bloodsucking Bastards“ nicht unbedingt ein Film, der sich so kontemporär wie möglich geben würde, nur um einen möglichst hohen Kontrast zwischen alten transsylvanischen Schlössern und dem modernen Zeitgeist zu erzeugen. Es ist nicht das Produktionsjahr 2015, auf das man es gezielt abgesehen hat, auch wenn „Human Resources“ für die Personalverwaltung und „Management“ für Delegationsarbeiten nach wie vor beliebte Kodierungen sind. Smartphones, digitale Verknüpfung und State-Of-Art-Kommunikationstechnologie spielen aber für den hier dargestellten Büroalltag im Vergleich zu „Klassikern“ wie Kaffeebecher, Büroklammern und Zimmerpflanzen eine untergeordnete Rolle. Möchte man die getroffene Stimmung einordnen, bietet sich der Finanzkapitalismus der 80er im Übergang zum grauen Büro-Mief der 90er Jahre an: Großraumbüros für die kreativen Köpfe, festgezurrte Arbeitszeiten, Kaffeekränzchen in der Küche, alberne Wetten und billige Insider-Gags („Bam Snap!“). Dass Joey Kern einen überaus hässlichen Schnurrbart zu seinem Diensthemd trägt, beschleunigt die Zeitreise von der Postmoderne zurück in die Moderne noch einmal enorm.

Schaut in den Trailer zu “Bloodsucking Bastards” hinein

Erst auf diese Weise können Dr. God ihre trockenen Gags überhaupt festzurren, denn mit Skype for Business, Home Office und stylishen Designer-Büros inklusive Kuschel-Ecke ließe sich vielleicht die Ich-Bezogenheit des modernen Großstadt-Hipsters vorführen, doch um die Anzapfung des willenlosen Büroarbeiters zu thematisieren, ist ein 20 Jahre zurückliegender Berufsethos als Dekor nicht falsch gewählt. Man braucht allerdings ein wenig Zeit, um sich an die Arschloch-Attitüde der gesammelten Firmenbelegschaft zu gewöhnen (jawohl: Nicht nur die Chefs benehmen sich daneben, auch die Mitarbeiter, inklusive Helden und Sidekicks, bekommen durchaus ihr Fett weg). Der Humor ist sehr speziell und könnte auf den ersten Blick arrogant erscheinen, entfaltet sich aber spätestens ab Filmmitte, wenn die ersten Andeutungen einer Übernahme des Büros durch die untoten Beißer gestreut werden. Pedro Pascal (“The Great Wall“), der den Antagonisten spielt, wird zwar in ein absolutes Schmierlappen-Klischee gedrängt und sieht sich gegen Ende durch eine typische „Villain erklärt seine teuflischen Pläne“-Situation in Verlegenheit gebracht. Er bringt aber einem Rollentypus, den zwischenzeitlich ein Neil Patrick Harris als Barney in „How I Met Your Mother“ zum Sympathieträger erklären wollte, die rechtmäßige Schmierigkeit zurück.

Überhaupt hat die gesammelte Office-Crew reichlich Unterhaltungspotenzial. Emma Fitzpatrick und Hauptdarsteller Fran Kranz (“Der Dunkle Turm“) sind zwar die Protagonisten eines wenig überzeugenden Nebenplots um unerfüllte Liebesgeständnisse, machen aber gemessen an dieser Drehbuchschwäche einen durchaus akzeptablen Job. Lebendig wird es am Arbeitsplatz jedoch vor allem durch die starken Nebencharaktere. Ob nun der rückgratlose Boss wieder einen seiner Untergebenen vertröstet, der Praktikant mit der Müllentsorgung beauftragt wird oder der große, schwarze Wachmann unbemerkt in jeder Situation zugegen zu sein scheint (hellwach dank Red Bull), die Autoren zeigen eine besondere Stärke darin, ihre Gags organisch auf die komplette Besetzung zu verteilen – und das, ohne jede Pointe erzwungen mit einem lauten *badumm-tss* zu untermalen.

Der Comedy gilt also das Hauptaugenmerk, das Horror-Element ist somit eher ein rhetorisches Mittel, um den Witz bildhaft an den Mann zu bringen. Artworks zum Film und Trailer-Ausschnitte mit blutgetränkten Bürohengsten könnten bei Freunden von Vampir-Splatter womöglich falsche Erwartungen wecken. Es landet zwar auch mal ein Schneidwerkzeug in einem Schädel und getroffene Vampire (mit handwerklich sehr gelungener, wenn auch im Design eher konventioneller Maske) zerplatzen äquivalent zur „Blade“-Reihe wie reife Früchte mit einer roten Explosion aus zerstäubtem Blut, was dann wohl auch das ungepflegte Äußere der Darsteller im letzten Akt erklärt. Wie die Putzfrau im finalen Gag des Films bekommt aber auch der Zuschauer überwiegend die Konsequenzen zu sehen, seltener den Akt selbst.

Als Zuschauer empfindet man immerhin ein gewisses Vergnügen dabei, zu beobachten, wie die Ordnung der Bürowelt langsam auf den Kopf gestellt wird – ein noch stärkeres Auskosten des Blutbeutel-Klimax, der in der vorliegenden Form „ganz okay“ ausgefallen ist, damit hätte dieses Vergnügen noch um ein Vielfaches gesteigert werden können. Eine ausladende Splatterbombe in geistiger Verwandtschaft zum legendären From-Dusk-Till-Dawn-Massaker, damit wäre das staubtrockene „Office Space“-Vakuum erst so richtig angemessen geflutet worden. Aber immerhin: Die artifizielle Manager’s-Point-Of-View-Idealwelt wie aus einem Compliance-Kurs-Video wird zur Freude des Zuschauers bereits von Anfang an durch die Mitarbeiter sabotiert, die sich zu keinem Zeitpunkt so benehmen, wie man sich benehmen sollte. Da braucht es nicht einmal unbedingt rollende Köpfe und Innereien-Konfetti. Wer selbst 40 Stunden pro Woche oder mehr im Büro verbringt, wird schon die respektlose Nonchalance von Joey Kern mit einem diebischen Grinsen zur Kenntnis nehmen und davon träumen, auch mal so auf die Kacke zu hauen.

Es ist schwer, für „Bloodsucking Bastards“ eine grundsätzliche Empfehlung auszusprechen, einfach weil der Humor schon ein sehr eigenwilliger ist. Allerdings spielen sich die Akteure doch sehr elegant die Bälle zu und sorgen damit für reichlich doofe Situationen, über die man eigentlich gar nicht lachen will, weil sie so bescheuert sind… doch irgendwann kann man nicht anders. Ja, der Plot ist banal, Vampire sind abgenudelt, und doch funktionieren sie als Metapher auf wirtschaftliche Methoden der Effizienzsteigerung erstaunlich gut.

Sehr gute
6 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “Bloodsucking Bastards”

Bloodsucking Bastards Mediabook Cover C

Mediabook Cover C von “Bloodsucking Bastards”

Für das hauptsächlich auf vergessene Genre-Perlen spezialisierte Label ist ein 2015 gedrehter Film sicherlich eher ungewohntes Metier; andererseits sind Wicked-Vision ja so etwas wie die Heimat der Vampire, da sei einem Jungspund wie „Bloodsucking Bastards“ doch die Chance vergönnt, sich seine Meriten im Stall der Alten zu verdienen.

Von den drei Juni-Veröffentlichungen aus dem Hause Wicked-Vision ist diese Kollaboration mit Donau Film die einzige, die nicht in die „Limited Collector’s Edition“-Reihe aufgenommen wurde. Von außen gibt es zunächst kaum sichtbare Unterschiede. „Limited Uncut Edition“, vermeldet die Banderole auf dem Deckblatt diesmal, ansonsten passt alles in die gewohnte Form: Schickes Hochglanz-Mediabook mit Blu-ray und DVD, drei Cover-Motive zur Auswahl, 24-seitiger Buchteil. Marco Erdmann lässt sich auf achtzehneinhalb Seiten (unterbrochen von Szenenfotos) über die Geschichte des Vampirfilms von anno dazumal bis heute aus – dem Hauptfilm werden nur eineinhalb Seiten gewidmet, die sich auch noch in erster Linie mit den Schauspieler-Biografien beschäftigen. Das ist schon schade, denn auch wenn ausufernde Einleitungen mit Rückblick auf das Genre-Kino zur Einbettung sicherlich erlaubt sind, so sollte doch auch ein wenig über den Film geschrieben werden, um den es geht. So kommt der Eindruck auf, es gebe schlichtweg nichts Sinnhaftes über ihn zu sagen, was definitiv nicht den Tatsachen entspricht.

Die Menge der Extras auf Disc ist diesmal überschaubar, was möglicherweise zu der Entscheidung führte, diese Veröffentlichung nicht in die „Collector’s Edition“-Reihe aufzunehmen. Die knappe Viertelstunde Extra-Material umfasst drei Trailer zum Film (zwei deutsche, ein englischer), ein kurzes Hinter-den-Kulissen-Feature, eine Runde verpatzter Szenen sowie drei Promoclips, die aus den Winkeln einer Überwachungskamera aufgezeichnet sind. Die englischsprachigen Features verfügen ebenso wie der Hauptfilm komplett über deutsche und englische Untertitel.

Bloodsucking Bastards Mediabook Cover A

Mediabook Cover A von “Bloodsucking Bastards”

Über deutsche Untertitel verfügt auch der Audiokommentar. Dieser wurde von der fünfköpfigen Dr.-God-Gruppe (die u.a. den Regisseur umfasst) eingesprochen – und besteht aus viel Gelächter und Geselligkeit. Man könnte meinen, die Herrschaften gehörten zur Büroeinrichtung des Films, über den sie sich amüsieren.

„Bloodsucking Bastards“ liegt im Originalformat 2,39:1 vor. Ganz schön breit für einen Streifen, der überwiegend in Bürogebäuden spielt; es gibt auf jeden Fall Szenen, die die Frage aufwerfen, ob das Format sinnvoll gewählt ist. Die Farben wirken ein wenig blass, aber das hat natürlich auch mit dem Setting zu tun – nachvollziehbar, dass ein Film, der triste Büroumgebung zeigen möchte, nicht in knalligen Farben erstrahlen kann.

Sowohl Deutsch als auch Englisch können im Format DTS-MA HD 5.1 angewählt werden. Auf dem Backcover ist für den englischen Ton zusätzlich eine Stereo-Tonspur angegeben, verfügbar ist diese tatsächlich aber ausschließlich auf der Blu-ray. Dies ist das einzige Feature, das auf der DVD fehlt, ansonsten entspricht sie inhaltlich dem Hauptdatenträger.

Unter dem Strich ein überraschend launiger Vampirstreifen irgendwo zwischen Kopierern und Chartboards, der auf dem Blu-ray/DVD-Set angemessen präsentiert wird. Da freut man sich doch darauf, das Mediabook nach Begutachtung zu den Akten zu legen…

Sascha Ganser (Vince)

Bildergalerie von “Bloodsucking Bastards”

Bloodsucking Bastards

Fran Kranz erkundet gemeinsam mit Emma Fitzpatrick die unergründlichen Kommunikationsprobleme zwischen Mann und Frau.

Bloodsucking Bastards

Typische Exemplare der Spezies “Arbeitstier” in Aktion.

Bloodsucking Bastards

Gemeinhin wird unterschätzt, wie knüpppelhart die Arbeit am PC sein kann.

Bloodsucking Bastards

Pedro Pascal (r.) ist als schmieriger Manager eine Idealbesetzung.

Bloodsucking Bastards

Die Anwesenheit von Vampiren hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass die Raumtemperatur schlagartig sinkt. “Bloodsucking Bastards” legt Wert darauf, solche feinen Details optisch darzustellen.

Bloodsucking Bastards

Die Vampir-Maske strebt zwar spürbar den großen Vorbildern wie “From Dusk Till Dawn” nach, ist aber solide umgesetzt.

Bloodsucking Bastards

Trockener Humor trifft auf saftige Blutspritzer.

Bloodsucking Bastards

Der schlimmste Blutsauger von allen ist eben immer noch der Anwalt.

Bloodsucking Bastards

Asterix (r.) sieht angewidert zu, wie Obelix (l.) sich den Zaubertrank einverleibt.

Bloodsucking Bastards

Praktisch, so ein Gemetzel, da muss man sich gar keine Gedanken mehr über die Innendekoration machen…

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Copyright aller Filmbilder/Label: Wicked Vision / Donau Film__FSK Freigabe: FSK16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja / Ja

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